Fachhochschule Köln
Fachbereich Wirschaft
Schwerpunkt Personalwesen
Diplomarbeit
(Drei-Monats-Arbeit)
Zur Erlangung
des Diplomgrades
Diplom-Betriebswirt
in der Fachrichtung Wirtschaft
"Der wirtschaftliche Nutzen der türkischen Arbeitnehmer für die Bundesrepublik
Deutschland sowie deren gesellschaftliche Probleme"
Eingereicht beim Referenten
Prof.Dr.rer.pol.Dipl.-Kfm.Hans Riedel
vorgelegt am 14.November 1983
von cand. Mine Sak
aus Tekirdag-Türkei
II.1. Die Entwicklung der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer
II.1.1. Die Entwicklung der Beschäftigung der türkischen Arbeitnehmer seit 1960
II.1.2. Regionale Verteilung der türkischen Arbeitnehmer im Bundesgebiet
II.1.3. Die Verteilung der türkischen Arbeitnehmer auf die einzelnen Wirtschaftssektoren
II.1.4. Die Verteilung der türkischen Arbeitnehmer nach Männern und Frauen
II.1.5. Konjunkturelle Schwankungen der Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer
III.1. Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und auf die Lohnentwicklung
III.2. Auswirkungen auf die Gütermärkte
III.2.1. Wirkungen auf das Güterangebot
III.2.2. Wirkungen auf die Güternachfrage
III.2.2.1. Nachfrage nach Investitionsgütern für die Einrichtung von Arbeitsplätzen für türkische Arbeitnehmer
III.2.2.2 Nachfrage nach Konsumgütern
III.2.2.3. Nachfrage nach Wohnraum
III.2.2.4. Nachfrage nach Investitionsgütern für die Infrastruktur
III.3. Zusammenfassung
IV.1. Stabilität des Preisniveaus
IV.2. Kapitalbildung
IV.3. Zahlungsbilanz
IV.3.1. Direkter Einfluß
IV.3.2. Indirekter Einfluß
IV.4. Ergebnis
V.1. Die Anpassungsbereitschaft der türkischen Arbeitnehmer
V.2. Darstellung der größten Anpassungsschwierigkeiten
V.2.1. Türkische Meinungen über die hauptsächliche Schwierigkeit der Anpassung
V.2.2. Die Unterbringung
V.2.2.1. Zahl der Personen in einer Wohnung
V.2.2.2. Häufigkeit des Wohnungswechsels
V.2.2.3. Meinungen über die Wohnungssituation
V.2.3. Sprachkenntnisse
V.2.4. Kontaktschwierigkeiten
V.2.4.1. Zahl der eingegangenen Bekanntschaften mit Deutschen
V.2.4.2 Freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen anderen Geschlechts
V.2.4.3. Erfahrungen mit Diskriminierung
V.2.4.4. Die soziale und religiöse Betreuung
V.2.4.5. Freizeitgestaltung
V.2.4.5.a. Zum Verhältnis Arbeit - freie Zeit
V.2.4.5.b. Länge der Freizeit
V.2.4.5.b.(1) Geselligkeit und Familien
V.2.4.5.b.(2) Vereine
V.2.4.5.b.(3) Kino, Tanzlokal, Gaststätte, Theater, Konzert, Vorträge, Volkshochschule
V.2.4.5.b.(4) Religiöse Veranstaltungen
V.2.4.5.b.(5) Sport
V.2.4.5.b.(6) Radio, Fernsehen, Tonband, Video
V.2.4.5.b.(7) Lesen von Zeitungen, Büchern und Zeitschriften
V.2.4.5.b.(8) Richtung des politischen Interesses
V.2.5. Anpassungsprobleme im Betrieb
V.2.6. Schwierigkeiten mit deutschen Gesetzen
V.3. Rückkehrabsichten der türkischen Arbeitnehmer
VII.1. Liste der Schaubilder
VII.2. Liste der Tabellen
VII.3. Fragebogen
VII.4. Literaturverzeichnis
VII.5. Fußnoten
Im neunzehnten und am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts fanden große
Bevölkerungsbewegungen aus einigen europäischen Ländern in andere Länder statt,
besonders auch nach Amerika. Etwa 51 Millionen Europäer wanderten aus ihrem Kontinent aus
(Fn001). Sowohl wirtschaftlicher als auch politischer Druck im eigenen Lande zwang sie
dazu; außerdem beeinflußte sie die Unterstützung, die ihnen von den Aufnahmeländern
angeboten wurde, sowie die Erwartung, dort neue Arbeitsgelegenheiten zu finden. Mangel und
Verteilung des Bodens, Unterbeschäftigung, niedrigerer Lebensstandard, politische Unruhen
und Verfolgungen machten den ständigen Aufenthalt in ihrer Heimat von Tag zu Tag
schwerer. Sie suchten Freiheit und Gelegenheit für einen neuen Anfang. Sie wanderten aus
Europa mitsamt ihren Familien aus. Der größte Teil der eingewanderten Arbeitskräfte
liess sich für immer in der neuen Heimat nieder.
Europäische und amerikanische Kapitalinvestitionen in den ausgedehnten, neubesiedelten
Ländern trafen die erforderliche Vorsorge für die Beschäftigung der Millionen von
Menschen.
Diese Bevölkerungsbewegungen aus den europäischen Ländern gingen im Laufe der Zeit
zurück. Außerdem wurden durch bestimmte Kontrollen die Einwanderungsmöglichkeiten
erheblich beschränkt, allerdings nicht für qualifizierte Arbeitskräfte. Nach dem
zweiten Weltkrieg haben sich die Motive der Auswanderung wesentlich geändert.
Vor allem als Folge der wirtschaftlichen Expansion in einigen europäischen Ländern,
darunter besonders in der Bundesrepublik Deutschland, wurde eine Bevölkerungswanderung
aus den unterentwickelten Gebieten Europas in die industrialisierten Länder
hervorgerufen. Man kann die wichtigsten Ursachen dieses Phänomens wie folgt
zusammenfassen: einerseits anhaltende Nachfrage nach Arbeitskräften bei fortgesetztem
Konjunkturaufschwung und hohem Wachstumstempo, andererseits außerordentliche Belastung
des Arbeitsmarktes durch den Krieg sowie geringere Zuwachsraten der Bevölkerung,
Verringerung der Zahl der aus den allgemeinbildenden Schulen Entlassenen und die
Verkürzung der Arbeitszeit hatten eine steigende Nachfrage nach ausländischen
Arbeitskräften zur Folge.
Der Unterschied zwischen beiden Auswanderungsbewegungen liegt darin, daß die Auswanderung
im 19. und am Anfang des 2O. Jahrhunderts dazu beitrug, unbesiedelte Gebiete zu
bevölkern, während die heutige Auswanderung sich sicherlich auf offene Arbeitsstellen
konzentriert, die durch das Wirtschaftswachstum geschaffen worden sind.
Die Aufnahmeländer in den früheren Jahren begruessten die Einwanderer als dauerhafte
Bürger, und man versuchte sie zu integrieren und sogar zu assimilieren. Im Gegensatz zu
dieser Entwicklung betrachten heutzutage die europäischen Aufnahmeländer die
eingewanderten Arbeitskräfte als Ersatz für den Mangel an eigenen Arbeitnehmern. Die
ausländischen Arbeitskräfte sind vorübergehende Einwohner, die vor allem die Diskrepanz
zwischen Arbeitsnachfrage und -angebot überwinden sollen.
Sie werden als "Gastarbeiter" behandelt. Darunter versteht man, daß sie so
lange beschäftigt werden können, wie der konjunkturelle Aufschwung in den
Aufnahmeländer anhält.
Die Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer in hochindustrialisierten Ländern, besonders
in der Bundesrepublik Deutschland, ist ein neues Phänomen. Die Auswanderung der
türkischen Arbeitskräfte begann erst im Jahre 1961.
Seitdem ist die Anzahl der Türken in der Bundesrepublik Deutschland sowohl prozentual als
auch absolut angestiegen. Zwei ökonomisch bedingte Gründe haben eine bedeutende Rolle
bei der Auswanderung gespielt,
1. Die wirtschaftliche Lage der Türkei, die die Arbeitskräfte zwang, ins Ausland
auszuwandern,
2. Die Anzahl der offenen Stellen in der Bundesrepublik Deutschland hat sich von Jahr zu
Jahr trotz umfangreicher und beschleunigter Aufnahme ausländischer Arbeitskräfte
erhöht.
In der vorliegenden Arbeit soll zunächst kurz die Entwicklung und Struktur des Bestandes
an türkischen Arbeitnehmern in der Bundesrepublik Deutschland dargestellt werden.
Anschließend soll versucht werden, die Auswirkungen der Anwesenheit türkischer
Arbeitnehmer auf die gesamtwirtschaftliche Situation der Bundesrepublik zu analysieren.
Solche Konsequenzen können sich sowohl aus dem besonderen Sparverhalten türkischer
Arbeitnehmer als auch aus der Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer durch im Inland
tätige Unternehmen ergeben. Beiden Problemkreisen ist jeweils ein eigener Abschnitt
gewidmet. Abschließend werden, über die rein wirtschaftliche Betrachtungsweise
hinausgehend, gesellschaftliche Integrationsprobleme türkischer Arbeitnehmer auf der
Grundlage empirischer Erhebungen untersucht.
Auf Grund der wirtschaftliche Expansion seit 1950 wurde die Grenze der Vollbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland erreicht, so daß bei fortschreitendem Wachstum die vorhandenen Arbeitskräftereserven ausgenutzt wurden, und Einkommen, Verbrauch und Preise beträchtlich anstiegen. Es schien nicht möglich zu sein, den Mangel an Arbeitskräften durch Rationalisierung und Mechanisierung in kurzer Zeit auszugleichen. Eine Untersuchung des Ifo-Instituts München zeigt, daß die Verminderung des Gesamtbedarfs an Arbeitskräften durch Technisierung oder Automatisierung nicht gelungen ist (Fn002). Andererseits zeigte sich wegen der Altersstruktur der Bevölkerung, der Verringerung der Zahl der aus den allgemeinbildenden Schulen Entlassenen und der Verkürzung der Arbeitszeit kein günstiges Bild auf der Angebotsseite der deutschen Bevölkerung (Fn003). Doch es stand ein Ausweg zur Verfügung, um den raschen Lohnanstieg zu bremsen: die ausländische Arbeitnehmer hereinlassen. Die zeitliche Entwicklung der Beschäftigtenzahl ausländischer Arbeitnehmer vollzieht sich keineswegs für die verschiedenen Nationalitäten parallel. Zunächst wurden ausländische Arbeitnehmer aus Italien (1955) angeworben. Dann folgten Anfang der 60er Jahre weitere Regierungsvereinbarungen über Anwerbung und Vermittlung von Arbeitskräften mit Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), Portugal (1964) und Jugoslawien (1968) (Fn004).
Tabelle 1: Entwicklung der Zahl der ausländischen Arbeitnehmer
| Jahr | Wohnbevölkerung gesamt deutsche und ausländische | Wohnbevölkerung ausländisch | Beschäftigte ausländische Arbeitnehmer Ende Sept.1982 | Beschäftigte ausländische Arbeitnehmer Ende Sept.1982 |
|---|---|---|---|---|
| absolut | absolut | absolut | Quote | |
| 1961 | 56.174.800 | 686.200 | 548.916 | 2,7 |
| 1966 | 60.232.791 | 2.113.491 | 1.313.491 | 6.3 |
| 1967 | 59.926.000 | 1.806.700 | 991.255 | 4,6 |
| 1968 | 60.345.300 | 1.924.200 | 1.089.873 | 5,2 |
| 1969 | 61.068.600 | 2.381.100 | 1.501.409 | 7,2 |
| 1970 | 60.907.200 | 2.976.500 | 1.948.951 | 9,1 |
| 1971 | 61.502.500 | 3.438.700 | 2.240.793 | 10,3 |
| 1972 | 61.774.900 | 3.526.600 | 2.352.392 | 10,8 |
| 1973 | 62.088.600 | 3.966.200 | 2.595.000 | 11,6 |
| 1974 | 62.048.100 | 4.127.400 | 2.286.625 | 10,9 |
| 1975 | 61.746.000 | 4.089.600 | 2.038.779 | 10,1 |
| 1976 | 61.489.600 | 3.948.300 | 1.920.895 | 9,5 |
| 1977 | 61.389.000 | 3.948.300 | 1.869.453 | 9,3 |
| 1978 | 61.331.900 | 3.981.100 | 1.864.051 | 9,1 |
| 1979 | 61.402.200 | 4.143.800 | 1.947.475 | 9,3 |
| 1980 | 61.653.145 | 4.453.308 | 2.071.658 | 9,9 |
| 1981 | 61.719.200 | 4.629.729 | 1.930.239 | 9,2 |
| 1982 | 61.637.900 | 4.666.917 | 1.783.900 | 7,2 |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 1, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Reihe 1.4, Ausländer 1982, Bundesanstalt für Arbeit - Repräsentativuntersuchung 82 -
Wie aus der Tabelle 1 zu ersehen ist, hängt die Entwicklung der Zahl der
ausländischen Arbeitnehmer von der konjunkturellen Lage ab. In den Rezessionjahren
1966/67 ging die Zahl ausländischer Arbeitnehmer um ca.300.000 zurück. Erst im Jahr 1969
war wieder der Stand des Jahres 1966 erreicht. Im Jahre 1973 wurde mit der Zahl von 2,6
Mio. ausländischen Arbeitnehmern der bisherige Höchststand erreicht; der Anteil der
beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer an der Gesamtzahl der unselbständig
Erwerbstätigen betrug 11,6% Im Zeitraum von 1961 bis 1973 nahm jedoch auch die Zahl der
ausländischen Wohnbevölkerung zu. Die sich Ende 1973 abzeichnende Rezession, ihre
Verschaerfung durch die Oelkrise und damit die Gefahr einer Massenarbeitslosigkeit
veranlasste die Bundesregierung, die Anwerbung zusätzlicher ausländischer Arbeitnehmer
zu unterbinden. Daher hat sie Ende November 1973 durch eine einseitige Erklaerung den
Anwerbestopp erlassen. Das bedeutet, daß trotz der genannten Anwerbevereinbarungen seit
diesem Zeitpunkt keine Ausländer mehr zum Zwecke der Arbeitsaufnahme in die
Bundesrepublik Deutschland einreisen können. Eine Ausnahme besteht auf Grund der
Freizuegigkeit nur für Staatsangehörige von EG-Mitgliedsländern.
Infolge des Anwerbestops war die Ausländerbeschäftigung von 1974 bis 1978 rückläufig.
Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer ging bis 1978 auf rund 1,9 Mio. zurück; die
ausländische Arbeitnehmer-Quote lag nur noch bei 9,1 %.
Seit 1979 ist wieder eine Zunahme der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer
festzustellen. Im Jahre 1980 waren rund 2,1 Mio. Ausländer in der Bundesrepublik
Deutschland tätig, ihr Anteil an der Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig
beschäftigten Arbeitnehmer belief sich auf 9,9 % (Tabelle 1). Die Entwicklung dürfte
darauf zurückgefuehrt werden können, daß eine Reihe von ausländischen Jugendlichen
inzwischen in der Bundesrepublik Deutschland das erwerbsfaehige Alter erreicht und Arbeit
aufgenommen haben bzw. darauf, daß nach 1974 eingereiste Familienangehörige von
ausländischen Arbeitnehmern inzwischen infolge der Wartezeitregelung vom April 1979 eine
Arbeitserlaubnis erhalten haben (Fn005).
Wichtig ist zu betonen, daß zwar von 1974 bis 1978 die Zahl der ausländischen
Arbeitnehmer abgenommen hat, daß aber die ausländische Wohnbevölkerung trotzdem in
diesem Zeitraum fast unverändert geblieben ist und sich auf dem Niveau von rund 4 Mio.
stabilisiert hat. Seit 1979 ist wieder ein Anstieg sowohl der Zahl der ausländischen
Arbeitnehmer als auch der ausländischen Wohnbevölkerung zu verzeichnen. Im Jahre 1980
erreichte die ausländische Wohnbevölkerung mit der Zahl von 4,5 Mio. ihren bisherigen
Höchststand (Tabelle 1). Die deutsche Wirtschaft konnte sich der allgemeinen
Weltwirtschaftskrise 1981/82 nicht entziehen. Unter dieser neuerlichen Rezession haben
wieder sehr viele ausländische Arbeitnehmer gelitten. Aufgrund dieser Entwicklung wird es
der deutschen Oeffentlichkeit zunehmend bewusst, daß man sich den sozialen Problemen der
in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Ausländer stellen muß. Auch die neue deutsche
Regierung hat mit ihren innenpolitischen Maßnahmen dazu beigetragen, daß die
arbeitslosen ausländischen Arbeitnehmer zur Rückkehr in die Heimat motiviert werden, da
sie die Möglichkeit für die Aufnahme einer neuen Stellung nicht mehr haben.
Folgendes Schaubild macht deutlich, daß die ausländischen Arbeitnehmer vergleichsweise stärker als die deutschen Arbeitnehmer von der Arbeitslosigkeit betroffen sind:
Schaubild 1: Arbeitslosenquote im Fruehjahr 1983
(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca)
Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 188/9 vom 16.08.83 und Handelsblatt vom 06.09.83, S.
1
Wie aus dem Schaubild 1 hervorgeht, ist fast jeder sechste Gastarbeiter ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote der Ausländer (15,2 %) liegt über dem Durchschnitt. Besonders betroffen sind Türken.
Schaubild 2: Ausländer-Familien nach der Nationalität 1967 = 100
(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca)
Quelle: Statistisches Bundesamt
Von den Ende September 1982 erfassten knapp 4,7 Mio. Ausländern stellten die Türken
mit 1,6 Mio. bzw. 34 % die stärkste Gruppe. Jeder dritte Ausländer besass die türkische
Staatsangehörigkeit, 1970 war es nur jeder sechste. Die zweitstärkste
Nationalitätengruppe stellten mit 632.000 bzw. 14 % die Jugoslawen, gefolgt von den
Italienern (602.000 bzw. 13 %), Griechen (301.000 bzw. 6 %), Oesterreichern (175.000 bzw.
4 %) und Spaniern (174.000 bzw. 4 %).
Im Gegensatz zu den Türken ist die Zahl der Jugoslawen, Italiener, Griechen, Spanier und
Portugiesen 1982 gegenüber 1974 zurückgegangen. Am stärksten war die Abnahme bei den
Spaniern und Griechen. Bermerkenswert ist, daß sich die Zahl der im Bundesgebiet lebenden
Polen 1982 im Vergleich zu 1974 mehr als verdoppelt hat. Dieser starke Anstieg hängt in
erster Linie mit der großten Zahl von Personen zusammen, die Polen nach Verhängung des
Kriegsrechts im Dezember 1981 verlassen und im Bundesgebiet einen Antrag auf
Asylgewährung gestellt haben (Fn006). Dies zeigt sich am Anteil der Asylbewerber aus
Ostblock-Staaten an der Gesamtzahl der Asylbewerber; er betrug 1980 nur rd. 6 %, 1981
hingegen 29 %, in den ersten 10 Monaten des Jahres 1982 knapp 32 %. Ende September 1982
besassen etwa 25.500 oder 6 % der Ausländer die Staatsangehörigkeit eines asiatischen
Landes. Seit 1974 hat sich die Zahl der Staatsangehörigen aus asiatischen Ländern,
hauptsaechlich bedingt durch die Einreise von Asylbewerbern in das Bundesgebiet und die
Aufnahme von Flüchtlingen, mehr als verdoppelt.
Schaubild 3: Beschäftigte ausländische Arbeitnehmer nach Nationalitäten 1954-1981
(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca)
Quelle: Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit, Arbeitsstatistik
Türkische Arbeitnehmer sind erstmals im Jahr 1960 in den Statistiken erfasst worden. Im genannten Jahr waren 2495 türkische Arbeitnehmer im Bundesgebiet. Das war ein Anteil von 0,9 % an der Gesamtzahl der beschäftigten Arbeitnehmer. Bis 1961 gab es in der Türkei ein Gesetz, das es den Bürgern sehr schwer machte, ins Ausland zu reisen. Das änderte sich aber 1961 mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes, das in seinem Paragraphen 18 jedem Bürger die Freiheit einraeumte, ins Ausland zu reisen (Fn007). Gleich nach Inkrafttreten des Gesetzes setzte die erste Wanderbewegung türkischer Arbeitnehmer nach Deutschland ein.
Tabelle 2: Türkische Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland
| Jahr = Anzahl | Jahr = Anzahl | Jahr = Anzahl |
|---|---|---|
| 1960 = 2.495 | 1968 = 152.905 | 1976 = 515.830 |
| 1962 = 15.318 | 1969 = 244.335 | 1977 = 505.495 |
| 1963 = 27.144 | 1970 = 353.898 | 1978 = 513.463 |
| 1964 = 69.211 | 1971 = 453.145 | 1979 = 553.428 |
| 1965 =121.121 | 1972 = 528.414 | 1980 = 576.363 |
| 1966 =157.978 | 1974 = 574.810 | 1981 = 580.868 |
| 1967 =131.309 | 1975 = 522.669 | 1982 = 554.000 |
Quelle: Statistisches Bundesamt
Infolgedessen nahm seit zwanzig Jahren der Anteil der Türken an der Gesamtzahl der
beschäftigten Arbeitnehmer aus dem Ausland sowohl absolut als auch relativ am stärksten
zu (Fn008).
Die Zahl der türkischen Arbeitnehmer ist im Jahr 1967 wegen der Abschwaechung der
deutschen Konjunktur gesunken. In diesem Jahr betrug die Anzahl der türkischen
Arbeitskräfte 131.309, das heisst, 26.669 weniger als im Vorjahr. Unter dem Einfluss des
sich neu entfaltenden Konjunkturaufschwungs nahm die Beschäftigung der türkischen
Arbeitskräfte wieder zu. So erreichte sie mit 152.905 Ende September 1968 und 353.898
Ende September 1970 die dritthöchste Stelle nach Italienern und Jugoslawen. Seit 1974
nahmen die türkischen Arbeitnehmer die erste Position unter den ausländischen
Arbeitnehmern ein. Zwischen den Jahren 1974 und 1981 hat die Zahl der türkischen
Arbeitnehmer geringfügig zugenommen. Aber die Tendenz ist so schwach, daß man daraus
nicht viel schliessen kann. Allerdings ging im Jahr 1982 diese Zahl um 26.000 zurück.
Über die Verteilung der türkischen Arbeitnehmer auf die Landesarbeitsamtsbezirke gibt die Tabelle 3 Auskunft.
Tabelle 3: Verteilung der türkischen Arbeitnehmer auf die Landesarbeitsamtsbezirke Stand 31.03.1982 (in 1000)
| Landesarbeitsamts Bezirke | sozialversicherungspflichtige türkische Arbeitnehmer | türkische Arbeitnehmer mit Familien |
|---|---|---|
| Schleswig-Holstein | 13,1 | 39,2 |
| Hamburg | 20,1 | 57,7 |
| Niedersachsen | 35,1 | 109,4 |
| Bremen | 8,9 | 28,2 |
| Nordrhein-Westfalen | 169,0 | 555,5 |
| Hessen | 49,0 | 140,0 |
| Rheinland-Pfalz | 16,8 | 55,5 |
| Baden-Wuerttemberg | 109,0 | 265,3 |
| Bayern | 87,3 | 220,0 |
| Saarland | 2,2 | 7,3 |
| Berlin (West) | 43,2 | 102,0 |
Quelle: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Fachserie 1 Reihe 4.2 Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer, 31.03.1982 Hrsg. Statistisches Bundesamt
Tabelle 3 zeigt die ungleichmäßige regionale Verteilung der türkischen Arbeitnehmer.
Sie waren 1982 hauptsaechlich in drei Bundesländern, nämlich Nordrhein-Westfalen,
Baden-Wuerttemberg und Bayern konzentriert. Die Wichtigkeit dieser türkischen
Arbeitnehmer für diese drei Länder muß unterstrichen werden. Der Hauptgrund für diese
Konzentration ist, daß diese Länder hochindustrialisiert sind und dort die Bauwirtschaft
sehr entwickelt ist. Ein zweiter wichtiger Grund ist, daß die Neuankommenden in die am
dichtesten von Gastarbeitern besiedelten Gebiete stroemen, was vielleicht auf eine
illegale Einwanderung zurückzufuehren wäre.
Es kann somit gesagt werden, die Verteilung der türkischen Arbeitnehmer sei die Reflexion
der Wirtschaftskraft der einzelnen Bundesländer: Wo die Wirtschaft blueht, sind die
türkischen Arbeitnehmer zahlreicher. Dies ist auch ein Beweis für ihre Wichtigkeit bei
der Erzeugung des inländischen Bruttosozialproduktes.
Absolut gesehen arbeiten in Nordrhein-Westfalen die meisten ausländischen Arbeitnehmer.
Die sogenannte Ausländerquote, der Anteil ausländischer Arbeitnehmer an der Gesamtzahl
aller Arbeitnehmer, ist jedoch eindeutig in Baden-Wuerttemberg am höchsten. Auch in
Hessen und in Suedbayern ist die Ausländerquote hoch. Dagegen liegt sie im gesamten
norddeutschen Raum weit unter dem Bundesdurchschnitt, der bei 7 % liegt (Fn009).
Schaubild 4: Gegenüberstellung ausländischer und türkischer Arbeitnehmer nach
Bundesländern (Stand 1982 in 1000)
(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca)
Quelle: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Fachserie 1, a.a.O.
Die nachstehende Übersicht (Tabelle 4) zeigt die Verteilung der in der Bundesrepublik beschäftigten türkischen Arbeitnehmer auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche seit 1974.
