Fachhochschule Köln
Fachbereich Wirschaft
Schwerpunkt Personalwesen

Diplomarbeit
(Drei-Monats-Arbeit)
Zur Erlangung
des Diplomgrades
Diplom-Betriebswirt
in der Fachrichtung Wirtschaft

"Der wirtschaftliche Nutzen der türkischen Arbeitnehmer für die Bundesrepublik Deutschland sowie deren gesellschaftliche Probleme"

Eingereicht beim Referenten
Prof.Dr.rer.pol.Dipl.-Kfm.Hans Riedel

vorgelegt am 14.November 1983
von cand. Mine Sak
aus Tekirdag-Türkei


I. Einführung und Problematik


II. Entwicklung und Struktur des Bestandes an türkischen Arbeitnehmern in der Bundesrepublik Deutschland

II.1. Die Entwicklung der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer

II.1.1. Die Entwicklung der Beschäftigung der türkischen Arbeitnehmer seit 1960

II.1.2. Regionale Verteilung der türkischen Arbeitnehmer im Bundesgebiet

II.1.3. Die Verteilung der türkischen Arbeitnehmer auf die einzelnen Wirtschaftssektoren

II.1.4. Die Verteilung der türkischen Arbeitnehmer nach Männern und Frauen

II.1.5. Konjunkturelle Schwankungen der Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer


III. Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland

III.1. Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und auf die Lohnentwicklung

III.2. Auswirkungen auf die Gütermärkte

III.2.1. Wirkungen auf das Güterangebot

III.2.2. Wirkungen auf die Güternachfrage

III.2.2.1. Nachfrage nach Investitionsgütern für die Einrichtung von Arbeitsplätzen für türkische Arbeitnehmer

III.2.2.2 Nachfrage nach Konsumgütern

III.2.2.3. Nachfrage nach Wohnraum

III.2.2.4. Nachfrage nach Investitionsgütern für die Infrastruktur

III.3. Zusammenfassung


IV. Einflüsse des Sparverhaltens der türkischen Arbeitnehmer auf die Volkswirtschaft der Bundesrepublik Deutschland

IV.1. Stabilität des Preisniveaus

IV.2. Kapitalbildung

IV.3. Zahlungsbilanz

IV.3.1. Direkter Einfluß

IV.3.2. Indirekter Einfluß

IV.4. Ergebnis


V. Anpassungsprobleme der türkischen Arbeitnehmer

V.1. Die Anpassungsbereitschaft der türkischen Arbeitnehmer

V.2. Darstellung der größten Anpassungsschwierigkeiten

V.2.1. Türkische Meinungen über die hauptsächliche Schwierigkeit der Anpassung

V.2.2. Die Unterbringung

V.2.2.1. Zahl der Personen in einer Wohnung

V.2.2.2. Häufigkeit des Wohnungswechsels

V.2.2.3. Meinungen über die Wohnungssituation

V.2.3. Sprachkenntnisse

V.2.4. Kontaktschwierigkeiten

V.2.4.1. Zahl der eingegangenen Bekanntschaften mit Deutschen

V.2.4.2 Freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen anderen Geschlechts

V.2.4.3. Erfahrungen mit Diskriminierung

V.2.4.4. Die soziale und religiöse Betreuung

V.2.4.5. Freizeitgestaltung

V.2.4.5.a. Zum Verhältnis Arbeit - freie Zeit
V.2.4.5.b. Länge der Freizeit
V.2.4.5.b.(1) Geselligkeit und Familien
V.2.4.5.b.(2) Vereine
V.2.4.5.b.(3) Kino, Tanzlokal, Gaststätte, Theater, Konzert, Vorträge, Volkshochschule
V.2.4.5.b.(4) Religiöse Veranstaltungen
V.2.4.5.b.(5) Sport
V.2.4.5.b.(6) Radio, Fernsehen, Tonband, Video
V.2.4.5.b.(7) Lesen von Zeitungen, Büchern und Zeitschriften
V.2.4.5.b.(8) Richtung des politischen Interesses

V.2.5. Anpassungsprobleme im Betrieb

V.2.6. Schwierigkeiten mit deutschen Gesetzen

V.3. Rückkehrabsichten der türkischen Arbeitnehmer


VI. Zusammenfassung und Ergebnisse


VII. Anhang

VII.1. Liste der Schaubilder

VII.2. Liste der Tabellen

VII.3. Fragebogen

VII.4. Literaturverzeichnis

VII.5. Fußnoten


I. Einführung und Problematik

Im neunzehnten und am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts fanden große Bevölkerungsbewegungen aus einigen europäischen Ländern in andere Länder statt, besonders auch nach Amerika. Etwa 51 Millionen Europäer wanderten aus ihrem Kontinent aus (Fn001). Sowohl wirtschaftlicher als auch politischer Druck im eigenen Lande zwang sie dazu; außerdem beeinflußte sie die Unterstützung, die ihnen von den Aufnahmeländern angeboten wurde, sowie die Erwartung, dort neue Arbeitsgelegenheiten zu finden. Mangel und Verteilung des Bodens, Unterbeschäftigung, niedrigerer Lebensstandard, politische Unruhen und Verfolgungen machten den ständigen Aufenthalt in ihrer Heimat von Tag zu Tag schwerer. Sie suchten Freiheit und Gelegenheit für einen neuen Anfang. Sie wanderten aus Europa mitsamt ihren Familien aus. Der größte Teil der eingewanderten Arbeitskräfte liess sich für immer in der neuen Heimat nieder.
Europäische und amerikanische Kapitalinvestitionen in den ausgedehnten, neubesiedelten Ländern trafen die erforderliche Vorsorge für die Beschäftigung der Millionen von Menschen.
Diese Bevölkerungsbewegungen aus den europäischen Ländern gingen im Laufe der Zeit zurück. Außerdem wurden durch bestimmte Kontrollen die Einwanderungsmöglichkeiten erheblich beschränkt, allerdings nicht für qualifizierte Arbeitskräfte. Nach dem zweiten Weltkrieg haben sich die Motive der Auswanderung wesentlich geändert.

Vor allem als Folge der wirtschaftlichen Expansion in einigen europäischen Ländern, darunter besonders in der Bundesrepublik Deutschland, wurde eine Bevölkerungswanderung aus den unterentwickelten Gebieten Europas in die industrialisierten Länder hervorgerufen. Man kann die wichtigsten Ursachen dieses Phänomens wie folgt zusammenfassen: einerseits anhaltende Nachfrage nach Arbeitskräften bei fortgesetztem Konjunkturaufschwung und hohem Wachstumstempo, andererseits außerordentliche Belastung des Arbeitsmarktes durch den Krieg sowie geringere Zuwachsraten der Bevölkerung, Verringerung der Zahl der aus den allgemeinbildenden Schulen Entlassenen und die Verkürzung der Arbeitszeit hatten eine steigende Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften zur Folge.
Der Unterschied zwischen beiden Auswanderungsbewegungen liegt darin, daß die Auswanderung im 19. und am Anfang des 2O. Jahrhunderts dazu beitrug, unbesiedelte Gebiete zu bevölkern, während die heutige Auswanderung sich sicherlich auf offene Arbeitsstellen konzentriert, die durch das Wirtschaftswachstum geschaffen worden sind.
Die Aufnahmeländer in den früheren Jahren begruessten die Einwanderer als dauerhafte Bürger, und man versuchte sie zu integrieren und sogar zu assimilieren. Im Gegensatz zu dieser Entwicklung betrachten heutzutage die europäischen Aufnahmeländer die eingewanderten Arbeitskräfte als Ersatz für den Mangel an eigenen Arbeitnehmern. Die ausländischen Arbeitskräfte sind vorübergehende Einwohner, die vor allem die Diskrepanz zwischen Arbeitsnachfrage und -angebot überwinden sollen.
Sie werden als "Gastarbeiter" behandelt. Darunter versteht man, daß sie so lange beschäftigt werden können, wie der konjunkturelle Aufschwung in den Aufnahmeländer anhält.
Die Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer in hochindustrialisierten Ländern, besonders in der Bundesrepublik Deutschland, ist ein neues Phänomen. Die Auswanderung der türkischen Arbeitskräfte begann erst im Jahre 1961.
Seitdem ist die Anzahl der Türken in der Bundesrepublik Deutschland sowohl prozentual als auch absolut angestiegen. Zwei ökonomisch bedingte Gründe haben eine bedeutende Rolle bei der Auswanderung gespielt,
1. Die wirtschaftliche Lage der Türkei, die die Arbeitskräfte zwang, ins Ausland auszuwandern,
2. Die Anzahl der offenen Stellen in der Bundesrepublik Deutschland hat sich von Jahr zu Jahr trotz umfangreicher und beschleunigter Aufnahme ausländischer Arbeitskräfte erhöht.
In der vorliegenden Arbeit soll zunächst kurz die Entwicklung und Struktur des Bestandes an türkischen Arbeitnehmern in der Bundesrepublik Deutschland dargestellt werden. Anschließend soll versucht werden, die Auswirkungen der Anwesenheit türkischer Arbeitnehmer auf die gesamtwirtschaftliche Situation der Bundesrepublik zu analysieren. Solche Konsequenzen können sich sowohl aus dem besonderen Sparverhalten türkischer Arbeitnehmer als auch aus der Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer durch im Inland tätige Unternehmen ergeben. Beiden Problemkreisen ist jeweils ein eigener Abschnitt gewidmet. Abschließend werden, über die rein wirtschaftliche Betrachtungsweise hinausgehend, gesellschaftliche Integrationsprobleme türkischer Arbeitnehmer auf der Grundlage empirischer Erhebungen untersucht.


II. Entwicklung und Struktur des Bestandes an türkischen Arbeitnehmern in der Bundesrepublik Deutschland

II.1. Die Entwicklung der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer

Auf Grund der wirtschaftliche Expansion seit 1950 wurde die Grenze der Vollbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland erreicht, so daß bei fortschreitendem Wachstum die vorhandenen Arbeitskräftereserven ausgenutzt wurden, und Einkommen, Verbrauch und Preise beträchtlich anstiegen. Es schien nicht möglich zu sein, den Mangel an Arbeitskräften durch Rationalisierung und Mechanisierung in kurzer Zeit auszugleichen. Eine Untersuchung des Ifo-Instituts München zeigt, daß die Verminderung des Gesamtbedarfs an Arbeitskräften durch Technisierung oder Automatisierung nicht gelungen ist (Fn002). Andererseits zeigte sich wegen der Altersstruktur der Bevölkerung, der Verringerung der Zahl der aus den allgemeinbildenden Schulen Entlassenen und der Verkürzung der Arbeitszeit kein günstiges Bild auf der Angebotsseite der deutschen Bevölkerung (Fn003). Doch es stand ein Ausweg zur Verfügung, um den raschen Lohnanstieg zu bremsen: die ausländische Arbeitnehmer hereinlassen. Die zeitliche Entwicklung der Beschäftigtenzahl ausländischer Arbeitnehmer vollzieht sich keineswegs für die verschiedenen Nationalitäten parallel. Zunächst wurden ausländische Arbeitnehmer aus Italien (1955) angeworben. Dann folgten Anfang der 60er Jahre weitere Regierungsvereinbarungen über Anwerbung und Vermittlung von Arbeitskräften mit Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), Portugal (1964) und Jugoslawien (1968) (Fn004).

Tabelle 1: Entwicklung der Zahl der ausländischen Arbeitnehmer

Jahr Wohnbevölkerung gesamt deutsche und ausländische Wohnbevölkerung ausländisch Beschäftigte ausländische Arbeitnehmer Ende Sept.1982 Beschäftigte ausländische Arbeitnehmer Ende Sept.1982
  absolut absolut absolut Quote
1961 56.174.800 686.200 548.916 2,7
1966 60.232.791 2.113.491 1.313.491 6.3
1967 59.926.000 1.806.700 991.255 4,6
1968 60.345.300 1.924.200 1.089.873 5,2
1969 61.068.600 2.381.100 1.501.409 7,2
1970 60.907.200 2.976.500 1.948.951 9,1
1971 61.502.500 3.438.700 2.240.793 10,3
1972 61.774.900 3.526.600 2.352.392 10,8
1973 62.088.600 3.966.200 2.595.000 11,6
1974 62.048.100 4.127.400 2.286.625 10,9
1975 61.746.000 4.089.600 2.038.779 10,1
1976 61.489.600 3.948.300 1.920.895 9,5
1977 61.389.000 3.948.300 1.869.453 9,3
1978 61.331.900 3.981.100 1.864.051 9,1
1979 61.402.200 4.143.800 1.947.475 9,3
1980 61.653.145 4.453.308 2.071.658 9,9
1981 61.719.200 4.629.729 1.930.239 9,2
1982 61.637.900 4.666.917 1.783.900 7,2

Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 1, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Reihe 1.4, Ausländer 1982, Bundesanstalt für Arbeit - Repräsentativuntersuchung 82 -

Wie aus der Tabelle 1 zu ersehen ist, hängt die Entwicklung der Zahl der ausländischen Arbeitnehmer von der konjunkturellen Lage ab. In den Rezessionjahren 1966/67 ging die Zahl ausländischer Arbeitnehmer um ca.300.000 zurück. Erst im Jahr 1969 war wieder der Stand des Jahres 1966 erreicht. Im Jahre 1973 wurde mit der Zahl von 2,6 Mio. ausländischen Arbeitnehmern der bisherige Höchststand erreicht; der Anteil der beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer an der Gesamtzahl der unselbständig Erwerbstätigen betrug 11,6% Im Zeitraum von 1961 bis 1973 nahm jedoch auch die Zahl der ausländischen Wohnbevölkerung zu. Die sich Ende 1973 abzeichnende Rezession, ihre Verschaerfung durch die Oelkrise und damit die Gefahr einer Massenarbeitslosigkeit veranlasste die Bundesregierung, die Anwerbung zusätzlicher ausländischer Arbeitnehmer zu unterbinden. Daher hat sie Ende November 1973 durch eine einseitige Erklaerung den Anwerbestopp erlassen. Das bedeutet, daß trotz der genannten Anwerbevereinbarungen seit diesem Zeitpunkt keine Ausländer mehr zum Zwecke der Arbeitsaufnahme in die Bundesrepublik Deutschland einreisen können. Eine Ausnahme besteht auf Grund der Freizuegigkeit nur für Staatsangehörige von EG-Mitgliedsländern.
Infolge des Anwerbestops war die Ausländerbeschäftigung von 1974 bis 1978 rückläufig. Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer ging bis 1978 auf rund 1,9 Mio. zurück; die ausländische Arbeitnehmer-Quote lag nur noch bei 9,1 %.
Seit 1979 ist wieder eine Zunahme der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer festzustellen. Im Jahre 1980 waren rund 2,1 Mio. Ausländer in der Bundesrepublik Deutschland tätig, ihr Anteil an der Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer belief sich auf 9,9 % (Tabelle 1). Die Entwicklung dürfte darauf zurückgefuehrt werden können, daß eine Reihe von ausländischen Jugendlichen inzwischen in der Bundesrepublik Deutschland das erwerbsfaehige Alter erreicht und Arbeit aufgenommen haben bzw. darauf, daß nach 1974 eingereiste Familienangehörige von ausländischen Arbeitnehmern inzwischen infolge der Wartezeitregelung vom April 1979 eine Arbeitserlaubnis erhalten haben (Fn005).
Wichtig ist zu betonen, daß zwar von 1974 bis 1978 die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer abgenommen hat, daß aber die ausländische Wohnbevölkerung trotzdem in diesem Zeitraum fast unverändert geblieben ist und sich auf dem Niveau von rund 4 Mio. stabilisiert hat. Seit 1979 ist wieder ein Anstieg sowohl der Zahl der ausländischen Arbeitnehmer als auch der ausländischen Wohnbevölkerung zu verzeichnen. Im Jahre 1980 erreichte die ausländische Wohnbevölkerung mit der Zahl von 4,5 Mio. ihren bisherigen Höchststand (Tabelle 1). Die deutsche Wirtschaft konnte sich der allgemeinen Weltwirtschaftskrise 1981/82 nicht entziehen. Unter dieser neuerlichen Rezession haben wieder sehr viele ausländische Arbeitnehmer gelitten. Aufgrund dieser Entwicklung wird es der deutschen Oeffentlichkeit zunehmend bewusst, daß man sich den sozialen Problemen der in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Ausländer stellen muß. Auch die neue deutsche Regierung hat mit ihren innenpolitischen Maßnahmen dazu beigetragen, daß die arbeitslosen ausländischen Arbeitnehmer zur Rückkehr in die Heimat motiviert werden, da sie die Möglichkeit für die Aufnahme einer neuen Stellung nicht mehr haben.

Folgendes Schaubild macht deutlich, daß die ausländischen Arbeitnehmer vergleichsweise stärker als die deutschen Arbeitnehmer von der Arbeitslosigkeit betroffen sind:

Schaubild 1: Arbeitslosenquote im Fruehjahr 1983

(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca) 

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 188/9 vom 16.08.83 und Handelsblatt vom 06.09.83, S. 1

Wie aus dem Schaubild 1 hervorgeht, ist fast jeder sechste Gastarbeiter ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote der Ausländer (15,2 %) liegt über dem Durchschnitt. Besonders betroffen sind Türken.

Schaubild 2: Ausländer-Familien nach der Nationalität 1967 = 100

(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca) 

Quelle: Statistisches Bundesamt

Von den Ende September 1982 erfassten knapp 4,7 Mio. Ausländern stellten die Türken mit 1,6 Mio. bzw. 34 % die stärkste Gruppe. Jeder dritte Ausländer besass die türkische Staatsangehörigkeit, 1970 war es nur jeder sechste. Die zweitstärkste Nationalitätengruppe stellten mit 632.000 bzw. 14 % die Jugoslawen, gefolgt von den Italienern (602.000 bzw. 13 %), Griechen (301.000 bzw. 6 %), Oesterreichern (175.000 bzw. 4 %) und Spaniern (174.000 bzw. 4 %).
Im Gegensatz zu den Türken ist die Zahl der Jugoslawen, Italiener, Griechen, Spanier und Portugiesen 1982 gegenüber 1974 zurückgegangen. Am stärksten war die Abnahme bei den Spaniern und Griechen. Bermerkenswert ist, daß sich die Zahl der im Bundesgebiet lebenden Polen 1982 im Vergleich zu 1974 mehr als verdoppelt hat. Dieser starke Anstieg hängt in erster Linie mit der großten Zahl von Personen zusammen, die Polen nach Verhängung des Kriegsrechts im Dezember 1981 verlassen und im Bundesgebiet einen Antrag auf Asylgewährung gestellt haben (Fn006). Dies zeigt sich am Anteil der Asylbewerber aus Ostblock-Staaten an der Gesamtzahl der Asylbewerber; er betrug 1980 nur rd. 6 %, 1981 hingegen 29 %, in den ersten 10 Monaten des Jahres 1982 knapp 32 %. Ende September 1982 besassen etwa 25.500 oder 6 % der Ausländer die Staatsangehörigkeit eines asiatischen Landes. Seit 1974 hat sich die Zahl der Staatsangehörigen aus asiatischen Ländern, hauptsaechlich bedingt durch die Einreise von Asylbewerbern in das Bundesgebiet und die Aufnahme von Flüchtlingen, mehr als verdoppelt.

Schaubild 3: Beschäftigte ausländische Arbeitnehmer nach Nationalitäten 1954-1981

(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca) 

Quelle: Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit, Arbeitsstatistik

II.1.1. Die Entwicklung der Beschäftigung der türkischen Arbeitnehmer seit 1960

Türkische Arbeitnehmer sind erstmals im Jahr 1960 in den Statistiken erfasst worden. Im genannten Jahr waren 2495 türkische Arbeitnehmer im Bundesgebiet. Das war ein Anteil von 0,9 % an der Gesamtzahl der beschäftigten Arbeitnehmer. Bis 1961 gab es in der Türkei ein Gesetz, das es den Bürgern sehr schwer machte, ins Ausland zu reisen. Das änderte sich aber 1961 mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes, das in seinem Paragraphen 18 jedem Bürger die Freiheit einraeumte, ins Ausland zu reisen (Fn007). Gleich nach Inkrafttreten des Gesetzes setzte die erste Wanderbewegung türkischer Arbeitnehmer nach Deutschland ein.

Tabelle 2: Türkische Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland

Jahr = Anzahl Jahr = Anzahl Jahr = Anzahl
1960 = 2.495 1968 = 152.905 1976 = 515.830
1962 = 15.318 1969 = 244.335 1977 = 505.495
1963 = 27.144 1970 = 353.898 1978 = 513.463
1964 = 69.211 1971 = 453.145 1979 = 553.428
1965 =121.121 1972 = 528.414 1980 = 576.363
1966 =157.978 1974 = 574.810 1981 = 580.868
1967 =131.309 1975 = 522.669 1982 = 554.000

Quelle: Statistisches Bundesamt

Infolgedessen nahm seit zwanzig Jahren der Anteil der Türken an der Gesamtzahl der beschäftigten Arbeitnehmer aus dem Ausland sowohl absolut als auch relativ am stärksten zu (Fn008).
Die Zahl der türkischen Arbeitnehmer ist im Jahr 1967 wegen der Abschwaechung der deutschen Konjunktur gesunken. In diesem Jahr betrug die Anzahl der türkischen Arbeitskräfte 131.309, das heisst, 26.669 weniger als im Vorjahr. Unter dem Einfluss des sich neu entfaltenden Konjunkturaufschwungs nahm die Beschäftigung der türkischen Arbeitskräfte wieder zu. So erreichte sie mit 152.905 Ende September 1968 und 353.898 Ende September 1970 die dritthöchste Stelle nach Italienern und Jugoslawen. Seit 1974 nahmen die türkischen Arbeitnehmer die erste Position unter den ausländischen Arbeitnehmern ein. Zwischen den Jahren 1974 und 1981 hat die Zahl der türkischen Arbeitnehmer geringfügig zugenommen. Aber die Tendenz ist so schwach, daß man daraus nicht viel schliessen kann. Allerdings ging im Jahr 1982 diese Zahl um 26.000 zurück.

II.1.2. Regionale Verteilung der türkischen Arbeitnehmer im Bundesgebiet

Über die Verteilung der türkischen Arbeitnehmer auf die Landesarbeitsamtsbezirke gibt die Tabelle 3 Auskunft.