Tabelle 4: Verteilung der türkischen Arbeitnehmer nach Wirtschaftsbereichen (in 1000)
| Jahr | Land- und Forstwirtschaft | Verarbeitendes Gewerbe | Handel und Verkehr | Sonstige Wirtschaftsbereiche (Dienstleistungen) | Summe |
|---|---|---|---|---|---|
| 1974 | - | 446 | 31 | 42 | 519 |
| 1975 | - | 407 | 26 | 53 | 486 |
| 1976 | - | 373 | 38 | 49 | 460 |
| 1977 | 5 | 373 | 42 | 49 | 469 |
| 1978 | 5 | 391 | 41 | 50 | 487 |
| 1979 | - | 367 | 38 | 51 | 456 |
| 1980 | - | 429 | 38 | 63 | 530 |
| 1981 | - | 446 | 45 | 69 | 560 |
| 1982 | 6 | 429 | 42 | 84 | 561 |
Quelle: Statistisches Bundesamt (Strukturdaten über Ausländer in der Bundesrepublik Deutschland)
Anhand der Tabelle können folgende Aussagen gemacht werden: Der Schwerpunkt der Beschäftigung der türkischen Arbeitnehmer lag seit 1974 in den Wirtschaftsbereichen Eisen- und Metallerzeugung und Verarbeitung. Nach den Ergebnissen der Beschäftigtenstatistik Ende Dezember 1981 waren drei Viertel der im Bergbau, sieben Zehntel der im Schiffbau und jeweils über die Hälfte der in der Eisen- und Stahlerzeugung sowie in Giessereibetrieben tätigen ausländischen Arbeitnehmer Türken. Dies trägt zur Erklaerung des überdurchschnittlich hohen Anteils der türkischen Arbeitnehmer in den Städten wie Gelsenkirchen (66,6 %), Hof (67,5 %), Hamm (65 %), Duisburg (63 %), Bottrop (59,6 %), Bremen (54,6 %), Oberhausen (47 %), Köln (43,9 %) und Berlin (43 %) bei (Fn010). Es ist dabei zu berücksichtigen, daß gerade folgende Zweige mit einer verhältnismäßig hohen Zahl türkischer Arbeitnehmer inzwischen mit strukturellen und konjunkturellen Problemen belastet sind, nämlich die Bauwirtschaft, die Automobil-, Bergbau-, Stahl- und die Textilindustrie, was sicherlich nicht ohne Folgen auf die Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer bleiben wird.
Den groessten Anteil der türkischen Arbeitnehmer stellt natuerlich die Arbeitergruppe.
Das Gewicht der männlichen Arbeitnehmer hat sich bis heute wenig geändert. Wie im
letzten Abschnitt behandelt wurde, sind die Eisen- und Metallerzeugung und Verarbeitung
dominierend.
Die weiblichen Arbeitnehmerinnen sind hauptsaechlich in dem verarbeitenden Gewerbe - hier
besonders im Textil- und Bekleidungsgewerbe - sowie in der Eisen- und Metallerzeugung und
Verarbeitung beschäftigt.
Tabelle 5: Stellung der türkischen Arbeitnehmer im Beruf nach Geschlecht (in 1000)
| Jahr und Geschlecht | Selbständige und mithelfende Familienangehörige | Beamte und Angestellte | Arbeiter | Summe |
|---|---|---|---|---|
| 1974 m | 5 | 10 | 444 | 459 |
| 1974 w | 1 | 5 | 142 | 148 |
| 1975 m | - | 19 | 542 | 561 |
| 1975 w | - | 11 | 418 | 429 |
| 1976 m | 6 | 11 | 387 | 404 |
| 1976 w | 2 | 8 | 129 | 139 |
| 1977 m | 5 | 11 | 370 | 386 |
| 1977 w | 1 | 6 | 139 | 146 |
| 1978 m | 7 | 11 | 379 | 397 |
| 1978 w | 2 | 8 | 139 | 149 |
| 1979 m | 5 | 13 | 370 | 388 |
| 1979 w | 2 | 6 | 137 | 145 |
| 1980 m | 6 | 15 | 421 | 442 |
| 1980 w | 2 | 8 | 159 | 169 |
| 1981 m | 6 | 14 | 457 | 477 |
| 1981 w | 2 | 10 | 159 | 171 |
| 1982 m | 8 | 19 | 447 | 464 |
| 1982 w | 2 | 12 | 154 | 168 |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Strukturdaten über Ausländer, Ergebnis des Mikrozensus
Nur 25,5 % der Ausländer sind, trotz langjaehrigen Aufenthalts, Meister, Vorarbeiter
oder Facharbeiter. Mit 15,1 % ist dieser Anteil bei den Türken am niedrigsten. Der Anteil
der Angelernten bei den Türken beträgt 44,9 %. Dafür ist ihr Anteil unter den
ungelernten Arbeitern mit 40 % am höchsten.
Die Altersgruppe der 15 bis 24jaehrigen verzeichnete 1980 mit 43,8 % den höchsten
Ungelerntenanteil. Das ist um so beachtlicher, als dieser Personenkreis in besonders
starkem Masse von Arbeitslosigkeit bedroht ist.
35,4 % der Türken arbeiten im Akkord, 39,3 % ueben Schichtarbeit aus, 57,3 % arbeiten bis
zu 40 Stunden wöchentlich, 36,8 % zwischen 41 und 49 Stunden und 5,9 % über 50 Stunden
(Fn011).
Bei türkischen Arbeitnehmerinnen sind Facharbeiter immer krass unterrepräsentiert
zugunsten ungelernter Arbeiter immer besser als im Durchschnitt liegen Arbeitnehmerinnen
dagegen bei den Angestellten. Seit 1964 hat der Anteil der weiblichen Beschäftigten in
den Wirtschaftssektoren Dienstleistungen und öffentliche Dienste zugenommen.
Die Beschäftigung der ausländischen Arbeitskräfte in der Bundesrepublik Deutschland hängt von der konjunkturellen Lage der deutschen Wirtschaft ab. Es wird mit einer graphischen Darstellung deutlich gemacht, wie sich die Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer mit dem deutschen Konjunkturverlauf geändert hat.
Schaubild 5: Berg- und Talfahrt der Konjunktur 1950 - 1983
(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca)
Quelle: NRZ vom 21.Januar.1983, Nr. 17
Das Auf und Ab der Konjunktur gehört zur Marktwirtschaft wie das Ein- und Ausatmen zum
Leben. Jedem Aufschwung mit stärkerem Wirtschaftswachstum folgt eine Phase schwaecherer
Wirtschaftstätigkeit oder gar der Schrumpfung. Insoweit ist die Berg- und Talfahrt der
deutschen Konjunktur seit 1950 nichts Besonderes. Auffaellig ist aber, daß nahezu jeder
Konjunkturaufschwung schwaecher ausfiel als der Vorhergehende und daß sich jedes neue
Konjunkturtal tiefer einkerbte.
Die erste Mini-Rezession im Jahre 1967 brachte eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung
(reales Bruttosozialprodukt) um 0,1 %. In der folgenden Rezession von 1975 lag das Minus
schon bei 1,6 %. Und wenn man die Wachstumsverluste der gegenwaertigen lang anhaltenden
Rezession (einschliesslich einer Schätzung für 1983) zusammenrechnet, dann ergibt sich
ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von 1,9 %. Wegen der Rezession 1966/67 nahm die
Ausländerbeschäftigung bzw. die der Türken ab. So waren es Ende September 1967 nur noch
991.225 ausländische Arbeitnehmer im Bundesgebiet, d.h. 24,5 % weniger als im Vorjahr
(Fn012). Der Konjunktur-Rückschlag wirkte sich in den Branchen, die hauptsaechlich
Männer beschäftigten (wie Bauwirtschaft und Kraftfahrzeugbau), stärker aus als in
anderen Bereichen. Bei dieser Konjunktur-Abschwaechung haben nach den von der BAVAV
durchgefuehrten Untersuchungen rund 30.000 türkische Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze
verloren (Fn013).
Aufgrund des folgenden Konjunkturaufschwungs in den einzelnen wirtschaftlichen Bereichen
erhoehte sich jedoch die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften, und zwar von
Anfang Juli bis Ende September 1968 um 75.000 bzw. 7,4 %. Erst im Jahre 1969 war wieder
der Stand des Jahres 1966 erreicht. Das ansonsten kontinuierliche Anwachsen der
Beschäftigtenzahl ausländischer Arbeitnehmer erfaehrt im Herbst des Jahres 1973 einen
zweiten Knick. Als Ergebnis der Energiekrise hat sich die Zahl der türkischen
Arbeitnehmer bis zum Jahre 1975 um 50.000 verringert. Das bedeutet allerdings nicht, daß
die Gesamtzahl der Türken sich verringert hat. Trotz des Anwerbestopps im Jahre 1973 hat
die türkische Bevölkerung im Bundesgebiet seit 1974 durch den Familiennachzug, die
Einreise von Asylbewerbern und durch den Geburtenüberschuss - er betrug im ersten
Halbjahr 1982 32.200 Personen - um 553.000 Personen oder 54 % zugenommen (Fn014). Dabei
darf aber nicht übersehen werden, daß sich das Wachstum der türkischen Bevölkerung im
Bundesgebiet seit 1981 beachtlich verringert hat. Das hängt mit dem im Jahre 1980
eingefuehrten Visumzwang, den im gleichen Jahr ergriffenen Maßnahmen zur Verhinderung des
Missbrauchs des Asylrechtes und der Einschränkung des Familiennachzugs zusammen. Zu den
ausländerpolitischen Leitlinien der Bundesregierung, beeinflusst von der konjunkturellen
Situation der Wirtschaft, gehören die Beibehaltung des Anwerbestops und vor allem die
Begrenzung des Familiennachzugs. So ist für 1983 erstmals wieder mit einem Rückgang der
Ausländerzahl zu rechnen.
Bei der Erörterung der Folgen der Ausländerbeschäftigung in der Bundesrepublik
Deutschland standen bisher vor allem die konjunkturellen (Fn015) Auswirkungen im
Vordergrund. Die Ursache hierfür ist darin zu sehen, daß die türkischen Arbeitnehmer
ins besondere aus konjunkturellen Gründen - zur mehr kurz- oder mittelfristigen Abdeckung
einer Angebotslücke auf dem Arbeitsmarkt - nach Deutschland geholt wurden. Man sah in
ihnen eine willkommene Manoevriermasse, die es gestattete, kurzfristig Angebots- und
Nachfrageschwankungen auf dem Arbeitsmarkt auszugleichen.
Im Hinblick auf die bestehenden wirtschaftspolitischen Zielsetzungen wird geprueft, in
welcher Weise ihre Erreichung durch die türkische Arbeitnehmerbeschäftigung beeinflusst
wird.
Im Folgenden sollen zunaechst die konjunkturellen Wirkungen der türkischen
Arbeitnehmerbeschäftigung diskutiert werden. Hierzu werden die Wirkungen der türkischen
Arbeitnehmerbeschäftigung in zwei Teilbereichen untersucht: Arbeitsmarkt und
Lohnentwicklung sowie Gütermärkte.
Ein konjunktureller Aufschwung erfasst nicht gleichzeitig alle Bereiche einer
Volkswirtschaft. So hat z.B. zuerst die Investitionsgueterindustrie einen hoeheren
Auftragseingang zu verzeichnen. Die Unternehmen der Investitionsgueterindustrie werden
zunaechst versuchen, durch eine bessere Ausnutzung des vorhandenen
Arbeitskräftepotentials der erhoehten Nachfrage nachzukommen. Das reicht jedoch bei einer
weiteren Zunahme der Nachfrage nicht aus. Es ist deshalb notwendig, zusätzliche
Arbeitskräfte einzustellen.
Bei geschloßenem Arbeitsmarkt, in dem die Möglichkeit des Arbeitskräfteimports nicht
gegeben ist, treten die Unternehmen bei fortschreitender gesamtwirtschaftlicher
Arbeitskräfteverknappung in einen harten Konkurrenzkampf um die vorhandenen
Arbeitskräfte ein. Um Arbeitskräfte zu erhalten, wären in Branchen mit relativ geringen
Loehnen Lohnerhoehungen erforderlich. Insbesondere muessten die Lohnsätze für wenig
attraktive Tätigkeiten stark angehoben werden. Die Folge des empfindlichen Mangels an
Arbeitskräften wäre wahrscheinlich ein Anstieg des gesamten Lohnniveaus.
Für die deutschen Unternehmen blieb jedoch in den vergangenen Jahren das
Arbeitskräfteangebot relativ elastisch, da die Rückgriffsmöglichkeit auf ausländische
Arbeitsmärkte gegeben war. Auf diese Weise konnten fehlende Arbeitskräfte, deren
Qualifikation für die vorgesehenen Tätigkeiten ausreichte, aus dem Ausland gewonnen
werden.
Sehr ausfuehrlich hat sich Vera Lutz (Fn016) mit den Auswirkungen der
Ausländerbeschäftigung auf die Lohnentwicklung beschäftigt. Sie fuehrte den Begriff der
"selektiven Einwanderung" in die Diskussion ein. Hierzu unterteilt sie die
Volkswirtschaft in zwei Sektoren: in den Sektor I fallen alle Wirtschaftszweige mit einem
hohen technischen Fortschritt und überdurchschnittlichem Wachstum. Der Sektor II umfasst
die stagnierenden, schrumpfenden oder nur geringfügig wachsenden Branchen. Das Lohnniveau
ist im Sektor I hoeher als im Sektor II. Bei einer Einwanderungspolitik der
"selective Immigration" wird eine Aufenthaltsgenehmigung nur solchen
Arbeitskräften gewährt, die bereit sind, die geringer bezahlten und wenig attraktiven
Arbeitsplätze im Sektor II zu besetzen. Weil ausländische Arbeitnehmer nur für den
Sektor II zugelassen werden, kann der Sektor I seinen Arbeitskräftebedarf nur durch
Abwerbung aus dem Sektor II decken. Aus dem Sektor II abgeworbene Arbeitskräfte werden
durch ausländische Arbeitnehmer ersetzt. Auf diese Weise bleiben die Lohnrelationen
zwischen beiden Sektoren erhalten.
Da die türkischen Arbeitnehmer in immer geringerem Masse für hoeherwertige Tätigkeiten
qualifiziert sind, vollzieht sich in der Bundesrepublik Deutschland eine selektive
Wanderung. Die Türken werden vorwiegend an Arbeitsplätzen mit hohen körperlichen
Anforderungen, unguenstigen Umgebungseinflüssen und geringer Anlernzeit beschäftigt.
Hierin liegt die Erklaerung für die hohen türkische Arbeitnehmer-Quoten in der Eisen-
und Stahlerzeugung (49 %), im Bergbau (75 %) und im Schiffbau (70 %) (Fn017). Weil die
geistigen Anforderungen an Arbeitsplätzen im Bereich von Dienstleistungen, Handel und
Verkehr im allgemeinen hoch sind, ist die türkische Arbeitnehmer-Quote hier
vergleichsweise niedrig (14,7 %). Dort, wo der Anteil an repetitiven Tätigkeiten sehr
hoch ist wie z.B. in der Automobilindustrie, ist die Anlernzeit an vielen Arbeitsplätzen
so kurz, daß auch die doppelte Anlernzeit (Fn018) der türkischen Arbeitskräfte nicht
wesentlich ins Gewicht faellt. So sind beispielsweise bei den Ford-Werken in Köln knapp
32 % der Beschäftigten Türken (Fn019).
Es erscheint als ein wichtiger Aspekt bei der Erörterung der Auswirkungen der türkischen
Arbeitnehmerbeschäftigung, daß als Folge der Zuwanderung nur geringfügig qualifizierter
türkischer Arbeitnehmer deutsche Arbeitnehmer von einfachen Arbeiten freigesetzt werden
und so Tätigkeiten mit hoeherem Einkommen und hoeherem Sozialprestige ausueben können.
Man denke in diesem Zusammenhang nur an die Arbeitsgruppen bei Erdarbeiten, bei denen
Deutsche nur noch als Vorarbeiter beschäftigt sind, oder an die Tätigkeiten bei der
Müllabfuhr, wo das Herbeiholen und Ausleeren der Mülltonnen von Türken vorgenommen
wird, während der deutsche Arbeitnehmer als Fahrer eingesetzt ist.
Dieser Aufstieg der deutschen Arbeitnehmer in hoeherwertige Tätigkeiten hat sicherlich
zur toleranten Haltung der deutschen Gewerkschaften gegenüber der Beschäftigung
ausländischer Arbeitnehmer beigetragen. Wurden die Ausländer als
"Lohndrücker" noch scharf angegriffen (Fn020) und mit Parolen wie: "Die
deutsche Arbeit den deutschen Arbeitnehmern !" (Fn021) bekaempft, so stehen die
Gewerkschaften der Ausländerbeschäftigung heute positiv gegenüber. Dieser Wandel in der
Auffassung ist natuerlich auch Ausdruck der größeren internationalen Solidarität der
einzelnen nationalen Gewerkschaftsverbände und eine Abkehr vom frueheren stark
nationalistischen Denken. Ein weiterer Grund des Einstellungswandels der Gewerkschaften
ist, neben den verbesserten Aufstiegsmöglichkeiten für deutsche Arbeitnehmer und der
Abkehr vom übertriebenen nationalistischen Denken, die völlige tarifvertragliche
Gleichstellung deutscher und ausländischer Arbeitnehmer, so daß Lohnkonkurrenz durch
ausländische Arbeitskräfte nicht mehr möglich ist.
Die Erkenntnis, daß die Beschäftigung der türkischen Arbeitnehmer den Lohnauftrieb
tendenziell daempft, hat wahrscheinlich nur langfristig Gueltigkeit. Auf kurze und
mittlere Sicht dürfte diese daempfende Wirkung jedoch nicht gegeben sein, weil die
türkische Arbeitnehmerbeschäftigung erhebliche Sekundaerwirkungen auf die
Gesamtgueternachfrage hat. So werden neue Arbeitsplatzinvestitionen notwendig, ferner
fragen sie Konsumgueter nach und nehmen Wohnraum- und Infrastruktureinrichtungen in
Anspruch. Diese zusätzliche Güternachfrage hat eine naehere Nachfrage nach
Arbeitskräften zur Folge, was vermutlich Rückwirkungen auf das Lohnniveau hat.
Neue technische Verfahren, die eine Steigerung der Produktion bei vorhandenem
Arbeitskräftepotential bewirken, erfordern bis zu ihrer Realisation eine gewisse
Zeitspanne und umfangreiche Vorstudien. Ausserdem hat die Einfuehrung neuer rationeller
Produktionsverfahren ein stufenweises Kapazitätswachstum zur Folge. Sehr viel schneller
und elastischer laesst sich dagegen das Produktionsvolumen durch den Einsatz türkischer
Arbeitnehmer der gestiegenen Nachfrage anpassen. Deshalb fragen die Unternehmen in
konjunkturellen Aufschwungsphasen in starkem Masse türkische Arbeitnehmer nach und setzen
sie ihrer Qualifikation entsprechend bei der Leistungserstellung ein. Durch ihre
Mitwirkung bei der Leistungserstellung tragen die türkischen Arbeitnehmer zur Steigerung
des Bruttoinlandsproduktes der sie beschäftigenden Volkswirtschaft bei. So haben
beispeilsweise die 554.000 türkischen Arbeitskräfte, die 1981 im Jahresdurchschnitt in
der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt waren, einen Beitrag von 8,843 Mrd. DM (Fn024)
zum Bruttoinlandsprodukt dieses Jahres geleistet.
Die angegebenen Werte sind Durchschnittswerte für die Gesamtwirtschaft. In einzelnen
Wirtschaftsbereichen der Bundesrepublik Deutschland ist der Produktionsbeitrag der
türkischen Arbeitnehmer sehr viel hoeher. Es ist schon darauf hingewiesen worden (Fn025),
daß die Bereiche Eisen- und Stahlerzeugung und Verarbeitung, Baugewerbe, Bergbau sowie
Giesserei die höchsten türkischen Arbeitnehmer-Quoten aufweisen. Das laesst auf einen
überdurchschnittlich hohen Produktionsbeitrag in diesen Branchen schliessen. Wenn man
noch weiter disaggregiert und einzelne Unternehmen betrachtet, ist der relative Beitrag
zur Produktion teilweise noch bedeutsamer. So beträgt beispielsweise bei den bereits
erwaehnten Ford-Werken in Köln der Anteil der türkischen Arbeitskräfte an den
Beschäftigten knapp 32 % (Fn026). Der hohe Beitrag der türkischen Arbeitnehmer zur
gesamtwirtschaftlichen Wertschoepfung und die damit verbundene Erhoehung des
Gesamtangebotes an Sachguetern und Dienstleistungen waren wohl die Hauptgründe, weshalb
die Wirkungen der türkischen Arbeitnehmer-Beschäftigung bis etwa 1971 von den meisten
Autoren positiv und vorteilhaft für die aufnehmende Volkswirtschaft beurteilt wurden
(Fn027). Türkische Arbeitskräfte bildeten eine Rückgriffsmöglichkeit, wenn die
einheimischen Arbeitskräftereserven in Zeiten konjunktureller Überhitzung nicht
ausreichten. Ihre Beschäftigung und die damit verbundene Erhoehung des
Gesamtgueterangebots sollten gleichzeitig tendenziell zur Erreichung der Stabilität des
Preisniveaus beitragen. Inzwischen mehren sich jedoch die Stimmen, die Zweifel an der
positiven Beurteilung der türkischen Arbeitnehmer-Beschäftigung hegen; denn ausser der
Vermehrung des Angebots an Verbrauchs- und Investitionsguetern hat ihre Beschäftigung
auch Auswirkungen auf die Gesamtgueternachfrage. Ein Teil der eingesetzten türkischen
Arbeitnehmer wird nur beschäftigt, damit die Nachfrageerhoehung infolge der
Türkenzuwanderung befriedigt werden kann. Es wird im folgenden Kapitel dieser Aspekt der
türkischen Arbeitnehmer-Beschäftigung naeher erörtert.
Es sind im wesentlichen vier Bereiche, in die sich die Nachfrageerhoehung infolge der türkischen Arbeitnehmerbeschäftigung einteilen laesst. Einen ersten Bereich bildet die Nachfrage nach Investitionsguetern, die für die Schaffung von Arbeitsplätzen für die türkischen Arbeitnehmer notwendig sind.
Trotz ihrer relativ hohen Sparquote fragen die türkischen Arbeitnehmer in Deutschland Konsumgueter nach. Diese Nachfragekomponente bildet einen zweiten Bereich, den es naeher zu untersuchen gilt. Zur Unterbringung der türkischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen ist die Schaffung zusätzlicher Wohnungen erforderlich. Bei einer so starken Türkenzuwanderung, wie sie die Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren erlebt hat, werden besonders in den Ballungsgebieten die ohnehin zu knappen Infrastruktureinrichtungen nicht mehr ausreichen. Die Türkenzuwanderung hat deshalb auch Infrastrukturinvestitionen zur Folge.
Mit dem Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Wachstums haben sich auch in der Wachstumshierarchie der Wirtschaftsbereiche Veränderungen vollzogen. Die Verlangsamung des gesamtwirtschaftlichen Produktionstempos hat sich besonders beim verarbeitenden Gewerbe deutlich gemacht. Hier fiel die "Wachstumsquote" von 4,3 % in den Jahren 60/73 auf 2,6 % in den Jahren 73 bis 80 (Fn028). Das bedeutet, daß in dem Bereich wo die meisten türkischen Arbeitnehmer ihre Tätigkeit ausueben, keine Investitionen für die Arbeitsplatzbeschaffung mehr getätigt werden. Neben dem verarbeitenden Gewerbe mußte auch die Bauindustrie überdurchschnittliche Verluste hinnehmen. Einen einzigartigen Schub nach oben machten die Dienstleistungen. Wie es in Tabelle 4 ersichtlich wird, sind hier die türkischen Arbeitnehmer mit einem geringen Anteil vertreten.
Daraus folgt, daß Arbeitsplätze für türkische Arbeitnehmer hauptsaechlich im
Bereich der Dienstleistungen entstehen muessten.
Die Arbeitsplatzbeschaffung richtet sich nach Investitionstätigkeit. Die Summe aus den
Abweichungen zwischen dem fiktiven Investitionsvolumen und den tatsaechlichen getätigten
Investitionen ergibt einen Überschuss bzw. ein Defizit. Innerhalb des
Unternehmensbereichs ergibt sich aus einem Investitionsdefizit von 200 Mrd. DM ein
Fehlbetrag von rund 1,9 Mio. Arbeitsplätzen. Hier entfaellt der groesste Teil (1,1 Mio.
Arbeitsplätze) auf das verarbeitende Gewerbe (Fn029).
Wenn man die heutige Situation mit dem Ende der 60er Jahre vergleicht, dann sieht man, wie
unterschiedlich der durchschnittliche Kapitalbedarf (für einen für ausländische
Arbeitnehmer neu eingerichteten Arbeitsplatz) von verschiedenen Autoren angegeben wurde.
So setzt beispielsweise Kruse (Fn030) eine durchschnittliche primaere Investition von
30.000 DM je Arbeitsplatz an, während Ruestow (Fn031) seinen Berechnungen einen
Investitionsbedarf von etwa 50.000 DM zugrunde legt.
Die Anwesenheit der türkischen Arbeitnehmer in Deutschland hat auch eine Zunahme der
Gesamtnachfrage nach Konsumguetern zur Folge.
Die Konsumgueternachfrage der Türken ist im wesentlichen abhängig von der Hoehe des
Einkommens und der Konsumquote. Z.B. erzielten die türkischen Arbeitnehmer 1982 ein
Einkommen von 10 Mrd. DM (Fn032) und überwiesen davon 3 Mrd. DM in ihr Heimatland
(Fn033); d.h. Türken haben 1982 in Hoehe von 4,8 Mrd. DM auf dem deutschen Markt
Konsumgueter nachgefragt, wenn man unterstellt, daß der in Deutschland gesparte
Einkommensteil vor der Heimreise für Konsumgueter ausgegeben wird. Um die nachgefragten
Konsumgueter erstellen zu können, fragt die Konsumgueterindustrie Investitionsgueter und
Arbeitskräfte nach. Zur Befriedigung der Nachfrage türkischer Arbeitnehmer sind also
zusätzliche Arbeitskräfte, einmal in der Konsumgueterindustrie und zum anderen auch in
der Investitionsgueterindustrie, notwendig. Ein wachsender Teil von türkischen
Beschäftigten wird somit nur beschäftigt, um das Güterangebot für die eigene Nachfrage
herzustellen (Fn034).
Die in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigten türkischen Arbeitnehmer und ihre im Bundesgebiet lebenden Angehörigen benötigen Wohnraum. Da dieser selbst für die deutsche Bevölkerung nicht in ausreichendem Masse zur Verfügung steht, muß er zusätzlich geschaffen werden. Für die Nachfrage der Türken nach Wohnungen ist entscheidend, in welchem Masse sie ihre Familienangehörigen nach Deutschland nachholen. Türken, die ohne Angehörige in die Bundesrepublik Deutschland kommen, sind in der Regel mit einfachen Unterkuenften zufrieden. So sind z.B. die im Baugewerbe beschäftigten Türken vielfach in Baracken untergebracht. Auch die von Unternehmen mit finanzieller Unterstützung der Bundesanstalt für Arbeit geschaffenen Unterkuenfte genuegen nur ganz einfachen Ansprüchen. Je länger die Türken jedoch in Deutschland beschäftigt sind und je mehr sie ihre Ehefrau und ihre Kinder in die Bundesrepublik Deutschland nachholen, um so stärker wird ihre Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt wirksam. Von den im September 1982 im Bundesgebiet als Arbeitnehmer beschäftigten 369.850 männlichen Türken lebten insgesamt 39,9 % (Fn035) mit ihrer Ehefrau im Bundesgebiet, was einer Zahl von 926.108 (Fn036) männlichen Türken entspricht.
Die meisten türkischen Ehepaare fuehren einen gemeinsamen Haushalt. Wie die Untersuchung der Wohnverhältnisse dieser Ehepaare zeigt, lebten 1,6 % in Eigentumswohnungen bzw. eigenem Haus, 88,2 % in Mietwohnungen und 10,2 % in Gemeinschaftsunterkuenften (Fn037).
Tabelle 6: Wohnungsart der Türken nach Aufenthaltsdauer (in %)
| Wohnungsart | Aufenthaltsdauer | ||
|---|---|---|---|
| 10 Jahre und länger | 3 - 10 Jahre | bis zu 3 Jahren | |
| Eigenes Haus/Eigentumswohnung | 2,0 | 1,8 | 0,3 |
| Mietwohnungen | 88,2 | 87,4 | 91,9 |
| Gemeinschaftsunterkunft | 9,9 | 10,8 | 7,8 |
| Gesamt | 100,0 | 100,0 | 100,0 |
Quelle: Forschungsbericht, Repräsentativuntersuchung'80, a.a.O., S. 449
Wie aus der Tabelle zu ersehen ist, nimmt mit zunehmender Aufenthaltsdauer der Anteil
derjenigen, die in Gemeinschaftsunterkuenften leben ab. Die bisherigen Untersuchungen
haben deutlich gemacht, in welchem Masse Türken als Nachfrager auf dem Wohnungsmarkt der
Bundesrepublik Deutschland auftreten. Mit der Zunahme der türkischen Wohnbevölkerung
steigt auch ihr Wohnraumbedarf an. Die verstärkte Familienzusammenfuehrung neben der
türkischen Erwerbspersonen (1982=47 %) (Fn038) zeigt auf, in welcher Größenordnung
türkische Arbeitnehmer Wohnraum beanspruchen bzw. noch beanspruchen werden.
Die zusätzliche Nachfrage nach Wohnraum hat zur Folge, daß vom Baugewerbe in
entsprechender Hoehe Investitionsgueter und Arbeitskräfte nachgefragt werden.
Die Anwesenheit der in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigten türkischen
Arbeitnehmer und ihrer Angehörigen bedeutet eine zusätzliche Belastung der ohnehin
knappen Infrastruktureinrichtungen. Bei den Erörterungen beschränkt man sich auf die
materielle Infrastruktur und versteht darunter:
"die Gesamtheit aller Anlagen, Ausruestungen und Betriebsmittel in einer Volkswirtschaft, die zur Energieversorgung, Verkehrsbedienung und Telekommunikation notwendig sind, sowie der Einrichtungen der Verwaltung des Bildungs- und Gesundheitswesens, der Anlagen für Kultur, Erholung, Sport und Forschung. "
In der Anfangsphase der Ausländerzuwanderung werden zunaechst die vorhandenen
Verkehrsmittel, Schulen, Krankenhäuser usw. übermäßig genutzt. Nimmt jedoch die
Zuwanderung stärker zu, werden neue Investitionen erforderlich. Diese zusätzlichen
Infrastrukturinvestitionen werden besonders in den regionalen Schwerpunkten der
türkischen Arbeitnehmer-Beschäftigung notwendig.
Der Anteil der beschäftigten türkischen Arbeitnehmer an der Gesamtzahl der
unselbständigen Erwerbspersonen ist in Nordrhein-Westfalen am höchsten (169.000); es
folgen: Baden-Wuerttemberg (109.000), Bayern (87.300) und West-Berlin (43.200) (siehe
Tabelle 3). Die türkische Wohnbevölkerung nimmt in diesen Bundesländern in starkem
Masse die Infrastruktur in Anspruch. Fasst man gleichartige Arbeitsamtsbezirke zu
Wirtschaftsstrukturtypen zusammen und bildet vier Strukturgruppen
Ballungsgebiete
stark verdichtete Bezirke (Gelsenkirchen, Hamm, Duisburg, Köln, West-Berlin, Bremen) (Fn039)
gewerblich durchsetzte Bezirke
und gewerblich schwach strukturierte Bezirke
so ergibt sich die höchste Türkenquote in den Ballungsgebieten. In den gewerblich schwach struktrierten Gebieten ist die Türkenquote am geringsten. Die regionale Verteilung der türkischen Arbeitnehmer im Bundesgebiet hat zur Folge, daß die überlastete Infrastruktur in den dicht besiedelten Ballungsgebieten mit einem hohen Anteil an in der Industrie beschäftigten Erwerbspersonen einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt ist.
Die Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer hat ausser einem Kapazitäts- und
Produktionseffekt auch einen Einkommenseffekt (Fn040); denn während die zusätzliche
Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer einerseits zur Ausweitung der
Produktionskapazität und damit zur Vergrößerung des Gesamtgueterangebots beiträgt,
bewirkt sie auf der anderen Seite eine Zunahme der Gesamtgueternachfrage.
In den ersten Jahren der verstärkten Anwerbung türkischer Arbeitnehmer hatte man nur den
Wirkungen auf die Angebotsseite Beachtung geschenkt und ihr demzufolge einhellig eine
konjunkturfördernde Wirkung beigemessen. Ab 1963 wurde jedoch Kritik an dieser
einseitigen Beurteilung laut, die auf die nachfrageseitigen Wirkungen der türkischen
Arbeitnehmer-Beschäftigung aufmerksam machte. Auch der Verfasser konnte bei der
Erörterung des Problems zeigen, daß der sekundären Nachfrage nach
Arbeitsplatzinvestitionen, Konsumguetern, Wohnraum und Infrastruktureinrichtungen
erheblich Bedeutung zukommt.
Es ist sehr schwierig zu beurteilen, ob die Nachfrage- oder die Angebotswirkungen
überwiegen. Es scheint jedoch, daß auf kurze und mittlere Sicht die
konjunkturfördernden Wirkungen bedeutsamer sind und erst lanfristig - nach Anpassung der
Unternehmenskapazitäten und der Infrastruktur - die konjunkturdaempfenden Wirkungen zum
Tragen kommen.
Ebenso wie die Zuwanderung türkischer Arbeitnehmer konjunkturanregend wirkt, hat ein
Rückgang der Türkenbeschäftigung einen Nachfrageausfall und damit einen
Konjunkturrückgang zur Folge.
Für die Gesamtkonjunktur sind die von der Türkenbeschäftigung auf die Gütermärkte
ausgehenden Wirkungen negativ zu beurteilen, da infolge der Nachfragewirkungen die
konjunkturellen Schwankungen prozyklisch verstärkt werden. Sowohl in der Aufschwungsphase
als auch in der Rezession wirkt sich die zusätzliche bzw. die verminderte Nachfrage über
einen positiven bzw. negativen Akzelerator-Multiplikatoreffekt verstärkt aus.
Stabilität des Preisniveaus bzw. Geldwertstabilität ist eines der wichtigsten Ziele
der Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland.
Vollbeschäftigung, stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum und
aussenwirtschaftliches Gleichgewicht sind die weiteren wichtigen Zielsetzungen der
deutschen Wirtschaftspolitik. Ausserdem wird die besondere Bedeutung der Stabilität des
Preisniveaus insofern betont, als festgestellt wird, daß eine langfristige
Vollbeschäftigung, ein langfristig angemessenes Wachstum nur dann realisierbar sind, wenn
Geldwertstabilität im Lande herrscht (Dn041). In Krisensituationen dem
Beschäftigungsziel eine Priorität einzuraeumen, bringt nur kurzfristige Vorteile.
In Stabilitätsgesetz vom 8.Juni.1967 sind die obengenannten Ziele gleichrangig; ferner
sind sie gleichzeitig zu realisieren. Die Frage ist hier nun, ob und inwieweit die
türkischen Arbeitnehmer mit ihrem Spar- und Konsumverhalten zur Stabilität des
Preisniveaus in der Bundesrepublik Deutschland beigetragen haben.
Wie es sich nach den von der deutschen Bundesbank veröffentlichten statistischen Daten
ergibt, ist die Sparquote der meisten türkischen Arbeitnehmer hoeher als die Konsumquote.
Sie sparen also den groessten Teil ihres Nettohaushaltseinkommens. Zumindest gilt dies
für die Bundesrepublik. Einen Teil ihrer Ersparnisse überweisen sie häufig in
Monatsabständen in die Türkei. Der überwiegende Anteil der Ersparnisse verbleibt jedoch
für vorübergehende Zeit im Ausland, d.h. in Deutschland.
Schaubild 6: Sparverhalten der türkischen Arbeitnehmer
(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca)
Quelle: Türkiye Merkez Bankasi
Wie aus dem Schaubild 6 zu ersehen ist, lag die durchschnittliche Sparquote der
türkischen Arbeitnehmerhaushalte im Jahre 1982 bei 52 % und die durchschnittliche
Konsumquote bei 48 %. Die Aufteilung des Nettohaushaltseinkommens zwischen Konsum,
Ersparnissen in der Bundesrepublik und den Geldüberweisungen ergibt, daß 48 % in der
Bundesrepublik konsumiert, 22 % als Ersparnis hier im Inland angelegt und 30 % in die
Türkei transferiert werden (Fn042).
Die türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland sparten zwischen 5 und 5,2
Mrd. DM. Davon transferierten sie im gleichen Jahr 3,0 Mrd. DM in die Türkei. Man kommt
auf diese Zahl, indem man in Betracht zieht, daß rund 75 % der türkischen Arbeitnehmer
im Ausland sich in der Bundesrepublik Deutschland befinden und vergleichsweise mehr
verdienen als ihre Landsleute in den anderen Ländern, und indem man davon ausgeht, daß
mindestens 64 % der Geldüberweisungen in die Türkei im Jahre 1981 in Hoehe von 1,6
Mio.US $ von den in Deutschland lebenden Arbeitnehmern in die Heimat geschickt worden
sind. Der Restbetrag von mindestens 2,2 Mrd. DM verbleibt also in Deutschland. Die von den
türkischen Arbeitnehmerhaushalten für Konsumzwecke ausgegebenen Gelder in der
Bundesrepublik beliefen sich den Berechnungen zufolge auf etwa 4,8 Mrd. DM.
Der groesste Teil der verdienten Gelder bleibt also in der Bundesrepublik Deutschland.
Hier stellt sich die Frage, wofür die türkischen Arbeitnehmer ihre Gelder ausgeben.
Ein erheblicher Teil der Konsumausgaben entfaellt sicher auf den Lebensunterhalt.
Wohnungsmiete, Lebensmittel, Kleidung und bei Besitz eines Fahrzeuges dessen Unterhalt
bilden die hauptsaechlichen Kosten. Die Arbeitnehmer bemuehen sich meist auf Kosten dieser
Ausgaben, ihre Sparfaehigkeit zu steigern. Wenn sie im Urlaub in die Türkei fahren,
bringen sie viele Lebensmittel (Trockengemuese und andere Lebensmittel) mit in die
Bundesrepublik.
Weiterhin versuchen sie, wie bereits erlaeutert, ihre Lebenshaltungskosten dadurch zu
verringern, daß sie ihre Einkäufe in billigeren Geschäften machen (Fn043) und in
billigen, meist schlechten Wohnungen wohnen. So wohnten beispielsweise einer Untersuchung
zufolge 53 % der in West-Berlin lebenden türkischen Arbeitnehmer in einer einraeumigen
Wohnung (Fn044). Im Vergleich mit den anderen Nationalitäten neigen die Türken am
meisten dazu, in Wohnheimen zu wohnen (Fn045).
Mit dem verbleibenden Teil für Konsumausgaben werden überwiegend, wie aus der Tabelle 7
zu ersehen ist, dauerhafte Konsumgueter angeschafft.
Tabelle 7: Die Aufteilung der Konsumausgaben der türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland (in %)
| Konsumgueter | Haushaltsnettoeinkommen | |||
|---|---|---|---|---|
| bis unter 1200 DM | 1200 bis 2099 DM | 2100 bis 3499 DM | 3500 DM und mehr | |
| Auto | 9,8 | 10,8 | 13,5 | 17,5 |
| Fernseher | 14,2 | 17,1 | 16,5 | 13,9 |
| Radio | 14,8 | 15,5 | 12,4 | 11,9 |
| Waschmaschine | 7,7 | 8,8 | 11,5 | 10,6 |
| Moebel | 8,7 | 10,5 | 12,1 | 11,5 |
| Kuehlschrank | 8,2 | 9,3 | 10,4 | 10,1 |
| Herd | 5,5 | 6,1 | 7,0 | 6,5 |
| Fotoapparat | 2,2 | 6,1 | 6,0 | 5,6 |
| nichts davon | 21,9 | 9,2 | 5,1 | 9,0 |
| sonstiges | 7,1 | 7,1 | 5,5 | 3,4 |
| Gesamt | 100,0 | 100,0 | 100,0 | 100,0 |
Quelle: Repräsentativ-Untersuchung' 80, a.a.O., S. 299
Die in der Bundesrepublik Deutschland verbleibenden Ersparnisse dienen zum groessten
Teil zur Finanzierung der Käufe langlebiger Gebrauchsgueter wie Autos, Fernsehapparate,
Musikanlagen, Kassettenrekorder, technische Geräte und Maschinen. Diese Käufe werden
meist bei türkischen Geschäftsleuten (Export-Import-Händler) aus der Bundesrepublik und
aus der Türkei getätigt. Ausserdem werden viele Anschaffungen durch Familienmitglieder,
Verwandte, Freunde und türkische Touristen, die in die Bundesrepublik eingereist sind,
durchgefuehrt.
Als die Gastarbeiterbeschäftigung noch nicht bestand, gab es in der Türkei nur sehr
begrenzte Möglichkeiten für Bürger und Geschäftsleute, ausländische Devisen zu
erwerben, da gesetzlich jegliche Devisen dem Staat zur Verfügung gestellt werden mußten.
Erst durch die Ersparnisse der Gastarbeiter wurde es möglich, auf dem schwarzen bzw.
freien Markt einfach ausländische Devisen zu kaufen.
Die Überweisungen der Migranten in die Türkei zum Unterhalt von Familienangehörigen
oder zur längerfristig orientierten Kapitalanlage sind zu einem Aktivposten in der
türkischen Zahlungsbilanz geworden, der gerade in der gegenwaertigen wirtschaftlichen
Situation unverzichtbar ist. So konnte die türkische Zentralbank in den letzten Jahren
nahezu ein Drittel der Importe durch Deviseneinnahmen aus Gastarbeiterüberweisungen
decken. Ein Ausgleich der defizitären Zahlungsbilanz ist auf mittlere Sicht ohne stabile
Gastarbeiterüberweisungen kaum zu erwarten. Ferner ist zu erwaehnen, daß ein nicht
geringer Teil der Ersparnisse für den Urlaub in der Heimat und für mitgenommene
Geschenke ausgegeben wird.
Da in der Heimat das Prestige eine entscheidende Rolle beim Verhalten der Gastarbeiter
spielt, zeigen sie sich beim Einkauf von Geschenken sehr großzuegig (Fn046). Sie bringen
meist Haushaltsgeräte, Kleider, Spielzeug und Sachen für Kinder als Geschenke mit.
Schaubild 7: Sparverhalten der Bundesbürger
(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca)
Quelle: Kölner-Stadt-Anzeiger vom 11.10.83, S. 10
Wie oben festgestellt wurde, zeigen die türkischen Arbeitnehmer eine hohe Spar- bzw.
geringe Konsumneigung. Wenn man die Konsumquote der einheimischen Bevölkerung, die bei
etwa 87,3 % liegt, in Betracht zieht, tritt die nachfragedaempfende Wirkung des
Sparverhaltens der türkischen Arbeitnehmer, trotz der insgesamt hoeheren Konsumausgaben,
besser in Erscheinung. Somit wirkt das Sparverhalten der türkischen Arbeitnehmer
fördernd auf die Stabilität des Preisniveaus. Wenn man bedenkt, daß die anderen
Nationalitäten aus den Mittelmeerländern eine aehnliche Konsumneigung haben, so kann man
feststellen, daß das Sparverhalten der ausländischen bzw. türkischen Arbeitnehmer einen
nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Stabilität des Geldwertes geleistet hat, und daß
auch aus diesem Grunde die Inflationsrate im Gegensatz zu anderen Nationen niedriger blieb
(Fn047).
Es ist weiterhin festzustellen, daß angesichts der Tatsache, daß durch die Gastarbeiter
bzw. türkischen Arbeitnehmer das Güterangebot größer ist als ihre Nachfrage nach
Gütern, das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage hinsichtlich des Preisniveaus und
der Konjunkturstabilität guenstig gestaltet wird (Fn048).
Die türkischen Arbeitnehmer beeinflussen also die Geldwertstabilität in der
Bundesrepublik Deutschland positiv. In Zukunft ist jedoch mit einer Steigerung der
Nachfrage seitens der türkischen Arbeitnehmer zu rechnen, da die zweite Generation
sicherlich eine hoehere Konsumneigung haben wird als die erste. Ferner ist anzunehmen,
daß infolge der hohen Sparneigung der türkischen Arbeitnehmer keine bemerkenswerte
Ausweitung des Privatkonsums zustandekam (Fn049).
Kapitalbildung ist eines der grundlegenden Elemente der wirtschaftlichen Entwicklung
(Fn050). Sie wird als Voraussetzung des wirtschaftlichen Wachstums angesehen. In den
aelteren ökonomischen Theorien wird angenommen, daß geplantes volkswirtschaftliches
Sparen und geplante volkswirtschaftliche Investitionen durch einen Zinsmechanismus zum
Ausgleich gebracht werden, so daß zusätzliches Sparen stets auch zusätzliche
Investitionen und somit eine hoehere Kapitalbildung bedeuten.
Ob diese Wirkung tatsaechlich eintritt, hängt aber von unterschiedlichen Faktoren ab.
Wichtig ist vor allem, daß ein Kapitalbedarf besteht und die Ersparnisse in guenstigen
Vermögensformen angelegt sind (Fn051). Zur Durchfuehrung neuer Investitionen benötigen
die Unternehmer meist langfristige Kredite.
Das Einlagesparen hat für die wirtschaftliche Entwicklung keine große Bedeutung. Die bei
den Geldinstituten kurzfristig angelegten Gelder werden meist auch kurzfristig
weiterkreditiert.
Die türkischen Arbeitnehmer legen ihre Ersparnisse bei deutschen Kreditinstituten zum
groessten Teil kurzfristig an, so daß man von keinem nennenswerten Beitrag zu den
Leistungsreserven sprechen kann. Obwohl die türkischen Arbeitnehmer auch in Form von
Wertpapieren sparen, die für die wirtschaftliche Entwicklung von großer Bedeutung sind
(Fn052), ueben sie in der Bundesrepublik Deutschland keinen Einfluss auf die
Kapitalakkumulation aus, da türkische Arbeitnehmer fast ausschliesslich Wertpapiere von
türkischen Unternehmen aus der Türkei und von staatlichen Stellen erwerben.
Eine andere für die türkischen Arbeitnehmer wichtige Sparform ist die des
vermögenswirksamen Sparens nach dem 624-DM-Vermögensbildungsgesetz. Nach dem
Forschungsbericht hatten 44,6 % der türkischen Männer und 47,9 % der türkischen Frauen
1980 einen Sparvertrag nach dem 624-DM-Vermögensbildungsgesetz abgeschloßen (Fn053).
Diese Ersparnisse fliessen jedoch nicht in produktive Investitionen.
Abschliessend laesst sich feststellen, daß die türkischen Arbeitnehmer mit ihrem
Sparverhalten zur Geld und Kapitalbeschaffung sowohl quantitativ als auch qualitativ nur
einen sehr geringen Beitrag geleistet haben.
Die Geldüberweisungen der türkischen Arbeitnehmer haben über die Übertragungsbilanz
eine unmittelbar passivierende Auswirkung auf die Zahlungsbilanz (Fn054).
In der Übertragungs- und Dienstleistungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland mit dem
Ausland (Fn055) bildeten im Jahre 1982 die Geldüberweisungen ausländischer Arbeitnehmer
mit 7,8 Mrd. DM einen der groessten Passivposten neben den Fremdenverkehrs- und
Transportleistungen. Der höchste Betrag entfiel auf die türkischen Arbeitskräfte. Sie
transferierten 1982 3 Mrd. DM (Fn056) in die Türkei. Der Passivsaldo der
Übertragungsbilanz stieg, wie aus Tabelle 8 zu ersehen ist, von 6,4 Mrd. DM im Jahre 1967
auf 18,2 Mrd. DM im Jahre 1977 und auf 28,1 Mrd. DM im Jahre 1982 an. Dabei spielten die
Überweisungen der türkischen Arbeitnehmer eine bemerkenswerte Rolle, da ihr
Geldtransfer, wie erwaehnt, den groessten Anteil der gesamten Geldüberweisungen
ausländischer Arbeitskräfte ausmacht.
Eine generelle Beurteilung bzw. Bewertung der Geldüberweisungen türkischer Arbeitnehmer
ist schwierig. Es ist jedoch festzustellen, daß, solange die Handelsbilanzüberschuesse
ausreichen und die Zahlungsbilanz kein Defizit aufweist, die Geldüberweisungen nicht
negativ zu beurteilen sind.
Insbesondere in Zeiten der Hochkonjunktur sieht man die Geldüberweisungen als
Stabilisator an, weil durch sie die inländische Kaufkraft ins Ausland übertragen wird.
Auch bei Rezession sind die Geldüberweisungen noch als positiv zu bewerten, weil infolge
des Geldtransfers der Gastarbeiter akkumulierte Devisenreserven der Empfängerländer
durch die Nachfrage nach westdeutschen Exporterzeugnisse wieder in die Bundesrepublik
zurückfliessen.
Dadurch entsteht nämlich für die Bundesrepublik Deutschland ein Vorteil, der bisher
noch nicht in Betracht gezogen wurde: Der aufgetretene Nachfrageausfall im Inland (in der
BRD) unterliegt durch die Geldüberweisungen einer Strukturveränderung. Das heisst, wenn
die Geldüberweisungen der Gastarbeiter auf dem Binnenmarkt ausgegeben worden wären,
würden sie, wie bereits erklaert, dem Kauf von Konsumguetern dienen. Wenn aber die
Geldüberweisungen zunaechst ins Ausland fliessen, werden sie durch die Empfängerländer
meist für deutsche Industriegueter bzw. Exporterzeugnisse ausgegeben.
Man ist der Meinung, daß während des Nachfrageausfalls des Auslands nach 1974 (Fn057)
die Geldüberweisungen türkischer Arbeitskräfte eine stabilisierende Rolle gespielt
haben.
Tabelle 8: Passivsalden der Übertragungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland, die
gesamten Überweisungen ausländischer Arbeitskräfte und der Geldtransfer türkischer
Arbeitnehmer in die Türkei (in Mio DM)
| Jahr | Passivsalden der Übertragungsbilanz | Überweisung ausländischer Arbeitnehmer | Überweisung türkischer Arbeitnehmer |
|---|---|---|---|
| 1967 | 6,4 | 2,150 | 300 |
| 1968 | 7,3 | 2,150 | 350 |
| 1969 | 8,8 | 3,000 | 700 |
| 1970 | 9,8 | 5,000 | 1,250 |
| 1971 | 11,5 | 6,500 | 1,900 |
| 1972 | 14,0 | 7,500 | 2,300 |
| 1973 | 15,8 | 8,500 | 2,600 |
| 1974 | 16,4 | 8,000 | 2,650 |
| 1975 | 17,9 | 7,400 | 2,500 |
| 1976 | 17,9 | 6,700 | 2,150 |
| 1977 | 18,2 | 6,100 | 1,800 |
| 1978 | 17,8 | 6,300 | 1,550 |
| 1979 | 21,2 | 7,000 | 2,000 |
| 1980 | 24,5 | 7,500 | 2,500 |
| 1981 | 26,9 | 7,900 | 3,500 |
| 1982 | 28,1 | 7,800 | 3,000 |
Quelle: Deutsche Bundesbank Geschäftsbericht für das Jahr 77, S. 36 und
Geschäftsbericht für das Jahr 82, S. 23
Der indirekte Einfluss des Sparverhaltens der türkischen Arbeitnehmer auf die
Zahlungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland entsteht auf zweierlei Art.
Die türkischen Arbeitnehmer verursachen mit ihren Konsumwuenschen nach einheimischen
Konsumguetern eine Einfuhr aus der Heimat.
Das ist die erste indirekte, und zwar passivierende Einwirkung auf die Zahlungsbilanz der
Bundesrepublik. Der zweite indirekte Einfluss, der sich im Gegensatz zum ersten
aktivierend auf die Zahlungsbilanz auswirkt, entsteht dadurch, daß die
Geldüberweisungen, die ins Ausland gefloßen sind, die Auslandsnachfrage nach deutschen
Exportguetern erhoehen bzw. neue erwecken.
Hier stellt sich die Frage, welcher der Einfluesse schwerer wiegt, und in welchem Ausmass
sie in Erscheinung treten. Es ist schwierig herauszufinden, in welchem Ausmass die
türkischen Arbeitnehmer die Konsumguetereinfuhr aus der Türkei beeinflussen.
Dennoch kann man feststellen, daß die Einfuhr der Bundesrepublik Deutschland aus der
Türkei einen aehnlichen Trend aufweist wie die Zahl der türkischen Arbeitnehmer in der
Bundesrepublik.