Tabelle 3: Verteilung der türkischen Arbeitnehmer auf die Landesarbeitsamtsbezirke Stand 31.03.1982 (in 1000)

Landesarbeitsamts Bezirke sozialversicherungspflichtige türkische Arbeitnehmer türkische Arbeitnehmer mit Familien
Schleswig-Holstein 13,1 39,2
Hamburg 20,1 57,7
Niedersachsen 35,1 109,4
Bremen 8,9 28,2
Nordrhein-Westfalen 169,0 555,5
Hessen 49,0 140,0
Rheinland-Pfalz 16,8 55,5
Baden-Wuerttemberg 109,0 265,3
Bayern 87,3 220,0
Saarland 2,2 7,3
Berlin (West) 43,2 102,0

Quelle: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Fachserie 1 Reihe 4.2 Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer, 31.03.1982 Hrsg. Statistisches Bundesamt

Tabelle 3 zeigt die ungleichmäßige regionale Verteilung der türkischen Arbeitnehmer. Sie waren 1982 hauptsaechlich in drei Bundesländern, nämlich Nordrhein-Westfalen, Baden-Wuerttemberg und Bayern konzentriert. Die Wichtigkeit dieser türkischen Arbeitnehmer für diese drei Länder muß unterstrichen werden. Der Hauptgrund für diese Konzentration ist, daß diese Länder hochindustrialisiert sind und dort die Bauwirtschaft sehr entwickelt ist. Ein zweiter wichtiger Grund ist, daß die Neuankommenden in die am dichtesten von Gastarbeitern besiedelten Gebiete stroemen, was vielleicht auf eine illegale Einwanderung zurückzufuehren wäre.
Es kann somit gesagt werden, die Verteilung der türkischen Arbeitnehmer sei die Reflexion der Wirtschaftskraft der einzelnen Bundesländer: Wo die Wirtschaft blueht, sind die türkischen Arbeitnehmer zahlreicher. Dies ist auch ein Beweis für ihre Wichtigkeit bei der Erzeugung des inländischen Bruttosozialproduktes.
Absolut gesehen arbeiten in Nordrhein-Westfalen die meisten ausländischen Arbeitnehmer. Die sogenannte Ausländerquote, der Anteil ausländischer Arbeitnehmer an der Gesamtzahl aller Arbeitnehmer, ist jedoch eindeutig in Baden-Wuerttemberg am höchsten. Auch in Hessen und in Suedbayern ist die Ausländerquote hoch. Dagegen liegt sie im gesamten norddeutschen Raum weit unter dem Bundesdurchschnitt, der bei 7 % liegt (Fn009).

Schaubild 4: Gegenüberstellung ausländischer und türkischer Arbeitnehmer nach Bundesländern (Stand 1982 in 1000)

(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca) 

Quelle: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Fachserie 1, a.a.O.

II.1.3. Die Verteilung der türkischen Arbeitnehmer auf die einzelnen Wirtschaftssektoren

Die nachstehende Übersicht (Tabelle 4) zeigt die Verteilung der in der Bundesrepublik beschäftigten türkischen Arbeitnehmer auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche seit 1974.

Tabelle 4: Verteilung der türkischen Arbeitnehmer nach Wirtschaftsbereichen (in 1000)

Jahr Land- und Forstwirtschaft Verarbeitendes Gewerbe Handel und Verkehr Sonstige Wirtschaftsbereiche (Dienstleistungen) Summe
1974 - 446 31 42 519
1975 - 407 26 53 486
1976 - 373 38 49 460
1977 5 373 42 49 469
1978 5 391 41 50 487
1979 - 367 38 51 456
1980 - 429 38 63 530
1981 - 446 45 69 560
1982 6 429 42 84 561

Quelle: Statistisches Bundesamt (Strukturdaten über Ausländer in der Bundesrepublik Deutschland)

Anhand der Tabelle können folgende Aussagen gemacht werden: Der Schwerpunkt der Beschäftigung der türkischen Arbeitnehmer lag seit 1974 in den Wirtschaftsbereichen Eisen- und Metallerzeugung und Verarbeitung. Nach den Ergebnissen der Beschäftigtenstatistik Ende Dezember 1981 waren drei Viertel der im Bergbau, sieben Zehntel der im Schiffbau und jeweils über die Hälfte der in der Eisen- und Stahlerzeugung sowie in Giessereibetrieben tätigen ausländischen Arbeitnehmer Türken. Dies trägt zur Erklaerung des überdurchschnittlich hohen Anteils der türkischen Arbeitnehmer in den Städten wie Gelsenkirchen (66,6 %), Hof (67,5 %), Hamm (65 %), Duisburg (63 %), Bottrop (59,6 %), Bremen (54,6 %), Oberhausen (47 %), Köln (43,9 %) und Berlin (43 %) bei (Fn010). Es ist dabei zu berücksichtigen, daß gerade folgende Zweige mit einer verhältnismäßig hohen Zahl türkischer Arbeitnehmer inzwischen mit strukturellen und konjunkturellen Problemen belastet sind, nämlich die Bauwirtschaft, die Automobil-, Bergbau-, Stahl- und die Textilindustrie, was sicherlich nicht ohne Folgen auf die Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer bleiben wird.

II.1.4. Die Verteilung der türkischen Arbeitnehmer nach Männern und Frauen

Den groessten Anteil der türkischen Arbeitnehmer stellt natuerlich die Arbeitergruppe. Das Gewicht der männlichen Arbeitnehmer hat sich bis heute wenig geändert. Wie im letzten Abschnitt behandelt wurde, sind die Eisen- und Metallerzeugung und Verarbeitung dominierend.
Die weiblichen Arbeitnehmerinnen sind hauptsaechlich in dem verarbeitenden Gewerbe - hier besonders im Textil- und Bekleidungsgewerbe - sowie in der Eisen- und Metallerzeugung und Verarbeitung beschäftigt.

Tabelle 5: Stellung der türkischen Arbeitnehmer im Beruf nach Geschlecht (in 1000)

Jahr und Geschlecht Selbständige und mithelfende Familienangehörige Beamte und Angestellte Arbeiter Summe
1974 m 5 10 444 459
1974 w 1 5 142 148
1975 m - 19 542 561
1975 w - 11 418 429
1976 m 6 11 387 404
1976 w 2 8 129 139
1977 m 5 11 370 386
1977 w 1 6 139 146
1978 m 7 11 379 397
1978 w 2 8 139 149
1979 m 5 13 370 388
1979 w 2 6 137 145
1980 m 6 15 421 442
1980 w 2 8 159 169
1981 m 6 14 457 477
1981 w 2 10 159 171
1982 m 8 19 447 464
1982 w 2 12 154 168

Quelle: Statistisches Bundesamt, Strukturdaten über Ausländer, Ergebnis des Mikrozensus

Nur 25,5 % der Ausländer sind, trotz langjaehrigen Aufenthalts, Meister, Vorarbeiter oder Facharbeiter. Mit 15,1 % ist dieser Anteil bei den Türken am niedrigsten. Der Anteil der Angelernten bei den Türken beträgt 44,9 %. Dafür ist ihr Anteil unter den ungelernten Arbeitern mit 40 % am höchsten.
Die Altersgruppe der 15 bis 24jaehrigen verzeichnete 1980 mit 43,8 % den höchsten Ungelerntenanteil. Das ist um so beachtlicher, als dieser Personenkreis in besonders starkem Masse von Arbeitslosigkeit bedroht ist.
35,4 % der Türken arbeiten im Akkord, 39,3 % ueben Schichtarbeit aus, 57,3 % arbeiten bis zu 40 Stunden wöchentlich, 36,8 % zwischen 41 und 49 Stunden und 5,9 % über 50 Stunden (Fn011).
Bei türkischen Arbeitnehmerinnen sind Facharbeiter immer krass unterrepräsentiert zugunsten ungelernter Arbeiter immer besser als im Durchschnitt liegen Arbeitnehmerinnen dagegen bei den Angestellten. Seit 1964 hat der Anteil der weiblichen Beschäftigten in den Wirtschaftssektoren Dienstleistungen und öffentliche Dienste zugenommen.

II.1.5. Konjunkturelle Schwankungen der Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer

Die Beschäftigung der ausländischen Arbeitskräfte in der Bundesrepublik Deutschland hängt von der konjunkturellen Lage der deutschen Wirtschaft ab. Es wird mit einer graphischen Darstellung deutlich gemacht, wie sich die Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer mit dem deutschen Konjunkturverlauf geändert hat.

Schaubild 5: Berg- und Talfahrt der Konjunktur 1950 - 1983

(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca)

Quelle: NRZ vom 21.Januar.1983, Nr. 17

Das Auf und Ab der Konjunktur gehört zur Marktwirtschaft wie das Ein- und Ausatmen zum Leben. Jedem Aufschwung mit stärkerem Wirtschaftswachstum folgt eine Phase schwaecherer Wirtschaftstätigkeit oder gar der Schrumpfung. Insoweit ist die Berg- und Talfahrt der deutschen Konjunktur seit 1950 nichts Besonderes. Auffaellig ist aber, daß nahezu jeder Konjunkturaufschwung schwaecher ausfiel als der Vorhergehende und daß sich jedes neue Konjunkturtal tiefer einkerbte.
Die erste Mini-Rezession im Jahre 1967 brachte eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung (reales Bruttosozialprodukt) um 0,1 %. In der folgenden Rezession von 1975 lag das Minus schon bei 1,6 %. Und wenn man die Wachstumsverluste der gegenwaertigen lang anhaltenden Rezession (einschliesslich einer Schätzung für 1983) zusammenrechnet, dann ergibt sich ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von 1,9 %. Wegen der Rezession 1966/67 nahm die Ausländerbeschäftigung bzw. die der Türken ab. So waren es Ende September 1967 nur noch 991.225 ausländische Arbeitnehmer im Bundesgebiet, d.h. 24,5 % weniger als im Vorjahr (Fn012). Der Konjunktur-Rückschlag wirkte sich in den Branchen, die hauptsaechlich Männer beschäftigten (wie Bauwirtschaft und Kraftfahrzeugbau), stärker aus als in anderen Bereichen. Bei dieser Konjunktur-Abschwaechung haben nach den von der BAVAV durchgefuehrten Untersuchungen rund 30.000 türkische Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze verloren (Fn013).
Aufgrund des folgenden Konjunkturaufschwungs in den einzelnen wirtschaftlichen Bereichen erhoehte sich jedoch die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften, und zwar von Anfang Juli bis Ende September 1968 um 75.000 bzw. 7,4 %. Erst im Jahre 1969 war wieder der Stand des Jahres 1966 erreicht. Das ansonsten kontinuierliche Anwachsen der Beschäftigtenzahl ausländischer Arbeitnehmer erfaehrt im Herbst des Jahres 1973 einen zweiten Knick. Als Ergebnis der Energiekrise hat sich die Zahl der türkischen Arbeitnehmer bis zum Jahre 1975 um 50.000 verringert. Das bedeutet allerdings nicht, daß die Gesamtzahl der Türken sich verringert hat. Trotz des Anwerbestopps im Jahre 1973 hat die türkische Bevölkerung im Bundesgebiet seit 1974 durch den Familiennachzug, die Einreise von Asylbewerbern und durch den Geburtenüberschuss - er betrug im ersten Halbjahr 1982 32.200 Personen - um 553.000 Personen oder 54 % zugenommen (Fn014). Dabei darf aber nicht übersehen werden, daß sich das Wachstum der türkischen Bevölkerung im Bundesgebiet seit 1981 beachtlich verringert hat. Das hängt mit dem im Jahre 1980 eingefuehrten Visumzwang, den im gleichen Jahr ergriffenen Maßnahmen zur Verhinderung des Missbrauchs des Asylrechtes und der Einschränkung des Familiennachzugs zusammen. Zu den ausländerpolitischen Leitlinien der Bundesregierung, beeinflusst von der konjunkturellen Situation der Wirtschaft, gehören die Beibehaltung des Anwerbestops und vor allem die Begrenzung des Familiennachzugs. So ist für 1983 erstmals wieder mit einem Rückgang der Ausländerzahl zu rechnen.


III. Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland

Bei der Erörterung der Folgen der Ausländerbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland standen bisher vor allem die konjunkturellen (Fn015) Auswirkungen im Vordergrund. Die Ursache hierfür ist darin zu sehen, daß die türkischen Arbeitnehmer ins besondere aus konjunkturellen Gründen - zur mehr kurz- oder mittelfristigen Abdeckung einer Angebotslücke auf dem Arbeitsmarkt - nach Deutschland geholt wurden. Man sah in ihnen eine willkommene Manoevriermasse, die es gestattete, kurzfristig Angebots- und Nachfrageschwankungen auf dem Arbeitsmarkt auszugleichen.
Im Hinblick auf die bestehenden wirtschaftspolitischen Zielsetzungen wird geprueft, in welcher Weise ihre Erreichung durch die türkische Arbeitnehmerbeschäftigung beeinflusst wird.
Im Folgenden sollen zunaechst die konjunkturellen Wirkungen der türkischen Arbeitnehmerbeschäftigung diskutiert werden. Hierzu werden die Wirkungen der türkischen Arbeitnehmerbeschäftigung in zwei Teilbereichen untersucht: Arbeitsmarkt und Lohnentwicklung sowie Gütermärkte.

III.1. Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und auf die Lohnentwicklung

Ein konjunktureller Aufschwung erfasst nicht gleichzeitig alle Bereiche einer Volkswirtschaft. So hat z.B. zuerst die Investitionsgueterindustrie einen hoeheren Auftragseingang zu verzeichnen. Die Unternehmen der Investitionsgueterindustrie werden zunaechst versuchen, durch eine bessere Ausnutzung des vorhandenen Arbeitskräftepotentials der erhoehten Nachfrage nachzukommen. Das reicht jedoch bei einer weiteren Zunahme der Nachfrage nicht aus. Es ist deshalb notwendig, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen.
Bei geschloßenem Arbeitsmarkt, in dem die Möglichkeit des Arbeitskräfteimports nicht gegeben ist, treten die Unternehmen bei fortschreitender gesamtwirtschaftlicher Arbeitskräfteverknappung in einen harten Konkurrenzkampf um die vorhandenen Arbeitskräfte ein. Um Arbeitskräfte zu erhalten, wären in Branchen mit relativ geringen Loehnen Lohnerhoehungen erforderlich. Insbesondere muessten die Lohnsätze für wenig attraktive Tätigkeiten stark angehoben werden. Die Folge des empfindlichen Mangels an Arbeitskräften wäre wahrscheinlich ein Anstieg des gesamten Lohnniveaus.
Für die deutschen Unternehmen blieb jedoch in den vergangenen Jahren das Arbeitskräfteangebot relativ elastisch, da die Rückgriffsmöglichkeit auf ausländische Arbeitsmärkte gegeben war. Auf diese Weise konnten fehlende Arbeitskräfte, deren Qualifikation für die vorgesehenen Tätigkeiten ausreichte, aus dem Ausland gewonnen werden.
Sehr ausfuehrlich hat sich Vera Lutz (Fn016) mit den Auswirkungen der Ausländerbeschäftigung auf die Lohnentwicklung beschäftigt. Sie fuehrte den Begriff der "selektiven Einwanderung" in die Diskussion ein. Hierzu unterteilt sie die Volkswirtschaft in zwei Sektoren: in den Sektor I fallen alle Wirtschaftszweige mit einem hohen technischen Fortschritt und überdurchschnittlichem Wachstum. Der Sektor II umfasst die stagnierenden, schrumpfenden oder nur geringfügig wachsenden Branchen. Das Lohnniveau ist im Sektor I hoeher als im Sektor II. Bei einer Einwanderungspolitik der "selective Immigration" wird eine Aufenthaltsgenehmigung nur solchen Arbeitskräften gewährt, die bereit sind, die geringer bezahlten und wenig attraktiven Arbeitsplätze im Sektor II zu besetzen. Weil ausländische Arbeitnehmer nur für den Sektor II zugelassen werden, kann der Sektor I seinen Arbeitskräftebedarf nur durch Abwerbung aus dem Sektor II decken. Aus dem Sektor II abgeworbene Arbeitskräfte werden durch ausländische Arbeitnehmer ersetzt. Auf diese Weise bleiben die Lohnrelationen zwischen beiden Sektoren erhalten.
Da die türkischen Arbeitnehmer in immer geringerem Masse für hoeherwertige Tätigkeiten qualifiziert sind, vollzieht sich in der Bundesrepublik Deutschland eine selektive Wanderung. Die Türken werden vorwiegend an Arbeitsplätzen mit hohen körperlichen Anforderungen, unguenstigen Umgebungseinflüssen und geringer Anlernzeit beschäftigt. Hierin liegt die Erklaerung für die hohen türkische Arbeitnehmer-Quoten in der Eisen- und Stahlerzeugung (49 %), im Bergbau (75 %) und im Schiffbau (70 %) (Fn017). Weil die geistigen Anforderungen an Arbeitsplätzen im Bereich von Dienstleistungen, Handel und Verkehr im allgemeinen hoch sind, ist die türkische Arbeitnehmer-Quote hier vergleichsweise niedrig (14,7 %). Dort, wo der Anteil an repetitiven Tätigkeiten sehr hoch ist wie z.B. in der Automobilindustrie, ist die Anlernzeit an vielen Arbeitsplätzen so kurz, daß auch die doppelte Anlernzeit (Fn018) der türkischen Arbeitskräfte nicht wesentlich ins Gewicht faellt. So sind beispielsweise bei den Ford-Werken in Köln knapp 32 % der Beschäftigten Türken (Fn019).
Es erscheint als ein wichtiger Aspekt bei der Erörterung der Auswirkungen der türkischen Arbeitnehmerbeschäftigung, daß als Folge der Zuwanderung nur geringfügig qualifizierter türkischer Arbeitnehmer deutsche Arbeitnehmer von einfachen Arbeiten freigesetzt werden und so Tätigkeiten mit hoeherem Einkommen und hoeherem Sozialprestige ausueben können. Man denke in diesem Zusammenhang nur an die Arbeitsgruppen bei Erdarbeiten, bei denen Deutsche nur noch als Vorarbeiter beschäftigt sind, oder an die Tätigkeiten bei der Müllabfuhr, wo das Herbeiholen und Ausleeren der Mülltonnen von Türken vorgenommen wird, während der deutsche Arbeitnehmer als Fahrer eingesetzt ist.
Dieser Aufstieg der deutschen Arbeitnehmer in hoeherwertige Tätigkeiten hat sicherlich zur toleranten Haltung der deutschen Gewerkschaften gegenüber der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer beigetragen. Wurden die Ausländer als "Lohndrücker" noch scharf angegriffen (Fn020) und mit Parolen wie: "Die deutsche Arbeit den deutschen Arbeitnehmern !" (Fn021) bekaempft, so stehen die Gewerkschaften der Ausländerbeschäftigung heute positiv gegenüber. Dieser Wandel in der Auffassung ist natuerlich auch Ausdruck der größeren internationalen Solidarität der einzelnen nationalen Gewerkschaftsverbände und eine Abkehr vom frueheren stark nationalistischen Denken. Ein weiterer Grund des Einstellungswandels der Gewerkschaften ist, neben den verbesserten Aufstiegsmöglichkeiten für deutsche Arbeitnehmer und der Abkehr vom übertriebenen nationalistischen Denken, die völlige tarifvertragliche Gleichstellung deutscher und ausländischer Arbeitnehmer, so daß Lohnkonkurrenz durch ausländische Arbeitskräfte nicht mehr möglich ist.
Die Erkenntnis, daß die Beschäftigung der türkischen Arbeitnehmer den Lohnauftrieb tendenziell daempft, hat wahrscheinlich nur langfristig Gueltigkeit. Auf kurze und mittlere Sicht dürfte diese daempfende Wirkung jedoch nicht gegeben sein, weil die türkische Arbeitnehmerbeschäftigung erhebliche Sekundaerwirkungen auf die Gesamtgueternachfrage hat. So werden neue Arbeitsplatzinvestitionen notwendig, ferner fragen sie Konsumgueter nach und nehmen Wohnraum- und Infrastruktureinrichtungen in Anspruch. Diese zusätzliche Güternachfrage hat eine naehere Nachfrage nach Arbeitskräften zur Folge, was vermutlich Rückwirkungen auf das Lohnniveau hat.

III.2. Auswirkungen auf die Gütermärkte

III.2.1. Wirkungen auf das Güterangebot


Neue technische Verfahren, die eine Steigerung der Produktion bei vorhandenem Arbeitskräftepotential bewirken, erfordern bis zu ihrer Realisation eine gewisse Zeitspanne und umfangreiche Vorstudien. Ausserdem hat die Einfuehrung neuer rationeller Produktionsverfahren ein stufenweises Kapazitätswachstum zur Folge. Sehr viel schneller und elastischer laesst sich dagegen das Produktionsvolumen durch den Einsatz türkischer Arbeitnehmer der gestiegenen Nachfrage anpassen. Deshalb fragen die Unternehmen in konjunkturellen Aufschwungsphasen in starkem Masse türkische Arbeitnehmer nach und setzen sie ihrer Qualifikation entsprechend bei der Leistungserstellung ein. Durch ihre Mitwirkung bei der Leistungserstellung tragen die türkischen Arbeitnehmer zur Steigerung des Bruttoinlandsproduktes der sie beschäftigenden Volkswirtschaft bei. So haben beispeilsweise die 554.000 türkischen Arbeitskräfte, die 1981 im Jahresdurchschnitt in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt waren, einen Beitrag von 8,843 Mrd. DM (Fn024) zum Bruttoinlandsprodukt dieses Jahres geleistet.
Die angegebenen Werte sind Durchschnittswerte für die Gesamtwirtschaft. In einzelnen Wirtschaftsbereichen der Bundesrepublik Deutschland ist der Produktionsbeitrag der türkischen Arbeitnehmer sehr viel hoeher. Es ist schon darauf hingewiesen worden (Fn025), daß die Bereiche Eisen- und Stahlerzeugung und Verarbeitung, Baugewerbe, Bergbau sowie Giesserei die höchsten türkischen Arbeitnehmer-Quoten aufweisen. Das laesst auf einen überdurchschnittlich hohen Produktionsbeitrag in diesen Branchen schliessen. Wenn man noch weiter disaggregiert und einzelne Unternehmen betrachtet, ist der relative Beitrag zur Produktion teilweise noch bedeutsamer. So beträgt beispielsweise bei den bereits erwaehnten Ford-Werken in Köln der Anteil der türkischen Arbeitskräfte an den Beschäftigten knapp 32 % (Fn026). Der hohe Beitrag der türkischen Arbeitnehmer zur gesamtwirtschaftlichen Wertschoepfung und die damit verbundene Erhoehung des Gesamtangebotes an Sachguetern und Dienstleistungen waren wohl die Hauptgründe, weshalb die Wirkungen der türkischen Arbeitnehmer-Beschäftigung bis etwa 1971 von den meisten Autoren positiv und vorteilhaft für die aufnehmende Volkswirtschaft beurteilt wurden (Fn027). Türkische Arbeitskräfte bildeten eine Rückgriffsmöglichkeit, wenn die einheimischen Arbeitskräftereserven in Zeiten konjunktureller Überhitzung nicht ausreichten. Ihre Beschäftigung und die damit verbundene Erhoehung des Gesamtgueterangebots sollten gleichzeitig tendenziell zur Erreichung der Stabilität des Preisniveaus beitragen. Inzwischen mehren sich jedoch die Stimmen, die Zweifel an der positiven Beurteilung der türkischen Arbeitnehmer-Beschäftigung hegen; denn ausser der Vermehrung des Angebots an Verbrauchs- und Investitionsguetern hat ihre Beschäftigung auch Auswirkungen auf die Gesamtgueternachfrage. Ein Teil der eingesetzten türkischen Arbeitnehmer wird nur beschäftigt, damit die Nachfrageerhoehung infolge der Türkenzuwanderung befriedigt werden kann. Es wird im folgenden Kapitel dieser Aspekt der türkischen Arbeitnehmer-Beschäftigung naeher erörtert.