Tabelle 9: Die Einfuhr der Bundesrepublik Deutschland aus der Türkei und die Zahl der
türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland
| Jahr | Einfuhr in Mio. DM | Zahl der türkischen Arbeitnehmer (in 1000) |
|---|---|---|
| 1967 | 360,4 | 131 |
| 1968 | 391,8 | 153 |
| 1969 | 433,2 | 244 |
| 1970 | 449,4 | 354 |
| 1971 | 481,5 | 453 |
| 1972 | 594,4 | 528 |
| 1973 | 704,6 | 605 |
| 1974 | 807,0 | 575 |
| 1975 | 779,0 | 523 |
| 1976 | 907,6 | 516 |
| 1977 | 871,8 | 505 |
| 1978 | 834,6 | 513 |
| 1979 | 901,7 | 553 |
| 1980 | 1062,7 | 576 |
| 1981 | 1363,7 | 581 |
| 1982 | --- | 554 |
Quelle: Deutsche Bundesbank; Statistisches Jahrbuch 1978 S. 257 und 1982 S. 266
Es ist anzumerken, daß in den Zahlen hinsichtlich der türkischen Arbeitnehmer die
Familienangehörigen und die engen Verwandten der Arbeitnehmer nicht enthalten sind. Wie
aus der Tabelle 9 zu ersehen ist, laesst sich insbesondere ab 1969 eine sichtbare Zunahme
der Einfuhr parallel zur Erhoehung der Anzahl der Arbeitnehmer feststellen. Jedoch sind
die Effekte als gering zu bezeichnen.
Im Gegensatz dazu erreichte die indirekte, aktivierende Auswirkung der Geldüberweisungen
auf die Zahlungsbilanz über die Handelsbilanz einen noch bemerkenswerteren Umfang.
Tabelle 10: Die Ausfuhr der Bundesrepublik Deutschland in die Türkei und die
Geldüberweisungen türkischer Arbeitnehmer aus der Bundesrepublik in die Türkei (in Mio.
DM)
| Jahr | Ausfuhr | Geldüberweisungen |
|---|---|---|
| 1967 | 683,9 | 300 |
| 1968 | 692,1 | 350 |
| 1969 | 656,8 | 700 |
| 1970 | 701,4 | 1250 |
| 1971 | 779,3 | 1900 |
| 1972 | 1035,2 | 2300 |
| 1973 | 1221,3 | 2600 |
| 1974 | 1827,5 | 2650 |
| 1975 | 2436,4 | 2500 |
| 1976 | 2685,4 | 2150 |
| 1977 | 2330,0 | 1800 |
| 1978 | 1695,8 | 1550 |
| 1979 | 1345,5 | 2000 |
| 1980 | 1613,6 | 2500 |
| 1981 | 1891,3 | 3500 |
| 1982 | --- | 3000 |
Quelle: Deutsche Bundesbank; Statistisches Jahrbuch 1978 S.257 und 1982 S. 266
Wie aus der Tabelle 10 ersichtlich ist, erhoehten sich die Exporteinnahmen der
Bundesrepublik Deutschland aus der Türkei von 683,9 Mio. DM im Jahre 1967 auf 1891,3 Mio.
DM im Jahre 1981. Nach den eigenen Berechnungen besteht zwischen den Geldüberweisungen in
die Türkei und der Ausfuhr der Bundesrepublik Deutschland in die Türkei eine positive
Korrelation von etwa 0,02.
Tabelle 11: Die Verteilung des Imports der Türkei nach ausgewaehlten Ländern (in Mio.
US-Dollar)
| Jahr | BRD | USA | Japan |
|---|---|---|---|
| 1977 | 75,041 | 41,429 | 25,808 |
| 1978 | 62,136 | 23,263 | 9,349 |
| 1979 | 56,959 | 33,738 | 25,716 |
| 1980 | 65,169 | 32,718 | 9,136 |
| 1981 | 76.101 | 48,852 | 16,896 |
| 1982 | 78,453 | 64,230 | 25,756 |
Quelle: OECD - Serie A (Monatsbericht) Foreign Trade
Die Bundesrepublik Deutschland nimmt, wie aus der Tabelle 11 zu entnehmen ist, seit
vielen Jahren den wichtigsten Platz in der türkischen Handelsbilanz ein. Diese Zunahme
der Handelsbeziehungen ist im wesentlichen auf die Geldüberweisungen der türkischen
Arbeitnehmer zurückzufuehren. Hinzukommt, daß die westdeutschen Produktionsgueter
geeignet sind für einen raschen Industrialisierungsprozess (Fn058), den die Türkei
dringend benötigt.
Es ist abschliessend noch zu erwaehnen, daß die türkischen Arbeitnehmer durch ihren
Beitrag zur Stabilität des Preisniveaus in der Bundesrepublik Deutschland die
Konkurrenzfaehigkeit der Bundesrepublik Deutschland im Ausland positiv beeinflussen und
damit auch indirekt die Zahlungsbilanz.
Nach den vorangegangenen Darlegungen kann zusammenfassend festgestellt werden, daß das
Sparverhalten der türkischen Arbeitnehmer im wesentlichen positive Auswirkungen auf die
Bundesrepublik Deutschland gehabt hat. Es trug sowohl zur inländischen
Geldwertstabilität als auch zum aussenwirtschaftlichen Gleichgewicht der Bundesrepublik
Deutschland bei.
Insbesondere ist der Beitrag der Geldüberweisungen als Exportnachfrage nach westdeutschen
Industrieguetern hervorzuheben, da die Exportabhängigkeit der deutschen Industrie
erheblich ist. Die Abschwächung des Welthandels 1982 führte sogar zeitweilig zur
Stagnation, weil ein Viertel der Gesamtproduktion an Gütern und Dienstleistungen für den
Export realisiert wird, so daß ein Nachfrageausfall nach westdeutschen Exportguetern
seitens des Auslandes im Inland nicht kurzfristig ausgeglichen werden kann (Fn059).
Ferner tragen die Geldüberweisungen zur Erweiterung des Volumens des Welthandels bei.
Wenn man Geldüberweisungen unter einem kritischen Aspekt betrachtet, so kommt man zu dem
Ergebnis, daß dadurch die wirtschaftliche Abhängigkeit der Empfängerländer, in diesem
Fall der Türkei, von der Bundesrepublik wächst. Dies kann man auch für die
Bundesrepublik als einen positiven Punkt bezeichnen, weil sich dadurch ihre
Einflußsphäre in wirtschaftlicher und in den meisten Fällen auch politischer Hinsicht
vergrößert.
In der Bundesrepublik Deutschland leben inzwischen 1,6 Mio. Türken, also mehr als 2,6
% der Bevölkerung. Die Mehrheit stellen dabei nicht die türkischen Arbeitnehmer, sondern
deren Familienangehörige. Ein großer Teil der ca. 700 000 Kinder und Jugendliche sind in
der Bundesrepublik Deutschland geboren und aufgewachsen. Das zunächst nur
arbeitsmarktpolitische Problem der Eingliederung türkischer Arbeitnehmer früherer Jahre
ist zum gesellschaftspolitischen Problem geworden. Die Eingliederung türkischer Familien
ist eine der großen gesellschaftspolitischen Herausforderung der 80er Jahre.
Viele Türken, die seit Jahren im Bundesgebiet leben und arbeiten, haben unter den
gegebenen ökonomischen Bedingungen in ihrem Herkunftsland kaum eine Chance, dort eine
vergleichbare Tätigkeit und einen ähnlichen Sozialstatus zu finden. Sie werden in der
Bundesrepublik Deutschland bleiben. Dies betrifft vor allem ihre hier aufgewachsenen
Kinder: die "zweite" und "dritte" Generation.
Die Schwerpunktaufgabe der Ausländerpolitik muß daher die sprachliche, berufliche und
gesellschaftliche Eingliederung der Arbeitnehmer und auch der zweiten und dritten
Generation sein, die im Zwischenbereich zweier Kulturen mit all den damit verbundenen
psychologischen und gesellschaftlichen Problemen lebt. Diese ausländische Bevölkerung
braucht Chancen und Gelegenheiten, unter den Bedingungen im Bundesgebiet gleichberechtigt
zu leben und zu arbeiten, ohne mit den Gewohnheiten und Traditionen ihres Landes gewaltsam
zu brechen.
Integration setzt voraus: Die nationale, religiöse und kulturelle Eigenständigkeit der
Ausländer wirklich anzuerkennen und umgekehrt, daß die Ausländer die gleiche Offenheit
und den gleichen Respekt für deutsche Lebensweisen aufbringen.
Die gesellschaftliche Eingliederung der Türken laesst sich nur dann verbessern, wenn
Kräfte im staatlichen und im gesellschaftlichen Bereich zusammenwirken. Integration ist
eine Aufgabe, die alle Verwaltungsebenen angeht, also ein gesamtstaatliches und
gesamtgesellschaftliches Ziel. Bund, Bundesanstalt für Arbeit, Länder, Gemeinden,
Gewerkschaften, Arbeitgeber, Kirchen und freie Organisationen sind gleichermaßen
aufgefordert, ihre Anstrengungen zu intensivieren.
Der zweite Teil der vorliegenden Arbeit beinhaltet die gesellschaftlichen Probleme der
türkischen Arbeitnehmer, wobei die Untersuchung durch eine empirische Befragung 100
türkischer Familien erfolgte. Da bei den meisten Untersuchungen offizieller Stellen die
Adressen der Befragten bekannt waren, ist anzunehmen, daß die Arbeitnehmer falsche
Angaben gemacht haben. Um das zu beseitigen ist die Befragung anonym geblieben.
In der Lernpsychologie gilt das Gesetz der Lernbereitschaft als nicht wegzudenkende
Voraussetzung des Lernerfolges. Es liegt auf der Hand, daß dieses Gesetz sich in
abgewandelter Form auch auf den Anpassungsvorgang der türkischen Arbeitnehmer übertragen
laesst. Wenn nicht ein Minimum von Anpassungsbereitschaft vorhanden ist, können keine
Anpassungserfolge erreicht werden.
Bei der Untersuchung dieses Problems werden drei Kategorien von Anpassungsbereitschaft
aufgestellt. Sie enthalten drei verschiedene Verhaltenstendenzen, die auf die
Anpassungsbereitschaft der türkischen Arbeitnehmer in Deutschland unterschiedliche
Einflüsse ausüben können. Man nennt sie Akkumulation, Isolation und Integration.
Unter Akkumulation wird die Neigung der jeweiligen türkischen Arbeitnehmer verstanden,
die bemüht sind, die heimatlichen traditionellen Verhaltensweisen für die Dauer des
Aufenthaltes in Deutschland aufzugeben und die des Gastlandes aufzunehmen. In der
Isolation zeigt sich die Haltung der Gleichgültigkeit der Befragten gegenüber den
Anpassungsanforderungen. Sie entspricht der Haltung der jeweiligen Türken, die auf der
Bewahrung der traditionellen heimatlichen Verhaltensweisen bestehen. Die Integration zeigt
die Neigung zu einem Kompromiß, zu einer Teilanpassung an die deutschen Verhaltensweisen,
wo es vorteilhaft erscheint.
Tabelle 12: Anpassungstendenz der Befragten in %
| Geschlecht | Isolation | Akkumulation | Integration | Summe |
|---|---|---|---|---|
| männlich | 41 | 2 | 22 | 65 |
| weiblich | 19 | - | 16 | 35 |
| Summe | 60 | 2 | 38 | 100 |
Einen Überblick über die bei den türkischen Arbeitnehmern in Deutschland vorhandene
Tendenz zur Anpassung gibt die Tabelle 12. Mehr als die Hälfte der Befragten zeigt eine
Isolation (60 %). Integration wird von 38 % der untersuchten Gruppe vertreten. Nur eine
geringe Zahl der Befragten entscheidet sich für die Übernahme der im Gastlande ueblichen
Verhaltensweisen (2 %). Die befragten Türkinnen entscheiden sich am häufigsten (46 %)
für Integration im Gegensatz zu den männlichen Befragten (33,8 %). Die männlichen
Befragten entscheiden sich signifikant häufiger als zu erwarten für eine Isolation (63,1
%).
Da das Festhalten an der heimatlichen, traditionellen Verhaltensweise sehr wahrscheinlich
in positivem Zusammenhang mit dem Alter steht, entscheiden sich die juengeren Arbeitnehmer
stärker als aeltere für die Integration und sogar für Akkumulation.
Die meisten der türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik stammen aus ländlichen
Gebieten der Türkei (siehe Schaubild 8). Sie sind in eine andere Klimazone und in einen
anderen Kulturkreis, meist auch in eine weniger gesunde Umgebung gekommen. Ihre gewohnte
Einheit von Wohnen und Leben ist zerstört. Sie haben die überschaubaren Strukturen ihrer
Heimat eingetauscht gegen die unübersichtliche Hektik einer Industriegesellschaft.
Türkische Arbeitnehmer haben diesen Kontrast nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland
einmal sehr charakteristisch definiert. Gegenüber der Ruhe, der Waerme, der Geborgenheit
und der Überschaubarkeit ihres Dorfes, erlebten sie in der Fremde: Laerm, Streit, Kaelte,
geschloßene Tueren, anderen Lebensstandard, Traurigkeit und Tristheit. Allein schon das
städtische Strassenleben bedeutet für sie eine überdurchschnittliche Belastung. Die
Lebensgemeinschaft, die jeder von ihnen von daheim gekannt hat, loest sich auf in ein
diffuses Zusammenleben - mal mit Bürgern des Gastlandes, mal mit Landsleuten, die einmal
mehr und einmal weniger im eigenen Sprengel konzentriert sind. Danach wäre der Begriff
"Getto" nicht nur raeumlich, sondern auch vom Individuum her zu definieren: Die
innere Abgeschloßenheit und Einsamkeit des einzelnen kann ebenso eine Gettoisierung zur
Folge haben, wie die Konzentration einzelner Nationalitäten auf einzelne Wohnviertel.
Schaubild 8: Herkunft der türkischen Arbeitnehmer (in %)
(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca)
Quelle: Eigene Erhebung (Befragung September 1983)
Wie es aus dem Schaubild 8 zu ersehen ist, kommen die befragten türkischen
Arbeitnehmer aus verschiedenen Regionen der Türkei. Insgesamt 61 % stammen aus dem
oestlichen bzw. nördlichen Teil der Türkei, wo hauptsaechlich Landwirtschaft betrieben
wird. Die restlichen 39 % stammen aus dem westlichen bzw. suedlichen Teil der Türkei, wo
die Bevölkerung der westlichen Umwelt naeher steht, als die oestliche Bevölkerung. Da im
Osten der Lebensstandard sehr niedrig und der Kulturkreis sehr eng ist, haben es die
Arbeitnehmer, die aus der Ost-Türkei stammen, sehr schwierig sich an die westlichen
Normen anzupassen. Ausserdem ist die Bevölkerung im Osten streng glaeubig. Das ist einer
der wichtigsten Gründe, der zur Isolation fuehrt. Durch die Sparneigung andererseits
sondern sich die Türken von der Konsumgesellschaft ab.
Während der Befragung wurden hauptsächlich die Schwierigkeiten der Anpassung, die
türkische Arbeitnehmer haben, aufgezählt. Die Aussage eines türkischen Arbeitnehmers
soll dies exemplarisch zeigen. Er und seine Landsleute seien nach Deutschland gekommen und
sofort in Fabriken "gepfercht" worden. Sie hätten nichts anderes kennengelernt
als arbeiten, Akkord und Überstunden. Zudem wurde man in schlechten Wohnheimen
untergebracht. Zeit zur Pflege der eigenen kulturellen Identität habe es nicht gegeben,
ebensowenig Zeit dafür, sich in die deutsche Bevölkerung zu integrieren. Man sei
isoliert worden; die Industrie habe eigene Baracken für die fremden Arbeiter gebaut, um
sie dort in Massen unterzubringen. Nicht einmal die Bedeutung abfälliger Bezeichnungen
wie "Knoblauchfresser" oder "Schaftreiber" habe man anfangs gekannt.
Die Deutschen aus der Sicht der Gastarbeiter sind kühl, gefühllos, gefühlsarm,
abweisend, arrogant, wenig kameradschaftlich, etwas hartherzig, dazu leistungsbetont,
fleißig, zielstrebig, energisch.
Als Hinderungsgrund wird am meisten der Mangel an deutschen Sprachkenntnissen genannt.
Weiterhin wird hervorgehoben, daß Deutsche abweisend seien und daß bei ihnen starke
Vorurteile vorhanden sind. Rund 10 % der Nennungen bezogen sich darauf, daß Kontakte
deswegen nicht stattfinden, weil Ausländer in der Meinung der Deutschen dumm seien.
Für die speziell deutsch-türkische Nachbarschaft in Wohnquartieren ergeben sich
besondere Probleme. Der Zuzug von Türken bedeutet ein Symptom der Verschlechterung
deutscher Wohn- und Lebensbedingungen. Erschwernisse besonderer Art ergeben sich für
Türken immer wieder im Umgang mit den deutschen Behörden, von den sich viele nicht
sonderlich gut behandelt fühlen. Dabei wird behauptet, daß Ausländer bei Behörden
immer länger warten müssen; sie gern benachteiligt werden. Ausländer müssen lange in
der Schlange stehen; die Deutschen kommen viel schneller dran. Sie beklagen sich über
einen zuweilen barschen Ton ("Wir haben keine Wohnung für dich!"), oder, daß
sie bei Behörden mit "du" oder in gebrochenem "Gastarbeiter-Deutsch"
angesprochen werden. Die meisten türkischen Arbeitnehmer sind der Meinung, daß sie in
den Verwaltungsbehörden bei der Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis nach ihrer
Anpassungsbereitschaft behandelt werden. Besonders in der letzten Zeit, bei verstärkter
Arbeitslosigkeit, erweist sich die Angst vor einer Nicht-Verlängerung der
Aufenthaltserlaubnis als wirksames Mittel, die Ausländer bzw. Türken zu diskriminieren.
Eine Verordnung vom 21.11.59 (Fn060) enthält Vorschriften über die Beschaffenheit von
Unterkünften. Diese Vorschriften sollen auch als Richtschnur für die Frage der
Unterbringung ausländischer Arbeitnehmer in der Bundesrepublik dienen. Schlaf- und
Aufenthaltsraum sollen danach grundsätzlich voneinander getrennt sein. Es dürfen nicht
mehr als 6 Bettstellen in einem Raum aufgestellt werden. Sofern ein Betrieb in mehreren
Schichten arbeitet, muß für jede Schicht ein getrennter Schlafraum zur Verfügung
stehen.
Im folgenden soll festgestellt werden, wie die befragten Türken untergebracht sind, die
Häufigkeit des Wohnungswechsels, die Hauptgründe für den letzten Wohnungswechsel und
die Beurteilung des Mietpreises.
Tabelle 13: Unterbringung der Befragten
| Befragte | Mietwohnung | eigenes Zimmer |
|---|---|---|
| männlich | 63 | 2 |
| weiblich | 33 | 2 |
| Summe | 96 | 4 |
Anhand der Tabelle 13 wird anschaulich, daß viele türkische Arbeitnehmer über eine
Mietwohnung verfügen. Die Frage ist aber, ob sie mit ihrer Wohnung zufrieden sind.
Es ist allgemein bekannt, daß bei der Unterbringung der ausländischen Arbeitskräfte in
Deutschland noch vieles im Argen liegt. In vorliegender Untersuchung treten einige
Erscheinungen zutage, die diesen Gedanken weitgehend bestätigen.
Einige Unterkünfte, in denen meistens die Türken wohnen, sind unzureichend ausgestattet.
Es gibt ein Vorurteil, daß die Türken aus eigenem Willen in solchen Wohnungen wohnen. In
der Wirklichkeit sieht das ganz anders aus. Fast die Hälfte der Befragten sind der
Meinung, sie seien gezwungen, in solchen Wohnungen zu wohnen, da sie eine Möglichkeit
für eine bessere Wohnung nicht haben. Die Untersuchung hat festgestellt, daß fast die
Hälfte der Befragten kein Bad, 70 % Ofenheizung und ca. 20 % keine eigene Toilette haben.
Andererseits wird bei Fehlen von sanitären Anlagen oft das Argument: "Dafür wohnen
Sie aber billiger", von den Befragten akzeptiert.
Nach alledem erscheint bei der Untersuchung bemerkenswert, daß die befragten Arbeitnehmer
zu einem hohen Prozentsatz mit ihrer Wohnung, bezüglich der Wohnungsgröße, zufrieden
sind.
Tabelle 14: Zahl der Personen auf einem Wohnraum
| Zahl der Personen | Zahl der Räume | Summe | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | ||
| - 1 - | 4 | 3 | 1 | - | - | - | 8 |
| - 2 - | - | 11 | 5 | 2 | - | - | 18 |
| - 3 - | - | 10 | 9 | - | - | - | 19 |
| - 4 - | - | 2 | 10 | 6 | 1 | - | 19 |
| - 5 - | - | 2 | 15 | 5 | - | 1 | 23 |
| - 6 - | - | - | 5 | 7 | - | - | 12 |
| - 7 - | - | - | - | 1 | - | - | 1 |
| Summe | 4 | 28 | 45 | 21 | 1 | 1 | 100 |
Wenn man die Tabelle 14 in Betracht zieht, wird das auch bestätigt, denn nur 6 % der
Befragten haben, im Verhältnis zur Personenzahl, niedrigere Raumzahlen. Der
Zufriedenheitsgrad bezueglich Wohnungsgröße differiert wiederum bei einzelnen Gruppen.
So wird dieser Faktor von nichterwerbstätigen Türkinnen eher kritischer beurteilt als
von Frauen, die einer Beschäftigung nachgehen: Eine Mutter, die mit Hausarbeit und
Kindererziehung an die Wohnung gebunden ist, wird naturgemäß eher dazu neigen, die
Wohnsituation zu kritisieren, als eine berufstätige Frau.
Der Repräsentativuntersuchung'80 zufolge hatten zum Befragungszeitpunkt 24 % der
Ausländer eine Sozialwohnung beantragt, in erster Linie Türken. Die Untersuchung macht
aber auch eine doppelte Benachteiligung gerade kinderreicher Familien deutlich. Je hoeher
die Kinderzahl, desto länger die Wartezeit; 38,2 % der Familien mit fuenf und mehr
Kindern gaben an, drei Jahre und mehr auf eine Sozialwohnung zu warten (Fn061).
Bezueglich der Häufigkeit des Wohnungswechsels ergeben sich bei den Befragten keine
großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Tabelle 15: Häufigkeit des Wohnungswechsels
| Geschlecht | Häufigkeit des Wohnungswechsels | |||
|---|---|---|---|---|
| Niemals | 1 Mal | 2-3 Mal | öfter als 3 | |
| männlich | 22 | 3 | 2 | 8 |
| weiblich | 40 | 2 | 14 | 9 |
| S u m m e | 62 | 5 | 16 | 17 |
Die Befragten weisen in dieser Hinsicht solche empirischen Werte auf, die von den
theoretisch zu erwartenden Häufigkeiten nur geringfügig abweichen. 62,9 % der Frauen und
62 % der Männer haben die Wohnung nicht gewechselt. Gleichzeitig gibt es einige
Ausnahmen, z.B. Wohnungswechsel bis zu 8 mal.
Wenn man von der Häufigkeit des Wohnungswechsels spricht, muß man auch die Ursachen, die
Gründe die dazu fuehren, analysieren. Man kann hier nicht jeden Beweggrund für jeden
einzelnen bereits vollzogenen Wohnungswechsel der türkischen Arbeitnehmer ans Tageslicht
bringen. Es wird die Aufgabe gestellt, nur den Hauptgrund für den letzten Wohnungswechsel
zu ergründen.
Auskunft über die gesammelten Antworten auf diese Frage gibt Tabelle 16. Aus ihr
ergibt sich, daß in dieser Hinsicht keine statistisch sicheren Unterschiede zwischen den
männlichen und den weiblichen Befragten bestehen. Mit fast übereinstimmender Häufigkeit
wird als Hauptgrund für den letzten Wohnungswechsel hohe Miete genannt. Und zwar von 14,3
% der befragten Frauen und 15,4 % der Männer.
Tabelle 16: Hauptgrund für den letzten Wohnungswechsel
| Hauptgrund für letzten Wohnungswechsel | Geschlecht | Summe | |
|---|---|---|---|
| männlich | weiblich | ||
| keinen Wechsel | 40 | 22 | 62 |
| zu teuer | 10 | 5 | 15 |
| Wohnung war klein | 3 | 5 | 8 |
| zu weit vom Arbeitsplatz | 2 | - | 2 |
| wurde gekuendigt | 8 | 2 | 10 |
| sonstiges | 2 | 1 | 3 |
| Summe | 35 | 65 | 100 |
Der Mietpreis ist natuerlich von der Beschaffenheit, Einrichtung und Lage der Wohnung
abhängig. Manche Befragten wollen bequem und gut wohnen, auch wenn sie dafür etwas mehr
zahlen müssen, andere dagegen wollen unbedingt sparen und geben sich mit dem
Notwendigsten zufrieden.
"Die Bevölkerung aus der Türkei", so stellt Deniz Camlikbel fest, "hat
am Wohnungsmarkt nur insofern teil, als es sich um Altbauhäuser handelt, die durch den
Einzug von Ausländern schneller saniert werden. Die türkischen Mieter ueben keinen Druck
auf den Vermieter aus, der unterläuft so seine Pflicht zur Instandhaltung und
Instandsetzung, erhält aber eine hohe Rendite" (Fn062).
Professor Erika Spiegel (Berlin) zum gleichen Thema: "Für den Eigentuemer bzw.
Sanierungsträger sichern Türken die Rentabilität von Altbauten während der
Restnutzungsdauer der Gebaeude, da diese kurzfristig in die von deutschen Haushalten
bereits verlassenen Wohnungen einziehen oder eingewiesen werden können. Dies fuehrt dazu,
daß bei einer abschnittsweisen Sanierung in einem Gebiet die Türken immer vor der
Sanierung hergeschoben werden. Waehrend der Anteil der Türken in bereits sanierten
Haeusern und Bloecken abnimmt, steigt er in noch zu sanierenden an..." (Fn063).
Ein großer Teil der Türken lebt in städtebaulichen Problemgebieten mit schlechter
Bausubstanz und hohen Umweltbelastungen. Das Angebot an größeren, angemessenen
ausgestatteten Wohnungen zu tragbaren Mieten für die meist kinderreichen Haushalte ist
bei weitem nicht ausreichend (Fn064).
Waehrend der Befragung waren auch einige qualitative Äusserungen dabei, die den
bisherigen Behauptungen entsprechen:
"Wir wohnen hier wie die Zigeuner und beginnen zu denken, daß wir als solche betrachtet werden."
"Man verliert mit der Zeit die Selbstachtung, wenn man unter solchen Umständen wohnen muß."
"Die schlimmste Folge aus dieser Wohnsituation ist für mich ein unvermeidliches Gefühl der Minderwertigkeit gegenüber den Menschen, die anständig wohnen."
Über die Hälfte der Befragten haben angegeben, Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche
gehabt zu haben. In der Skala der Gründe dafür rangieren nach Ausländerfeindlichkeit
der Vermieter, die langwierige Wohnungssuche und die Wohnkosten an zweiter und dritter
Stelle.
Es geschieht immer wieder, daß allgemein die ausländischen Mieter von ihren Vermietern
übervorteilt werden. Nach Erkenntnissen lassen sich die Türken durch
Kuendigungsdrohungen unter Druck setzen, zahlen oft "in Unkenntnis" überhoehte
Mieten und ebenso überhoehte, unberechtigte Nebenforderungen des Vermieters, zumeist in
Verbindung mit der Heizkostenabrechnung. Aus der Sicht eines großen Mietervereins gibt es
am Wohnungsmarkt, was den Mieterschutz angeht, kaum Gastarbeiterprobleme, sondern nur
Türkenprobleme, meint Bernhard Voigt, Geschäftsfuehrer des Mietervereins Köln, der mit
41700 Mitgliedern die groesste Organisation in der Bundesrepublik dieser Art ist.
Die Kommunikationsschwierigkeiten sind das groesste der zu überwindenden Probleme, die
sich dem Einwanderer in der neuen Umgebung stellen. Das Unvermögen zur Kommunikation ist
ein Hindernis für die Integration und den beruflichen Aufstieg, das am besten durch eine
entsprechende Vorbereitung vor der Arbeitsaufnahme zu überwinden wäre. Tatsaechlich
haben die Befragten wenige Kenntnisse im Deutschen, wenn man die folgenden Tabellen
analysiert.
Ist es für einen ausländischen Arbeitnehmer überhaupt möglich, die deutsche Sprache zu
erlernen? Wie es im Schaubild 8 deutlich gemacht wurde, stammen ca. 61 % der Befragten aus
der Ost- und Nord-Türkei, d.h. aus agrarischen Gebieten, in denen die Analphabeten-Quote
sehr hoch ist. Selbst die Kenntnisse in der Muttersprache beschränken sich nur auf
elementare Dinge, und ihr Interesse gilt hauptsaechlich dem Unterhaltserwerb und richtet
sich nicht darauf, etwas Neues zu lernen. Durch entsprechende Fragen wurde versucht
festzustellen, inwieweit die Befragten die sprachlichen Schwierigkeiten überwunden haben
und wie sie selbst ihre Sprachkenntnisse einschätzen.
Tabelle 17: Die deutschen Sprachkenntnisse der türkischen Arbeitnehmer
| Deutsche Sprachkenntnisse | Geschlecht | |
|---|---|---|
| männlich | weiblich | |
| vorhanden | 64 | 34 |
| nicht vorhanden | 1 | 1 |
| Deutsche Sprachkenntnisse | Geschlecht | |
|---|---|---|
| männlich | weiblich | |
| fliessend | 20 | 13 |
| gebrochen | 45 | 22 |
| Deutsche Sprachkenntnisse | Geschlecht | |
|---|---|---|
| männlich | weiblich | |
| lesen und schreiben können | 36 | 24 |
| nur lesen können | 1 | 3 |
| keine von beiden | 28 | 8 |
Tabelle 18: Sprachverhältnisse in der Familie
| Deutsch | Türkisch | Beide | |
|---|---|---|---|
| Ehepartner miteinander | 1 | 92 | 7 |
| Kinder miteinander | 12 | 49 | 12 |
| Eltern mit Kindern | 2 | 65 | 12 |
Nach Auswertung der Tabellen ergab sich, daß 98 % der Befragten über vorhandene
Sprachkenntnisse verfügen und damit auch die anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten
als überwunden betrachten, was natuerlich nicht bedeutet, daß sie die deutsche Sprache
beherrschen. Insgesamt 36 % haben zugegeben, daß sie Deutsch weder lesen noch schreiben
können. Bei den Angaben als vorhandene Sprachkenntnisse (98 %) gelten nur 33 % als
fliessend, die restlichen 67 % können verstehen was gesagt wird, sind jedoch nicht in der
Lage, ihre Gedanken gut genug in deutsche Worte zu kleiden. Die zwei Befragten mit
nicht-vorhandener Sprachkenntnisse bewerten ihre Lage wiederum als gebrochen.
In der Familie wird am häufigsten Türkisch gesprochen, auch von den Kindern. In sieben
Familien wird neben Türkisch auch Deutsch gesprochen, und in einer Familie, in der die
Ehefrau deutsche Nationalität hat, wird nur Deutsch gesprochen.
Unter den Erwachsenen zeigen die privat wohnenden Ledigen, die auch ausserbetrieblichen
Kontakt mit den Einheimischen haben, einen gewissen Fortschritt in der Beherrschung der
Sprache. Bei den uebrigen, im familiären Rahmen lebenden Arbeitnehmern, bietet die
berufliche Tätigkeit eine Möglichkeit zur Erlangung elementarer Sprachkenntnisse, die
für den harmonischen Ablauf dieser Tätigkeit notwendig sind. Die Beherrschung der
notwendigen Terminologie kann aber nicht als Beherrschung der deutschen Sprache betrachtet
werden. Dies wird von den Befragten subjektiv empfunden, wie z.B. aus solchen Aussagen
hervorgeht, nach denen sie versuchen, die Sprache zu lernen. Dieses Streben bleibt
natuerlich auf ein Niveau des Selbstunterrichtes beschränkt. Die bestehenden Kurse werden
nicht in Anspruch genommen. Würden sie ernstlich beansprucht, dann wären sie
zahlenmäßig natuerlich absolut unzureichend.
Einige qualitative Meinungen hinsichtlich der Sprachkenntnisse:
"Es lohnt sich wirklich, einige Kenntnisse der deutschen Sprache zu erwerben. Man gewinnt dadurch eine gewisse Sicherheit und Selbständigkeit im Umgang mit den Deutschen."
"Es liegt im eigenen Interesse, mindestens so viel Deutsch zu lernen, daß man sich verständlich machen kann, sich gegen Missbrauch und Ungerechtigkeit wehren kann."
"Wir sind in Deutschland. Da können wir nicht verlangen, daß die Deutschen unsere Muttersprache lernen."
Gegenseitige Abhängigkeit sowie Interaktionshäufigkeit und Sympathie stellen die
Basis für Kontaktaufnahme dar. Nach Homans lautet die Hypothese: Je häufiger die
Menschen miteinander in Interaktion stehen, desto mehr tendieren ihre Aktivitäten und
Gefühle dazu, sich in mancher Hinsicht einander anzugleichen. Je mehr ausserdem die
Aktivitäten und Gefühle eines Menschen denjenigen anderer Menschen aehneln, um so
wahrscheinlicher ist es, daß sich die Integration zwischen ihm und diesen anderen
erhoehen wird (Fn065).
Ein wesentliches Moment für die Aufnahme zwischenmenschlicher Beziehungen der türkischen
Arbeitnehmer mit den Deutschen ist danach die bei den Türken vorhandene
Kontaktbereitschaft.
31,6 % der Ausländer bevorzugen ein Zusammenleben mit Deutschen, während mehr als 60 %
keine eindeutige Präferenz erkennen lassen (Fn066). Vor allem die Türken, die mit 1,6
Mio. das groesste Kontingent unter den ausländischen Arbeitnehmern stellen, bilden hier
ein Problem-Potential. Der Psychologe Safa Bostanci hat in einer Diplomarbeit die
Ergebnisse einer Befragung fast 20.000 türkischer Landsleute festgestellt, daß die
meisten in einer "importierten türkischen Welt" leben, in "Gettos mit
typischem Milieu", gepraegt von der Tradition der Großfamilie und enger
landsmannschaftlicher Nachbarschaft. Sie sind durch Sprachbarrieren und Lebensgewohnheiten
weitgehend isoliert, aber dennoch groesstenteils subjektiv ohne Probleme. Denn die meisten
von ihnen empfinden die gettoaehnliche Isolation in Ordnung - ein Schutzzaun gegenüber
einer fremden und häufig feindseligen Umwelt (Fn067).
Bei der Befragten-Gruppe haben sich einige Aspekte herausstellen lassen, die die
Integration positiv oder negativ beeinflussen können.
Die Integration in eine fremde Umgebung erfolgt überwiegend durch informelle
Lernprozesse wie z.B. Beobachtung, Erfahrung, Nachahmung, usw.. Diese setzen wiederum das
Vorhandensein von Kontakten zu den Menschen in der neuen Umgebung voraus.
Die türkischen Arbeitnehmer nehmen die Kontaktmöglichkeiten im Betrieb wahr. Nachdem sie
die notwendigen Sprachkenntnisse für den Ablauf ihrer Tätigkeit gewonnen haben,
versuchen sie zu den Menschen Kontakt aufzunehmen, mit denen sie zusammen arbeiten. Wird
es ihnen aber auch ausserhalb der Werkstatt gelingen, zu den Deutschen Zugang zu finden
und mit ihnen engeren Kontakt bzw. "freundlichere" Beziehungen anzuknuepfen?
Hier ist zu unterscheiden zwischen Kontakten am Arbeitsplatz und Kontakten in der
Freizeit. Vorab muß zu diesem Punkt noch bemerkt werden, wie die Einstellungen der
Bundesbürger gegenüber Ausländern sind. 49 % der Bundesbürger sind
ausländerfeindlich, 29 % ausländerfreundlich, 22 % sind in Einstellungen und Verhalten
ambivalent und nur 37 % der Ausländerfreundlichen haben regelmäßige oder häufige
Kontakte mit Ausländern (Fn068). Zu allererst muß gesagt werden, daß der Begriff
Bekannschaft oder Freundschaft nicht nur individüll verschieden verstanden werden kann,
sondern daß dieser Begriff eine besondere Bedeutung für die türkischen Arbeitnehmer
hat. Die Türken beziehen die Bekanntschaft oder Freundschaft in die Intimsphaere ihrer
Beziehungen ein. So reicht die Interpretationsskala des Begriffinhaltes von mehr oder
weniger verbindlicher Kameradschaft bis zur engen und vertraulichen Beziehung, weshalb es
auch nicht möglich ist, die Kontakttiefe zu ermitteln. Die Bemuehungen richten sich
prinzipiell auf die Kontaktqüllen, -häufigkeit und auf den Zufriedenheitsgrad der
Kontakte, aus denen die Bekanntschaften hervorgehen.
Tabelle 19: Zahl der eingegangenen Bekanntschaften mit Deutschen, deren Quellen und
Zufriedenheitsgrad
| Mehrzahl der Bekannten sind: | männlich | weiblich | Summe |
|---|---|---|---|
| Landsleute | 60 | 27 | 87 |
| Deutsche | -- | -- | -- |
| Beide | 5 | 8 | 13 |
| Eingegangene Bekanntschaften: | männlich | weiblich | Summe |
|---|---|---|---|
| keine | 8 | 2 | 10 |
| wenige (1 bis 3) | 18 | 9 | 27 |
| viele (4 und mehr) | 39 | 24 | 63 |
| Zufriedenheitsgrad: | männlich | weiblich | Summe |
|---|---|---|---|
| sehr gut | 15 | 7 | 22 |
| gut | 28 | 23 | 51 |
| weder gut noch schlecht | 15 | 5 | 20 |
| schlecht | 2 | - | 2 |
| Wo kennengelernt? | männlich | weiblich | Summe |
|---|---|---|---|
| im Betrieb | 42 | 21 | 63 |
| durch Bekannte | 26 | 20 | 46 |
| im Tanzlokal | 4 | - | 4 |
| in der Schule | 4 | 6 | 10 |
| in Vereinen | 9 | - | 9 |
| beim Sport | 9 | 2 | 11 |
| Eingeladen worden? | männlich | weiblich | Summe |
|---|---|---|---|
| ja | 46 | 26 | 72 |
| nein | 19 | 9 | 28 |
| selten (1 bis 3) | 19 | 10 | 29 |
| oft (4 und mehr) | 27 | 16 | 43 |
In Tabelle 19 wird gezeigt, daß 80 % der Befragten zu einer oder mehreren Familien
Kontakte aufgenommen haben. Obwohl 87 % der Befragten als Mehrzahl der Bekannten nur
Landsleute angeben, ist die Zahl der eingegangenen Bekannschaften mit Deutschen ziemlich
hoch. Wichtig ist der Zufriedenheitsgrad dieser Bekanntschaften. Wie es oben auch zu sehen
ist, können die Kontakte als sehr gut oder aber auch als weder gut noch schlecht und
sogar als schlecht bezeichnet werden.
Es wäre allerdings falsch, die Situation idealisieren zu wollen, denn immerhin sind 2
dieser Kontakte als schlecht bezeichnet worden. Das kann damit erklaert werden, daß
schlechte Arbeitserfahrungen auf private Bekanntschaften zurückreflektieren. Die recht
signifikanten Abweichungen lassen die Schlussfolgerung zu, daß viele
Kontaktmöglichkeiten, die bereits deutschsprechenden Arbeitnehmern offenstehen, von
denjenigen, die Verständigungsschwierigkeiten haben, nur z.T. wahrgenommen werden
können.
Besuche bei deutschen Familien sind für die türkischen Arbeitnehmer von Wert für ein
Kennenlernen der deutschen Lebensgewohnheiten und Umgangsformen. Aus diesem Grunde ist die
folgende Frage gestellt worden: Wurden Sie schon einmal von Deutschen privat eingeladen?
Aus Tabelle 19 ist zu ersehen, daß 72 %, also die Mehrheit der türkischen Arbeitnehmer,
bereits Gast bei deutschen Familien war, 43 % sogar oft. Interessant ist, daß der Anteil
derjenigen, die deutsche Familien kennengelernt haben, bei 90 % liegt, während 72 %
eingeladen worden sind. Einige der Befragten haben die Beziehung zur gastgebenden Familie
als schlecht bzw. nicht sehr schlecht bezeichnet. Dieses Ergebnis kann als
zufriedenstellend angesehen werden, weil nur 20 % der Befragten, die mit deutschen
Familien Bekanntschaft gemacht haben, bisher keine Einladung erhalten haben. An dieser
Stelle muß nochmals betont werden, daß auch dies ein Problem der Sprachkenntnisse und
somit der Kommunikationsmöglichkeit darstellt.
Es interessierte weiter, wo und unter welchen Umständen die türkischen Arbeitnehmer ihre
deutschen Bekannten kennengelernt haben. Die überwiegende Mehrheit der Befragten hat zu
dieser Frage mehr als eine Antwort gegeben. Danach sind 63 % der Bekanntschaften innerhalb
des Betriebes zustande gekommen. Wichtige Quellen für eine Freundschaft sind Tanzlokale,
Nachbarschaft, Sport und durch Bekannte vermittelte Freundschaften. Durch Bekannte und
Sport vermittelte Freundschaften haben auch Vorrang bei den Befragten.
Tabelle 20: Mit wem haben die türkischen Arbeitnehmer am liebsten Kontakt?
| Mit....... | männlich | weiblich | Summe |
|---|---|---|---|
| Landsleuten | 41 | 20 | 61 |
| Deutschen | - | 1 | 1 |
| Beiden | 12 | 5 | 17 |
| International | 12 | 9 | 21 |
| Summe | 65 | 35 | 100 |
Wie aus der Tabelle 20 ersichtlich, hat auf die entsprechende Frage nur eine der
Befragten geantwortet, sie hätte Kontakt am liebsten mit Deutschen, während die große
Mehrheit, nämlich 61 %, den Kontakt mit Landsleuten vorzieht. 17 % der Befragten
bevorzugen immerhin einen Kontakt mit Landsleuten und mit Deutschen, während die
restlichen 21 % angeben, daß sie mit allen Nationalitäten Kontakte aufnehmen können.
Die starke Tendenz zu Kontakten nur mit Landsleuten laesst sich aus der Heterogenität der
Lebensweise, des Verhaltens und der Mentalität erklären, die die Entstehung von
Solidarität und engen freundschaftlichen Beziehungen zu den Einheimischen behindert,
während sie diese zwischen den Gastarbeitern stärkt. Zudem wirkt die nachteilige
wirtschaftliche Position negativ auf den Aufbau der Beziehungen und ist vielfach der Grund
des Entstehens von diskriminierenden, wenn nicht gar von feindschaftlichen Tendenzen.
Keine wichtige Variante in den Beziehungen der türkischen Arbeitnehmer zu den
Deutschen ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Wie tief diese Beziehungen sind
und in welcher Richtung sie sich entwickeln, ist nicht leicht festzustellen, da die
Befragten nicht gerne auf diese Fragen antworten. In folgender Tabelle sind die Ergebnisse
über die freundschaftlichen Beziehungen der Befragten zu den Deutschen anderen
Geschlechts zusammengestellt. Aus ihr kann man entnehmen, daß das Geschlecht keinen
statistisch sicheren Unterschied in dieser Hinsicht bedingt.
Tabelle 21: Freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen anderen Geschlechts
| Familienstand: | männlich | weiblich |
|---|---|---|
| n = % | n = % | |
| ledig | 8 = 12,3 | 5 = 14,3 |
| verheiratet | 56 = 86 | 29 = 82,9 |
| geschieden | 1 = 1,5 | 1 = 2,9 |
| Beziehung vorhanden? | männlich | weiblich |
|---|---|---|
| n = % | n = % | |
| ja | 28 = 43,1 | 17 = 48,6 |
| nein | 37 = 56,9 | 18 = 51,4 |
| Wie gut ist sie? | männlich | weiblich |
|---|---|---|
| n = % | n = % | |
| sehr gut | 8 = 28,6 | 5 = 29,4 |
| gut | 13 = 46,4 | 10 = 58,8 |
| weder gut noch schlecht | 7 = 25 | 2 = 11,8 |
Die Zahl der Türkinnen, die freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen unterhalten
(48,6 %), ist jedoch größer als die der männlichen Befragten (43,1 %). In dieser
Beziehung haben vielleicht die männlichen Befragten größere Schwierigkeiten, Vorurteile
zu überwinden.
Die Schwierigkeiten der Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen zu Deutschen anderen
Geschlechts erweisen sich bei den befragten Türken als Sprachschwierigkeiten.
Hinsichtlich des Familienstandes sind auch keine statistisch sicheren Unterschiede
zwischen den beiden Geschlechtsgruppen bezueglich der freundschaftlichen Beziehungen zu
Deutschen anderen Geschlechts zu verzeichnen (Tabelle 21). Die Verhältnisse sind, mit
geringfügigen Abweichungen, bei den männlichen und weiblichen Befragten ungefaehr
gleich. Interessant ist, daß die Mehrheit der weiblichen Befragten den Zufriedenheitsgrad
als "gut" angibt. Waehrend 25 % der Männer die Beziehung als "weder gut
noch schlecht" bewerten. Nicht alle Türken, die Beziehung zu Deutschen anderen
Geschlechts unterhalten, haben die Absicht zu heiraten. Es wurden während der Befragung
einige Äusserungen zur gemischten Ehe gemacht.
Von männlichen Befragten:
"Ich bin für die Gleichberechtigung der Frauen. Aber mir scheint, daß die deutschen Frauen mit ihrer Gleichberechtigung viel zu weit gehen."
"Die deutschen Frauen sind sehr anspruchsvoll."
"Eine gemischte Ehe, die gut verlaufen sollte, verlangt von den Ehepartnern eine tiefgreifende Umstellung der Mentalität, der Lebensgewohnheiten usw. Für uns wäre es sicherlich nicht leicht, unsere Lebensgewohnheiten aufgeben zu müssen. Für den deutschen Ehepartner, der in die Türkei versetzt wäre, wären aehnliche oder noch größere Schwierigkeiten vorhanden."
Von weiblichen Befragten:
"Ich glaube, daß die deutschen Ehemänner nicht so häufig als `autoritaere Person` auftreten wie die türkischen."
"Der deutsche Ehemann ist nicht eifersüchtig."
"Man würde ein selbständigeres, freieres Leben fuehren können."
"Aus der Heirat mit einem Deutschen verspreche ich mir, ausser dem hoeheren Lebenskomfort, eine freundliche Atmosphaere der Partnerschaft, eine Befreiung der lebenslangen Unterwerfung unter den absoluten Willen des Familienoberhauptes."
Diese Aussagen enthalten nur einige Aspekte des Problems. Dieses Thema ist noch nicht ganz untersucht worden. Es wäre aber von Interesse, den Verlauf der zwischen Gastarbeitern und Deutschen eingegangenen Ehen eingehend zu betrachten.
Es muß zuerst darauf hingewiesen werden, daß hier Diskriminierung nichts mit dem
Rassenwahn nazistischer Praegung zu tun hat. Es handelt sich lediglich um
Verhaltenserscheinungen einer Majorität, die mehr oder minder gewisse Merkmale der
Unduldsamkeit, der Verständnislosigkeit gegenüber den Verhaltensweisen andersaussehender
fremder Gruppen verraten.
In diesem Abschnitt wird von "schwachen" und "starken"
Diskriminierungserlebnissen gesprochen, die an Hand der von den Befragten berichteten
Erlebnissen zusammengefasst worden sind.
Beispiele für starke Diskriminierung:
"Zu dem Restaurant..... haben wir keinen Zutritt. Ich bin einmal mit sanfter Gewalt auf die Strasse gesetzt worden, weil ich mich weigerte, das Lokal zu verlassen, bevor ich bedient wurde."
"Tut mir leid, wir haben keine Wohnung für die Türken zu vermieten. Das ist immer die gleiche Antwort, die ich während der Wohnungssuche höre."
"Waehrend der Karnevalstage mußten wir im Krankenhaus doppelt soviel arbeiten, weil die deutschen Kolleginnen sich freigeholt hatten. Wir wollten auch einmal den Karneval in Köln erleben und baten darum. Die Antwort:"Nein, ihr seid hierher gekommen, um zu arbeiten, nicht um zu feiern. Das Karnevalsfest ist sowieso nichts für Moslems."
Es ist zu sehen, daß die Türken durch ihre Religion mehr benachteiligt sind als die
anderen Ausländer. Ausserdem ist es von den weiblichen Befragten mehrmals erlebt worden,
daß man ihnen auf der Strasse das Kopftuch heruntergerissen hat.
Die häufigsten Formen der "schwachen" Diskriminierung sind die sogenannten
"verbalen Äusserungen" wie z.B. Witze, Gerüchte, herabsetzende Schilderungen,
verbale Drohungen, usw. Das sind die Urteile, die über die türkischen Arbeitnehmer
gefaellt werden, ohne daß man sie anhand von Tatsachen auf ihre Gueltigkeit überprueft.
Die akkumulierten und zum Teil auch die integrierten Türken fühlen sich frei von jeder
Diskriminierung im Gegensatz zu den in Isolation lebenden. "Stark diskriminiert"
fühlen sich am häufigsten diejenigen Befragten, die sich auch als isoliert bezeichnet
haben. Wie vorher festgestellt wurde: Die isolierten Befragten sind leider in der
Mehrheit.
Viele Missverständnisse in den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Deutschen und
Türken treten auf Grund der Sprachschwierigkeiten auf. So daß mit abnehmenden
Sprachkenntnissen die Erfahrungen mit Diskriminierung steigen.
Ein Einfluss der Wohnortgröße des Herkunftsortes der Befragten auf das Ausmass der
erfahrenen Diskriminierung konnte aus mehreren Gründen erwartet werden: Geringere
Gewandtheit der Landbevölkerung im Umgang mit Fremden, starres Festhalten an primitiven
Lebensformen, ausgepraegtes fremdartiges Aussehen. Die aus dem Dorf und aus der Kleinstadt
stammenden Befragten erleben häufiger Diskriminierungen als die aus der Großstadt
stammenden Befragten.
Diskriminierungserfahrungen hängen auch von der Berufsausbildung der Befragten ab. Mit
einer besseren Berufsqualifikation wird das Ausmass der erfahrenen "starken" und
"schwachen" Diskriminierungen geringer. Bei der Wohnungssuche haben die
türkischen Arbeitnehmer vielschichtige Schwierigkeiten zu überwinden. Davon sind alle
Türken betroffen, aber natuerlich in erster Linie die zahlreichen Familien mit vielen
Kindern.
Der Erfolg der Anpassungsbemuehungen der türkischen Arbeitnehmer an die deutschen
Lebensverhältnisse kann u.a. von den ihnen zuteil werdenden Anpassungshilfen
(=Betreuungsmassnahmen) abhängen. Die speziellen Probleme des Arbeitsrechtes und der
sozialen Versicherung, der Papierkrieg mit den Behörden bei der Regelung der Arbeits- und
Aufenthaltserlaubnis, die Schwierigkeiten bei der Vermittlung von Unterkuenften, bei der
Zusammenfuehrung der Familie, bei der Einrichtung von Schulen und Kindergaerten für die
Kinder usw., bereiten den mit der deutschen Sprache wenig vertrauten Türken viel
Kopfzerbrechen, wenn sie von den Betreuungsorganisationen keine Hilfe bei der Loesung
dieser Probleme erhalten.
Die Befragten sind zufrieden mit den vorhandenen Betreuungsmassnahmen in den verschiedenen
Bereichen des sozialen Lebens. Es gibt zahlreiche Begegnungsmodelle und Initiativen sowie
Betreuungs- und Beratungsarbeit von Wohlfahrtsverbänden und Kirchen.