III.2.2. Wirkungen auf die Güternachfrage

Es sind im wesentlichen vier Bereiche, in die sich die Nachfrageerhoehung infolge der türkischen Arbeitnehmerbeschäftigung einteilen laesst. Einen ersten Bereich bildet die Nachfrage nach Investitionsguetern, die für die Schaffung von Arbeitsplätzen für die türkischen Arbeitnehmer notwendig sind.

Trotz ihrer relativ hohen Sparquote fragen die türkischen Arbeitnehmer in Deutschland Konsumgueter nach. Diese Nachfragekomponente bildet einen zweiten Bereich, den es naeher zu untersuchen gilt. Zur Unterbringung der türkischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen ist die Schaffung zusätzlicher Wohnungen erforderlich. Bei einer so starken Türkenzuwanderung, wie sie die Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren erlebt hat, werden besonders in den Ballungsgebieten die ohnehin zu knappen Infrastruktureinrichtungen nicht mehr ausreichen. Die Türkenzuwanderung hat deshalb auch Infrastrukturinvestitionen zur Folge.

III.2.2.1. Nachfrage nach Investitionsguetern für die Einrichtung von Arbeitsplätzen für türkische Arbeitnehmer

Mit dem Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Wachstums haben sich auch in der Wachstumshierarchie der Wirtschaftsbereiche Veränderungen vollzogen. Die Verlangsamung des gesamtwirtschaftlichen Produktionstempos hat sich besonders beim verarbeitenden Gewerbe deutlich gemacht. Hier fiel die "Wachstumsquote" von 4,3 % in den Jahren 60/73 auf 2,6 % in den Jahren 73 bis 80 (Fn028). Das bedeutet, daß in dem Bereich wo die meisten türkischen Arbeitnehmer ihre Tätigkeit ausueben, keine Investitionen für die Arbeitsplatzbeschaffung mehr getätigt werden. Neben dem verarbeitenden Gewerbe mußte auch die Bauindustrie überdurchschnittliche Verluste hinnehmen. Einen einzigartigen Schub nach oben machten die Dienstleistungen. Wie es in Tabelle 4 ersichtlich wird, sind hier die türkischen Arbeitnehmer mit einem geringen Anteil vertreten.

Daraus folgt, daß Arbeitsplätze für türkische Arbeitnehmer hauptsaechlich im Bereich der Dienstleistungen entstehen muessten.
Die Arbeitsplatzbeschaffung richtet sich nach Investitionstätigkeit. Die Summe aus den Abweichungen zwischen dem fiktiven Investitionsvolumen und den tatsaechlichen getätigten Investitionen ergibt einen Überschuss bzw. ein Defizit. Innerhalb des Unternehmensbereichs ergibt sich aus einem Investitionsdefizit von 200 Mrd. DM ein Fehlbetrag von rund 1,9 Mio. Arbeitsplätzen. Hier entfaellt der groesste Teil (1,1 Mio. Arbeitsplätze) auf das verarbeitende Gewerbe (Fn029).
Wenn man die heutige Situation mit dem Ende der 60er Jahre vergleicht, dann sieht man, wie unterschiedlich der durchschnittliche Kapitalbedarf (für einen für ausländische Arbeitnehmer neu eingerichteten Arbeitsplatz) von verschiedenen Autoren angegeben wurde. So setzt beispielsweise Kruse (Fn030) eine durchschnittliche primaere Investition von 30.000 DM je Arbeitsplatz an, während Ruestow (Fn031) seinen Berechnungen einen Investitionsbedarf von etwa 50.000 DM zugrunde legt.

III.2.2.2 Nachfrage nach Konsumguetern

Die Anwesenheit der türkischen Arbeitnehmer in Deutschland hat auch eine Zunahme der Gesamtnachfrage nach Konsumguetern zur Folge.
Die Konsumgueternachfrage der Türken ist im wesentlichen abhängig von der Hoehe des Einkommens und der Konsumquote. Z.B. erzielten die türkischen Arbeitnehmer 1982 ein Einkommen von 10 Mrd. DM (Fn032) und überwiesen davon 3 Mrd. DM in ihr Heimatland (Fn033); d.h. Türken haben 1982 in Hoehe von 4,8 Mrd. DM auf dem deutschen Markt Konsumgueter nachgefragt, wenn man unterstellt, daß der in Deutschland gesparte Einkommensteil vor der Heimreise für Konsumgueter ausgegeben wird. Um die nachgefragten Konsumgueter erstellen zu können, fragt die Konsumgueterindustrie Investitionsgueter und Arbeitskräfte nach. Zur Befriedigung der Nachfrage türkischer Arbeitnehmer sind also zusätzliche Arbeitskräfte, einmal in der Konsumgueterindustrie und zum anderen auch in der Investitionsgueterindustrie, notwendig. Ein wachsender Teil von türkischen Beschäftigten wird somit nur beschäftigt, um das Güterangebot für die eigene Nachfrage herzustellen (Fn034).

III.2.2.3. Nachfrage nach Wohnraum

Die in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigten türkischen Arbeitnehmer und ihre im Bundesgebiet lebenden Angehörigen benötigen Wohnraum. Da dieser selbst für die deutsche Bevölkerung nicht in ausreichendem Masse zur Verfügung steht, muß er zusätzlich geschaffen werden. Für die Nachfrage der Türken nach Wohnungen ist entscheidend, in welchem Masse sie ihre Familienangehörigen nach Deutschland nachholen. Türken, die ohne Angehörige in die Bundesrepublik Deutschland kommen, sind in der Regel mit einfachen Unterkuenften zufrieden. So sind z.B. die im Baugewerbe beschäftigten Türken vielfach in Baracken untergebracht. Auch die von Unternehmen mit finanzieller Unterstützung der Bundesanstalt für Arbeit geschaffenen Unterkuenfte genuegen nur ganz einfachen Ansprüchen. Je länger die Türken jedoch in Deutschland beschäftigt sind und je mehr sie ihre Ehefrau und ihre Kinder in die Bundesrepublik Deutschland nachholen, um so stärker wird ihre Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt wirksam. Von den im September 1982 im Bundesgebiet als Arbeitnehmer beschäftigten 369.850 männlichen Türken lebten insgesamt 39,9 % (Fn035) mit ihrer Ehefrau im Bundesgebiet, was einer Zahl von 926.108 (Fn036) männlichen Türken entspricht.

Die meisten türkischen Ehepaare fuehren einen gemeinsamen Haushalt. Wie die Untersuchung der Wohnverhältnisse dieser Ehepaare zeigt, lebten 1,6 % in Eigentumswohnungen bzw. eigenem Haus, 88,2 % in Mietwohnungen und 10,2 % in Gemeinschaftsunterkuenften (Fn037).

Tabelle 6: Wohnungsart der Türken nach Aufenthaltsdauer (in %)

Wohnungsart Aufenthaltsdauer
  10 Jahre und länger 3 - 10 Jahre bis zu 3 Jahren
Eigenes Haus/Eigentumswohnung 2,0 1,8 0,3
Mietwohnungen 88,2 87,4 91,9
Gemeinschaftsunterkunft 9,9 10,8 7,8
Gesamt 100,0 100,0 100,0

Quelle: Forschungsbericht, Repräsentativuntersuchung'80, a.a.O., S. 449

Wie aus der Tabelle zu ersehen ist, nimmt mit zunehmender Aufenthaltsdauer der Anteil derjenigen, die in Gemeinschaftsunterkuenften leben ab. Die bisherigen Untersuchungen haben deutlich gemacht, in welchem Masse Türken als Nachfrager auf dem Wohnungsmarkt der Bundesrepublik Deutschland auftreten. Mit der Zunahme der türkischen Wohnbevölkerung steigt auch ihr Wohnraumbedarf an. Die verstärkte Familienzusammenfuehrung neben der türkischen Erwerbspersonen (1982=47 %) (Fn038) zeigt auf, in welcher Größenordnung türkische Arbeitnehmer Wohnraum beanspruchen bzw. noch beanspruchen werden.
Die zusätzliche Nachfrage nach Wohnraum hat zur Folge, daß vom Baugewerbe in entsprechender Hoehe Investitionsgueter und Arbeitskräfte nachgefragt werden.

III.2.2.4. Nachfrage nach Investitionsguetern für die Infrastruktur

Die Anwesenheit der in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigten türkischen Arbeitnehmer und ihrer Angehörigen bedeutet eine zusätzliche Belastung der ohnehin knappen Infrastruktureinrichtungen. Bei den Erörterungen beschränkt man sich auf die materielle Infrastruktur und versteht darunter:

"die Gesamtheit aller Anlagen, Ausruestungen und Betriebsmittel in einer Volkswirtschaft, die zur Energieversorgung, Verkehrsbedienung und Telekommunikation notwendig sind, sowie der Einrichtungen der Verwaltung des Bildungs- und Gesundheitswesens, der Anlagen für Kultur, Erholung, Sport und Forschung. "

In der Anfangsphase der Ausländerzuwanderung werden zunaechst die vorhandenen Verkehrsmittel, Schulen, Krankenhäuser usw. übermäßig genutzt. Nimmt jedoch die Zuwanderung stärker zu, werden neue Investitionen erforderlich. Diese zusätzlichen Infrastrukturinvestitionen werden besonders in den regionalen Schwerpunkten der türkischen Arbeitnehmer-Beschäftigung notwendig.
Der Anteil der beschäftigten türkischen Arbeitnehmer an der Gesamtzahl der unselbständigen Erwerbspersonen ist in Nordrhein-Westfalen am höchsten (169.000); es folgen: Baden-Wuerttemberg (109.000), Bayern (87.300) und West-Berlin (43.200) (siehe Tabelle 3). Die türkische Wohnbevölkerung nimmt in diesen Bundesländern in starkem Masse die Infrastruktur in Anspruch. Fasst man gleichartige Arbeitsamtsbezirke zu Wirtschaftsstrukturtypen zusammen und bildet vier Strukturgruppen

Ballungsgebiete
stark verdichtete Bezirke (Gelsenkirchen, Hamm, Duisburg, Köln, West-Berlin, Bremen) (Fn039)
gewerblich durchsetzte Bezirke
und gewerblich schwach strukturierte Bezirke

so ergibt sich die höchste Türkenquote in den Ballungsgebieten. In den gewerblich schwach struktrierten Gebieten ist die Türkenquote am geringsten. Die regionale Verteilung der türkischen Arbeitnehmer im Bundesgebiet hat zur Folge, daß die überlastete Infrastruktur in den dicht besiedelten Ballungsgebieten mit einem hohen Anteil an in der Industrie beschäftigten Erwerbspersonen einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt ist.

III.3. Zusammenfassung

Die Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer hat ausser einem Kapazitäts- und Produktionseffekt auch einen Einkommenseffekt (Fn040); denn während die zusätzliche Beschäftigung türkischer Arbeitnehmer einerseits zur Ausweitung der Produktionskapazität und damit zur Vergrößerung des Gesamtgueterangebots beiträgt, bewirkt sie auf der anderen Seite eine Zunahme der Gesamtgueternachfrage.
In den ersten Jahren der verstärkten Anwerbung türkischer Arbeitnehmer hatte man nur den Wirkungen auf die Angebotsseite Beachtung geschenkt und ihr demzufolge einhellig eine konjunkturfördernde Wirkung beigemessen. Ab 1963 wurde jedoch Kritik an dieser einseitigen Beurteilung laut, die auf die nachfrageseitigen Wirkungen der türkischen Arbeitnehmer-Beschäftigung aufmerksam machte. Auch der Verfasser konnte bei der Erörterung des Problems zeigen, daß der sekundären Nachfrage nach Arbeitsplatzinvestitionen, Konsumguetern, Wohnraum und Infrastruktureinrichtungen erheblich Bedeutung zukommt.
Es ist sehr schwierig zu beurteilen, ob die Nachfrage- oder die Angebotswirkungen überwiegen. Es scheint jedoch, daß auf kurze und mittlere Sicht die konjunkturfördernden Wirkungen bedeutsamer sind und erst lanfristig - nach Anpassung der Unternehmenskapazitäten und der Infrastruktur - die konjunkturdaempfenden Wirkungen zum Tragen kommen.
Ebenso wie die Zuwanderung türkischer Arbeitnehmer konjunkturanregend wirkt, hat ein Rückgang der Türkenbeschäftigung einen Nachfrageausfall und damit einen Konjunkturrückgang zur Folge.
Für die Gesamtkonjunktur sind die von der Türkenbeschäftigung auf die Gütermärkte ausgehenden Wirkungen negativ zu beurteilen, da infolge der Nachfragewirkungen die konjunkturellen Schwankungen prozyklisch verstärkt werden. Sowohl in der Aufschwungsphase als auch in der Rezession wirkt sich die zusätzliche bzw. die verminderte Nachfrage über einen positiven bzw. negativen Akzelerator-Multiplikatoreffekt verstärkt aus.


IV. Einfluesse des Sparverhaltens der türkischen Arbeitnehmer auf die Volkswirtschaft der Bundesrepublik Deutschland

IV.1. Stabilität des Preisniveaus

Stabilität des Preisniveaus bzw. Geldwertstabilität ist eines der wichtigsten Ziele der Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland.
Vollbeschäftigung, stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum und aussenwirtschaftliches Gleichgewicht sind die weiteren wichtigen Zielsetzungen der deutschen Wirtschaftspolitik. Ausserdem wird die besondere Bedeutung der Stabilität des Preisniveaus insofern betont, als festgestellt wird, daß eine langfristige Vollbeschäftigung, ein langfristig angemessenes Wachstum nur dann realisierbar sind, wenn Geldwertstabilität im Lande herrscht (Dn041). In Krisensituationen dem Beschäftigungsziel eine Priorität einzuraeumen, bringt nur kurzfristige Vorteile.
In Stabilitätsgesetz vom 8.Juni.1967 sind die obengenannten Ziele gleichrangig; ferner sind sie gleichzeitig zu realisieren. Die Frage ist hier nun, ob und inwieweit die türkischen Arbeitnehmer mit ihrem Spar- und Konsumverhalten zur Stabilität des Preisniveaus in der Bundesrepublik Deutschland beigetragen haben.
Wie es sich nach den von der deutschen Bundesbank veröffentlichten statistischen Daten ergibt, ist die Sparquote der meisten türkischen Arbeitnehmer hoeher als die Konsumquote.
Sie sparen also den groessten Teil ihres Nettohaushaltseinkommens. Zumindest gilt dies für die Bundesrepublik. Einen Teil ihrer Ersparnisse überweisen sie häufig in Monatsabständen in die Türkei. Der überwiegende Anteil der Ersparnisse verbleibt jedoch für vorübergehende Zeit im Ausland, d.h. in Deutschland.

Schaubild 6: Sparverhalten der türkischen Arbeitnehmer

(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca) 

Quelle: Türkiye Merkez Bankasi

Wie aus dem Schaubild 6 zu ersehen ist, lag die durchschnittliche Sparquote der türkischen Arbeitnehmerhaushalte im Jahre 1982 bei 52 % und die durchschnittliche Konsumquote bei 48 %. Die Aufteilung des Nettohaushaltseinkommens zwischen Konsum, Ersparnissen in der Bundesrepublik und den Geldüberweisungen ergibt, daß 48 % in der Bundesrepublik konsumiert, 22 % als Ersparnis hier im Inland angelegt und 30 % in die Türkei transferiert werden (Fn042).
Die türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland sparten zwischen 5 und 5,2 Mrd. DM. Davon transferierten sie im gleichen Jahr 3,0 Mrd. DM in die Türkei. Man kommt auf diese Zahl, indem man in Betracht zieht, daß rund 75 % der türkischen Arbeitnehmer im Ausland sich in der Bundesrepublik Deutschland befinden und vergleichsweise mehr verdienen als ihre Landsleute in den anderen Ländern, und indem man davon ausgeht, daß mindestens 64 % der Geldüberweisungen in die Türkei im Jahre 1981 in Hoehe von 1,6 Mio.US $ von den in Deutschland lebenden Arbeitnehmern in die Heimat geschickt worden sind. Der Restbetrag von mindestens 2,2 Mrd. DM verbleibt also in Deutschland. Die von den türkischen Arbeitnehmerhaushalten für Konsumzwecke ausgegebenen Gelder in der Bundesrepublik beliefen sich den Berechnungen zufolge auf etwa 4,8 Mrd. DM.
Der groesste Teil der verdienten Gelder bleibt also in der Bundesrepublik Deutschland.
Hier stellt sich die Frage, wofür die türkischen Arbeitnehmer ihre Gelder ausgeben.
Ein erheblicher Teil der Konsumausgaben entfaellt sicher auf den Lebensunterhalt. Wohnungsmiete, Lebensmittel, Kleidung und bei Besitz eines Fahrzeuges dessen Unterhalt bilden die hauptsaechlichen Kosten. Die Arbeitnehmer bemuehen sich meist auf Kosten dieser Ausgaben, ihre Sparfaehigkeit zu steigern. Wenn sie im Urlaub in die Türkei fahren, bringen sie viele Lebensmittel (Trockengemuese und andere Lebensmittel) mit in die Bundesrepublik.

Weiterhin versuchen sie, wie bereits erlaeutert, ihre Lebenshaltungskosten dadurch zu verringern, daß sie ihre Einkäufe in billigeren Geschäften machen (Fn043) und in billigen, meist schlechten Wohnungen wohnen. So wohnten beispielsweise einer Untersuchung zufolge 53 % der in West-Berlin lebenden türkischen Arbeitnehmer in einer einraeumigen Wohnung (Fn044). Im Vergleich mit den anderen Nationalitäten neigen die Türken am meisten dazu, in Wohnheimen zu wohnen (Fn045).
Mit dem verbleibenden Teil für Konsumausgaben werden überwiegend, wie aus der Tabelle 7 zu ersehen ist, dauerhafte Konsumgueter angeschafft.

Tabelle 7: Die Aufteilung der Konsumausgaben der türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland (in %)

Konsumgueter Haushaltsnettoeinkommen
  bis unter 1200 DM 1200 bis 2099 DM 2100 bis 3499 DM 3500 DM und mehr
Auto 9,8 10,8 13,5 17,5
Fernseher 14,2 17,1 16,5 13,9
Radio 14,8 15,5 12,4 11,9
Waschmaschine 7,7 8,8 11,5 10,6
Moebel 8,7 10,5 12,1 11,5
Kuehlschrank 8,2 9,3 10,4 10,1
Herd 5,5 6,1 7,0 6,5
Fotoapparat 2,2 6,1 6,0 5,6
nichts davon 21,9 9,2 5,1 9,0
sonstiges 7,1 7,1 5,5 3,4
Gesamt 100,0 100,0 100,0 100,0

Quelle: Repräsentativ-Untersuchung' 80, a.a.O., S. 299

Die in der Bundesrepublik Deutschland verbleibenden Ersparnisse dienen zum groessten Teil zur Finanzierung der Käufe langlebiger Gebrauchsgueter wie Autos, Fernsehapparate, Musikanlagen, Kassettenrekorder, technische Geräte und Maschinen. Diese Käufe werden meist bei türkischen Geschäftsleuten (Export-Import-Händler) aus der Bundesrepublik und aus der Türkei getätigt. Ausserdem werden viele Anschaffungen durch Familienmitglieder, Verwandte, Freunde und türkische Touristen, die in die Bundesrepublik eingereist sind, durchgefuehrt.
Als die Gastarbeiterbeschäftigung noch nicht bestand, gab es in der Türkei nur sehr begrenzte Möglichkeiten für Bürger und Geschäftsleute, ausländische Devisen zu erwerben, da gesetzlich jegliche Devisen dem Staat zur Verfügung gestellt werden mußten. Erst durch die Ersparnisse der Gastarbeiter wurde es möglich, auf dem schwarzen bzw. freien Markt einfach ausländische Devisen zu kaufen.
Die Überweisungen der Migranten in die Türkei zum Unterhalt von Familienangehörigen oder zur längerfristig orientierten Kapitalanlage sind zu einem Aktivposten in der türkischen Zahlungsbilanz geworden, der gerade in der gegenwaertigen wirtschaftlichen Situation unverzichtbar ist. So konnte die türkische Zentralbank in den letzten Jahren nahezu ein Drittel der Importe durch Deviseneinnahmen aus Gastarbeiterüberweisungen decken. Ein Ausgleich der defizitären Zahlungsbilanz ist auf mittlere Sicht ohne stabile Gastarbeiterüberweisungen kaum zu erwarten. Ferner ist zu erwaehnen, daß ein nicht geringer Teil der Ersparnisse für den Urlaub in der Heimat und für mitgenommene Geschenke ausgegeben wird.
Da in der Heimat das Prestige eine entscheidende Rolle beim Verhalten der Gastarbeiter spielt, zeigen sie sich beim Einkauf von Geschenken sehr großzuegig (Fn046). Sie bringen meist Haushaltsgeräte, Kleider, Spielzeug und Sachen für Kinder als Geschenke mit.