Hinsichtlich der Zufriedenheit mit der sozialen Betreuung kann man annehmen, daß je
größer die Hilfsbedürftigkeit der Befragten ist, es um so wahrscheinlicher ist, daß
ihnen nicht immer geholfen werden kann in dem Ausmass, wie sie es wuenschen. Es ist daher
anzunehmen, daß die verheirateten Arbeitnehmer, und besonders diejenigen, die ihre
Familie bei sich haben, mehr Hilfe von den Betreuungsorganisationen erwarten als die
alleinstehenden Arbeitnehmer.
Die in dieser Untersuchung befragten türkischen Arbeitnehmer gehören alle bis auf einen
zur islamischen Religion. Neben den individüllen und gesellschaftlichen Problemen gibt es
für die Moslems zum Teil erhebliche Schwierigkeiten, ihren Glauben zu praktizieren. Nur
selten ist es ihnen möglich, beispielsweise während der Arbeitszeit, die
vorgeschriebenen Gebete zu verrichten. So fehlt es oft nicht nur an Raeumlichkeiten,
sondern auch an Einrichtungen für die ritüllen Waschungen. Bei den religioesen
Feiertagen können die Arbeitgeber aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen den
Arbeitnehmern keinen Urlaub geben. Die Arbeitnehmer mit islamischem Glauben werden in
ihrer Religionsausuebung von türkischen Hodschas in kleinen Moscheen betreut.
Ein weiteres Problem stellten über einen längeren Zeitraum die islamischen
Speisevorschriften dar. Durch die Eröffnung türkischer Laeden in zahlreichen Städten
und durch Schlachtereien, wo nach den religioesen Vorschriften geschlachtetes Fleisch
verkauft wird, scheint das Problem geloest zu sein.
Tabelle 22: Besuch der Moschee
| Geschlecht | Wie oft gehen Sie in die Moschee? | ||
|---|---|---|---|
| oft | selten | nicht | |
| männlich | 10 | 21 | 33 |
| weiblich | - | 9 | 26 |
| Summe | 10 | 30 | 59 |
Die Tabelle 22 macht deutlich, daß die überdurchschnittliche Zahl der Befragten
überhaupt nicht in die Moschee geht. Diese Frage beinhaltet nicht nur die Besuche in der
Moschee, sondern auch die Praktizierung des Glaubens und ob man dem Glauben weiter treu
geblieben ist. Einer von den männlichen Befragten hat angegeben, daß er selten in die
Kirche geht. Er ist in der Tabelle nicht enthalten. Wie man weiss, gibt es unter der
türkischen Bevölkerung auch Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften (z.B. Christen).
Im Gegensatz zu den Frauen haben die Männer viele Möglichkeiten, innerhalb der
Bundesrepublik in die Moschee zu gehen. Es liegt daran, daß die Moscheen in der
Bundesrepublik Deutschland keine großen getrennten Raeume für Männer und Frauen
enthalten. Sie ist meistens in der Etage eines Hauses als Koranschule oder Gebetsraum für
Männer geplant.
Die Befragten kann man in drei Gruppen unterteilen: Und zwar einmal die Abständigen, die
ihren Glauben nicht mehr praktizieren und ihn als rückständig betrachten. Gefolgt von
den Liberalen, die zwar weiter ihrem Glauben treu bleiben, ihn aber westlichen
Lebensverhältnissen anzupassen versuchen. Letztens die Konservativen, die hier eine
Atmosphaere, aehnlich ihrer Heimat schaffen.
Es dürfte nicht schwerfallen, Gründe dafür zu finden, daß bei den türkischen
Arbeitnehmern in Deutschland eine gewisse Vernachlaessigung der religioesen Betätigung
eingetreten ist. Unter vielen anderen können die folgenden Gründe genannt werden:
Die Freizeit kann durch drei Parameter, nämlich: Größe, Inhalt und Struktur
charakterisiert werden. Eine Analyse muß also unter diesen in Wechselwirkung stehenden
Aspekten erfolgen.
Es wird als erstes die Größe der Freizeit, die dem türkischen Arbeitnehmer zu
Verfügung steht, untersucht.
In diesem Abschnitt werden die Dauer der Arbeitszeit der türkischen Arbeitnehmer und
die ihnen zur Verfügung stehende Freizeit, von der die Entfaltung der Persönlichkeit mit
abhängt, anhand der diesbezueglichen Tabellen besprochen.
Tabelle 23: Arbeitsstunden pro Woche, Dauer des Weges zur Arbeitsstelle pro Tag
| Arbeitsstunden pro Woche | männlich | weiblich |
|---|---|---|
| bis 40 Stunden | 47 | 28 |
| 41 - 45 Stunden | 3 | 2 |
| 46 - 50 Stunden | 5 | 3 |
| 51 - 55 Stunden | - | - |
| 56 - 60 Stunden | 4 | - |
| Weg zur Arbeit | männlich | weiblich |
|---|---|---|
| bis 10 Minuten | 8 | 6 |
| 11 - 20 Minuten | 14 | 4 |
| 21 - 30 Minuten | 10 | 4 |
| 31 - 40 Minuten | 5 | 4 |
| 41 - 50 Minuten | 4 | 4 |
| 51 - 60 Minuten | 8 | 3 |
| 61 Minuten und mehr | 10 | 8 |
Die Ergebnisse über die Dauer der Arbeitszeit wurden in Tabelle 23 zusammengefasst.
Daraus ist ersichtlich, daß die durchschnittliche Arbeitszeit für Männer 42 Stunden,
für Frauen 41 Stunden in der Woche beträgt. Zwei der weiblichen und sechs der
männlichen Befragten waren während der Befragung arbeitslos. Schockierend wirkt nur die
geringe Beteiligung an Überstunden, wenn man aus Erfahrung weiss, daß die Türken
frueher sehr viele Überstunden machten.
Die Länge der Arbeitszeit erhoeht sich um den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstelle. Bei
den Männern dauerte der Weg durchschnittlich 52 Minuten pro Tag, d.h. 4,3 Stunden in der
Woche und bei den Frauen 45 Minuten pro Tag, d.h. 3,75 Stunden in der Woche.
Rechnet man An- und Abfahrtswege zu der Arbeitszeit und der Zeit für den Schlaf, so
bleiben etwa wöchentlich 65,7 Stunden Freizeit für männliche und 67,25 Stunden für
weibliche Befragte, die für private Lebensgestaltung genutzt werden kann.
Die Ursachen der verlängerten Arbeitszeit können auf drei Ebenen gesucht werden:
Für die meisten Ausländer ist Freizeit gleichbedeutend mit Passivität. Das Erlernen
deutscher Freizeitmuster ist für ihn schwieriger als das der zumeist einfachen,
mechanisch anlernbaren Verrichtung am Arbeitsplatz, in die er eingewiesen wird.
Neben einer ganztaegigen Arbeit ist eine zweite Arbeitsstelle sehr beliebt, da sie das
gesteckte Sparziel eher zu erreichen hilft. Das gleiche gilt auch für Schicht- und
Wochenendarbeit wegen der Zuschlaege.
Waehrend der Untersuchung wurde festgestellt, daß die befragten Arbeitnehmer länger
als tariflich festgelegt arbeiten. Die Bereitschaft, Überstunden zu machen, hat
unabhängig von der Motivation zur Folge, daß die in der Bundesrepublik Deutschland
beschäftigten Türken im Gegensatz zu den deutschen Kollegen über weniger freie Zeit
verfügen.
Die Dauer der freien Zeit ist natuerlich nicht für alle Tage bekannt. Freie Zeit an
Werktagen ist halb so lange wie an Samstagen bzw. Sonntagen.
Die Nutzungsmöglichkeiten der Freizeit verringern sich durch Ablauf der Arbeitszeit. Z.B.
die Schichtarbeit bedingt einen veränderten Freizeitrhythmus, der von dem der
Gesellschaft mit überwiegender Normalarbeitszeit abweicht. Auch bei regelmäßiger
Normalarbeit haben türkische Arbeitnehmer einen Zeitmangel, da sie bei Aufsuchen von
Behörden und Beratungsstellen, Einkaufen und Festhalten an gewohnten Gepflogenheiten der
Essenzubereitung sehr viel Zeit verschwenden.
In den vorangegangenen Abschnitten sind die Kontaktmöglichkeiten der türkischen
Arbeitnehmer erörtert worden. Die Untersuchung ergab, daß fast die Hälfte der Befragten
(45 %) Beziehungen mit Einheimischen angeknuepft hat, in den meisten Faellen sind
Hausbesuche festgestellt worden. Diese Beziehungen aber erfüllen nicht die ganze zur
Verfügung stehende Freizeit. Es wird hier versucht zu erfahren, welche sonstigen
Aktivitäten vorkommen.
Tabelle 24: Relative Häufigkeit von Freizeitaktivitäten
| Freizeitaktivitäten | sehr oft | öfters/manchmal | selten/nie |
|---|---|---|---|
| m/w | m/w | m/w | |
| Besuch zu Hause | 4/ 7 | 40/18 | 21/10 |
| Vereine | 2/ - | 16/ 1 | 47/34 |
| Kino, Tanzlokal, Gaststättenen | -/ - | 9/ 6 | 56/29 |
| Theater, Konzert | -/ - | 4/ 2 | 61/33 |
| Vorträge, Volkshochschule | -/ - | 5/ 3 | 60/32 |
| religioese Veranstaltungen | 1/ - | 5/ 2 | 59/33 |
| Sport | 4/ - | 12/ 3 | 49/32 |
| Radio, TV, Tonband, Video | 22/11 | 30/15 | 13/ 9 |
| Bücher, Zeitungen, Zeitschriften | 8/ 1 | 40/20 | 17/14 |
Aus Tabelle 24 geht hervor, daß das Zusammensein mit Landsleuten für die türkischen
Arbeitnehmer häufig und intensiv ist. Dies sollte nicht als Isolationsindiz betrachtet
werden, sondern als Kommunikationsbedürfnis mit gleichartigen Individuen. Durch diese
häufigen Kontakte bleiben die Beziehungen zur Ursprungsgesellschaft erhalten und die
Erinnerungen lebendig, wodurch die absolute Identifikation mit der Kultur der
Aufnahmegesellschaft unterbunden wird. Andererseits wird hierdurch die Integration im
Sinne eines Wechselwirkungsprozesses nicht sonderlich erschwert. Die Kontakte innerhalb
der Gruppe bewirken ausserdem, daß der Einwanderer bei eventüller Rückkehr in das
Ursprungsland sich der Heimatkultur nicht entfremdet fühlt und von den daheimgebliebenen
Landsleuten nicht als Fremder betrachtet wird. Die Rückanpassungsschwierigkeiten werden
hierdurch in gewissem Masse eliminiert.
Besuch oder Empfang von Freunden ist zweifellos ein sehr wichtiger Ausdruck der
Geselligkeit, er deckt aber nicht alle Äusserungen des Familienlebens und erlaubt deshalb
auch keine Schluesse auf die uebrigen häuslichen Beschäftigungen des Gastarbeiters.
Diese Zeit, die für Arbeiten im Haushalt angewendet wird, ist nicht für alle Tage die
gleiche. Auch sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern festzustellen. Das erklaert
sich aus dem traditionell "femininen" Charakter solcher Hausarbeiten, wie
Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen, usw., die von Männern selten ausgefuehrt werden.
Der Mangel an ausländerbezogener Infrastruktur könnte durch Kontakte mit Deutschen in
Vereinen und Organisationen kompensiert werden. Kontaktfördernd für Ausländer wäre der
Beitritt zu deutschen Vereinen, doch das wird meistens abgelehnt. Über die Gründe dafür
kann nur spekuliert werden. Sie reichen von "Exklusivität dieser Zirkel" über
die Qualität des Angebots bis zu "Unorganisierbarkeit des Suedländers"
(Fn069).
Bekanntester Verein bei den Befragten ist der Deutsch-Türkische Verein. Die Beteiligung
an solchen Organisationen ist bei den Männern viel hoeher als bei Frauen.
Ansonsten sind die eigenen Gastarbeitervereine sehr beliebt. Die Zweckrichtung der
gegründeten Vereine ist unterschiedlich. Sie reicht vom Angebot reiner individüller
Freizeitbetätigung (Sport, Folklore) über die kollektive Befriedigung von Bedürfnissen
nach Information, Beratung und Betreuung.
Es ist schwierig, darauf im Detail einzugehen, zumal die diesbezueglichen Daten kaum
erwaehnenswert sind. Mangelnde Sprachkenntnisse verursachen die Abneigung, die
obengenannten Vergnuegungsstellen zu besuchen.
6 % der Frauen und 9 % der Männer haben angegeben, daß sie manchmal Kino und
Gaststättene besuchen. Wenn man weiter untersucht, wird festgestellt, daß es meistens
die jungen und ledigen Arbeitnehmer sind, die solche Freizeitaktivitäten ausueben. Für
einen Familienvater werden die Kosten zu hoch. Vorträge und Volkshochschule beinhalten
die Angaben über besuchte Sprachkurse. Aber hierzu ist auch keine nennenswerte
Teilnehmerzahl vorhanden, da 92 % der Befragten die Teilnahme verneinen.
Wenn man sich die Verneinungen in Hoehe von 92 % ansieht, faellt auf, daß auch
religioese Veranstaltungen keine von den oft ausgeuebten Freizeitbeschäftigungen sind.
Sie werden aber häufiger von den männlichen als von den weiblichen Befragten besucht.
Die Möglichkeiten für die Frauen sind beschränkt, wegen des Mangels an Raeumen in
Gebetsstellen (siehe religioese Betreuung).
Die Untersuchung ergab, was man im voraus hätte abschätzen können: Die
ausländischen Arbeitnehmer betätigen sich nicht sportlich. Aus Tabelle 24 geht hervor,
daß für 81 % der Befragten sportliche Aktivitäten nie unter die Freizeitmöglichkeiten
fallen. Nur 4 % gaben an, sich sehr oft sportlich zu betätigen, d.h. einmal in der Woche,
mit einer Ausnahme. Es handelt sich um einen männlichen Befragten, der Sportlehrer ist.
Bei der oft ausgeuebten Sportart handelt es sich um Fussball. Eine andere Sportart, die
auch bei Frauen vorkommt, ist das Schwimmen.
Medien-Unterhaltung ist bei den Türken beliebteste Freizeitvergnuegen. Fast alle
Befragten verfügen über Radio und Fernsehen. Ein großer Teil von ihnen, nämlich 33 %
sehr oft, 45 % öfters/manchmal, sieht fern. Das Fernsehen stellt die billigste
Unterhaltung dar und erfordert weder physischen noch geistigen Kraftaufwand. Für den
Gastarbeiter bringt es auch beiläufig eine sprachliche Bereicherung, freilich eine
geringfügige.
Was das Radio betrifft, gibt es noch eine Tabelle dafür, welche Sendungen von den
Befragten am meisten gehört werden.
Tabelle 25: Welche Sender hören Sie am liebsten ?
| Sender | männlich | weiblich |
|---|---|---|
| türkisch | 33 | 15 |
| deutsch | 2 | 4 |
| beide | 28 | 15 |
| keine | 2 | 1 |
Was ist unter türkischem Sender zu verstehen, der sehr oft von Türken gehört wird?
Es ist ein gemeinschaftliches Hörfunkprogramm vom Bayerischen und Westdeutschen Rundfunk.
Damit können Türken, Italiener, Griechen, Spanier und Jugoslawen taeglich in den
Abendstunden Sendungen in ihrer Muttersprache mit Musik aus der Heimat hören (Fn070).
Somit wird es den Arbeitnehmern ermöglicht, taegliche Nachrichten aus der Heimat zu
hören. Nebenbei hören 43 % der Befragten alle Sendungen im Radio, wobei meistens die
Musikprogramme bei deutschen Sendern Vorrang haben. Hier spielen die ungenuegenden
Sprachkenntnisse eine große Rolle. Allerdings in den letzten zwei Jahren haben Fernsehen
und Radio ihre Aktualität mit Video eingetauscht. Die hohe Auswahl an türkischen
Spielfilm Videokassetten gibt den Anreiz, das Heimweh durch diese Filme zu vermindern.
Obwohl dies eine teure Freizeitbeschäftigung ist, sind sie bei den türkischen Familien
sehr beliebt.
Tabelle 26: Lesegewohnheiten bei Zeitungen
| Wie oft lesen Sie? | männlich | weiblich |
|---|---|---|
| regelmäßig? | 27 | 10 |
| gelegentlich? | 30 | 18 |
| nie? | 8 | 7 |
| Welche Zeitungen lesen Sie? | männlich | weiblich |
|---|---|---|
| türkische | 28 | 10 |
| deutsche | 2 | - |
| beide | 27 | 18 |
Eine der am weitesten verbreiteten taeglichen Freizeitbeschäftigungen ist das
Zeitunglesen. 37 % der Befragten lesen regelmäßig und 48 % tun es gelegentlich. 38 %
lesen nur türkische Zeitungen, während 45 % sowohl türkische als auch deutsche
Zeitungen lesen. Es besteht hier ein Unterschied zwischen den Geschlechtern. So stellt man
fest, daß 41,5 % der Männer regelmäßig Zeitung lesen, während der Anteil der Frauen
bei 28,5 % liegt. Der Anteil derjenigen, die nie Zeitung lesen, liegt bei 15%. Es ist
allerdings möglich, daß dieser Prozentsatz hoeher laege, wenn die deutsche Presse den
Lesern nicht wegen mangelnder Sprachkenntnisse unzugänglich wäre.
Das Lesen von Büchern ist nicht erwaehnenswert. Nur wenige der Befragten haben angegeben,
daß sie in ihrer Freizeit türkische Bücher lesen. Das sind meistens aus der Heimat
mitgebrachte Romane.
Man könnte erwarten, daß diejenigen, die nach eigenen Angaben an der Innenpolitik des
Gastlandes und auch des Ursprungslandes interessiert sind, während der Freizeit an
gesellschaftlichen, kulturellen, politischen, gewerkschaftlichen u.a. Aktivitäten
partizipieren würden, die die Funktion der Aufnahmegesellschaft betreffen. Die
Untersuchung ergab, daß das Interesse der Betroffenen auf die von den Massenmedien
angebotenen passiven Informationen beschränkt bleibt. Der Verzicht auf aktive Beteiligung
kann auf eine Anzahl von Gründen zurückgefuehrt werden, wie z.B. die Unkenntnis der
Sprache, vor allem aber das Bewusstsein des Fremden, das vielfach gefördert wird.
Nach den Angaben der Befragten sind nur 7 % sehr stark an der Politik interessiert. 48 %
bezeichnen sich als stark/etwas und 45 % als kaum/gar nicht interessiert. Das politische
Interesse bei Männern ist hoeher als das der weiblichen Befragten. Somit ist der Anteil
der Befragten, die nach eigenen Angaben politisch nicht interessiert sind, ziemlich hoch.
Es ist zwischen den Auslandstürken die Meinung sehr verbreitet, daß ein Nachrichtennetz
der MIT, also des geheimen Nachrichtendienstes, ihr Verhalten registriert und mit
Repressalien bei der Rückkehr droht, falls sich die Betroffenen der Ordnung und der
gegebenen Hierarchie des Establishments gegenüber durch Tat oder Wort als respektlos
erweisen.
Unter Hobby und sonstigen Freizeitaktivitäten sind folgende Tätigkeiten angegeben
worden: Basteln, Stricken, Naehen, Briefeschreiben, Musikinstrumente spielen,
Kartenspielen usw.
Der individülle Prozess der betrieblichen Anpassung des fremden Arbeiters wird
weitgehend durch die Gemeinschaft der Arbeitnehmer und durch ihre Einstellung zu dem neuen
Arbeiter mitbestimmt. Das Gefühl der sicheren Aufnahme der Gastarbeiter im Betrieb und
ihre Bereitschaft, sich den formellen und informellen Anforderungen des Betriebes bzw. der
Betriebsbelegschaft anzupassen, werden sicherlich durch die freundliche oder unfreundliche
Aufnahme in der Gemeinschaft stark beeinflusst. Bei dem Eingliederungsprozess der
türkischen Arbeitnehmer in die moderne industrielle Produktion spielen sicherlich nicht
nur die menschlichen, sondern auch die technischen Faktoren eine wichtige Rolle.
Der Übergang der türkischen Arbeitnehmer von einer vorindustriellen in eine
hochindustrielle Produktionsweise hat Einfluss auf die Anpassung an die Arbeitsweise des
modernen Betriebes. Das Problem der betrieblichen Eingliederung und Einarbeitung der
türkischen Arbeitnehmer in das Betriebssystem wird mit den sachlichen Anweisungen bei der
Einfuehrung nicht geloest. Menschen, die aus anderen technischen und kulturellen Kreisen
kommen, können nur unter besonderen Schwierigkeiten in das deutsche Arbeits- und
Betriebsgefüge eingeordnet werden.
Problematisch empfunden wird die Anordnung der Arbeitszeit im Tagesablauf. In den
ländlichen Regionen der Türkei liegt die Arbeitszeit - klimatisch bedingt - am Vormittag
und Spätnachmittag, d.h. mit einer langen Mittagspause. Die Umstellung auf eine
tempogebundene, kontinuierliche und unpersönliche Arbeitsdauer fuehrt zu physischen
Anpassungsschwierigkeiten. Das braucht eine lange Gewoehnungsphase.
Die Frage nach der Arbeitszufriedenheit stellt einen der Kernpunkte fast aller
betriebspsychologischen Untersuchungen dar. Sie ist hier
"als Zusammenhang und besondere qualitative Auspraegung der verschiedenen möglichen Einstellungen zur Arbeit" (Fn071)
zu verstehen. Von grundlegender Bedeutung für das Erlebnis der Arbeitszufriedenheit
ist der Umstand, ob die auszufuehrende Arbeit den beruflichen Faehigkeiten möglichst
weitgehend entspricht. Nach den Interviews während der Befragung sind die gelernten
Arbeiter mit der Tätigkeit, die sie in Deutschland verrichten, etwas zufriedener. Die
angelernten oder ungelernten Arbeiter äußern die geringste Arbeitszufriedenheit.
Unzufrieden zeigen sich die in der Türkei als angelernte Arbeiter eingestuften Türken,
die in der Bundesrepublik Deutschland als ungelernte Hilfskräfte beschäftigt sind.
Frauen zeigen generell weniger Lohn- und Arbeitszufriedenheit.
Der ungelernte Arbeiter hat vornehmlich jene Arbeiten zu verrichten, die die gelernten
Arbeiter verschmaehen: Tätigkeiten, die entweder große körperliche Anstrengungen
verlangen oder groesstenteils unter unguenstigen äußeren Bedingungen vollzogen werden
müssen.
Einige Äusserungen der Befragten:
"Ich höre es immer wieder: Die primitivsten Arbeiten sind für uns gut genug, da wir keine Ansprüche stellen dürfen."
"Es ist nicht notwendig, eine besondere berufliche Ausbildung durchgemacht zu haben, um den Anforderun gen des Arbeitseinsatzes entsprechend unsere Aufgabe zu erfüllen. Es handelt sich meist um monotone Arbeiten, die keine großen intellektüllen Leistungen verlangen."
"Denken brauchen wir nicht. Die anderen denken für uns. Wir verrichten das, was uns befohlen wird, meistens ohne den Sinn, das Wie und Warum der Sache zu verstehen."
Neben diesen Arbeitsanstrengungen gibt es verschiedene Faktoren, die die Zufriedenheit
mit dem beruflichen Einsatz beeinflussen, wie z.B. Entlohnung, soziales Prestige,
Aufstiegsmöglichkeiten, Monotonie, Einrichtung des Arbeitsplatzes, usw. (Fn072).
Die ganze Schwere der menschlichen Behandlung der ausländischen Arbeitnehmer im Betrieb
liegt auf den Schultern der Vorgesetzten, des Meisters und der Vorarbeiter. An ihnen wird
es auch liegen, ob die ausländischen Arbeitnehmer von ihren deutschen Arbeitskollegen mit
der ihnen zustehenden Achtung und Toleranz behandelt werden. In diesem Sinne wurde den
türkischen Arbeitnehmern die Frage nach der Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und
Vorarbeitern gestellt. Das Ergebnis dieser Frage ist in Tabelle 27 festgehalten.
Tabelle 27: Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern
| Geschlecht | zufrieden | unzufrieden | teils-teils |
|---|---|---|---|
| n = % | n = % | n = % | |
| männlich | 37 = 59,9 | 6 = 09,2 | 22 = 33,8 |
| weiblich | 21 = 60,0 | 5 = 14,3 | 09 = 25,7 |
Aus der Tabelle 27 ist zu entnehmen, in welcher Häufigkeit die männlichen und
weiblichen Befragten mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern zufrieden bzw. unzufrieden
sind. Mit einem kleinen Unterschied ist die Häufigkeit der Zufriedenheit bei den Frauen
(60 %) hoeher als die der Männer. Auch die Häufigkeit der unzufriedenen Türkinnen liegt
hoeher als die ihrer männlichen Landsleute (14,3 %).
Die Arbeitszufriedenheit hängt mit der hier analysierten Zufriedenheit mit den
Vorgesetzten und Vorarbeitern zusammen, d.h. die mit dem Arbeitseinsatz zufriedenen
türkischen Arbeitnehmer stehen häufiger in besserem Verhältnis zu ihren Vorgesetzten.
Die Fluktuation und auch der Arbeitsplatzwechsel bei diesen Arbeitnehmern sind nicht oft
der Fall.
Bei dem Vergleich der Zufriedenheit der türkischen Arbeitnehmer mit den Vorgesetzten und
der Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels sind relevante statistische Parallelen
festzustellen.
Tabelle 28: Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern, Vergleich nach der
Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels
| Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels | Zufriedenheit mit Vorgesetzten und Vorarbeitern | ||
|---|---|---|---|
| zufrieden | unzufrieden | teils-teils | |
| nie | 29 | 5 | 14 |
| 1 mal | 10 | - | 4 |
| 2 - 3 mal | 7 | 3 | 10 |
| 4 mal und öfter | 12 | 3 | 3 |
Die mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern zufriedenen Türken, die bis zum Zeitpunkt
der Befragung den Arbeitsplatz (den Betrieb) noch nie gewechselt hatten, weisen eine
deutliche Häufigkeit auf im Gegensatz zu denen, die 4 mal und öfter den Arbeitsplatz
gewechselt haben. Die Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den
türkischen und den deutschen Arbeitnehmern im Betrieb braucht nicht mit vielen Worten
hervorgehoben zu werden. Bei gegenseitiger Respektierung der Andersartigkeit, bei
gegenseitiger Anerkennung der eigentuemlichen Persönlichkeitszuege, bei gegenseitigen
Toleranzbemuehungen kann eine Atmosphaere der vertraulichen Zusammenarbeit geschaffen
werden. Wenn aber diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, können bei den ausländischen
Arbeitnehmern Verteidigungs- und Oppositionshaltungen entstehen, die der erwuenschten
Anpassung an die betrieblichen Anforderungen zuwiderlaufen. Man darf annehmen, daß die
türkischen Arbeitnehmer auf Grund der ihnen unbekannten und für sie wenig gegliederten
Situation des modernen Industriebetriebes, ihrer Unsicherheit und anfänglichen
Ungeschicklichkeit besonders empfindlich für jede erfahrene oder nur vermutete Abweisung,
für jede nicht gebuehrend anerkannte Leistung usw. sein können. Die Befragten hatten in
diesem Zusammenhang die Aufgabe, ihre Beziehung zu den deutschen Arbeitskollegen anhand
der gemachten Erfahrungen zu beurteilen. Zwischen den männlichen und weiblichen Befragten
sind in dieser Hinsicht Unterschiede vorhanden.
Tabelle 29: Zufriedenheit mit deutschen Arbeitskollegen
| sehr gut | gut/zufrieden | schlecht | |
|---|---|---|---|
| Geschlecht | n = % | n = % | n = % |
| männlich | 14 = 21,5 | 46 = 70,8 | 5 = 07,7 |
| weiblich | 12 = 34,3 | 18 = 51,4 | 5 = 14,3 |
Etwas mehr als die Hälfte der weiblichen und drei Viertel der männlichen Befragten
beurteilen die Beziehung zu den deutschen Arbeitskollegen als gut bzw. zufriedenstellend.
Die Häufigkeit sowohl der sehr guten als auch der schlechten Beziehung ist bei den Frauen
hoeher als bei den Männern. Einige typische Erfahrungen der türkischen Arbeitnehmer mit
den deutschen Arbeitskollegen sind in den folgenden Äusserungen enthalten:
Positive Äusserungen:
"Ausgesprochen freundlich und aufgeschloßen",
"sehr liebenswuerdig und hilfsbereit",
"sie müssen viel Geduld mit uns haben, und sie würden dieses Opfer nicht auf sich nehmen, wenn wir ihnen gleichgueltig wären",
"Sie haben es nicht leicht mit uns, weil sie sich auf uns nicht hundertprozentig verlassen können. Es ist nicht zu vermeiden, daß sie manchmal die Rolle des strengen Befehlshabers spielen müssen."
Negative Äusserungen:
"Sie wollen uns immer herumkommandieren",
"sie kommen sich als Herrenmenschen vor",
"sie legen viel Wert darauf, eine gewisse Distanz zu halten. Der Kontakt wird auf ein Mindestmass reduziert",
"sie sind uns gegenüber freundlich, so lange wir im erwuenschten Tempo arbeiten."
Die Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels bei den befragten Türken ist eine
Gegebenheit, die auch in einem direkten Zusammenhang mit der Beurteilung der
Unzufriedenheit mit deutschen Arbeitskollegen bzw. Vorgesetzten und Vorarbeitern steht
(Tabelle 30). Die Beständigkeit der Befragten am Arbeitsplatz wird anscheinend durch die
freundliche Haltung der deutschen Arbeitskollegen verstärkt.
Tabelle 30: Gründe für die Loesung des Arbeitsverhältnisses
| Gründe | männlich | weiblich | Summe |
|---|---|---|---|
| Kuendigung durch Firma | 8 | 2 | 10 |
| Einkommensverbesserung | 13 | 4 | 17 |
| Arbeitsbedingungen im Betrieb | - | 1 | 1 |
| Unzufrieden mit Vorgesetzten | 6 | 1 | 7 |
| Gesundheitliche Gründe | 1 | 5 | 6 |
| Abfindung | 4 | - | 4 |
| Rückkehr in Türkei | - | 1 | 1 |
| Sonstige | 4 | 6 | 10 |
Gründe für die mehrfach genannte Arbeitsaufgabe wurden nach den einzelnen Angaben
aufgegliedert. Aus dieser Aufgliederung ergibt sich die Einkommensverbesserung als
häufigster Grund für die Loesung des Arbeitsverhältnisses. Die Grundmotivation der
Auslandsarbeit ist "Wunsch, viel Geld zu sparen". Es ist daher zu erwarten, daß
diese materialistische Arbeitsgesinnung zur Suche nach dem bestbezahlten Job drängt.
Damit wird der wichtigste Gesichtspunkt der Auslandsarbeit für die türkischen
Arbeitnehmer bestätigt. Als zweithäufigster Grund wurde die Kuendigung durch die Firma
genannt. Auch im Vergleich mit den anderen Nationalitäten treten die Kuendigungen durch
den Arbeitgeber bei den Türken am häufigsten auf (Fn073). Unter den sonstigen Gründen
sind folgende genannt: Entfernung zwischen Wohnung und der Arbeitsstelle, Umzug, Konkurs
der Firma und auch "auf eigenen Wunsch ohne besondere Gründe".
Für Ausländer, die in der Bundesrepublik Deutschland leben, gelten grundsätzlich die
gleichen Gesetze wie für Bundesbürger. Daneben bestehen jedoch Sonderregelungen, wie
z.B. Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen, Vorschriften über die Arbeitsaufnahme. Der
stetig wachsende Anteil der Ausländer sowie die Verschlechterung der Wirtschaftslage
haben die Bundesregierung zu einigen Vorsichtsmassnahmen veranlasst:
"Begrenzung der weiteren Zuwanderung" und
"Stärkung der Rückkehrbereitschaft" (Fn074).
Diese Maßnahmen sollen zum Abbau der Isolation beitragen.
Waehrend der Untersuchung wurde den Befragten die Frage gestellt, ob sie
Schwierigkeiten mit den deutschen Gesetzen haben. 19 % haben auf diese Frage mit
"ja" und 52 % mit "manchmal" geantwortet. Davon ausgehend kann man
sagen, daß Schwierigkeiten bestehen. Der wichtigste Grund für die Entstehung dieser
Schwierigkeiten ist natuerlich mangelnde Sprachkenntnis. Dadurch können die Ansprüche
oder die Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen, überhaupt nicht wahrgenommen werden.
Durch die wachsende Arbeitslosigkeit auf fast 2 Mio., beschloß die Bundesregierung am
2.Dezember 1981 (Fn075), den Familiennachzug so weit wie möglich einzuschränken und
bestimmte Personengruppen hiervon völlig auszuschliessen. Jugendliche nach Vollendung des
16. Lebensjahres gehören zu dieser Gruppe. Dann kam sogar der Vorschlag von
Bundesminister Westphal, diese Altersgrenze für den Nachzug von Kindern auf sechs Jahre
herabzusetzen; dem wurde allerdings nicht zugestimmt (Fn076). Die Festsetzung der
Altersgrenze auf das 16. Lebensjahr macht es für die Türken schwierig, ihre Kinder in
die Bundesrepublik nachzuholen. Damit ist ihnen das Recht auf Familienzusammenfuehrung
eingeschränkt worden. Obwohl es im Hinblick auf die Integrationschancen wuenschenswert
ist, daß nachziehende Kinder in möglichst jungem Alter in die Bundesrepublik Deutschland
kommen, haben die neuen Bestimmungen häufig schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben der
betroffenen Familien. Das daheimgebliebene Kind muß entweder die Schule abbrechen, damit
es zur Familienzusammenfuehrung kommt, oder die Schule abschliessen und eine
Familienzusammenfuehrung in Deutschland ist nicht mehr möglich.
Eine andere Schwierigkeit ist die lange Wartezeit beim Nachzug eines Ehegatten, der
vorher nicht in Bundesrepublik Deutschland war. Die Voraussetzungen lauten wie folgt: Der
in der Bundesrepublik Deutschland lebende Ehegatte soll sich seit acht Jahren
ununterbrochen im Bundesgebiet aufhalten, ein ausreichender Wohnraum muß vorhanden sein
und die Ehe soll seit drei Jahren bestehen (Fn077).
Obwohl die ausländischen Arbeitnehmer im Arbeits- und Sozialrecht gleiche Rechte wie die
inländischen Arbeitnehmer haben, ist dies nicht allen bekannt. Einige von den Befragten
haben keine Vorstellung, was Betriebsräte und Vertrauensleute überhaupt sind und was sie
leisten. Hinsichtlich passiven Verhaltens, bedingt durch Sprachschwierigkeiten, haben die
Befragten Probleme im Betrieb.
Neben diesen Schwierigkeiten gibt es sicher auch Gesetze, die den Türken gut gefallen.
Naemlich die Arbeitslosen- bzw. Sozialhilfe, Kindergeld, Wohngeld, usw. sind die sozialen
Leistungen, die man in der Türkei nicht kennt.
Die Bundesbürger verhalten sich so, als ob das Gastarbeiterproblem eine
vorübergehende Sache, eine Begleiterscheinung der wirtschaftlichen Konjunktur sei. Sie
sprechen von "Gastarbeitern", nicht von "Einwanderern" und setzen
voraus, daß der Gastarbeiter nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit in seine Heimat
zurückkehrt. Die Erfahrung lehrt aber, daß die Gastarbeiter aus der heutigen
wirtschaftlichen Situation Deutschlands nicht wegzudenken sind. Obwohl im Jahre 1982
35.000 türkische Arbeitnehmer (Fn078) ohne finanzielle Abfindung Deutschland verlassen
haben, ist die Abnahme durch starke Familienzusammenfuehrung nicht allzu groß. Das
Arbeitsministerium rechnet für die letzten Monate 1983 und das erste Halbjahr 1984 noch
einmal mit einer Ausreisewelle. Denn seit November 1983 gilt das Gesetz über die Zahlung
einer Abfindung von 10.500 DM plus 1.500 DM pro Kind (Fn079). Dieser Gesetzentwurf gilt
für Ausländer aus Nicht-EG-Staaten, die durch Konkurs des Betriebes arbeitslos geworden
sind oder seit mehreren Monaten kurzarbeiten.
Noch einen besseren Anreiz als die 10.500 DM-Prämie verspricht die ab 1.Oktober 1983
geplante Möglichkeit der sofortigen Rückzahlung von Renten- und
Sozialversicherungsbeiträgen (Fn080), wenn der Arbeitnehmer freiwillig seine Koffer
packt. Die Regelung sieht vor, daß 2 Jahre nach Rückkehr in die Türkei der eingezahlte
Arbeitnehmer-Anteil zurückgezahlt wird, während der Arbeitgeber-Anteil bei der
Landesversicherungsanstalt verbleibt. Sofort ausgezahlt wird nur an Arbeitnehmer, die bis
zum 19.10.1972 60 Pflichtmonatsbeiträge abgefuehrt haben. Es gibt da einen Vorbehalt bei
den Arbeitnehmern, die einmal eine Kur in Anspruch nehmen mußten, die bis zur Kur
eingezahlten Versicherungsbeiträge werden als Entgelt eingehalten. Einbehaltene
Arbeitgeber-Anteile, gespartes Arbeitslosen- und Kindergeld und nicht in Anspruch
genommene Rentenbeiträge sollen in den naechsten Jahren zwei bis zweieinhalb Milliarden
(Fn081) einsparen.
Diese obengenannte Anreizpolitik zur Rückkehr macht mehr Eindruck auf die aelteren
türkischen Arbeitnehmer, die vom einstigen Wirtschaftswunderland enttaeuscht sind. Aus
diesem Grunde wurden die Befragten auch danach gefragt, wie lange sie noch in der
Bundesrepublik Deutschland bleiben werden, und ob sie mit dem bisherigen Aufenthalt
zufrieden sind. Die Tabelle 31 gibt Auskunft über die Meinung der Befragten.
Die vielen Anpassungsschwierigkeiten und die Verbundenheit der Türken mit dem
soziokulturellen Gefüge des Heimatlandes spricht dagegen, daß die Türken Einwanderer
werden wollen. Doch mit zunehmender Länge des Aufenthaltes neigen die Befragten immer
mehr dazu, die eigenen materiellen Wuensche und Ansprüche an die durchschnittlichen
Anforderungen anzugleichen. Neue Bedürfnisse, die einer Umorientierung der
Lebenseinstellung gleichkommen, werden geweckt. Da diese Umorientierung der
Lebensansprüche durch die verbesserte finanzielle Lage in Deutschland entstanden ist und
mit der Länge des Aufenthaltes internalisiert wird, bleibt sie auch nach einer möglichen
Rückkehr in die Heimat bestehen.
Tabelle 31: Rückkehrabsichten nach Länge des Aufenthaltes
| Aufenthalt | Rückkehr | |||
|---|---|---|---|---|
| bis zum 1.Jahr | 2-4 Jahre | 5 und länger | keine Ahnung | |
| bis 5 Jahre | - | 4 | 4 | 2 |
| 6 - 10 Jahre | 3 | 4 | 4 | 2 |
| 11 - 15 Jahre | 6 | 19 | 19 | 12 |
| 16 und länger | 3 | 9 | 3 | 6 |
| Summe | 12 | 36 | 30 | 22 |
22 % der Befragten haben keine Vorstellung, wann sie wieder in die Heimat
zurückkehren. 12 % weisen darauf hin, daß sie sich bis zu einem Jahr, nämlich nach der
geregelten Rückkehr-Prämie, auf die Rückkehr vorbereiten. Mehr als die Hälfte der
Befragten (56 %) leben seit 11 bis 15 Jahren in Deutschland. Bei diesen ergibt sich die
Aussage, je länger sie in Deutschland bleiben, um so geringer wird die Bereitschaft zur
Rückkehr sein. Die türkischen Arbeitnehmer, die nach einem mehr oder weniger
ausgedehnten Aufenthalt in Deutschland sich mit dem Gedanken der Rückkehr
auseinandersetzen, sind nicht mehr die gleichen wie jene vor der Abreise. Zu einem
gewissen Grade sind sie der Heimat "entfremdet", zumindest was die materiellen
Anforderungen anbetrifft. Die Jugendlichen (zweite und dritte Generation), die im
Bundesgebiet aufgewachsen sind, sind von dieser Entfremdung stärker betroffen als die
Eltern. Deutsche Lebenseinstellung hat mehr Einfluss auf die Jugendlichen als die des
Heimatlandes.
Nach der Frage der Zufriedenheit mit dem bisherigen Aufenthalt haben sich 28 % positiv
geäußert, während 19 % als teils-teils und 23 % mit "kein Kommentar"
antworteten. Die Zahl der Unzufriedenen ist allerdings mit 30 % am häufigsten vertreten.
Einige Meinungen machen die Gründe für diese Unzufriedenheit deutlich: Mit dem
bisherigen Aufenthalt bin ich nicht zufrieden,
"weil hier Anpassung nicht so leicht ist und man sich, deshalb immer fremd fühlt",
"weil die Türken als Sündenbock gesehen werden",
"finanziell stehe ich mich ein bisschen besser als in der Türkei, aber gesundheitlich und was die Kinder betrifft, ist es schlechter",
"weil ich mit Einheimischen nicht immer gleich behandelt und vielmals diskriminiert wurde",
"ich fühle mich in der Bundesrepublik Deutschland wie ein Gefangener und spuere immer wieder Ausländerfeindlichkeit. In der Stadt wird man immer von vielen Deutschen schief angeguckt, im Betrieb wird auch manchmal gemeckert."
Die Frage ist, was diese zurückkehrenden Arbeitnehmer in der Türkei erwartet. Die
Türkei ist ein Land, in dem ein Viertel der Bevölkerung arbeitslos ist, das von
Lohnstopp und einer rapiden Steigerung der Lebenshaltungskosten gepraegt ist (Fn082). So
werden die Rückkehrer nicht gerade mit offenen Armen empfangen, da sie nämlich eine
weitere Verschaerfung der Arbeitsmarktsituation bedeuten. Ausserdem sind die Türken im
Ausland eine von den besten Devisen-Quellen mit ihren Überweisungen. Den Befragten ist
die Frage gestellt worden, welche Tätigkeit sie später im Heimatland nach der Rückkehr
ausueben möchten. 15 % haben vor, in Deutschland auf Rente zu warten, 13 % bekommen eine
Stelle in einem Betrieb; das sind meistens von der Bundesrepublik und der Türkei
geförderte Arbeitnehmer-Gesellschaften. Der groesste Teil (52 %) hat angegeben, sich
selbständig weiterzubeschäftigen, und zwar in Landwirtschaft, eigenem
Lebensmittelgeschäft usw.. Die ungelernten Arbeitskräfte haben es in der Türkei später
auch schwierig, da von ihnen der Arbeitsmarkt längst überschwemmt ist. Die Furcht vor
den zu erwartenden Schwierigkeiten der Rückanpassung an die heimatlichen wirtschaftlichen
Verhältnisse uebt auf die Rückkehrabsichten der Befragten einen Einfluss aus. Mit der
hoeheren Einstufung der erwarteten Schwierigkeiten bei der Rückkehr ist eine weitere
Verschiebung der Rückkehrabsichten gekoppelt.
Mit der vorliegenden Arbeit über den wirtschaftlichen Nutzen türkischer Arbeitnehmer
für die deutsche Gesellschaft und ihre Wirtschaft laesst sich folgendes sagen:
- Ein großer Teil der Türken hatte bei der Anwerbung noch in der Türkei für die ersten ein bis zwei Arbeitsjahre in Deutschland Verträge zu sehr niedrigen Stundenloehnen abgeschloßen. Wegen fehlender deutscher Sprachkenntnisse hatten sie sich hiergegen nicht wehren können. Daher waren Türken extrem billige Arbeitskräfte und dienten damit der Kostenminimierung einzelner Unternehmen.
- Die deutschen Rentenversicherungen profitierten von den Versicherungsbeiträgen der türkischen Arbeitnehmer. Da eine Pensionsberechtigung nach deutschem Recht erst mit dem 65. Lebensjahr besteht, die durchschnittliche Lebenserwartung türkischer Arbeitnehmer aber nur 53,7 Jahre beträgt (Fn083), kommt es nur selten zu einer späteren Auszahlung der Renten (Fn084). Daher lassen sich sehr viele türkische Arbeitnehmer im Anschluss an ihre Rückkehr in die Türkei nach einer zweijaehrigen Wartezeit den Arbeitnehmeranteil der eingezahlten Beiträge auszahlen. Dies ist seit dem 25.November 1983 rechtlich zulaessig.
- Die Nachfrage türkischer Arbeitnehmer nach Konsumguetern, insbesondere nach langlebigen Konsumguetern, liess die Produktion in den entsprechenden Industriebranchen ansteigen und ermöglichte damit zugleich die Schaffung neuer Arbeitsplätze.
- Die deutsche Industrie profitiert auch von türkischen Arbeitnehmergesellschaften, die fast 70 % ihrer Maschinen aus Deutschland beziehen.
Die Beschäftigung der türkischen Arbeitnehmer war natuerlich nicht nur mit Vorteilen,
sondern auch mit Problemen für die Bundesrepublik Deutschland verbunden. So stieg die
Anzahl der im Bundesgebiet lebenden Türken trotz des Anwerbestops weiterhin an, da die
Familienangehörigen in der Regel nach kurzer Zeit ebenfalls nach Deutschland zogen.
Hierdurch entstanden besonders in Ballungsgebieten neue "Gettos" (z.B. Berlin,
Duisburg, Köln, usw.). Durch den starken Zuwachs an türkischen Kindern wurden
zusätzliche Aufwendungen im Kindergarten- und Schulwesen erforderlich.
Ingesamt ist festzustellen, daß sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die
Türkei, trotz zahlreicher Nachteile, von der Arbeiterwanderung mindestens ebenso stark
profitieren wie die einzelnen Individuen, die wegen der mangelhaften türkischen Staats-
und Wirtschaftsfuehrung ihre Arbeitskraft in Deutschland verkaufen müssen.
Der Export von Arbeitskräften in die Bundesrepublik Deutschland und die damit verbundenen
subjektiven Zielvorstellungen sind also zum einen unter dem Aspekt individüllen
ökonomischen Zwanges, zum anderen aber auch unter dem Gesichtspunkt einer von der
herrschenden türkischen Klasse initiierten ideologischen Beeinflussung der türkischen
Arbeiterklasse zu bewerten. Ihr soll durch die Indoktrination der offiziell propagierten
Mittelstandspolitik glaubhaft gemacht werden, daß die Arbeiter durch individülle
wirtschaftliche Iniative ihre eigene Klasse überwinden können.
Die türkischen Arbeitnehmer, die nach einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 6-7
Jahren in die Türkei zurückkehrten, wollten sich mit Hilfe ihrer Ersparnisse von
durchschnittlich 25.000 bis 30.000 DM in erster Linie selbständig machen. Allgemein kamen
dabei Restaurants, Cafeehäuser, Taxiunternehmen u.ae. als selbständige Betriebe in
Betracht (Fn085).
Diese Mittelstandsideologie nach türkischem Wertmuster, sich nach der Rückkehr
möglichst selbständig zu machen, war die ursprungliche Motivation bei der Wanderung
vieler türkischer Arbeitnehmer ins Ausland.
Den zweiten Teil der Arbeit, nämlich gesellschaftliche Probleme der türkischen
Arbeitnehmer, kann man stichwortartig folgendermassen darstellen: nach Meinung der
Befragten über die hauptsaechlichen Schwierigkeiten der Anpassung rangieren die
Sprachschwierigkeiten an erster Stelle, gefolgt von den Unterkunftsproblemen, von den
Diskriminierungserfahrungen, von den Problemen der Freizeitgestaltung und Betreuung und
von den Schwierigkeiten des Klimas und der Ernaehrung. Die Rangeinstufung dieser
Anpassungsschwierigkeiten hängt nicht von der Geschlechtszugehörigkeit der Befragten,
wohl aber von ihrer Anpassungsbereitschaft ab.
Der Stand der von den türkischen Arbeitnehmern erworbenen Kenntnisse der deutschen
Sprache ist sehr niedrig. Er ist jedoch von der Länge des Aufenthaltes, vom Alter der
Befragten und von der Anpassungsbereitschaft abhängig.
Bei freundschaftlichen Beziehungen der Befragten zu Deutschen anderen Geschlechts sind
statistisch sichere Unterschiede nicht vorhanden. Bei den männlichen Befragten ist dieser
Umstand jedoch von den erworbenen Sprachkenntnissen abhängig. Die unterschiedliche Länge
des Aufenthaltes sowie der Familienstand der Befragten ueben nur einen geringen Einfluss
auf das Zustandekommen freundschaftlicher Beziehungen zu Deutschen beiderlei Geschlechts
aus.
Das Problem der betrieblichen Eingliederung der Befragten in das industrielle
Arbeitssystem bereitet den männlichen Türken mehr Schwierigkeiten als den weiblichen
Türken. Der Herkunftsort spielt in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle. Bei den
männlichen Befragten haben diejenigen, die aus den Dörfern stammen, größere
Schwierigkeiten, die Arbeitsweise des modernen Betriebes zu überwinden, als diejenigen,
die aus der Klein- oder Großstadt kommen. Die anfänglichen Schwierigkeiten der Anpassung
an die Arbeitsweise werden jedoch mit der Länge des Aufenthaltes immer geringer. Die
türkischen Arbeitnehmer, die mit der Art des beruflichen Arbeitseinsatzes zufrieden sind,
haben auch häufiger ein gutes Verhältnis zu ihren Vorgesetzten und Vorarbeitern, als
für den Fall der Unabhängigkeit der beiden Faktoren zu erwarten wäre.
Die Türkinnen haben signifikant bessere Beziehungen zu den deutschen Arbeitskollegen als
ihre männlichen Landsleute. Die Länge des Aufenthaltes wirkt sich in dieser Beziehung
positiv aus: je länger die Aufenthaltsperiode ist, um so häufiger wird die Haltung der
deutschen Arbeitskollegen als "freundlich" eingeschätzt.
Die Rückkehrabsichten der Befragten hängen naturgemäß von den erwarteten
Schwierigkeiten der Rückanpassung an die wirtschaftlichen Verhältnisse des Heimatlandes
ab. Mit der hoeheren Einschätzung der voraussichtlichen Rückanpassungsschwierigkeiten
ergibt sich auch eine hoehere prozentuale Häufigkeit derer, die noch nicht bereit sind,
die Heimfahrt anzutreten. Die Einschätzung der Rückanpassungsschwierigkeiten hängt u.a.
von der Länge des Aufenthaltes in Deutschland und von der Berufsausbildung der Befragten
ab. Je länger die Befragten in Deutschland gewesen sind, um so häufiger rechnen sie mit
"sehr großen Schwierigkeiten" bei der Rückkehr.
Im Bundesgebiet gibt es 2,3 Mio. Arbeitslose. Viele Deutsche glauben, wenn alle
Ausländer in ihre Heimatländer zurückkehren, wäre in Deutschland alles wieder in
Ordnung. Ich bin der Meinung, daß viele Deutsche wieder einen Sündenbock gefunden haben:
schuld an wirtschaftlicher Misere, schuld an konjunkturellem Stillstand, schuld an
zunehmender Arbeitslosigkeit und womöglich auch noch an steigenden Preisen sollen die
Ausländer sein. Alle Ausländer raus - Problem weg: Diese Behauptung ist ebenso simpel
wie falsch. Dabei ist gerade bei diesem Thema Emotion nur sehr wenig und dafür
Sachlichkeit um so mehr gefragt.
Betrachtet man die Angelegenheit ganz sachlich: In vier ausgesuchten Branchen gibt es
unterschiedliche Ausländeranteile unter den Arbeitnehmern: In der Kraftfahrzeugbranche
machen die ausländischen Kollegen mit 152 879 etwa 16,3 % aller Beschäftigten aus, im
Bergbau mit 27 852 etwa 13,2 %, im Baugewerbe liegt der Ausländeranteil mit 202 310
Beschäftigten bei 12,1 % und im Dienstleistungsgewerbe mit 300 617 Beschäftigten bei 8,3
%. Der vielzitierte "türkische Müllmann" tritt relativ gesehen dagegen sehr
schwach in Erscheinung: Bei einer sachlichen Betrachtung muß man wohl auch sagen, daß
mehr als 4,6 Mio. Ausländer eine große Zahl von Wohnungen in der Bundesrepublik
benötigen. Sie tun das zudem oft dort, wo das Wohnungsproblem ohnehin besonders groß
ist: in Großstädten und Ballungszentren. Ausserdem bringen viele ausländische Kinder
Probleme in Schulen mit sich, wenn z.B. in einigen Klassen der Anteil der ausländischen
Schueler größer ist als der der deutschen.