Schaubild 7: Sparverhalten der Bundesbürger

(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca) 

Quelle: Kölner-Stadt-Anzeiger vom 11.10.83, S. 10

Wie oben festgestellt wurde, zeigen die türkischen Arbeitnehmer eine hohe Spar- bzw. geringe Konsumneigung. Wenn man die Konsumquote der einheimischen Bevölkerung, die bei etwa 87,3 % liegt, in Betracht zieht, tritt die nachfragedaempfende Wirkung des Sparverhaltens der türkischen Arbeitnehmer, trotz der insgesamt hoeheren Konsumausgaben, besser in Erscheinung. Somit wirkt das Sparverhalten der türkischen Arbeitnehmer fördernd auf die Stabilität des Preisniveaus. Wenn man bedenkt, daß die anderen Nationalitäten aus den Mittelmeerländern eine aehnliche Konsumneigung haben, so kann man feststellen, daß das Sparverhalten der ausländischen bzw. türkischen Arbeitnehmer einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Stabilität des Geldwertes geleistet hat, und daß auch aus diesem Grunde die Inflationsrate im Gegensatz zu anderen Nationen niedriger blieb (Fn047).
Es ist weiterhin festzustellen, daß angesichts der Tatsache, daß durch die Gastarbeiter bzw. türkischen Arbeitnehmer das Güterangebot größer ist als ihre Nachfrage nach Gütern, das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage hinsichtlich des Preisniveaus und der Konjunkturstabilität guenstig gestaltet wird (Fn048).
Die türkischen Arbeitnehmer beeinflussen also die Geldwertstabilität in der Bundesrepublik Deutschland positiv. In Zukunft ist jedoch mit einer Steigerung der Nachfrage seitens der türkischen Arbeitnehmer zu rechnen, da die zweite Generation sicherlich eine hoehere Konsumneigung haben wird als die erste. Ferner ist anzunehmen, daß infolge der hohen Sparneigung der türkischen Arbeitnehmer keine bemerkenswerte Ausweitung des Privatkonsums zustandekam (Fn049).

IV.2. Kapitalbildung

Kapitalbildung ist eines der grundlegenden Elemente der wirtschaftlichen Entwicklung (Fn050). Sie wird als Voraussetzung des wirtschaftlichen Wachstums angesehen. In den aelteren ökonomischen Theorien wird angenommen, daß geplantes volkswirtschaftliches Sparen und geplante volkswirtschaftliche Investitionen durch einen Zinsmechanismus zum Ausgleich gebracht werden, so daß zusätzliches Sparen stets auch zusätzliche Investitionen und somit eine hoehere Kapitalbildung bedeuten.
Ob diese Wirkung tatsaechlich eintritt, hängt aber von unterschiedlichen Faktoren ab. Wichtig ist vor allem, daß ein Kapitalbedarf besteht und die Ersparnisse in guenstigen Vermögensformen angelegt sind (Fn051). Zur Durchfuehrung neuer Investitionen benötigen die Unternehmer meist langfristige Kredite.
Das Einlagesparen hat für die wirtschaftliche Entwicklung keine große Bedeutung. Die bei den Geldinstituten kurzfristig angelegten Gelder werden meist auch kurzfristig weiterkreditiert.
Die türkischen Arbeitnehmer legen ihre Ersparnisse bei deutschen Kreditinstituten zum groessten Teil kurzfristig an, so daß man von keinem nennenswerten Beitrag zu den Leistungsreserven sprechen kann. Obwohl die türkischen Arbeitnehmer auch in Form von Wertpapieren sparen, die für die wirtschaftliche Entwicklung von großer Bedeutung sind (Fn052), ueben sie in der Bundesrepublik Deutschland keinen Einfluss auf die Kapitalakkumulation aus, da türkische Arbeitnehmer fast ausschliesslich Wertpapiere von türkischen Unternehmen aus der Türkei und von staatlichen Stellen erwerben.
Eine andere für die türkischen Arbeitnehmer wichtige Sparform ist die des vermögenswirksamen Sparens nach dem 624-DM-Vermögensbildungsgesetz. Nach dem Forschungsbericht hatten 44,6 % der türkischen Männer und 47,9 % der türkischen Frauen 1980 einen Sparvertrag nach dem 624-DM-Vermögensbildungsgesetz abgeschloßen (Fn053). Diese Ersparnisse fliessen jedoch nicht in produktive Investitionen.
Abschliessend laesst sich feststellen, daß die türkischen Arbeitnehmer mit ihrem Sparverhalten zur Geld und Kapitalbeschaffung sowohl quantitativ als auch qualitativ nur einen sehr geringen Beitrag geleistet haben.

IV.3. Zahlungsbilanz

IV.3.1. Direkter Einfluss

Die Geldüberweisungen der türkischen Arbeitnehmer haben über die Übertragungsbilanz eine unmittelbar passivierende Auswirkung auf die Zahlungsbilanz (Fn054).

In der Übertragungs- und Dienstleistungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland mit dem Ausland (Fn055) bildeten im Jahre 1982 die Geldüberweisungen ausländischer Arbeitnehmer mit 7,8 Mrd. DM einen der groessten Passivposten neben den Fremdenverkehrs- und Transportleistungen. Der höchste Betrag entfiel auf die türkischen Arbeitskräfte. Sie transferierten 1982 3 Mrd. DM (Fn056) in die Türkei. Der Passivsaldo der Übertragungsbilanz stieg, wie aus Tabelle 8 zu ersehen ist, von 6,4 Mrd. DM im Jahre 1967 auf 18,2 Mrd. DM im Jahre 1977 und auf 28,1 Mrd. DM im Jahre 1982 an. Dabei spielten die Überweisungen der türkischen Arbeitnehmer eine bemerkenswerte Rolle, da ihr Geldtransfer, wie erwaehnt, den groessten Anteil der gesamten Geldüberweisungen ausländischer Arbeitskräfte ausmacht.
Eine generelle Beurteilung bzw. Bewertung der Geldüberweisungen türkischer Arbeitnehmer ist schwierig. Es ist jedoch festzustellen, daß, solange die Handelsbilanzüberschuesse ausreichen und die Zahlungsbilanz kein Defizit aufweist, die Geldüberweisungen nicht negativ zu beurteilen sind.
Insbesondere in Zeiten der Hochkonjunktur sieht man die Geldüberweisungen als Stabilisator an, weil durch sie die inländische Kaufkraft ins Ausland übertragen wird.
Auch bei Rezession sind die Geldüberweisungen noch als positiv zu bewerten, weil infolge des Geldtransfers der Gastarbeiter akkumulierte Devisenreserven der Empfängerländer durch die Nachfrage nach westdeutschen Exporterzeugnisse wieder in die Bundesrepublik zurückfliessen.

Dadurch entsteht nämlich für die Bundesrepublik Deutschland ein Vorteil, der bisher noch nicht in Betracht gezogen wurde: Der aufgetretene Nachfrageausfall im Inland (in der BRD) unterliegt durch die Geldüberweisungen einer Strukturveränderung. Das heisst, wenn die Geldüberweisungen der Gastarbeiter auf dem Binnenmarkt ausgegeben worden wären, würden sie, wie bereits erklaert, dem Kauf von Konsumguetern dienen. Wenn aber die Geldüberweisungen zunaechst ins Ausland fliessen, werden sie durch die Empfängerländer meist für deutsche Industriegueter bzw. Exporterzeugnisse ausgegeben.
Man ist der Meinung, daß während des Nachfrageausfalls des Auslands nach 1974 (Fn057) die Geldüberweisungen türkischer Arbeitskräfte eine stabilisierende Rolle gespielt haben.

Tabelle 8: Passivsalden der Übertragungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland, die gesamten Überweisungen ausländischer Arbeitskräfte und der Geldtransfer türkischer Arbeitnehmer in die Türkei (in Mio DM)

Jahr Passivsalden der Übertragungsbilanz Überweisung ausländischer Arbeitnehmer Überweisung türkischer Arbeitnehmer
1967 6,4 2,150 300
1968 7,3 2,150 350
1969 8,8 3,000 700
1970 9,8 5,000 1,250
1971 11,5 6,500 1,900
1972 14,0 7,500 2,300
1973 15,8 8,500 2,600
1974 16,4 8,000 2,650
1975 17,9 7,400 2,500
1976 17,9 6,700 2,150
1977 18,2 6,100 1,800
1978 17,8 6,300 1,550
1979 21,2 7,000 2,000
1980 24,5 7,500 2,500
1981 26,9 7,900 3,500
1982 28,1 7,800 3,000

Quelle: Deutsche Bundesbank Geschäftsbericht für das Jahr 77, S. 36 und Geschäftsbericht für das Jahr 82, S. 23

IV.3.2. Indirekter Einfluss

Der indirekte Einfluss des Sparverhaltens der türkischen Arbeitnehmer auf die Zahlungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland entsteht auf zweierlei Art.
Die türkischen Arbeitnehmer verursachen mit ihren Konsumwuenschen nach einheimischen Konsumguetern eine Einfuhr aus der Heimat.
Das ist die erste indirekte, und zwar passivierende Einwirkung auf die Zahlungsbilanz der Bundesrepublik. Der zweite indirekte Einfluss, der sich im Gegensatz zum ersten aktivierend auf die Zahlungsbilanz auswirkt, entsteht dadurch, daß die Geldüberweisungen, die ins Ausland gefloßen sind, die Auslandsnachfrage nach deutschen Exportguetern erhoehen bzw. neue erwecken.
Hier stellt sich die Frage, welcher der Einfluesse schwerer wiegt, und in welchem Ausmass sie in Erscheinung treten. Es ist schwierig herauszufinden, in welchem Ausmass die türkischen Arbeitnehmer die Konsumguetereinfuhr aus der Türkei beeinflussen.
Dennoch kann man feststellen, daß die Einfuhr der Bundesrepublik Deutschland aus der Türkei einen aehnlichen Trend aufweist wie die Zahl der türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik.

Tabelle 9: Die Einfuhr der Bundesrepublik Deutschland aus der Türkei und die Zahl der türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland

Jahr Einfuhr in Mio. DM Zahl der türkischen Arbeitnehmer (in 1000)
1967 360,4 131
1968 391,8 153
1969 433,2 244
1970 449,4 354
1971 481,5 453
1972 594,4 528
1973 704,6 605
1974 807,0 575
1975 779,0 523
1976 907,6 516
1977 871,8 505
1978 834,6 513
1979 901,7 553
1980 1062,7 576
1981 1363,7 581
1982 --- 554

Quelle: Deutsche Bundesbank; Statistisches Jahrbuch 1978 S. 257 und 1982 S. 266

Es ist anzumerken, daß in den Zahlen hinsichtlich der türkischen Arbeitnehmer die Familienangehörigen und die engen Verwandten der Arbeitnehmer nicht enthalten sind. Wie aus der Tabelle 9 zu ersehen ist, laesst sich insbesondere ab 1969 eine sichtbare Zunahme der Einfuhr parallel zur Erhoehung der Anzahl der Arbeitnehmer feststellen. Jedoch sind die Effekte als gering zu bezeichnen.
Im Gegensatz dazu erreichte die indirekte, aktivierende Auswirkung der Geldüberweisungen auf die Zahlungsbilanz über die Handelsbilanz einen noch bemerkenswerteren Umfang.

Tabelle 10: Die Ausfuhr der Bundesrepublik Deutschland in die Türkei und die Geldüberweisungen türkischer Arbeitnehmer aus der Bundesrepublik in die Türkei (in Mio. DM)

Jahr Ausfuhr Geldüberweisungen
1967 683,9 300
1968 692,1 350
1969 656,8 700
1970 701,4 1250
1971 779,3 1900
1972 1035,2 2300
1973 1221,3 2600
1974 1827,5 2650
1975 2436,4 2500
1976 2685,4 2150
1977 2330,0 1800
1978 1695,8 1550
1979 1345,5 2000
1980 1613,6 2500
1981 1891,3 3500
1982 --- 3000

Quelle: Deutsche Bundesbank; Statistisches Jahrbuch 1978 S.257 und 1982 S. 266

Wie aus der Tabelle 10 ersichtlich ist, erhoehten sich die Exporteinnahmen der Bundesrepublik Deutschland aus der Türkei von 683,9 Mio. DM im Jahre 1967 auf 1891,3 Mio. DM im Jahre 1981. Nach den eigenen Berechnungen besteht zwischen den Geldüberweisungen in die Türkei und der Ausfuhr der Bundesrepublik Deutschland in die Türkei eine positive Korrelation von etwa 0,02.

Tabelle 11: Die Verteilung des Imports der Türkei nach ausgewaehlten Ländern (in Mio. US-Dollar)

Jahr BRD USA Japan
1977 75,041 41,429 25,808
1978 62,136 23,263 9,349
1979 56,959 33,738 25,716
1980 65,169 32,718 9,136
1981 76.101 48,852 16,896
1982 78,453 64,230 25,756

Quelle: OECD - Serie A (Monatsbericht) Foreign Trade

Die Bundesrepublik Deutschland nimmt, wie aus der Tabelle 11 zu entnehmen ist, seit vielen Jahren den wichtigsten Platz in der türkischen Handelsbilanz ein. Diese Zunahme der Handelsbeziehungen ist im wesentlichen auf die Geldüberweisungen der türkischen Arbeitnehmer zurückzufuehren. Hinzukommt, daß die westdeutschen Produktionsgueter geeignet sind für einen raschen Industrialisierungsprozess (Fn058), den die Türkei dringend benötigt.
Es ist abschliessend noch zu erwaehnen, daß die türkischen Arbeitnehmer durch ihren Beitrag zur Stabilität des Preisniveaus in der Bundesrepublik Deutschland die Konkurrenzfaehigkeit der Bundesrepublik Deutschland im Ausland positiv beeinflussen und damit auch indirekt die Zahlungsbilanz.

IV.4. Ergebnis

Nach den vorangegangenen Darlegungen kann zusammenfassend festgestellt werden, daß das Sparverhalten der türkischen Arbeitnehmer im wesentlichen positive Auswirkungen auf die Bundesrepublik Deutschland gehabt hat. Es trug sowohl zur inländischen Geldwertstabilität als auch zum aussenwirtschaftlichen Gleichgewicht der Bundesrepublik Deutschland bei.
Insbesondere ist der Beitrag der Geldüberweisungen als Exportnachfrage nach westdeutschen Industrieguetern hervorzuheben, da die Exportabhängigkeit der deutschen Industrie erheblich ist. Die Abschwächung des Welthandels 1982 führte sogar zeitweilig zur Stagnation, weil ein Viertel der Gesamtproduktion an Gütern und Dienstleistungen für den Export realisiert wird, so daß ein Nachfrageausfall nach westdeutschen Exportguetern seitens des Auslandes im Inland nicht kurzfristig ausgeglichen werden kann (Fn059).
Ferner tragen die Geldüberweisungen zur Erweiterung des Volumens des Welthandels bei.
Wenn man Geldüberweisungen unter einem kritischen Aspekt betrachtet, so kommt man zu dem Ergebnis, daß dadurch die wirtschaftliche Abhängigkeit der Empfängerländer, in diesem Fall der Türkei, von der Bundesrepublik wächst. Dies kann man auch für die Bundesrepublik als einen positiven Punkt bezeichnen, weil sich dadurch ihre Einflußsphäre in wirtschaftlicher und in den meisten Fällen auch politischer Hinsicht vergrößert.


V. Anpassungsprobleme der türkischen Arbeitnehmer

In der Bundesrepublik Deutschland leben inzwischen 1,6 Mio. Türken, also mehr als 2,6 % der Bevölkerung. Die Mehrheit stellen dabei nicht die türkischen Arbeitnehmer, sondern deren Familienangehörige. Ein großer Teil der ca. 700 000 Kinder und Jugendliche sind in der Bundesrepublik Deutschland geboren und aufgewachsen. Das zunächst nur arbeitsmarktpolitische Problem der Eingliederung türkischer Arbeitnehmer früherer Jahre ist zum gesellschaftspolitischen Problem geworden. Die Eingliederung türkischer Familien ist eine der großen gesellschaftspolitischen Herausforderung der 80er Jahre.
Viele Türken, die seit Jahren im Bundesgebiet leben und arbeiten, haben unter den gegebenen ökonomischen Bedingungen in ihrem Herkunftsland kaum eine Chance, dort eine vergleichbare Tätigkeit und einen ähnlichen Sozialstatus zu finden. Sie werden in der Bundesrepublik Deutschland bleiben. Dies betrifft vor allem ihre hier aufgewachsenen Kinder: die "zweite" und "dritte" Generation.
Die Schwerpunktaufgabe der Ausländerpolitik muß daher die sprachliche, berufliche und gesellschaftliche Eingliederung der Arbeitnehmer und auch der zweiten und dritten Generation sein, die im Zwischenbereich zweier Kulturen mit all den damit verbundenen psychologischen und gesellschaftlichen Problemen lebt. Diese ausländische Bevölkerung braucht Chancen und Gelegenheiten, unter den Bedingungen im Bundesgebiet gleichberechtigt zu leben und zu arbeiten, ohne mit den Gewohnheiten und Traditionen ihres Landes gewaltsam zu brechen.
Integration setzt voraus: Die nationale, religiöse und kulturelle Eigenständigkeit der Ausländer wirklich anzuerkennen und umgekehrt, daß die Ausländer die gleiche Offenheit und den gleichen Respekt für deutsche Lebensweisen aufbringen.
Die gesellschaftliche Eingliederung der Türken laesst sich nur dann verbessern, wenn Kräfte im staatlichen und im gesellschaftlichen Bereich zusammenwirken. Integration ist eine Aufgabe, die alle Verwaltungsebenen angeht, also ein gesamtstaatliches und gesamtgesellschaftliches Ziel. Bund, Bundesanstalt für Arbeit, Länder, Gemeinden, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Kirchen und freie Organisationen sind gleichermaßen aufgefordert, ihre Anstrengungen zu intensivieren.
Der zweite Teil der vorliegenden Arbeit beinhaltet die gesellschaftlichen Probleme der türkischen Arbeitnehmer, wobei die Untersuchung durch eine empirische Befragung 100 türkischer Familien erfolgte. Da bei den meisten Untersuchungen offizieller Stellen die Adressen der Befragten bekannt waren, ist anzunehmen, daß die Arbeitnehmer falsche Angaben gemacht haben. Um das zu beseitigen ist die Befragung anonym geblieben.

V.1. Die Anpassungsbereitschaft der türkischen Arbeitnehmer

In der Lernpsychologie gilt das Gesetz der Lernbereitschaft als nicht wegzudenkende Voraussetzung des Lernerfolges. Es liegt auf der Hand, daß dieses Gesetz sich in abgewandelter Form auch auf den Anpassungsvorgang der türkischen Arbeitnehmer übertragen laesst. Wenn nicht ein Minimum von Anpassungsbereitschaft vorhanden ist, können keine Anpassungserfolge erreicht werden.
Bei der Untersuchung dieses Problems werden drei Kategorien von Anpassungsbereitschaft aufgestellt. Sie enthalten drei verschiedene Verhaltenstendenzen, die auf die Anpassungsbereitschaft der türkischen Arbeitnehmer in Deutschland unterschiedliche Einflüsse ausüben können. Man nennt sie Akkumulation, Isolation und Integration.
Unter Akkumulation wird die Neigung der jeweiligen türkischen Arbeitnehmer verstanden, die bemüht sind, die heimatlichen traditionellen Verhaltensweisen für die Dauer des Aufenthaltes in Deutschland aufzugeben und die des Gastlandes aufzunehmen. In der Isolation zeigt sich die Haltung der Gleichgültigkeit der Befragten gegenüber den Anpassungsanforderungen. Sie entspricht der Haltung der jeweiligen Türken, die auf der Bewahrung der traditionellen heimatlichen Verhaltensweisen bestehen. Die Integration zeigt die Neigung zu einem Kompromiß, zu einer Teilanpassung an die deutschen Verhaltensweisen, wo es vorteilhaft erscheint.

Tabelle 12: Anpassungstendenz der Befragten in %

Geschlecht Isolation Akkumulation Integration Summe
männlich 41 2 22 65
weiblich 19 - 16 35
Summe 60 2 38 100

Einen Überblick über die bei den türkischen Arbeitnehmern in Deutschland vorhandene Tendenz zur Anpassung gibt die Tabelle 12. Mehr als die Hälfte der Befragten zeigt eine Isolation (60 %). Integration wird von 38 % der untersuchten Gruppe vertreten. Nur eine geringe Zahl der Befragten entscheidet sich für die Übernahme der im Gastlande ueblichen Verhaltensweisen (2 %). Die befragten Türkinnen entscheiden sich am häufigsten (46 %) für Integration im Gegensatz zu den männlichen Befragten (33,8 %). Die männlichen Befragten entscheiden sich signifikant häufiger als zu erwarten für eine Isolation (63,1 %).
Da das Festhalten an der heimatlichen, traditionellen Verhaltensweise sehr wahrscheinlich in positivem Zusammenhang mit dem Alter steht, entscheiden sich die juengeren Arbeitnehmer stärker als aeltere für die Integration und sogar für Akkumulation.

V.2. Darstellung der groessten Anpassungsschwierigkeiten

Die meisten der türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik stammen aus ländlichen Gebieten der Türkei (siehe Schaubild 8). Sie sind in eine andere Klimazone und in einen anderen Kulturkreis, meist auch in eine weniger gesunde Umgebung gekommen. Ihre gewohnte Einheit von Wohnen und Leben ist zerstört. Sie haben die überschaubaren Strukturen ihrer Heimat eingetauscht gegen die unübersichtliche Hektik einer Industriegesellschaft. Türkische Arbeitnehmer haben diesen Kontrast nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland einmal sehr charakteristisch definiert. Gegenüber der Ruhe, der Waerme, der Geborgenheit und der Überschaubarkeit ihres Dorfes, erlebten sie in der Fremde: Laerm, Streit, Kaelte, geschloßene Tueren, anderen Lebensstandard, Traurigkeit und Tristheit. Allein schon das städtische Strassenleben bedeutet für sie eine überdurchschnittliche Belastung. Die Lebensgemeinschaft, die jeder von ihnen von daheim gekannt hat, loest sich auf in ein diffuses Zusammenleben - mal mit Bürgern des Gastlandes, mal mit Landsleuten, die einmal mehr und einmal weniger im eigenen Sprengel konzentriert sind. Danach wäre der Begriff "Getto" nicht nur raeumlich, sondern auch vom Individuum her zu definieren: Die innere Abgeschloßenheit und Einsamkeit des einzelnen kann ebenso eine Gettoisierung zur Folge haben, wie die Konzentration einzelner Nationalitäten auf einzelne Wohnviertel.