Rechtfertigt das alles aber das "Ausländer raus"?
Man braucht nicht polemisch zu werden, um die Frage mit einem eindeutigen "Nein"
zu beantworten, sondern kann ganz ruhig und sachlich vorgehen.
Sehen wir uns einmal eines der Hauptargumente der "Ausländer raus" - Rufer an.
1,4 Mio. ausländischen Arbeitnehmern stehen rund 2,3 Mio. Arbeitslose in der
Bundesrepublik gegenüber. Würden die Ausländer gehen, hätten alle Deutschen einen
Arbeitsplatz, behaupten sie. Doch wie sieht es tatsaechlich aus?
Die Zeiten, in denen Ausländer ausschliesslich unbeliebte Dreckarbeit zu machen hatten,
sind vorbei. Ausländische Kollegen sind heute manchmal bereits hochspezialisierte
Facharbeiter, die eben nicht so einfach zu ersetzen sind. Welche Arbeitskräfte fehlen
denn heute trotz der Arbeitslosigkeit? Facharbeiter! Und die wenigen Posten, die
tatsaechlich von Deutschen übernommen werden würden, fallen auch kaum ins Gewicht. Denn
Ausländer bekleiden eben auch noch Arbeitsplätze, die deutsche Arbeitnehmer als
unzumutbar ablehnen.
Wie sieht es aus mit dem Argument, Ausländer belegten Wohnungen, die Deutsche gebrauchen
könnten? Gerade Ausländer leben in der Bundesrepublik vielfach in Wohnungen, die an
Deutsche kaum zu vermieten wären. Kein Bad, Zentralheizung Fehlanzeige, oftmals schwam-
mige und schimmelige Wände, Treppenflure unbeleuchtet und schmutzig, Wohnviertel, in die
keiner ziehen möchte - so sehen doch in der Regel die Wohnungen aus, die angeblich den
Deutschen weggenommen werden.
Wenn alle Ausländer die Bundesrepublik verliessen, würde in vielen Bereichen die
Versorgung der Bevölkerung zusammenbrechen.
- Bei der Bundesbahn würden die 16 700 ausländischen Mitarbeiter auch durch eine Urlaubssperre für die verbleibenden deutschen Beschäftigten nicht ohne weiteres ersetzt werden können.
In den Zechen an der Ruhr beträgt der Ausländeranteil unter den Kumpeln immerhin 13,2
%.
- Im Dienstleistungsgewerbe würden unzaehlige Mitarbeiter fehlen. In zahlreichen Hotels muessten die Gaeste ihre Betten selber machen, in vielen Restaurants würde es kaum noch warme Speisen geben. Bewirtungszeiten in Gaststättenen würden noch länger, denn Bedienungskräfte waren schon immer knapp und wären es dann um so mehr.
Zusammenfassend kann man sagen, daß die türkischen Arbeitnehmer, trotz einiger
Nachteile doch sehr positiven Einfluss auf die deutsche Wirtschaft ausueben.
Schaubild 1: Arbeitslosenquote im Fruehjahr 1983, S. 12
Schaubild 2: Ausländer-Familien nach der Nationalität, S. 13
Schaubild 3: Beschäftigte ausländische Arbeitnehmer nach Staatsangehörigkeiten in
den Jahren 1954-1981, S. 15
Schaubild 4: Gegenüberstellung ausländischer und türkischer Arbeitnehmer nach
Bundesländern, S. 20
Schaubild 5: Berg- und Talfahrt der Konjunktur, 1950- 1983, S. 25
Schaubild 6: Sparverhalten der türkischen Arbeitnehmer, S. 46
Schaubild 7: Sparverhalten der Bundesbürger, S. 51
Schaubild 8: Herkunft der türkischen Arbeitnehmer, S.68
Tabelle 1: Entwicklung der Zahl der ausländischen Arbeitnehmer, S. 9
Tabelle 2: Türkische Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland, S. 16
Tabelle 3: Verteilung der türkischen Arbeitnehmer auf die Landesarbeitsamtsbezirke, S.
18
Tabelle 4: Verteilung der türkischen Arbeitnehmer nach Wirtschaftsbereichen, S. 21
Tabelle 5: Stellung der türkischen Arbeitnehmer im Beruf nach Geschlecht, S. 23
Tabelle 6: Wohnungsart der Türken nach Aufenthaltsdauer, S. 40
Tabelle 7: Die Aufteilung der Konsumausgaben der türkischen Arbeitnehmer in der
Bundesrepublik Deutschland, S. 49
Tabelle 8: Passivsalden der Übertragungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland, die
gesamten Überweisungen ausländischer Arbeitskräfte und der Geldtransfer türkischer
Arbeitnehmer in die Türkei, S. 57
Tabelle 9: Die Einfuhr der Bundesrepublik Deutschland aus der Türkei und die Zahl der
türkischen Arbeitnehmer in die Bundesrepublik Deutschland, S. 59
Tabelle 10: Die Ausfuhr der Bundesrepublik Deutschland in die Türkei und die
Geldüberweisungen türkischer Arbeitnehmer aus der Bundesrepublik in die Türkei, S. 60
Tabelle 11: Die Verteilung des Imports der Türkei nach ausgewaehlten Ländern, S. 61
Tabelle 12: Anpassungstendenz der Befragten, S. 66
Tabelle 13: Unterbringung der Befragten, S. 71
Tabelle 14: Zahl der Personen auf einem Wohnraum, S.73
Tabelle 15: Häufigkeit des Wohnungswechsels, S. 74
Tabelle 16: Hauptgrund für den letzten Wohnungswechsel, S. 75
Tabelle 17: Die deutschen Sprachkenntnisse der türkischen Arbeitnehmer, S. 79
Tabelle 18: Sprachverhältnisse in der Familie, S. 79
Tabelle 19: Zahl der eingegangenen Bekanntschaften mit Deutschen, deren Quellen und
Zufriedenheitsgrad, S. 84 und 85
Tabelle 20: Mit wem haben die türkischen Arbeitnehmer am liebsten Kontakt ?, S. 87
Tabelle 21: Freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen anderen Geschlechts, S. 88
Tabelle 22: Besuch der Moschee, S. 94
Tabelle 23: Arbeitsstunden pro Woche, Dauer des Weges zur Arbeitsstelle pro Tag, S. 96
Tabelle 24: Relative Häufigkeit von Freizeitaktivitäten, S. 99
Tabelle 25: Welche Sender hören Sie am liebsten ?, S.103
Tabelle 26: Lesegewohnheiten bei Zeitungen, S. 104
Tabelle 27: Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern, S. 109
Tabelle 28: Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern, Vergleich nach der
Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels, S. 110
Tabelle 29: Zufriedenheit mit deutschen Arbeitskollegen, S. 111
Tabelle 30: Gründe für die Loesung des Arbeitsverhältnisses, S. 112
Tabelle 31: Rückkehrabsichten nach Länge des Aufenthaltes, S. 118
Probleme kultureller und gesellschaftlicher Integration türkischer Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland
Zeitpunkt der Untersuchung: ..............
01) Alter: ...........
02) Geschlecht:
02a) männlich O
02b) weiblich O
03) Seit wann sind Sie in der BRD? Seit ...... Jahren
04) Familienstand:
04a) ledig O
04b) verheiratet O
04c) verwitwet O
04d) geschieden O
05) Sind Ihre Familienangehörigen in Deutschland?
05) ja O
05) nein O
06) Was ist Ihre jetzige Arbeitsstellung?
06a) Hilfsarbeiter O
06b) Facharbeiter O
06c) Angestellter O
06d) andere (welche)...........
07) Würden Sie mir sagen, wieviel Sie in den letzten drei Monaten durchschnittlich
netto verdient haben?
07) ............ DM pro Monat
08) Wie schätzen Sie Ihr Einkommen ein, wenn Sie es mit dem Einkommen der deutschen
Arbeitskollegen vergleichen?
08) Ich verdiene:
08a) mehr O
08b) gleich O
08c) weniger O
09) Legen Sie monatlich einen Betrag zurück?
09) ja O
09) nein O
09) Wenn ja, wie hoch ist dieser Betrag? ........ DM pro Monat
10) Wozu wollen Sie dieses Geld verwenden?
10a) Anschaffung O
10b) Unterstützung der Familienangehörigen O
10c) andere (welche):...........
11) Schicken Sie Geld nach Hause?
11) ja O
11) nein O
12) Wenn ja, an wen bzw. wozu?
12a) auf ein eigenes Sparbuch O
12b) an die eigene Familie O
12c) um die Rückkehr vorzubereiten O
12d) um Schulden zu bezahlen O
13) Art der Wohnung:
13a) eigene Wohnung O
13b) Heim O
13c) eigenes Zimmer O
13d) sonstige Unterkunft O
14) Wie groß ist Ihre Wohnung bzw. Ihr Zimmer? .......... qm.
15) Wieviel Raeume haben Sie? ........ Zimmer
15) Wieviel Person sind Sie in der Wohnung? .......
16) Wieviel Familien wohnen zusammen in dem Haus und wieviele davon sind Türken?
16a) Zahl der Familien:.............
16b) davon Türken:.............
17) Wie teuer ist Ihre Wohnung bzw. Ihr Zimmer? ........DM
18) Haben Sie öfters die Wohnung gewechselt?
18) ja O
18) nein O
18) Wenn ja, wie oft? ........ mal
19) Wie haben Sie Ihre Wohnung bzw. Ihr Zimmer gefunden?
19a) durch Anzeige O
19b) durch Bekannte O
19c) durch andere (welche).....
20) Welche Sprache sprechen die Ehepartner überwiegend miteinander?
20a) türkisch O
20b) deutsch O
21) Welche Sprache sprechen die Eltern mit Kindern?
21a) türkisch O
21b) deutsch O
22) Welche Sprache sprechen die Kinder miteinander?
22a) türkisch O
22b) deutsch O
23) Welche Schule besuchen Ihre Kinder?
23a) türkische O
23b) deutsche O
24) Kommen Ihre Kinder in der Schule zurecht?
24) ja O
24) nein O
25) Wie ist Ihre persönliche Einstellung zu der deutschen Lebensart?
25a) Isolation O
25b) Akkumulation O
25c) Integration O
26) Sprechen Sie Deutsch?
26) ja O
26) Nein O
26) Wenn ja:
26a) fliessend O
26b) gebrochen O
27) Können Sie Deutsch lesen bzw. schreiben?
27) ja O
27) nein O
28) Gehen Sie in die:
29a) Moschee O
29b) Kirche O
29) Wenn ja, wie oft?
29a) oft O
29b) selten O
30) Lesen Sie?
30) regelmäßig O
30) gelegentlich O
30) nie O
30a) türkische Zeitung bzw. Zeitschriften O
30b) deutsche Zeitung bzw. Zeitschriften O
31) Besitzen Sie ein Radio?
31) ja O
31) nein O
31) Wenn ja, welche Sender hören Sie am liebsten?
31a) türkische O
31b) deutsche O
31c) andere.......
32) Besitzen Sie ein Fernsehapparat?
32) ja O
32) nein O
33) Durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche? Ist das Ihr:
33) Hauptberuf O
33) oder Nebentätigkeit O
33a) Stunden pro Woche:........
33b) Länge des Arbeitsweges:........ Min. pro Tag
34) Ich habe eine Liste, auf der Freizeitmöglichkeiten verzeichnet sind. Sagen Sie mir
bitte zu jeder dieser Möglichkeiten, wie häufig Sie das tun. Und zwar mit sehr oft;
öfters; manchmal; selten; nie.
34a) Besuch zu Hause..............
34b) Vereine..............
34c) Kino, Gaststättene, Tanzlokal...........
34d) Theater, Konzert.............
34e) Vorträge, Volkshochschule..........
34f) Religioese Veranstaltungen..............
34g) Sport..............
34h) Radio, Fernsehen, Tonband, Video.............
34i) Bücher, Zeitungen, Zeitschriften.............
34j) Hobby, Sammeln.............
35) Interessieren Sie sich für Politik oder ist diese für Sie weniger interessant?
35a) sehr stark O
35b) stark O
35c) etwas O
35d) kaum O
35e) gar nicht O
36) Sind die Mehrzahl Ihrer Bekannten in der BRD
36a) Landsleute O
36b) Deutsche O
36c) andere.......
36d) Keine Stellungnahme O
37) Wieviele deutsche Familien haben Sie kennengelernt?
37a) eine O
37b) 2 bis 3 O
37c) 4 bis 5 O
37d) 6 oder mehr O
37e) keine O
38) Wie gut ist der Kontakt mit diesen Familien?
38a) sehr gut O
38b) gut O
38c) schlecht O
38d) weder gut noch schlecht O
38e) sehr schlecht O
39) Haben Sie Kontakte zu einzelnen (unverheirateten) Deutschen?
39) ja O
39) nein O
40) Wenn ja, wie gut ist der Kontakt zu diesen?
40a) sehr gut O
40b) gut O
40c) schlecht O
40d) weder gut noch schlecht O
40e) sehr schlecht O
41) Wie haben Sie Ihre deutchen Freunde oder Freundinnen kennengelernt?
41a) im Betrieb O
41b) durch Bekannte O
41c) im Tanzlokal O
41d) in der Schule O
41e) in Vereinen O
41f) beim Sport O
41g) sonstiges...........
42) Mit wem haben Sie am liebsten Kontakt? Mit:
42a) Landsleuten O
42b) Deutschen O
42c) anderen O
43) Wurden Sie schon einmal von Deutschen privat ein geladen?
43) ja O
43) nein O
44) Bei wievielen Familien waren Sie schon privat eingeladen?
44a) einmal O
44b) 2 bis 3 mal O
44c) 4 bis 5 mal O
44d) 6 mal oder mehr O
45) Zufriedenheit mit dem Vorgesetzten und Vorarbeiter im Betrieb?
45a) zufrieden O
45b) unzufrieden O
45c) teils-teils O
46) Wie sind Ihre Beziehungen gegenüber Ihren deutschen Arbeitskollegen?
46a) sehr gut O
46b) gut O
46c) zufrieden O
46d) schlecht O
47) Wie oft haben Sie Ihren Arbeitsplatz gewechselt? ........
47) Wenn ja, warum? Wegen ...........................
48) Haben Sie Schwierigkeiten mit den deutschen Gesetzen?
48a) ja O
48b) nein O
48c) manchmal O
49) Haben Sie zur Zeit eine Arbeitsstelle?
49) ja O
49) nein O
49) Wenn nein, seit wann sind Sie arbeitslos? ........
50) Wie lange wollen Sie noch in der BRD bleiben?
50) ..............Monate
50) oder ...................Jahre
51) Aus welchem Teil der Türkei kommen Sie?
51a) Ort...............
51b) Einwohnerzahl...........
52) Was für eine Tätigkeit werden Sie in Ihrer Heimat nach der Rückkehr ausueben?
52a) Selbständig O
52b) in einem Betrieb O
52c) andere (welche) ......
53) Sind Sie mit dem bisherigen Aufenthalt in der BRD zufrieden? ..........
53) Wenn nein, warum nicht? ...............................
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(Fn001) S. Barkin; The Economic Costs and Benefits and Human Gains and Disadvantages of International Emigration, in: The Journal of Human Resources, 1968, II. 4, S. 497
(Fn002) Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, soziale Auswirkungen des technischen
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(Fn003) Kruse, A., der deutsche Arbeitsmarkt und die Gastarbeiter, Schmollers Jahresbuch, 86-2, S. 428
(Fn004) Forschungsbericht 1980, Hrsg. Der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, S. 2
(Fn005) Vgl. die Ausfuehrung in Abschnitt 7.4.2 Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis
(Fn006) Bevölkerungsentwicklung 1981 in WiSta 7/1982, S. 504
(Fn007) Vgl. Unat, N. A./Rusen, K., u.a., Goec ve Gelisme, Ankara, o.j., S. 28
(Fn008) Ekin, N., Die Türkei und türkische Arbeitnehmer, Cumhuriyet vom 04.04.82, S. 2
(Fn009) Wirtschaft und Statistik 2 / 80, Hrsg. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
(Fn010) Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ausländer 1982, a.a.O.
(Fn011) Bundesanstalt für Arbeit, Nuernberg, 1982
(Fn012) Erfahrungsbericht der BAVAV 1967, S. 3
(Fn013) Ebenda, S. 13
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(Fn015) Burns, A. F. und Mitchell, W. C., Measuring Business Cycles, New York 1947, S. 3
(Fn016) Lutz, V., Foreign Workers and Domestic Wage Levels with an Illustration from the Swiss Case
(Fn017) Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Fachserie 1, a.a.O.
(Fn018) Schmidt, H., Gute Erfahrungen mit ausländischen Arbeitskräften, in:
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(Fn019) Informationsbroschuere der Ford-Werke Köln, 1983
(Fn020) Vgl. Laufkoetter, F., Das Verhältnis zwischen einheimischen und fremden
Arbeitern, in: Sozialistische Monatshefte, Jg. 8, Bd. 2, S. 801 ff.
(Fn021) Kleeis, F., Die ausländischen Arbeiter in Deutschland, in: Sozialistische
Monatshefte, Jg. 22, Bd. 1, S. 328
(Fn022) Keynes, J. M., The General Theory of Employment, Interest and Money, London
1936
(Fn023) Vgl. Ohlin, B., The Problem of Employment Stabilization, New York 1949
(Fn024) Eigene Erhebung mit Hilfe statistischer Daten aus "Amtliche Nachrichten
der Bundesanstalt für Arbeit vom 23.August 1983, S. 1035 und aus "Leistung '81 in
Zahlen, Hrsg. BMWI, S. 34
(Fn025) Vgl. S. 21 f.
(Fn026) Vgl. S. 31
(Fn027) Vgl. z.B. Winterberger, G., Das Problem der Fremdarbeiter in der Schweiz, S. 276 ff.; Wittmann, W., Wachstum- und Konjunkturaspekte des Fremdarbeiterproblems, S. 120 ff.; Keller, Th., Volkswirtschaftliche Aspekte des Fremdarbeiterproblems, S. 341 ff.
(Fn028) Vgl. IW-Trends, Indikatoren, Prognosen, Analysen 3/83 , Hrsg. DIW, Köln, S. 8
ff.
(Fn029) Vgl., IW-Trends, a.a.O., S. 15
(Fn030) Kruse, A., Der deutsche Arbeitsmarkt und die Gastarbeiter, in: Schmollers
Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, Jg. 86, 1967, S. 432 f.
(Fn031) Ruestow, H.J., Gastarbeiter - Gewinn oder Belastung für unsere
Volkswirtschaft, in: Wirtschaftsdienst, Jg. 45, 1965, H. 12, S. 632; derselbe, in:
Probleme der ausländischen Arbeitskräfte in der Bundesrepublik, H. 13, Berlin 1966, S.
36 ff.
(Fn032) Eigene Erhebung
(Fn033) Deutsche Bank, unter Berücksichtigung der auf Heimatreisen mitgenommenen
Beträge.
(Fn034) Vgl. Tuchtfeld, E., Das Problem der ausländischen Arbeitskräfte in der Schweiz, S. 643
(Fn035) Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ausländer 1982, a.a.O. S.53
(Fn036) Ebenda
(Fn037) Forschungsbericht, Repräsentativuntersuchung'80, a.a.O., S 448
(Fn038) Statistisches Bundesamt, Strukturdaten über Ausländer,1982
(Fn039) Vgl. S. 22
(Fn040) Ich übertrage hier Begriffe, die im Zusammenhang mit dem Faktor Kapital
gebraeuchlich sind, auf den Faktor Arbeit.
(Fn041) Konjunkturpolitik neu betrachtet, Studien-Reihe 38, Hrsg. Bundesminister für
Wirtschaft, S. 2
(Fn042) Senguel, Oe., Almanya'daki Türk Iscilerinin Tasarruflari, Ankara 1982, S. 104
(Fn043) Kunkel, K., Die Deutschen halten uns für bloed..., Köln 1975, S. 73
(Fn044) Kudat, A., Internationale Arbeitskräftewanderung, Hrsg. Internationales
Institut für vergleichende Gesellschaftsforschung am Wissenschaftszentrum, S. 154
(Fn045) Repräsentativ-Untersuchung' 80, a.a.O., S. 449
(Fn046) Vgl. hierzu Kunkel, K., a.a.O., S. 80 f
(Fn047) Voigt, F., Die Gastarbeiter in der Bundesrepublik Deutschland, in: Die
Mitarbeit, Zeitschrift zur Gesellschafts- und Kulturpolitik, Jg. 23, H. 4, S. 302
(Fn048) Salowsky, H., Gesamtwirtschaftliche Aspekte der Ausländerbeschäftigung, in:
Ursachen und Auswirkungen der Ausländerbeschäftigung, mit Schiller, G., S. 33 Vgl.
hierzu auch Hornhues, K., Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Beschäftigung
ausländischer Arbeitskräfte, Diss. Muenster 1970, S. 143
(Fn049)) Vgl. Salowsky,H., ebenda, S. 64
(Fn050) Vgl. Lewis. W., Die Theorie des wirtschaftlichen Wachstums, Tuebingen 1956, S.
60; Vgl. auch Cassel, G., Theoretische Sozialökonomie, S. 30
(Fn051) Rudloff, H., Vermögensbestand, Sparverhalten und Wirtschaftswachstum,
Untersuchungen über das Spar-, Giro- und Kreditwesen, Hrsg. Voigt, F., Bd. 47, Berlin
1969, S. 19
(Fn052) Ehrlicher, W., Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Formen des Sparens, in:
Beiträge zur Theorie des Sparens und der wirtschaftlichen Entwicklung, Untersuchungen
über das Spar-, Giro- und Kreditwesen, Hrsg. Voigt, F., Band 1, S. 130
(Fn053) Repräsentativ-Untersuchung' 80, a.a.O., S. 263
(Fn054) Vgl. Hoepfner, K., Ramann, B.,Rueruep, B., Ausländische Arbeitnehmer,
gesamtwirtschaftliche Probleme und Steuerungsmöglichkeiten, Bonn 1973, S.52
(Fn055) Deutsche Bundesbank, Geschäftsbericht für das Jahr 82, S. 23
(Fn056) Vgl. Frey, M., Müller, U., Ausländer bei uns - Fremde oder Mitbürger -, Bonn
1982, S. 222
(Fn057) Jahresgutachten 1975/76: Vor dem Aufschwung, Sachverständigenrat zur
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, S. 40
(Fn058) Müllers, P., Die Bedeutung der Industrialisierung unterentwickelter Länder
für den deutschen Industrieexport, Deutsches Übersee-Institut, Probleme der
Weltwirtschaft, Hamburg 1968, S. 132
(Fn059) Deutsche Bundesbank, Geschäftsbericht für das Jahr 1982, S. 4 f.
(Fn060) Bundesgesetzblatt 1959, S. 44
(Fn061) Repräsentativuntersuchung'80, a.a.O., S. 472 ff.
(Fn062) Zitiert in Informationsdienst zur Ausländerarbeit 2/81
(Fn063) Vgl. u.a. "Ausländische Mitbürger in unseren Städten", Neue
Schriften des Deutschen Städtetages, Heft 42, Köln 1981, S. 165 f.
(Fn064) Ebenda, S. 163 ff.
(Fn065) Homans, G.C., Theorie der sozialen Gruppe, Köln 1960, S. 133
(Fn066) Repräsentativuntersuchung'80, a.a.O., S. 480
(Fn067) Der Spiegel, Nr. 46/1981, S. 108
(Fn068) Frey, M. und Müller, U., Ausländer bei uns - Fremde oder Mitbürger, Band
186, Bonn, S. 384 f.
(Fn069) Maturi, zitiert bei Verena McRae, Die Gastarbeiter, München 1980, S. 81
(Fn070) Buettner, T., Das Informationsverhalten ausländischer Familien in Deutschland,
Köln 1982
(Fn071) Ruessel, A., Arbeitspsychologie, Bern/Stuttgart 1961, S. 263
(Fn072) Hanhart, D., Arbeiter in der Freizeit. Eine sozialpsychologische Untersuchung,
Bern/Stuttgart 1964, S. 208
(Fn073) Repräsentativuntersuchung`80, a.a.O., S.162 f.
(Fn074) Beschluss der Bundesregierung vom 03.02.1982; Bundestags-Drucksache 9/1629,
S.1.
(Fn075) Bundestags-Drucksache 9/1629, S. 15.
(Fn076) Frankfurter Rundschau vom 15.07.1982
(Fn077) Informationsbrief Ausländerrecht 1982, S. 115.
(Fn078) Kölnische Rundschau vom 12.08.1983
(Fn079) Ebenda
(Fn080) Bevers, J., Türken Ausgezahlt und Abgeschoben in: Schauplatz, September 1983,
Nr. 9, S. 22 ff.
(Fn081) Bevers, J., a.a.O., S. 22.
(Fn082) Bevers, J., a.a.O., S. 23 f.
(Fn083) Vgl. "Politik der Partner"; Hrsg. BMZ; Tabelle: Strukturdaten der
Entwicklungsländer; Ernaehrung, Gesundheit, Köln 1977, S. 137
(Fn084) In der Türkei ist jeder Arbeitnehmer nach 25 Jahren Arbeitstätigkeit
pensionsberechtigt. Der Rentenanspruch besteht für die Männer mit dem 55. und für die
Frauen mit dem 50. Lebensjahr.
(Fn085) Vgl. Werth, M., Türkische Arbeitnehmer Gesellschaften, Bd.2, Evaluierung von
Betriebsgruendung in der Türkei, Bonn 1975, S. 119
Ich versichere, die von mir vorgelegte Arbeit selbständig verfasst zu haben. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus veröffentlichten oder nicht veröffentlichten Arbeiten anderer entnommen sind, habe ich als entnommen kenntlich gemacht. Sämtliche Quellen und Hilfsmittel, die ich für die Arbeit benutzt habe, sind angegeben.
Köln, den 16.11.1983
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(Ich habe mir erlaubt fast alle Umlaute richtig zu schreiben ae=>ä usw. / Ayhan Karaca)