Schaubild 8: Herkunft der türkischen Arbeitnehmer (in %)

(Leider fehlen mir alle Bilder / Ayhan Karaca) 

Quelle: Eigene Erhebung (Befragung September 1983)

Wie es aus dem Schaubild 8 zu ersehen ist, kommen die befragten türkischen Arbeitnehmer aus verschiedenen Regionen der Türkei. Insgesamt 61 % stammen aus dem oestlichen bzw. nördlichen Teil der Türkei, wo hauptsaechlich Landwirtschaft betrieben wird. Die restlichen 39 % stammen aus dem westlichen bzw. suedlichen Teil der Türkei, wo die Bevölkerung der westlichen Umwelt naeher steht, als die oestliche Bevölkerung. Da im Osten der Lebensstandard sehr niedrig und der Kulturkreis sehr eng ist, haben es die Arbeitnehmer, die aus der Ost-Türkei stammen, sehr schwierig sich an die westlichen Normen anzupassen. Ausserdem ist die Bevölkerung im Osten streng glaeubig. Das ist einer der wichtigsten Gründe, der zur Isolation fuehrt. Durch die Sparneigung andererseits sondern sich die Türken von der Konsumgesellschaft ab.

V.2.1. Türkische Meinungen über die hauptsaechliche Schwierigkeit der Anpassung

Während der Befragung wurden hauptsächlich die Schwierigkeiten der Anpassung, die türkische Arbeitnehmer haben, aufgezählt. Die Aussage eines türkischen Arbeitnehmers soll dies exemplarisch zeigen. Er und seine Landsleute seien nach Deutschland gekommen und sofort in Fabriken "gepfercht" worden. Sie hätten nichts anderes kennengelernt als arbeiten, Akkord und Überstunden. Zudem wurde man in schlechten Wohnheimen untergebracht. Zeit zur Pflege der eigenen kulturellen Identität habe es nicht gegeben, ebensowenig Zeit dafür, sich in die deutsche Bevölkerung zu integrieren. Man sei isoliert worden; die Industrie habe eigene Baracken für die fremden Arbeiter gebaut, um sie dort in Massen unterzubringen. Nicht einmal die Bedeutung abfälliger Bezeichnungen wie "Knoblauchfresser" oder "Schaftreiber" habe man anfangs gekannt.
Die Deutschen aus der Sicht der Gastarbeiter sind kühl, gefühllos, gefühlsarm, abweisend, arrogant, wenig kameradschaftlich, etwas hartherzig, dazu leistungsbetont, fleißig, zielstrebig, energisch.
Als Hinderungsgrund wird am meisten der Mangel an deutschen Sprachkenntnissen genannt. Weiterhin wird hervorgehoben, daß Deutsche abweisend seien und daß bei ihnen starke Vorurteile vorhanden sind. Rund 10 % der Nennungen bezogen sich darauf, daß Kontakte deswegen nicht stattfinden, weil Ausländer in der Meinung der Deutschen dumm seien.
Für die speziell deutsch-türkische Nachbarschaft in Wohnquartieren ergeben sich besondere Probleme. Der Zuzug von Türken bedeutet ein Symptom der Verschlechterung deutscher Wohn- und Lebensbedingungen. Erschwernisse besonderer Art ergeben sich für Türken immer wieder im Umgang mit den deutschen Behörden, von den sich viele nicht sonderlich gut behandelt fühlen. Dabei wird behauptet, daß Ausländer bei Behörden immer länger warten müssen; sie gern benachteiligt werden. Ausländer müssen lange in der Schlange stehen; die Deutschen kommen viel schneller dran. Sie beklagen sich über einen zuweilen barschen Ton ("Wir haben keine Wohnung für dich!"), oder, daß sie bei Behörden mit "du" oder in gebrochenem "Gastarbeiter-Deutsch" angesprochen werden. Die meisten türkischen Arbeitnehmer sind der Meinung, daß sie in den Verwaltungsbehörden bei der Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis nach ihrer Anpassungsbereitschaft behandelt werden. Besonders in der letzten Zeit, bei verstärkter Arbeitslosigkeit, erweist sich die Angst vor einer Nicht-Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis als wirksames Mittel, die Ausländer bzw. Türken zu diskriminieren.

V.2.2. Die Unterbringung

Eine Verordnung vom 21.11.59 (Fn060) enthält Vorschriften über die Beschaffenheit von Unterkünften. Diese Vorschriften sollen auch als Richtschnur für die Frage der Unterbringung ausländischer Arbeitnehmer in der Bundesrepublik dienen. Schlaf- und Aufenthaltsraum sollen danach grundsätzlich voneinander getrennt sein. Es dürfen nicht mehr als 6 Bettstellen in einem Raum aufgestellt werden. Sofern ein Betrieb in mehreren Schichten arbeitet, muß für jede Schicht ein getrennter Schlafraum zur Verfügung stehen.
Im folgenden soll festgestellt werden, wie die befragten Türken untergebracht sind, die Häufigkeit des Wohnungswechsels, die Hauptgründe für den letzten Wohnungswechsel und die Beurteilung des Mietpreises.

V.2.2.1. Zahl der Personen in einer Wohnung

Tabelle 13: Unterbringung der Befragten

Befragte Mietwohnung eigenes Zimmer
männlich 63 2
weiblich 33 2
Summe 96 4

Anhand der Tabelle 13 wird anschaulich, daß viele türkische Arbeitnehmer über eine Mietwohnung verfügen. Die Frage ist aber, ob sie mit ihrer Wohnung zufrieden sind.
Es ist allgemein bekannt, daß bei der Unterbringung der ausländischen Arbeitskräfte in Deutschland noch vieles im Argen liegt. In vorliegender Untersuchung treten einige Erscheinungen zutage, die diesen Gedanken weitgehend bestätigen.
Einige Unterkünfte, in denen meistens die Türken wohnen, sind unzureichend ausgestattet. Es gibt ein Vorurteil, daß die Türken aus eigenem Willen in solchen Wohnungen wohnen. In der Wirklichkeit sieht das ganz anders aus. Fast die Hälfte der Befragten sind der Meinung, sie seien gezwungen, in solchen Wohnungen zu wohnen, da sie eine Möglichkeit für eine bessere Wohnung nicht haben. Die Untersuchung hat festgestellt, daß fast die Hälfte der Befragten kein Bad, 70 % Ofenheizung und ca. 20 % keine eigene Toilette haben. Andererseits wird bei Fehlen von sanitären Anlagen oft das Argument: "Dafür wohnen Sie aber billiger", von den Befragten akzeptiert.
Nach alledem erscheint bei der Untersuchung bemerkenswert, daß die befragten Arbeitnehmer zu einem hohen Prozentsatz mit ihrer Wohnung, bezüglich der Wohnungsgröße, zufrieden sind.

Tabelle 14: Zahl der Personen auf einem Wohnraum

Zahl der Personen Zahl der Räume Summe
  1 2 3 4 5 6  
- 1 - 4 3 1 - - - 8
- 2 - - 11 5 2 - - 18
- 3 - - 10 9 - - - 19
- 4 - - 2 10 6 1 - 19
- 5 - - 2 15 5 - 1 23
- 6 - - - 5 7 - - 12
- 7 - - - - 1 - - 1
Summe 4 28 45 21 1 1 100

Wenn man die Tabelle 14 in Betracht zieht, wird das auch bestätigt, denn nur 6 % der Befragten haben, im Verhältnis zur Personenzahl, niedrigere Raumzahlen. Der Zufriedenheitsgrad bezueglich Wohnungsgröße differiert wiederum bei einzelnen Gruppen. So wird dieser Faktor von nichterwerbstätigen Türkinnen eher kritischer beurteilt als von Frauen, die einer Beschäftigung nachgehen: Eine Mutter, die mit Hausarbeit und Kindererziehung an die Wohnung gebunden ist, wird naturgemäß eher dazu neigen, die Wohnsituation zu kritisieren, als eine berufstätige Frau.
Der Repräsentativuntersuchung'80 zufolge hatten zum Befragungszeitpunkt 24 % der Ausländer eine Sozialwohnung beantragt, in erster Linie Türken. Die Untersuchung macht aber auch eine doppelte Benachteiligung gerade kinderreicher Familien deutlich. Je hoeher die Kinderzahl, desto länger die Wartezeit; 38,2 % der Familien mit fuenf und mehr Kindern gaben an, drei Jahre und mehr auf eine Sozialwohnung zu warten (Fn061).

V.2.2.2. Häufigkeit des Wohnungswechsels

Bezueglich der Häufigkeit des Wohnungswechsels ergeben sich bei den Befragten keine großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Tabelle 15: Häufigkeit des Wohnungswechsels

Geschlecht Häufigkeit des Wohnungswechsels
  Niemals 1 Mal 2-3 Mal öfter als 3
männlich 22 3 2 8
weiblich 40 2 14 9
S u m m e 62 5 16 17

Die Befragten weisen in dieser Hinsicht solche empirischen Werte auf, die von den theoretisch zu erwartenden Häufigkeiten nur geringfügig abweichen. 62,9 % der Frauen und 62 % der Männer haben die Wohnung nicht gewechselt. Gleichzeitig gibt es einige Ausnahmen, z.B. Wohnungswechsel bis zu 8 mal.
Wenn man von der Häufigkeit des Wohnungswechsels spricht, muß man auch die Ursachen, die Gründe die dazu fuehren, analysieren. Man kann hier nicht jeden Beweggrund für jeden einzelnen bereits vollzogenen Wohnungswechsel der türkischen Arbeitnehmer ans Tageslicht bringen. Es wird die Aufgabe gestellt, nur den Hauptgrund für den letzten Wohnungswechsel zu ergründen.

Auskunft über die gesammelten Antworten auf diese Frage gibt Tabelle 16. Aus ihr ergibt sich, daß in dieser Hinsicht keine statistisch sicheren Unterschiede zwischen den männlichen und den weiblichen Befragten bestehen. Mit fast übereinstimmender Häufigkeit wird als Hauptgrund für den letzten Wohnungswechsel hohe Miete genannt. Und zwar von 14,3 % der befragten Frauen und 15,4 % der Männer.

Tabelle 16: Hauptgrund für den letzten Wohnungswechsel

Hauptgrund für letzten Wohnungswechsel Geschlecht Summe
  männlich weiblich  
keinen Wechsel 40 22 62
zu teuer 10 5 15
Wohnung war klein 3 5 8
zu weit vom Arbeitsplatz 2 - 2
wurde gekuendigt 8 2 10
sonstiges 2 1 3
Summe 35 65 100

Der Mietpreis ist natuerlich von der Beschaffenheit, Einrichtung und Lage der Wohnung abhängig. Manche Befragten wollen bequem und gut wohnen, auch wenn sie dafür etwas mehr zahlen müssen, andere dagegen wollen unbedingt sparen und geben sich mit dem Notwendigsten zufrieden.

V.2.2.3. Meinungen über die Wohnungssituation

"Die Bevölkerung aus der Türkei", so stellt Deniz Camlikbel fest, "hat am Wohnungsmarkt nur insofern teil, als es sich um Altbauhäuser handelt, die durch den Einzug von Ausländern schneller saniert werden. Die türkischen Mieter ueben keinen Druck auf den Vermieter aus, der unterläuft so seine Pflicht zur Instandhaltung und Instandsetzung, erhält aber eine hohe Rendite" (Fn062).
Professor Erika Spiegel (Berlin) zum gleichen Thema: "Für den Eigentuemer bzw. Sanierungsträger sichern Türken die Rentabilität von Altbauten während der Restnutzungsdauer der Gebaeude, da diese kurzfristig in die von deutschen Haushalten bereits verlassenen Wohnungen einziehen oder eingewiesen werden können. Dies fuehrt dazu, daß bei einer abschnittsweisen Sanierung in einem Gebiet die Türken immer vor der Sanierung hergeschoben werden. Waehrend der Anteil der Türken in bereits sanierten Haeusern und Bloecken abnimmt, steigt er in noch zu sanierenden an..." (Fn063).
Ein großer Teil der Türken lebt in städtebaulichen Problemgebieten mit schlechter Bausubstanz und hohen Umweltbelastungen. Das Angebot an größeren, angemessenen ausgestatteten Wohnungen zu tragbaren Mieten für die meist kinderreichen Haushalte ist bei weitem nicht ausreichend (Fn064).
Waehrend der Befragung waren auch einige qualitative Äusserungen dabei, die den bisherigen Behauptungen entsprechen:

"Wir wohnen hier wie die Zigeuner und beginnen zu denken, daß wir als solche betrachtet werden."

"Man verliert mit der Zeit die Selbstachtung, wenn man unter solchen Umständen wohnen muß."

"Die schlimmste Folge aus dieser Wohnsituation ist für mich ein unvermeidliches Gefühl der Minderwertigkeit gegenüber den Menschen, die anständig wohnen."

Über die Hälfte der Befragten haben angegeben, Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche gehabt zu haben. In der Skala der Gründe dafür rangieren nach Ausländerfeindlichkeit der Vermieter, die langwierige Wohnungssuche und die Wohnkosten an zweiter und dritter Stelle.
Es geschieht immer wieder, daß allgemein die ausländischen Mieter von ihren Vermietern übervorteilt werden. Nach Erkenntnissen lassen sich die Türken durch Kuendigungsdrohungen unter Druck setzen, zahlen oft "in Unkenntnis" überhoehte Mieten und ebenso überhoehte, unberechtigte Nebenforderungen des Vermieters, zumeist in Verbindung mit der Heizkostenabrechnung. Aus der Sicht eines großen Mietervereins gibt es am Wohnungsmarkt, was den Mieterschutz angeht, kaum Gastarbeiterprobleme, sondern nur Türkenprobleme, meint Bernhard Voigt, Geschäftsfuehrer des Mietervereins Köln, der mit 41700 Mitgliedern die groesste Organisation in der Bundesrepublik dieser Art ist.

V.2.3. Sprachkenntnisse

Die Kommunikationsschwierigkeiten sind das groesste der zu überwindenden Probleme, die sich dem Einwanderer in der neuen Umgebung stellen. Das Unvermögen zur Kommunikation ist ein Hindernis für die Integration und den beruflichen Aufstieg, das am besten durch eine entsprechende Vorbereitung vor der Arbeitsaufnahme zu überwinden wäre. Tatsaechlich haben die Befragten wenige Kenntnisse im Deutschen, wenn man die folgenden Tabellen analysiert.
Ist es für einen ausländischen Arbeitnehmer überhaupt möglich, die deutsche Sprache zu erlernen? Wie es im Schaubild 8 deutlich gemacht wurde, stammen ca. 61 % der Befragten aus der Ost- und Nord-Türkei, d.h. aus agrarischen Gebieten, in denen die Analphabeten-Quote sehr hoch ist. Selbst die Kenntnisse in der Muttersprache beschränken sich nur auf elementare Dinge, und ihr Interesse gilt hauptsaechlich dem Unterhaltserwerb und richtet sich nicht darauf, etwas Neues zu lernen. Durch entsprechende Fragen wurde versucht festzustellen, inwieweit die Befragten die sprachlichen Schwierigkeiten überwunden haben und wie sie selbst ihre Sprachkenntnisse einschätzen.

Tabelle 17: Die deutschen Sprachkenntnisse der türkischen Arbeitnehmer

Deutsche Sprachkenntnisse Geschlecht
  männlich weiblich
vorhanden 64 34
nicht vorhanden 1 1
Deutsche Sprachkenntnisse Geschlecht
  männlich weiblich
fliessend 20 13
gebrochen 45 22
Deutsche Sprachkenntnisse Geschlecht
  männlich weiblich
lesen und schreiben können 36 24
nur lesen können 1 3
keine von beiden 28 8

Tabelle 18: Sprachverhältnisse in der Familie

  Deutsch Türkisch Beide
Ehepartner miteinander 1 92 7
Kinder miteinander 12 49 12
Eltern mit Kindern 2 65 12

Nach Auswertung der Tabellen ergab sich, daß 98 % der Befragten über vorhandene Sprachkenntnisse verfügen und damit auch die anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten als überwunden betrachten, was natuerlich nicht bedeutet, daß sie die deutsche Sprache beherrschen. Insgesamt 36 % haben zugegeben, daß sie Deutsch weder lesen noch schreiben können. Bei den Angaben als vorhandene Sprachkenntnisse (98 %) gelten nur 33 % als fliessend, die restlichen 67 % können verstehen was gesagt wird, sind jedoch nicht in der Lage, ihre Gedanken gut genug in deutsche Worte zu kleiden. Die zwei Befragten mit nicht-vorhandener Sprachkenntnisse bewerten ihre Lage wiederum als gebrochen.
In der Familie wird am häufigsten Türkisch gesprochen, auch von den Kindern. In sieben Familien wird neben Türkisch auch Deutsch gesprochen, und in einer Familie, in der die Ehefrau deutsche Nationalität hat, wird nur Deutsch gesprochen.
Unter den Erwachsenen zeigen die privat wohnenden Ledigen, die auch ausserbetrieblichen Kontakt mit den Einheimischen haben, einen gewissen Fortschritt in der Beherrschung der Sprache. Bei den uebrigen, im familiären Rahmen lebenden Arbeitnehmern, bietet die berufliche Tätigkeit eine Möglichkeit zur Erlangung elementarer Sprachkenntnisse, die für den harmonischen Ablauf dieser Tätigkeit notwendig sind. Die Beherrschung der notwendigen Terminologie kann aber nicht als Beherrschung der deutschen Sprache betrachtet werden. Dies wird von den Befragten subjektiv empfunden, wie z.B. aus solchen Aussagen hervorgeht, nach denen sie versuchen, die Sprache zu lernen. Dieses Streben bleibt natuerlich auf ein Niveau des Selbstunterrichtes beschränkt. Die bestehenden Kurse werden nicht in Anspruch genommen. Würden sie ernstlich beansprucht, dann wären sie zahlenmäßig natuerlich absolut unzureichend.
Einige qualitative Meinungen hinsichtlich der Sprachkenntnisse:

"Es lohnt sich wirklich, einige Kenntnisse der deutschen Sprache zu erwerben. Man gewinnt dadurch eine gewisse Sicherheit und Selbständigkeit im Umgang mit den Deutschen."

"Es liegt im eigenen Interesse, mindestens so viel Deutsch zu lernen, daß man sich verständlich machen kann, sich gegen Missbrauch und Ungerechtigkeit wehren kann."

"Wir sind in Deutschland. Da können wir nicht verlangen, daß die Deutschen unsere Muttersprache lernen."

V.2.4. Kontaktschwierigkeiten

Gegenseitige Abhängigkeit sowie Interaktionshäufigkeit und Sympathie stellen die Basis für Kontaktaufnahme dar. Nach Homans lautet die Hypothese: Je häufiger die Menschen miteinander in Interaktion stehen, desto mehr tendieren ihre Aktivitäten und Gefühle dazu, sich in mancher Hinsicht einander anzugleichen. Je mehr ausserdem die Aktivitäten und Gefühle eines Menschen denjenigen anderer Menschen aehneln, um so wahrscheinlicher ist es, daß sich die Integration zwischen ihm und diesen anderen erhoehen wird (Fn065).
Ein wesentliches Moment für die Aufnahme zwischenmenschlicher Beziehungen der türkischen Arbeitnehmer mit den Deutschen ist danach die bei den Türken vorhandene Kontaktbereitschaft.
31,6 % der Ausländer bevorzugen ein Zusammenleben mit Deutschen, während mehr als 60 % keine eindeutige Präferenz erkennen lassen (Fn066). Vor allem die Türken, die mit 1,6 Mio. das groesste Kontingent unter den ausländischen Arbeitnehmern stellen, bilden hier ein Problem-Potential. Der Psychologe Safa Bostanci hat in einer Diplomarbeit die Ergebnisse einer Befragung fast 20.000 türkischer Landsleute festgestellt, daß die meisten in einer "importierten türkischen Welt" leben, in "Gettos mit typischem Milieu", gepraegt von der Tradition der Großfamilie und enger landsmannschaftlicher Nachbarschaft. Sie sind durch Sprachbarrieren und Lebensgewohnheiten weitgehend isoliert, aber dennoch groesstenteils subjektiv ohne Probleme. Denn die meisten von ihnen empfinden die gettoaehnliche Isolation in Ordnung - ein Schutzzaun gegenüber einer fremden und häufig feindseligen Umwelt (Fn067).
Bei der Befragten-Gruppe haben sich einige Aspekte herausstellen lassen, die die Integration positiv oder negativ beeinflussen können.

  1. Die Altersgliederung der türkischen Arbeitnehmer, deren Minderheit aus jungen Leuten besteht (22 % der Frauen und 15 % der Männer), ist ein positiv wirkender Faktor in bezug auf die Kontaktaufnahme, weil junge Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren noch mobiler und nicht so festgelegt sind.
  2. Das niedrige Bildungsniveau der Einwanderer auf der einen und das überlegene technische Niveau der Gast- gegenüber der Ursprungsgesellschaft auf der anderen Seite sind Faktoren, die eine Integration erschweren können.
  3. Dass die Mehrzahl der Befragten in Deutschland mit ihren Familien zusammenleben, wirkt sich negativ auf eine Integration aus. Der religioese Glaubensunterschied zeigt sich bei der Kontaktschwierigkeit deutlich.
  4. Wegen ungenuegender Sprachkenntnisse hat der türkische Arbeitnehmer Hemmungen Kontakte mit der deutschen Bevölkerung ausserhalb der betrieblichen Atmosphaere aufzunehmen. Seine Kontakte bleiben auf seine Landsleute beschränkt und somit auch seine Kommunikation im wesentlichen auf die türkische Sprache.
  5. Ein weiterer negativer Faktor besteht darin, daß dem türkischen Arbeitnehmer stets vorschwebt, sich mit seinem in Deutschland verdienten Geld in der Türkei eine Existenz aufzubauen und in die Heimat zurückzukehren; so macht er Zukunftspläne, die stärker auf die Ursprungsgesellschaft ausgerichtet sind als auf die Gastgesellschaft.

V.2.4.1. Zahl der eingegangenen Bekanntschaften mit Deutschen

Die Integration in eine fremde Umgebung erfolgt überwiegend durch informelle Lernprozesse wie z.B. Beobachtung, Erfahrung, Nachahmung, usw.. Diese setzen wiederum das Vorhandensein von Kontakten zu den Menschen in der neuen Umgebung voraus.
Die türkischen Arbeitnehmer nehmen die Kontaktmöglichkeiten im Betrieb wahr. Nachdem sie die notwendigen Sprachkenntnisse für den Ablauf ihrer Tätigkeit gewonnen haben, versuchen sie zu den Menschen Kontakt aufzunehmen, mit denen sie zusammen arbeiten. Wird es ihnen aber auch ausserhalb der Werkstatt gelingen, zu den Deutschen Zugang zu finden und mit ihnen engeren Kontakt bzw. "freundlichere" Beziehungen anzuknuepfen? Hier ist zu unterscheiden zwischen Kontakten am Arbeitsplatz und Kontakten in der Freizeit. Vorab muß zu diesem Punkt noch bemerkt werden, wie die Einstellungen der Bundesbürger gegenüber Ausländern sind. 49 % der Bundesbürger sind ausländerfeindlich, 29 % ausländerfreundlich, 22 % sind in Einstellungen und Verhalten ambivalent und nur 37 % der Ausländerfreundlichen haben regelmäßige oder häufige Kontakte mit Ausländern (Fn068). Zu allererst muß gesagt werden, daß der Begriff Bekannschaft oder Freundschaft nicht nur individüll verschieden verstanden werden kann, sondern daß dieser Begriff eine besondere Bedeutung für die türkischen Arbeitnehmer hat. Die Türken beziehen die Bekanntschaft oder Freundschaft in die Intimsphaere ihrer Beziehungen ein. So reicht die Interpretationsskala des Begriffinhaltes von mehr oder weniger verbindlicher Kameradschaft bis zur engen und vertraulichen Beziehung, weshalb es auch nicht möglich ist, die Kontakttiefe zu ermitteln. Die Bemuehungen richten sich prinzipiell auf die Kontaktqüllen, -häufigkeit und auf den Zufriedenheitsgrad der Kontakte, aus denen die Bekanntschaften hervorgehen.

Tabelle 19: Zahl der eingegangenen Bekanntschaften mit Deutschen, deren Quellen und Zufriedenheitsgrad

Mehrzahl der Bekannten sind: männlich weiblich Summe
Landsleute 60 27 87
Deutsche -- -- --
Beide 5 8 13
Eingegangene Bekanntschaften: männlich weiblich Summe
keine 8 2 10
wenige (1 bis 3) 18 9 27
viele (4 und mehr) 39 24 63
Zufriedenheitsgrad: männlich weiblich Summe
sehr gut 15 7 22
gut 28 23 51
weder gut noch schlecht 15 5 20
schlecht 2 - 2
Wo kennengelernt? männlich weiblich Summe
im Betrieb 42 21 63
durch Bekannte 26 20 46
im Tanzlokal 4 - 4
in der Schule 4 6 10
in Vereinen 9 - 9
beim Sport 9 2 11
Eingeladen worden? männlich weiblich Summe
ja 46 26 72
nein 19 9 28
selten (1 bis 3) 19 10 29
oft (4 und mehr) 27 16 43

In Tabelle 19 wird gezeigt, daß 80 % der Befragten zu einer oder mehreren Familien Kontakte aufgenommen haben. Obwohl 87 % der Befragten als Mehrzahl der Bekannten nur Landsleute angeben, ist die Zahl der eingegangenen Bekannschaften mit Deutschen ziemlich hoch. Wichtig ist der Zufriedenheitsgrad dieser Bekanntschaften. Wie es oben auch zu sehen ist, können die Kontakte als sehr gut oder aber auch als weder gut noch schlecht und sogar als schlecht bezeichnet werden.
Es wäre allerdings falsch, die Situation idealisieren zu wollen, denn immerhin sind 2 dieser Kontakte als schlecht bezeichnet worden. Das kann damit erklaert werden, daß schlechte Arbeitserfahrungen auf private Bekanntschaften zurückreflektieren. Die recht signifikanten Abweichungen lassen die Schlussfolgerung zu, daß viele Kontaktmöglichkeiten, die bereits deutschsprechenden Arbeitnehmern offenstehen, von denjenigen, die Verständigungsschwierigkeiten haben, nur z.T. wahrgenommen werden können.
Besuche bei deutschen Familien sind für die türkischen Arbeitnehmer von Wert für ein Kennenlernen der deutschen Lebensgewohnheiten und Umgangsformen. Aus diesem Grunde ist die folgende Frage gestellt worden: Wurden Sie schon einmal von Deutschen privat eingeladen? Aus Tabelle 19 ist zu ersehen, daß 72 %, also die Mehrheit der türkischen Arbeitnehmer, bereits Gast bei deutschen Familien war, 43 % sogar oft. Interessant ist, daß der Anteil derjenigen, die deutsche Familien kennengelernt haben, bei 90 % liegt, während 72 % eingeladen worden sind. Einige der Befragten haben die Beziehung zur gastgebenden Familie als schlecht bzw. nicht sehr schlecht bezeichnet. Dieses Ergebnis kann als zufriedenstellend angesehen werden, weil nur 20 % der Befragten, die mit deutschen Familien Bekanntschaft gemacht haben, bisher keine Einladung erhalten haben. An dieser Stelle muß nochmals betont werden, daß auch dies ein Problem der Sprachkenntnisse und somit der Kommunikationsmöglichkeit darstellt.
Es interessierte weiter, wo und unter welchen Umständen die türkischen Arbeitnehmer ihre deutschen Bekannten kennengelernt haben. Die überwiegende Mehrheit der Befragten hat zu dieser Frage mehr als eine Antwort gegeben. Danach sind 63 % der Bekanntschaften innerhalb des Betriebes zustande gekommen. Wichtige Quellen für eine Freundschaft sind Tanzlokale, Nachbarschaft, Sport und durch Bekannte vermittelte Freundschaften. Durch Bekannte und Sport vermittelte Freundschaften haben auch Vorrang bei den Befragten.

Tabelle 20: Mit wem haben die türkischen Arbeitnehmer am liebsten Kontakt?

Mit....... männlich weiblich Summe
Landsleuten 41 20 61
Deutschen - 1 1
Beiden 12 5 17
International 12 9 21
Summe 65 35 100

Wie aus der Tabelle 20 ersichtlich, hat auf die entsprechende Frage nur eine der Befragten geantwortet, sie hätte Kontakt am liebsten mit Deutschen, während die große Mehrheit, nämlich 61 %, den Kontakt mit Landsleuten vorzieht. 17 % der Befragten bevorzugen immerhin einen Kontakt mit Landsleuten und mit Deutschen, während die restlichen 21 % angeben, daß sie mit allen Nationalitäten Kontakte aufnehmen können. Die starke Tendenz zu Kontakten nur mit Landsleuten laesst sich aus der Heterogenität der Lebensweise, des Verhaltens und der Mentalität erklären, die die Entstehung von Solidarität und engen freundschaftlichen Beziehungen zu den Einheimischen behindert, während sie diese zwischen den Gastarbeitern stärkt. Zudem wirkt die nachteilige wirtschaftliche Position negativ auf den Aufbau der Beziehungen und ist vielfach der Grund des Entstehens von diskriminierenden, wenn nicht gar von feindschaftlichen Tendenzen.

V.2.4.2 Freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen anderen Geschlechts

Keine wichtige Variante in den Beziehungen der türkischen Arbeitnehmer zu den Deutschen ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Wie tief diese Beziehungen sind und in welcher Richtung sie sich entwickeln, ist nicht leicht festzustellen, da die Befragten nicht gerne auf diese Fragen antworten. In folgender Tabelle sind die Ergebnisse über die freundschaftlichen Beziehungen der Befragten zu den Deutschen anderen Geschlechts zusammengestellt. Aus ihr kann man entnehmen, daß das Geschlecht keinen statistisch sicheren Unterschied in dieser Hinsicht bedingt.

Tabelle 21: Freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen anderen Geschlechts

Familienstand: männlich weiblich
  n = % n = %
ledig 8 = 12,3 5 = 14,3
verheiratet 56 = 86 29 = 82,9
geschieden 1 = 1,5 1 = 2,9
Beziehung vorhanden? männlich weiblich
  n = % n = %
ja 28 = 43,1 17 = 48,6
nein 37 = 56,9 18 = 51,4
Wie gut ist sie? männlich weiblich
  n = % n = %
sehr gut 8 = 28,6 5 = 29,4
gut 13 = 46,4 10 = 58,8
weder gut noch schlecht 7 = 25 2 = 11,8

Die Zahl der Türkinnen, die freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen unterhalten (48,6 %), ist jedoch größer als die der männlichen Befragten (43,1 %). In dieser Beziehung haben vielleicht die männlichen Befragten größere Schwierigkeiten, Vorurteile zu überwinden.
Die Schwierigkeiten der Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen zu Deutschen anderen Geschlechts erweisen sich bei den befragten Türken als Sprachschwierigkeiten.
Hinsichtlich des Familienstandes sind auch keine statistisch sicheren Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtsgruppen bezueglich der freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschen anderen Geschlechts zu verzeichnen (Tabelle 21). Die Verhältnisse sind, mit geringfügigen Abweichungen, bei den männlichen und weiblichen Befragten ungefaehr gleich. Interessant ist, daß die Mehrheit der weiblichen Befragten den Zufriedenheitsgrad als "gut" angibt. Waehrend 25 % der Männer die Beziehung als "weder gut noch schlecht" bewerten. Nicht alle Türken, die Beziehung zu Deutschen anderen Geschlechts unterhalten, haben die Absicht zu heiraten. Es wurden während der Befragung einige Äusserungen zur gemischten Ehe gemacht.

Von männlichen Befragten:

"Ich bin für die Gleichberechtigung der Frauen. Aber mir scheint, daß die deutschen Frauen mit ihrer Gleichberechtigung viel zu weit gehen."

"Die deutschen Frauen sind sehr anspruchsvoll."

"Eine gemischte Ehe, die gut verlaufen sollte, verlangt von den Ehepartnern eine tiefgreifende Umstellung der Mentalität, der Lebensgewohnheiten usw. Für uns wäre es sicherlich nicht leicht, unsere Lebensgewohnheiten aufgeben zu müssen. Für den deutschen Ehepartner, der in die Türkei versetzt wäre, wären aehnliche oder noch größere Schwierigkeiten vorhanden."

Von weiblichen Befragten:

"Ich glaube, daß die deutschen Ehemänner nicht so häufig als `autoritaere Person` auftreten wie die türkischen."

"Der deutsche Ehemann ist nicht eifersüchtig."

"Man würde ein selbständigeres, freieres Leben fuehren können."

"Aus der Heirat mit einem Deutschen verspreche ich mir, ausser dem hoeheren Lebenskomfort, eine freundliche Atmosphaere der Partnerschaft, eine Befreiung der lebenslangen Unterwerfung unter den absoluten Willen des Familienoberhauptes."

Diese Aussagen enthalten nur einige Aspekte des Problems. Dieses Thema ist noch nicht ganz untersucht worden. Es wäre aber von Interesse, den Verlauf der zwischen Gastarbeitern und Deutschen eingegangenen Ehen eingehend zu betrachten.

V.2.4.3. Erfahrungen mit Diskriminierung

Es muß zuerst darauf hingewiesen werden, daß hier Diskriminierung nichts mit dem Rassenwahn nazistischer Praegung zu tun hat. Es handelt sich lediglich um Verhaltenserscheinungen einer Majorität, die mehr oder minder gewisse Merkmale der Unduldsamkeit, der Verständnislosigkeit gegenüber den Verhaltensweisen andersaussehender fremder Gruppen verraten.
In diesem Abschnitt wird von "schwachen" und "starken" Diskriminierungserlebnissen gesprochen, die an Hand der von den Befragten berichteten Erlebnissen zusammengefasst worden sind.
Beispiele für starke Diskriminierung:

"Zu dem Restaurant..... haben wir keinen Zutritt. Ich bin einmal mit sanfter Gewalt auf die Strasse gesetzt worden, weil ich mich weigerte, das Lokal zu verlassen, bevor ich bedient wurde."

"Tut mir leid, wir haben keine Wohnung für die Türken zu vermieten. Das ist immer die gleiche Antwort, die ich während der Wohnungssuche höre."

"Waehrend der Karnevalstage mußten wir im Krankenhaus doppelt soviel arbeiten, weil die deutschen Kolleginnen sich freigeholt hatten. Wir wollten auch einmal den Karneval in Köln erleben und baten darum. Die Antwort:"Nein, ihr seid hierher gekommen, um zu arbeiten, nicht um zu feiern. Das Karnevalsfest ist sowieso nichts für Moslems."

Es ist zu sehen, daß die Türken durch ihre Religion mehr benachteiligt sind als die anderen Ausländer. Ausserdem ist es von den weiblichen Befragten mehrmals erlebt worden, daß man ihnen auf der Strasse das Kopftuch heruntergerissen hat.
Die häufigsten Formen der "schwachen" Diskriminierung sind die sogenannten "verbalen Äusserungen" wie z.B. Witze, Gerüchte, herabsetzende Schilderungen, verbale Drohungen, usw. Das sind die Urteile, die über die türkischen Arbeitnehmer gefaellt werden, ohne daß man sie anhand von Tatsachen auf ihre Gueltigkeit überprueft.
Die akkumulierten und zum Teil auch die integrierten Türken fühlen sich frei von jeder Diskriminierung im Gegensatz zu den in Isolation lebenden. "Stark diskriminiert" fühlen sich am häufigsten diejenigen Befragten, die sich auch als isoliert bezeichnet haben. Wie vorher festgestellt wurde: Die isolierten Befragten sind leider in der Mehrheit.
Viele Missverständnisse in den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Türken treten auf Grund der Sprachschwierigkeiten auf. So daß mit abnehmenden Sprachkenntnissen die Erfahrungen mit Diskriminierung steigen.
Ein Einfluss der Wohnortgröße des Herkunftsortes der Befragten auf das Ausmass der erfahrenen Diskriminierung konnte aus mehreren Gründen erwartet werden: Geringere Gewandtheit der Landbevölkerung im Umgang mit Fremden, starres Festhalten an primitiven Lebensformen, ausgepraegtes fremdartiges Aussehen. Die aus dem Dorf und aus der Kleinstadt stammenden Befragten erleben häufiger Diskriminierungen als die aus der Großstadt stammenden Befragten.
Diskriminierungserfahrungen hängen auch von der Berufsausbildung der Befragten ab. Mit einer besseren Berufsqualifikation wird das Ausmass der erfahrenen "starken" und "schwachen" Diskriminierungen geringer. Bei der Wohnungssuche haben die türkischen Arbeitnehmer vielschichtige Schwierigkeiten zu überwinden. Davon sind alle Türken betroffen, aber natuerlich in erster Linie die zahlreichen Familien mit vielen Kindern.

V.2.4.4. Die soziale und religioese Betreuung

Der Erfolg der Anpassungsbemuehungen der türkischen Arbeitnehmer an die deutschen Lebensverhältnisse kann u.a. von den ihnen zuteil werdenden Anpassungshilfen (=Betreuungsmassnahmen) abhängen. Die speziellen Probleme des Arbeitsrechtes und der sozialen Versicherung, der Papierkrieg mit den Behörden bei der Regelung der Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, die Schwierigkeiten bei der Vermittlung von Unterkuenften, bei der Zusammenfuehrung der Familie, bei der Einrichtung von Schulen und Kindergaerten für die Kinder usw., bereiten den mit der deutschen Sprache wenig vertrauten Türken viel Kopfzerbrechen, wenn sie von den Betreuungsorganisationen keine Hilfe bei der Loesung dieser Probleme erhalten.
Die Befragten sind zufrieden mit den vorhandenen Betreuungsmassnahmen in den verschiedenen Bereichen des sozialen Lebens. Es gibt zahlreiche Begegnungsmodelle und Initiativen sowie Betreuungs- und Beratungsarbeit von Wohlfahrtsverbänden und Kirchen.
Hinsichtlich der Zufriedenheit mit der sozialen Betreuung kann man annehmen, daß je größer die Hilfsbedürftigkeit der Befragten ist, es um so wahrscheinlicher ist, daß ihnen nicht immer geholfen werden kann in dem Ausmass, wie sie es wuenschen. Es ist daher anzunehmen, daß die verheirateten Arbeitnehmer, und besonders diejenigen, die ihre Familie bei sich haben, mehr Hilfe von den Betreuungsorganisationen erwarten als die alleinstehenden Arbeitnehmer.
Die in dieser Untersuchung befragten türkischen Arbeitnehmer gehören alle bis auf einen zur islamischen Religion. Neben den individüllen und gesellschaftlichen Problemen gibt es für die Moslems zum Teil erhebliche Schwierigkeiten, ihren Glauben zu praktizieren. Nur selten ist es ihnen möglich, beispielsweise während der Arbeitszeit, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten. So fehlt es oft nicht nur an Raeumlichkeiten, sondern auch an Einrichtungen für die ritüllen Waschungen. Bei den religioesen Feiertagen können die Arbeitgeber aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen den Arbeitnehmern keinen Urlaub geben. Die Arbeitnehmer mit islamischem Glauben werden in ihrer Religionsausuebung von türkischen Hodschas in kleinen Moscheen betreut.
Ein weiteres Problem stellten über einen längeren Zeitraum die islamischen Speisevorschriften dar. Durch die Eröffnung türkischer Laeden in zahlreichen Städten und durch Schlachtereien, wo nach den religioesen Vorschriften geschlachtetes Fleisch verkauft wird, scheint das Problem geloest zu sein.

Tabelle 22: Besuch der Moschee

Geschlecht Wie oft gehen Sie in die Moschee?
  oft selten nicht
männlich 10 21 33
weiblich - 9 26
Summe 10 30 59

Die Tabelle 22 macht deutlich, daß die überdurchschnittliche Zahl der Befragten überhaupt nicht in die Moschee geht. Diese Frage beinhaltet nicht nur die Besuche in der Moschee, sondern auch die Praktizierung des Glaubens und ob man dem Glauben weiter treu geblieben ist. Einer von den männlichen Befragten hat angegeben, daß er selten in die Kirche geht. Er ist in der Tabelle nicht enthalten. Wie man weiss, gibt es unter der türkischen Bevölkerung auch Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften (z.B. Christen).
Im Gegensatz zu den Frauen haben die Männer viele Möglichkeiten, innerhalb der Bundesrepublik in die Moschee zu gehen. Es liegt daran, daß die Moscheen in der Bundesrepublik Deutschland keine großen getrennten Raeume für Männer und Frauen enthalten. Sie ist meistens in der Etage eines Hauses als Koranschule oder Gebetsraum für Männer geplant.
Die Befragten kann man in drei Gruppen unterteilen: Und zwar einmal die Abständigen, die ihren Glauben nicht mehr praktizieren und ihn als rückständig betrachten. Gefolgt von den Liberalen, die zwar weiter ihrem Glauben treu bleiben, ihn aber westlichen Lebensverhältnissen anzupassen versuchen. Letztens die Konservativen, die hier eine Atmosphaere, aehnlich ihrer Heimat schaffen.
Es dürfte nicht schwerfallen, Gründe dafür zu finden, daß bei den türkischen Arbeitnehmern in Deutschland eine gewisse Vernachlaessigung der religioesen Betätigung eingetreten ist. Unter vielen anderen können die folgenden Gründe genannt werden:

  1. Die geringere soziale Kontrolle der jungen Türken (Entwurzelung aus der eigenen sozialen und familiären Umgebung),
  2. die durch die Forderung der modernen Industrie bei den Befragten eingetretene Wandlung des beruflichen Lebens (Arbeitsschichten, Nachtarbeit, usw.),
  3. die Einwirkung der religioesen Einstellung der Umgebung,
  4. die Betreuungsschwierigkeiten.

V.2.4.5. Freizeitgestaltung

Die Freizeit kann durch drei Parameter, nämlich: Größe, Inhalt und Struktur charakterisiert werden. Eine Analyse muß also unter diesen in Wechselwirkung stehenden Aspekten erfolgen.
Es wird als erstes die Größe der Freizeit, die dem türkischen Arbeitnehmer zu Verfügung steht, untersucht.

V.2.4.5.a. Zum Verhältnis Arbeit - freie Zeit

In diesem Abschnitt werden die Dauer der Arbeitszeit der türkischen Arbeitnehmer und die ihnen zur Verfügung stehende Freizeit, von der die Entfaltung der Persönlichkeit mit abhängt, anhand der diesbezueglichen Tabellen besprochen.

Tabelle 23: Arbeitsstunden pro Woche, Dauer des Weges zur Arbeitsstelle pro Tag

Arbeitsstunden pro Woche männlich weiblich
bis 40 Stunden 47 28
41 - 45 Stunden 3 2
46 - 50 Stunden 5 3
51 - 55 Stunden - -
56 - 60 Stunden 4 -
Weg zur Arbeit männlich weiblich
bis 10 Minuten 8 6
11 - 20 Minuten 14 4
21 - 30 Minuten 10 4
31 - 40 Minuten 5 4
41 - 50 Minuten 4 4
51 - 60 Minuten 8 3
61 Minuten und mehr 10 8

Die Ergebnisse über die Dauer der Arbeitszeit wurden in Tabelle 23 zusammengefasst. Daraus ist ersichtlich, daß die durchschnittliche Arbeitszeit für Männer 42 Stunden, für Frauen 41 Stunden in der Woche beträgt. Zwei der weiblichen und sechs der männlichen Befragten waren während der Befragung arbeitslos. Schockierend wirkt nur die geringe Beteiligung an Überstunden, wenn man aus Erfahrung weiss, daß die Türken frueher sehr viele Überstunden machten.
Die Länge der Arbeitszeit erhoeht sich um den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstelle. Bei den Männern dauerte der Weg durchschnittlich 52 Minuten pro Tag, d.h. 4,3 Stunden in der Woche und bei den Frauen 45 Minuten pro Tag, d.h. 3,75 Stunden in der Woche.
Rechnet man An- und Abfahrtswege zu der Arbeitszeit und der Zeit für den Schlaf, so bleiben etwa wöchentlich 65,7 Stunden Freizeit für männliche und 67,25 Stunden für weibliche Befragte, die für private Lebensgestaltung genutzt werden kann.
Die Ursachen der verlängerten Arbeitszeit können auf drei Ebenen gesucht werden:

  1. Der türkische Arbeitnehmer ist zur Überschreitung der gesetzlich geregelten Arbeitszeiten durch den Wunsch motiviert, in kurzer Zeit möglichst viel zu verdienen. Er glaubt, die Ursache der Auswanderung durch möglichst viele Arbeitsstunden beheben zu können.
  2. Die zweite Ursache liegt in der Stellung der Arbeitnehmer in der industriellen Produktion begründet, in der sie die unteren Stufen besetzen. Sie benötigen mehr Zeit, um die Arbeitsbedingungen der Facharbeiter zu erreichen. Allgemein gesagt: Die von ihnen ausgefuehrte Arbeit ist nicht Fortsetzung der Arbeit eines anderen und hängt nicht von diesem ab. Vielmehr stellt sie die Vorbereitung zum richtigen Ablauf der Arbeit Dritter dar.
  3. Zu obigen Motivationen muß noch ein psychologisches Moment hinzugefügt werden: Der Zustand der Emigration ist ausserhalb der Arbeitszeit in verstärktem Masse fühlbar. Die Arbeit ist Ablenkung - und eine sinnvolle dazu; denn mehr Arbeit bedeutet mehr Geld. Man kann hier eine Feststellung treffen: das Wohlstandsstandard-Kriterium für Arbeitnehmer ist nicht die Frei-, sondern die Arbeitszeit. Diese scharfe unbekannte Trennung von Arbeits- und Freizeit, Beruf und Privatleben ist dem türkischen Arbeitnehmer unbekannt.

Für die meisten Ausländer ist Freizeit gleichbedeutend mit Passivität. Das Erlernen deutscher Freizeitmuster ist für ihn schwieriger als das der zumeist einfachen, mechanisch anlernbaren Verrichtung am Arbeitsplatz, in die er eingewiesen wird.
Neben einer ganztaegigen Arbeit ist eine zweite Arbeitsstelle sehr beliebt, da sie das gesteckte Sparziel eher zu erreichen hilft. Das gleiche gilt auch für Schicht- und Wochenendarbeit wegen der Zuschlaege.

V.2.4.5.b. Länge der Freizeit

Waehrend der Untersuchung wurde festgestellt, daß die befragten Arbeitnehmer länger als tariflich festgelegt arbeiten. Die Bereitschaft, Überstunden zu machen, hat unabhängig von der Motivation zur Folge, daß die in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigten Türken im Gegensatz zu den deutschen Kollegen über weniger freie Zeit verfügen.
Die Dauer der freien Zeit ist natuerlich nicht für alle Tage bekannt. Freie Zeit an Werktagen ist halb so lange wie an Samstagen bzw. Sonntagen.
Die Nutzungsmöglichkeiten der Freizeit verringern sich durch Ablauf der Arbeitszeit. Z.B. die Schichtarbeit bedingt einen veränderten Freizeitrhythmus, der von dem der Gesellschaft mit überwiegender Normalarbeitszeit abweicht. Auch bei regelmäßiger Normalarbeit haben türkische Arbeitnehmer einen Zeitmangel, da sie bei Aufsuchen von Behörden und Beratungsstellen, Einkaufen und Festhalten an gewohnten Gepflogenheiten der Essenzubereitung sehr viel Zeit verschwenden.
In den vorangegangenen Abschnitten sind die Kontaktmöglichkeiten der türkischen Arbeitnehmer erörtert worden. Die Untersuchung ergab, daß fast die Hälfte der Befragten (45 %) Beziehungen mit Einheimischen angeknuepft hat, in den meisten Faellen sind Hausbesuche festgestellt worden. Diese Beziehungen aber erfüllen nicht die ganze zur Verfügung stehende Freizeit. Es wird hier versucht zu erfahren, welche sonstigen Aktivitäten vorkommen.

Tabelle 24: Relative Häufigkeit von Freizeitaktivitäten

Freizeitaktivitäten sehr oft öfters/manchmal selten/nie
  m/w m/w m/w
Besuch zu Hause 4/ 7 40/18 21/10
Vereine 2/ - 16/ 1 47/34
Kino, Tanzlokal, Gaststättenen -/ - 9/ 6 56/29
Theater, Konzert -/ - 4/ 2 61/33
Vorträge, Volkshochschule -/ - 5/ 3 60/32
religioese Veranstaltungen 1/ - 5/ 2 59/33
Sport 4/ - 12/ 3 49/32
Radio, TV, Tonband, Video 22/11 30/15 13/ 9
Bücher, Zeitungen, Zeitschriften 8/ 1 40/20 17/14
V.2.4.5.b.(1) Geselligkeit und Familien

Aus Tabelle 24 geht hervor, daß das Zusammensein mit Landsleuten für die türkischen Arbeitnehmer häufig und intensiv ist. Dies sollte nicht als Isolationsindiz betrachtet werden, sondern als Kommunikationsbedürfnis mit gleichartigen Individuen. Durch diese häufigen Kontakte bleiben die Beziehungen zur Ursprungsgesellschaft erhalten und die Erinnerungen lebendig, wodurch die absolute Identifikation mit der Kultur der Aufnahmegesellschaft unterbunden wird. Andererseits wird hierdurch die Integration im Sinne eines Wechselwirkungsprozesses nicht sonderlich erschwert. Die Kontakte innerhalb der Gruppe bewirken ausserdem, daß der Einwanderer bei eventüller Rückkehr in das Ursprungsland sich der Heimatkultur nicht entfremdet fühlt und von den daheimgebliebenen Landsleuten nicht als Fremder betrachtet wird. Die Rückanpassungsschwierigkeiten werden hierdurch in gewissem Masse eliminiert.
Besuch oder Empfang von Freunden ist zweifellos ein sehr wichtiger Ausdruck der Geselligkeit, er deckt aber nicht alle Äusserungen des Familienlebens und erlaubt deshalb auch keine Schluesse auf die uebrigen häuslichen Beschäftigungen des Gastarbeiters. Diese Zeit, die für Arbeiten im Haushalt angewendet wird, ist nicht für alle Tage die gleiche. Auch sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern festzustellen. Das erklaert sich aus dem traditionell "femininen" Charakter solcher Hausarbeiten, wie Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen, usw., die von Männern selten ausgefuehrt werden.

V.2.4.5.b.(2) Vereine

Der Mangel an ausländerbezogener Infrastruktur könnte durch Kontakte mit Deutschen in Vereinen und Organisationen kompensiert werden. Kontaktfördernd für Ausländer wäre der Beitritt zu deutschen Vereinen, doch das wird meistens abgelehnt. Über die Gründe dafür kann nur spekuliert werden. Sie reichen von "Exklusivität dieser Zirkel" über die Qualität des Angebots bis zu "Unorganisierbarkeit des Suedländers" (Fn069).
Bekanntester Verein bei den Befragten ist der Deutsch-Türkische Verein. Die Beteiligung an solchen Organisationen ist bei den Männern viel hoeher als bei Frauen.
Ansonsten sind die eigenen Gastarbeitervereine sehr beliebt. Die Zweckrichtung der gegründeten Vereine ist unterschiedlich. Sie reicht vom Angebot reiner individüller Freizeitbetätigung (Sport, Folklore) über die kollektive Befriedigung von Bedürfnissen nach Information, Beratung und Betreuung.

V.2.4.5.b.(3) Kino, Tanzlokal, Gaststättene, Theater, Konzert, Vorträge, Volkshochschule

Es ist schwierig, darauf im Detail einzugehen, zumal die diesbezueglichen Daten kaum erwaehnenswert sind. Mangelnde Sprachkenntnisse verursachen die Abneigung, die obengenannten Vergnuegungsstellen zu besuchen.
6 % der Frauen und 9 % der Männer haben angegeben, daß sie manchmal Kino und Gaststättene besuchen. Wenn man weiter untersucht, wird festgestellt, daß es meistens die jungen und ledigen Arbeitnehmer sind, die solche Freizeitaktivitäten ausueben. Für einen Familienvater werden die Kosten zu hoch. Vorträge und Volkshochschule beinhalten die Angaben über besuchte Sprachkurse. Aber hierzu ist auch keine nennenswerte Teilnehmerzahl vorhanden, da 92 % der Befragten die Teilnahme verneinen.

V.2.4.5.b.(4) Religioese Veranstaltungen

Wenn man sich die Verneinungen in Hoehe von 92 % ansieht, faellt auf, daß auch religioese Veranstaltungen keine von den oft ausgeuebten Freizeitbeschäftigungen sind. Sie werden aber häufiger von den männlichen als von den weiblichen Befragten besucht. Die Möglichkeiten für die Frauen sind beschränkt, wegen des Mangels an Raeumen in Gebetsstellen (siehe religioese Betreuung).

V.2.4.5.b.(5) Sport

Die Untersuchung ergab, was man im voraus hätte abschätzen können: Die ausländischen Arbeitnehmer betätigen sich nicht sportlich. Aus Tabelle 24 geht hervor, daß für 81 % der Befragten sportliche Aktivitäten nie unter die Freizeitmöglichkeiten fallen. Nur 4 % gaben an, sich sehr oft sportlich zu betätigen, d.h. einmal in der Woche, mit einer Ausnahme. Es handelt sich um einen männlichen Befragten, der Sportlehrer ist. Bei der oft ausgeuebten Sportart handelt es sich um Fussball. Eine andere Sportart, die auch bei Frauen vorkommt, ist das Schwimmen.

V.2.4.5.b.(6) Radio, Fernsehen, Tonband, Video

Medien-Unterhaltung ist bei den Türken beliebteste Freizeitvergnuegen. Fast alle Befragten verfügen über Radio und Fernsehen. Ein großer Teil von ihnen, nämlich 33 % sehr oft, 45 % öfters/manchmal, sieht fern. Das Fernsehen stellt die billigste Unterhaltung dar und erfordert weder physischen noch geistigen Kraftaufwand. Für den Gastarbeiter bringt es auch beiläufig eine sprachliche Bereicherung, freilich eine geringfügige.
Was das Radio betrifft, gibt es noch eine Tabelle dafür, welche Sendungen von den Befragten am meisten gehört werden.

Tabelle 25: Welche Sender hören Sie am liebsten ?

Sender männlich weiblich
türkisch 33 15
deutsch 2 4
beide 28 15
keine 2 1

Was ist unter türkischem Sender zu verstehen, der sehr oft von Türken gehört wird? Es ist ein gemeinschaftliches Hörfunkprogramm vom Bayerischen und Westdeutschen Rundfunk. Damit können Türken, Italiener, Griechen, Spanier und Jugoslawen taeglich in den Abendstunden Sendungen in ihrer Muttersprache mit Musik aus der Heimat hören (Fn070). Somit wird es den Arbeitnehmern ermöglicht, taegliche Nachrichten aus der Heimat zu hören. Nebenbei hören 43 % der Befragten alle Sendungen im Radio, wobei meistens die Musikprogramme bei deutschen Sendern Vorrang haben. Hier spielen die ungenuegenden Sprachkenntnisse eine große Rolle. Allerdings in den letzten zwei Jahren haben Fernsehen und Radio ihre Aktualität mit Video eingetauscht. Die hohe Auswahl an türkischen Spielfilm Videokassetten gibt den Anreiz, das Heimweh durch diese Filme zu vermindern. Obwohl dies eine teure Freizeitbeschäftigung ist, sind sie bei den türkischen Familien sehr beliebt.

V.2.4.5.b.(7) Lesen von Zeitungen, Büchern und Zeitschriften

Tabelle 26: Lesegewohnheiten bei Zeitungen

Wie oft lesen Sie? männlich weiblich
regelmäßig? 27 10
gelegentlich? 30 18
nie? 8 7
Welche Zeitungen lesen Sie? männlich weiblich
türkische 28 10
deutsche 2 -
beide 27 18

Eine der am weitesten verbreiteten taeglichen Freizeitbeschäftigungen ist das Zeitunglesen. 37 % der Befragten lesen regelmäßig und 48 % tun es gelegentlich. 38 % lesen nur türkische Zeitungen, während 45 % sowohl türkische als auch deutsche Zeitungen lesen. Es besteht hier ein Unterschied zwischen den Geschlechtern. So stellt man fest, daß 41,5 % der Männer regelmäßig Zeitung lesen, während der Anteil der Frauen bei 28,5 % liegt. Der Anteil derjenigen, die nie Zeitung lesen, liegt bei 15%. Es ist allerdings möglich, daß dieser Prozentsatz hoeher laege, wenn die deutsche Presse den Lesern nicht wegen mangelnder Sprachkenntnisse unzugänglich wäre.
Das Lesen von Büchern ist nicht erwaehnenswert. Nur wenige der Befragten haben angegeben, daß sie in ihrer Freizeit türkische Bücher lesen. Das sind meistens aus der Heimat mitgebrachte Romane.

V.2.4.5.b.(8) Richtung des politischen Interesses

Man könnte erwarten, daß diejenigen, die nach eigenen Angaben an der Innenpolitik des Gastlandes und auch des Ursprungslandes interessiert sind, während der Freizeit an gesellschaftlichen, kulturellen, politischen, gewerkschaftlichen u.a. Aktivitäten partizipieren würden, die die Funktion der Aufnahmegesellschaft betreffen. Die Untersuchung ergab, daß das Interesse der Betroffenen auf die von den Massenmedien angebotenen passiven Informationen beschränkt bleibt. Der Verzicht auf aktive Beteiligung kann auf eine Anzahl von Gründen zurückgefuehrt werden, wie z.B. die Unkenntnis der Sprache, vor allem aber das Bewusstsein des Fremden, das vielfach gefördert wird.
Nach den Angaben der Befragten sind nur 7 % sehr stark an der Politik interessiert. 48 % bezeichnen sich als stark/etwas und 45 % als kaum/gar nicht interessiert. Das politische Interesse bei Männern ist hoeher als das der weiblichen Befragten. Somit ist der Anteil der Befragten, die nach eigenen Angaben politisch nicht interessiert sind, ziemlich hoch. Es ist zwischen den Auslandstürken die Meinung sehr verbreitet, daß ein Nachrichtennetz der MIT, also des geheimen Nachrichtendienstes, ihr Verhalten registriert und mit Repressalien bei der Rückkehr droht, falls sich die Betroffenen der Ordnung und der gegebenen Hierarchie des Establishments gegenüber durch Tat oder Wort als respektlos erweisen.
Unter Hobby und sonstigen Freizeitaktivitäten sind folgende Tätigkeiten angegeben worden: Basteln, Stricken, Naehen, Briefeschreiben, Musikinstrumente spielen, Kartenspielen usw.

V.2.5. Anpassungsprobleme im Betrieb

Der individülle Prozess der betrieblichen Anpassung des fremden Arbeiters wird weitgehend durch die Gemeinschaft der Arbeitnehmer und durch ihre Einstellung zu dem neuen Arbeiter mitbestimmt. Das Gefühl der sicheren Aufnahme der Gastarbeiter im Betrieb und ihre Bereitschaft, sich den formellen und informellen Anforderungen des Betriebes bzw. der Betriebsbelegschaft anzupassen, werden sicherlich durch die freundliche oder unfreundliche Aufnahme in der Gemeinschaft stark beeinflusst. Bei dem Eingliederungsprozess der türkischen Arbeitnehmer in die moderne industrielle Produktion spielen sicherlich nicht nur die menschlichen, sondern auch die technischen Faktoren eine wichtige Rolle.
Der Übergang der türkischen Arbeitnehmer von einer vorindustriellen in eine hochindustrielle Produktionsweise hat Einfluss auf die Anpassung an die Arbeitsweise des modernen Betriebes. Das Problem der betrieblichen Eingliederung und Einarbeitung der türkischen Arbeitnehmer in das Betriebssystem wird mit den sachlichen Anweisungen bei der Einfuehrung nicht geloest. Menschen, die aus anderen technischen und kulturellen Kreisen kommen, können nur unter besonderen Schwierigkeiten in das deutsche Arbeits- und Betriebsgefüge eingeordnet werden.
Problematisch empfunden wird die Anordnung der Arbeitszeit im Tagesablauf. In den ländlichen Regionen der Türkei liegt die Arbeitszeit - klimatisch bedingt - am Vormittag und Spätnachmittag, d.h. mit einer langen Mittagspause. Die Umstellung auf eine tempogebundene, kontinuierliche und unpersönliche Arbeitsdauer fuehrt zu physischen Anpassungsschwierigkeiten. Das braucht eine lange Gewoehnungsphase.
Die Frage nach der Arbeitszufriedenheit stellt einen der Kernpunkte fast aller betriebspsychologischen Untersuchungen dar. Sie ist hier

"als Zusammenhang und besondere qualitative Auspraegung der verschiedenen möglichen Einstellungen zur Arbeit" (Fn071)

zu verstehen. Von grundlegender Bedeutung für das Erlebnis der Arbeitszufriedenheit ist der Umstand, ob die auszufuehrende Arbeit den beruflichen Faehigkeiten möglichst weitgehend entspricht. Nach den Interviews während der Befragung sind die gelernten Arbeiter mit der Tätigkeit, die sie in Deutschland verrichten, etwas zufriedener. Die angelernten oder ungelernten Arbeiter äußern die geringste Arbeitszufriedenheit. Unzufrieden zeigen sich die in der Türkei als angelernte Arbeiter eingestuften Türken, die in der Bundesrepublik Deutschland als ungelernte Hilfskräfte beschäftigt sind. Frauen zeigen generell weniger Lohn- und Arbeitszufriedenheit.
Der ungelernte Arbeiter hat vornehmlich jene Arbeiten zu verrichten, die die gelernten Arbeiter verschmaehen: Tätigkeiten, die entweder große körperliche Anstrengungen verlangen oder groesstenteils unter unguenstigen äußeren Bedingungen vollzogen werden müssen.
Einige Äusserungen der Befragten:

"Ich höre es immer wieder: Die primitivsten Arbeiten sind für uns gut genug, da wir keine Ansprüche stellen dürfen."

"Es ist nicht notwendig, eine besondere berufliche Ausbildung durchgemacht zu haben, um den Anforderun gen des Arbeitseinsatzes entsprechend unsere Aufgabe zu erfüllen. Es handelt sich meist um monotone Arbeiten, die keine großen intellektüllen Leistungen verlangen."

"Denken brauchen wir nicht. Die anderen denken für uns. Wir verrichten das, was uns befohlen wird, meistens ohne den Sinn, das Wie und Warum der Sache zu verstehen."

Neben diesen Arbeitsanstrengungen gibt es verschiedene Faktoren, die die Zufriedenheit mit dem beruflichen Einsatz beeinflussen, wie z.B. Entlohnung, soziales Prestige, Aufstiegsmöglichkeiten, Monotonie, Einrichtung des Arbeitsplatzes, usw. (Fn072).
Die ganze Schwere der menschlichen Behandlung der ausländischen Arbeitnehmer im Betrieb liegt auf den Schultern der Vorgesetzten, des Meisters und der Vorarbeiter. An ihnen wird es auch liegen, ob die ausländischen Arbeitnehmer von ihren deutschen Arbeitskollegen mit der ihnen zustehenden Achtung und Toleranz behandelt werden. In diesem Sinne wurde den türkischen Arbeitnehmern die Frage nach der Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern gestellt. Das Ergebnis dieser Frage ist in Tabelle 27 festgehalten.

Tabelle 27: Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern

Geschlecht zufrieden unzufrieden teils-teils
  n = % n = % n = %
männlich 37 = 59,9 6 = 09,2 22 = 33,8
weiblich 21 = 60,0 5 = 14,3 09 = 25,7

Aus der Tabelle 27 ist zu entnehmen, in welcher Häufigkeit die männlichen und weiblichen Befragten mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern zufrieden bzw. unzufrieden sind. Mit einem kleinen Unterschied ist die Häufigkeit der Zufriedenheit bei den Frauen (60 %) hoeher als die der Männer. Auch die Häufigkeit der unzufriedenen Türkinnen liegt hoeher als die ihrer männlichen Landsleute (14,3 %).
Die Arbeitszufriedenheit hängt mit der hier analysierten Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern zusammen, d.h. die mit dem Arbeitseinsatz zufriedenen türkischen Arbeitnehmer stehen häufiger in besserem Verhältnis zu ihren Vorgesetzten. Die Fluktuation und auch der Arbeitsplatzwechsel bei diesen Arbeitnehmern sind nicht oft der Fall.
Bei dem Vergleich der Zufriedenheit der türkischen Arbeitnehmer mit den Vorgesetzten und der Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels sind relevante statistische Parallelen festzustellen.

Tabelle 28: Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern, Vergleich nach der Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels

Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels Zufriedenheit mit Vorgesetzten und Vorarbeitern
  zufrieden unzufrieden teils-teils
nie 29 5 14
1 mal 10 - 4
2 - 3 mal 7 3 10
4 mal und öfter 12 3 3

Die mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern zufriedenen Türken, die bis zum Zeitpunkt der Befragung den Arbeitsplatz (den Betrieb) noch nie gewechselt hatten, weisen eine deutliche Häufigkeit auf im Gegensatz zu denen, die 4 mal und öfter den Arbeitsplatz gewechselt haben. Die Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den türkischen und den deutschen Arbeitnehmern im Betrieb braucht nicht mit vielen Worten hervorgehoben zu werden. Bei gegenseitiger Respektierung der Andersartigkeit, bei gegenseitiger Anerkennung der eigentuemlichen Persönlichkeitszuege, bei gegenseitigen Toleranzbemuehungen kann eine Atmosphaere der vertraulichen Zusammenarbeit geschaffen werden. Wenn aber diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, können bei den ausländischen Arbeitnehmern Verteidigungs- und Oppositionshaltungen entstehen, die der erwuenschten Anpassung an die betrieblichen Anforderungen zuwiderlaufen. Man darf annehmen, daß die türkischen Arbeitnehmer auf Grund der ihnen unbekannten und für sie wenig gegliederten Situation des modernen Industriebetriebes, ihrer Unsicherheit und anfänglichen Ungeschicklichkeit besonders empfindlich für jede erfahrene oder nur vermutete Abweisung, für jede nicht gebuehrend anerkannte Leistung usw. sein können. Die Befragten hatten in diesem Zusammenhang die Aufgabe, ihre Beziehung zu den deutschen Arbeitskollegen anhand der gemachten Erfahrungen zu beurteilen. Zwischen den männlichen und weiblichen Befragten sind in dieser Hinsicht Unterschiede vorhanden.

Tabelle 29: Zufriedenheit mit deutschen Arbeitskollegen

  sehr gut gut/zufrieden schlecht
Geschlecht n = % n = % n = %
männlich 14 = 21,5 46 = 70,8 5 = 07,7
weiblich 12 = 34,3 18 = 51,4 5 = 14,3

Etwas mehr als die Hälfte der weiblichen und drei Viertel der männlichen Befragten beurteilen die Beziehung zu den deutschen Arbeitskollegen als gut bzw. zufriedenstellend. Die Häufigkeit sowohl der sehr guten als auch der schlechten Beziehung ist bei den Frauen hoeher als bei den Männern. Einige typische Erfahrungen der türkischen Arbeitnehmer mit den deutschen Arbeitskollegen sind in den folgenden Äusserungen enthalten:

Positive Äusserungen:

"Ausgesprochen freundlich und aufgeschloßen",

"sehr liebenswuerdig und hilfsbereit",

"sie müssen viel Geduld mit uns haben, und sie würden dieses Opfer nicht auf sich nehmen, wenn wir ihnen gleichgueltig wären",

"Sie haben es nicht leicht mit uns, weil sie sich auf uns nicht hundertprozentig verlassen können. Es ist nicht zu vermeiden, daß sie manchmal die Rolle des strengen Befehlshabers spielen müssen."

Negative Äusserungen:

"Sie wollen uns immer herumkommandieren",

"sie kommen sich als Herrenmenschen vor",

"sie legen viel Wert darauf, eine gewisse Distanz zu halten. Der Kontakt wird auf ein Mindestmass reduziert",

"sie sind uns gegenüber freundlich, so lange wir im erwuenschten Tempo arbeiten."

Die Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels bei den befragten Türken ist eine Gegebenheit, die auch in einem direkten Zusammenhang mit der Beurteilung der Unzufriedenheit mit deutschen Arbeitskollegen bzw. Vorgesetzten und Vorarbeitern steht (Tabelle 30). Die Beständigkeit der Befragten am Arbeitsplatz wird anscheinend durch die freundliche Haltung der deutschen Arbeitskollegen verstärkt.

Tabelle 30: Gründe für die Loesung des Arbeitsverhältnisses

Gründe männlich weiblich Summe
Kuendigung durch Firma 8 2 10
Einkommensverbesserung 13 4 17
Arbeitsbedingungen im Betrieb - 1 1
Unzufrieden mit Vorgesetzten 6 1 7
Gesundheitliche Gründe 1 5 6
Abfindung 4 - 4
Rückkehr in Türkei - 1 1
Sonstige 4 6 10

Gründe für die mehrfach genannte Arbeitsaufgabe wurden nach den einzelnen Angaben aufgegliedert. Aus dieser Aufgliederung ergibt sich die Einkommensverbesserung als häufigster Grund für die Loesung des Arbeitsverhältnisses. Die Grundmotivation der Auslandsarbeit ist "Wunsch, viel Geld zu sparen". Es ist daher zu erwarten, daß diese materialistische Arbeitsgesinnung zur Suche nach dem bestbezahlten Job drängt. Damit wird der wichtigste Gesichtspunkt der Auslandsarbeit für die türkischen Arbeitnehmer bestätigt. Als zweithäufigster Grund wurde die Kuendigung durch die Firma genannt. Auch im Vergleich mit den anderen Nationalitäten treten die Kuendigungen durch den Arbeitgeber bei den Türken am häufigsten auf (Fn073). Unter den sonstigen Gründen sind folgende genannt: Entfernung zwischen Wohnung und der Arbeitsstelle, Umzug, Konkurs der Firma und auch "auf eigenen Wunsch ohne besondere Gründe".

V.2.6. Schwierigkeiten mit deutschen Gesetzen

Für Ausländer, die in der Bundesrepublik Deutschland leben, gelten grundsätzlich die gleichen Gesetze wie für Bundesbürger. Daneben bestehen jedoch Sonderregelungen, wie z.B. Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen, Vorschriften über die Arbeitsaufnahme. Der stetig wachsende Anteil der Ausländer sowie die Verschlechterung der Wirtschaftslage haben die Bundesregierung zu einigen Vorsichtsmassnahmen veranlasst:
"Begrenzung der weiteren Zuwanderung" und
"Stärkung der Rückkehrbereitschaft" (Fn074).
Diese Maßnahmen sollen zum Abbau der Isolation beitragen.

Waehrend der Untersuchung wurde den Befragten die Frage gestellt, ob sie Schwierigkeiten mit den deutschen Gesetzen haben. 19 % haben auf diese Frage mit "ja" und 52 % mit "manchmal" geantwortet. Davon ausgehend kann man sagen, daß Schwierigkeiten bestehen. Der wichtigste Grund für die Entstehung dieser Schwierigkeiten ist natuerlich mangelnde Sprachkenntnis. Dadurch können die Ansprüche oder die Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen, überhaupt nicht wahrgenommen werden. Durch die wachsende Arbeitslosigkeit auf fast 2 Mio., beschloß die Bundesregierung am 2.Dezember 1981 (Fn075), den Familiennachzug so weit wie möglich einzuschränken und bestimmte Personengruppen hiervon völlig auszuschliessen. Jugendliche nach Vollendung des 16. Lebensjahres gehören zu dieser Gruppe. Dann kam sogar der Vorschlag von Bundesminister Westphal, diese Altersgrenze für den Nachzug von Kindern auf sechs Jahre herabzusetzen; dem wurde allerdings nicht zugestimmt (Fn076). Die Festsetzung der Altersgrenze auf das 16. Lebensjahr macht es für die Türken schwierig, ihre Kinder in die Bundesrepublik nachzuholen. Damit ist ihnen das Recht auf Familienzusammenfuehrung eingeschränkt worden. Obwohl es im Hinblick auf die Integrationschancen wuenschenswert ist, daß nachziehende Kinder in möglichst jungem Alter in die Bundesrepublik Deutschland kommen, haben die neuen Bestimmungen häufig schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Familien. Das daheimgebliebene Kind muß entweder die Schule abbrechen, damit es zur Familienzusammenfuehrung kommt, oder die Schule abschliessen und eine Familienzusammenfuehrung in Deutschland ist nicht mehr möglich.

Eine andere Schwierigkeit ist die lange Wartezeit beim Nachzug eines Ehegatten, der vorher nicht in Bundesrepublik Deutschland war. Die Voraussetzungen lauten wie folgt: Der in der Bundesrepublik Deutschland lebende Ehegatte soll sich seit acht Jahren ununterbrochen im Bundesgebiet aufhalten, ein ausreichender Wohnraum muß vorhanden sein und die Ehe soll seit drei Jahren bestehen (Fn077).
Obwohl die ausländischen Arbeitnehmer im Arbeits- und Sozialrecht gleiche Rechte wie die inländischen Arbeitnehmer haben, ist dies nicht allen bekannt. Einige von den Befragten haben keine Vorstellung, was Betriebsräte und Vertrauensleute überhaupt sind und was sie leisten. Hinsichtlich passiven Verhaltens, bedingt durch Sprachschwierigkeiten, haben die Befragten Probleme im Betrieb.
Neben diesen Schwierigkeiten gibt es sicher auch Gesetze, die den Türken gut gefallen. Naemlich die Arbeitslosen- bzw. Sozialhilfe, Kindergeld, Wohngeld, usw. sind die sozialen Leistungen, die man in der Türkei nicht kennt.

V.3. Rückkehrabsichten der türkischen Arbeitnehmer

Die Bundesbürger verhalten sich so, als ob das Gastarbeiterproblem eine vorübergehende Sache, eine Begleiterscheinung der wirtschaftlichen Konjunktur sei. Sie sprechen von "Gastarbeitern", nicht von "Einwanderern" und setzen voraus, daß der Gastarbeiter nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit in seine Heimat zurückkehrt. Die Erfahrung lehrt aber, daß die Gastarbeiter aus der heutigen wirtschaftlichen Situation Deutschlands nicht wegzudenken sind. Obwohl im Jahre 1982 35.000 türkische Arbeitnehmer (Fn078) ohne finanzielle Abfindung Deutschland verlassen haben, ist die Abnahme durch starke Familienzusammenfuehrung nicht allzu groß. Das Arbeitsministerium rechnet für die letzten Monate 1983 und das erste Halbjahr 1984 noch einmal mit einer Ausreisewelle. Denn seit November 1983 gilt das Gesetz über die Zahlung einer Abfindung von 10.500 DM plus 1.500 DM pro Kind (Fn079). Dieser Gesetzentwurf gilt für Ausländer aus Nicht-EG-Staaten, die durch Konkurs des Betriebes arbeitslos geworden sind oder seit mehreren Monaten kurzarbeiten.
Noch einen besseren Anreiz als die 10.500 DM-Prämie verspricht die ab 1.Oktober 1983 geplante Möglichkeit der sofortigen Rückzahlung von Renten- und Sozialversicherungsbeiträgen (Fn080), wenn der Arbeitnehmer freiwillig seine Koffer packt. Die Regelung sieht vor, daß 2 Jahre nach Rückkehr in die Türkei der eingezahlte Arbeitnehmer-Anteil zurückgezahlt wird, während der Arbeitgeber-Anteil bei der Landesversicherungsanstalt verbleibt. Sofort ausgezahlt wird nur an Arbeitnehmer, die bis zum 19.10.1972 60 Pflichtmonatsbeiträge abgefuehrt haben. Es gibt da einen Vorbehalt bei den Arbeitnehmern, die einmal eine Kur in Anspruch nehmen mußten, die bis zur Kur eingezahlten Versicherungsbeiträge werden als Entgelt eingehalten. Einbehaltene Arbeitgeber-Anteile, gespartes Arbeitslosen- und Kindergeld und nicht in Anspruch genommene Rentenbeiträge sollen in den naechsten Jahren zwei bis zweieinhalb Milliarden (Fn081) einsparen.
Diese obengenannte Anreizpolitik zur Rückkehr macht mehr Eindruck auf die aelteren türkischen Arbeitnehmer, die vom einstigen Wirtschaftswunderland enttaeuscht sind. Aus diesem Grunde wurden die Befragten auch danach gefragt, wie lange sie noch in der Bundesrepublik Deutschland bleiben werden, und ob sie mit dem bisherigen Aufenthalt zufrieden sind. Die Tabelle 31 gibt Auskunft über die Meinung der Befragten.
Die vielen Anpassungsschwierigkeiten und die Verbundenheit der Türken mit dem soziokulturellen Gefüge des Heimatlandes spricht dagegen, daß die Türken Einwanderer werden wollen. Doch mit zunehmender Länge des Aufenthaltes neigen die Befragten immer mehr dazu, die eigenen materiellen Wuensche und Ansprüche an die durchschnittlichen Anforderungen anzugleichen. Neue Bedürfnisse, die einer Umorientierung der Lebenseinstellung gleichkommen, werden geweckt. Da diese Umorientierung der Lebensansprüche durch die verbesserte finanzielle Lage in Deutschland entstanden ist und mit der Länge des Aufenthaltes internalisiert wird, bleibt sie auch nach einer möglichen Rückkehr in die Heimat bestehen.

Tabelle 31: Rückkehrabsichten nach Länge des Aufenthaltes

Aufenthalt Rückkehr
  bis zum 1.Jahr 2-4 Jahre 5 und länger keine Ahnung
bis 5 Jahre - 4 4 2
6 - 10 Jahre 3 4 4 2
11 - 15 Jahre 6 19 19 12
16 und länger 3 9 3 6
Summe 12 36 30 22

22 % der Befragten haben keine Vorstellung, wann sie wieder in die Heimat zurückkehren. 12 % weisen darauf hin, daß sie sich bis zu einem Jahr, nämlich nach der geregelten Rückkehr-Prämie, auf die Rückkehr vorbereiten. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 %) leben seit 11 bis 15 Jahren in Deutschland. Bei diesen ergibt sich die Aussage, je länger sie in Deutschland bleiben, um so geringer wird die Bereitschaft zur Rückkehr sein. Die türkischen Arbeitnehmer, die nach einem mehr oder weniger ausgedehnten Aufenthalt in Deutschland sich mit dem Gedanken der Rückkehr auseinandersetzen, sind nicht mehr die gleichen wie jene vor der Abreise. Zu einem gewissen Grade sind sie der Heimat "entfremdet", zumindest was die materiellen Anforderungen anbetrifft. Die Jugendlichen (zweite und dritte Generation), die im Bundesgebiet aufgewachsen sind, sind von dieser Entfremdung stärker betroffen als die Eltern. Deutsche Lebenseinstellung hat mehr Einfluss auf die Jugendlichen als die des Heimatlandes.
Nach der Frage der Zufriedenheit mit dem bisherigen Aufenthalt haben sich 28 % positiv geäußert, während 19 % als teils-teils und 23 % mit "kein Kommentar" antworteten. Die Zahl der Unzufriedenen ist allerdings mit 30 % am häufigsten vertreten. Einige Meinungen machen die Gründe für diese Unzufriedenheit deutlich: Mit dem bisherigen Aufenthalt bin ich nicht zufrieden,

"weil hier Anpassung nicht so leicht ist und man sich, deshalb immer fremd fühlt",

"weil die Türken als Sündenbock gesehen werden",

"finanziell stehe ich mich ein bisschen besser als in der Türkei, aber gesundheitlich und was die Kinder betrifft, ist es schlechter",

"weil ich mit Einheimischen nicht immer gleich behandelt und vielmals diskriminiert wurde",

"ich fühle mich in der Bundesrepublik Deutschland wie ein Gefangener und spuere immer wieder Ausländerfeindlichkeit. In der Stadt wird man immer von vielen Deutschen schief angeguckt, im Betrieb wird auch manchmal gemeckert."

Die Frage ist, was diese zurückkehrenden Arbeitnehmer in der Türkei erwartet. Die Türkei ist ein Land, in dem ein Viertel der Bevölkerung arbeitslos ist, das von Lohnstopp und einer rapiden Steigerung der Lebenshaltungskosten gepraegt ist (Fn082). So werden die Rückkehrer nicht gerade mit offenen Armen empfangen, da sie nämlich eine weitere Verschaerfung der Arbeitsmarktsituation bedeuten. Ausserdem sind die Türken im Ausland eine von den besten Devisen-Quellen mit ihren Überweisungen. Den Befragten ist die Frage gestellt worden, welche Tätigkeit sie später im Heimatland nach der Rückkehr ausueben möchten. 15 % haben vor, in Deutschland auf Rente zu warten, 13 % bekommen eine Stelle in einem Betrieb; das sind meistens von der Bundesrepublik und der Türkei geförderte Arbeitnehmer-Gesellschaften. Der groesste Teil (52 %) hat angegeben, sich selbständig weiterzubeschäftigen, und zwar in Landwirtschaft, eigenem Lebensmittelgeschäft usw.. Die ungelernten Arbeitskräfte haben es in der Türkei später auch schwierig, da von ihnen der Arbeitsmarkt längst überschwemmt ist. Die Furcht vor den zu erwartenden Schwierigkeiten der Rückanpassung an die heimatlichen wirtschaftlichen Verhältnisse uebt auf die Rückkehrabsichten der Befragten einen Einfluss aus. Mit der hoeheren Einstufung der erwarteten Schwierigkeiten bei der Rückkehr ist eine weitere Verschiebung der Rückkehrabsichten gekoppelt.


VI. Zusammenfassung und Ergebnisse

Mit der vorliegenden Arbeit über den wirtschaftlichen Nutzen türkischer Arbeitnehmer für die deutsche Gesellschaft und ihre Wirtschaft laesst sich folgendes sagen:

- Ein großer Teil der Türken hatte bei der Anwerbung noch in der Türkei für die ersten ein bis zwei Arbeitsjahre in Deutschland Verträge zu sehr niedrigen Stundenloehnen abgeschloßen. Wegen fehlender deutscher Sprachkenntnisse hatten sie sich hiergegen nicht wehren können. Daher waren Türken extrem billige Arbeitskräfte und dienten damit der Kostenminimierung einzelner Unternehmen.

- Die deutschen Rentenversicherungen profitierten von den Versicherungsbeiträgen der türkischen Arbeitnehmer. Da eine Pensionsberechtigung nach deutschem Recht erst mit dem 65. Lebensjahr besteht, die durchschnittliche Lebenserwartung türkischer Arbeitnehmer aber nur 53,7 Jahre beträgt (Fn083), kommt es nur selten zu einer späteren Auszahlung der Renten (Fn084). Daher lassen sich sehr viele türkische Arbeitnehmer im Anschluss an ihre Rückkehr in die Türkei nach einer zweijaehrigen Wartezeit den Arbeitnehmeranteil der eingezahlten Beiträge auszahlen. Dies ist seit dem 25.November 1983 rechtlich zulaessig.

- Die Nachfrage türkischer Arbeitnehmer nach Konsumguetern, insbesondere nach langlebigen Konsumguetern, liess die Produktion in den entsprechenden Industriebranchen ansteigen und ermöglichte damit zugleich die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

- Die deutsche Industrie profitiert auch von türkischen Arbeitnehmergesellschaften, die fast 70 % ihrer Maschinen aus Deutschland beziehen.

Die Beschäftigung der türkischen Arbeitnehmer war natuerlich nicht nur mit Vorteilen, sondern auch mit Problemen für die Bundesrepublik Deutschland verbunden. So stieg die Anzahl der im Bundesgebiet lebenden Türken trotz des Anwerbestops weiterhin an, da die Familienangehörigen in der Regel nach kurzer Zeit ebenfalls nach Deutschland zogen. Hierdurch entstanden besonders in Ballungsgebieten neue "Gettos" (z.B. Berlin, Duisburg, Köln, usw.). Durch den starken Zuwachs an türkischen Kindern wurden zusätzliche Aufwendungen im Kindergarten- und Schulwesen erforderlich.

Ingesamt ist festzustellen, daß sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die Türkei, trotz zahlreicher Nachteile, von der Arbeiterwanderung mindestens ebenso stark profitieren wie die einzelnen Individuen, die wegen der mangelhaften türkischen Staats- und Wirtschaftsfuehrung ihre Arbeitskraft in Deutschland verkaufen müssen.
Der Export von Arbeitskräften in die Bundesrepublik Deutschland und die damit verbundenen subjektiven Zielvorstellungen sind also zum einen unter dem Aspekt individüllen ökonomischen Zwanges, zum anderen aber auch unter dem Gesichtspunkt einer von der herrschenden türkischen Klasse initiierten ideologischen Beeinflussung der türkischen Arbeiterklasse zu bewerten. Ihr soll durch die Indoktrination der offiziell propagierten Mittelstandspolitik glaubhaft gemacht werden, daß die Arbeiter durch individülle wirtschaftliche Iniative ihre eigene Klasse überwinden können.
Die türkischen Arbeitnehmer, die nach einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 6-7 Jahren in die Türkei zurückkehrten, wollten sich mit Hilfe ihrer Ersparnisse von durchschnittlich 25.000 bis 30.000 DM in erster Linie selbständig machen. Allgemein kamen dabei Restaurants, Cafeehäuser, Taxiunternehmen u.ae. als selbständige Betriebe in Betracht (Fn085).
Diese Mittelstandsideologie nach türkischem Wertmuster, sich nach der Rückkehr möglichst selbständig zu machen, war die ursprungliche Motivation bei der Wanderung vieler türkischer Arbeitnehmer ins Ausland.

Den zweiten Teil der Arbeit, nämlich gesellschaftliche Probleme der türkischen Arbeitnehmer, kann man stichwortartig folgendermassen darstellen: nach Meinung der Befragten über die hauptsaechlichen Schwierigkeiten der Anpassung rangieren die Sprachschwierigkeiten an erster Stelle, gefolgt von den Unterkunftsproblemen, von den Diskriminierungserfahrungen, von den Problemen der Freizeitgestaltung und Betreuung und von den Schwierigkeiten des Klimas und der Ernaehrung. Die Rangeinstufung dieser Anpassungsschwierigkeiten hängt nicht von der Geschlechtszugehörigkeit der Befragten, wohl aber von ihrer Anpassungsbereitschaft ab.
Der Stand der von den türkischen Arbeitnehmern erworbenen Kenntnisse der deutschen Sprache ist sehr niedrig. Er ist jedoch von der Länge des Aufenthaltes, vom Alter der Befragten und von der Anpassungsbereitschaft abhängig.
Bei freundschaftlichen Beziehungen der Befragten zu Deutschen anderen Geschlechts sind statistisch sichere Unterschiede nicht vorhanden. Bei den männlichen Befragten ist dieser Umstand jedoch von den erworbenen Sprachkenntnissen abhängig. Die unterschiedliche Länge des Aufenthaltes sowie der Familienstand der Befragten ueben nur einen geringen Einfluss auf das Zustandekommen freundschaftlicher Beziehungen zu Deutschen beiderlei Geschlechts aus.
Das Problem der betrieblichen Eingliederung der Befragten in das industrielle Arbeitssystem bereitet den männlichen Türken mehr Schwierigkeiten als den weiblichen Türken. Der Herkunftsort spielt in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle. Bei den männlichen Befragten haben diejenigen, die aus den Dörfern stammen, größere Schwierigkeiten, die Arbeitsweise des modernen Betriebes zu überwinden, als diejenigen, die aus der Klein- oder Großstadt kommen. Die anfänglichen Schwierigkeiten der Anpassung an die Arbeitsweise werden jedoch mit der Länge des Aufenthaltes immer geringer. Die türkischen Arbeitnehmer, die mit der Art des beruflichen Arbeitseinsatzes zufrieden sind, haben auch häufiger ein gutes Verhältnis zu ihren Vorgesetzten und Vorarbeitern, als für den Fall der Unabhängigkeit der beiden Faktoren zu erwarten wäre.
Die Türkinnen haben signifikant bessere Beziehungen zu den deutschen Arbeitskollegen als ihre männlichen Landsleute. Die Länge des Aufenthaltes wirkt sich in dieser Beziehung positiv aus: je länger die Aufenthaltsperiode ist, um so häufiger wird die Haltung der deutschen Arbeitskollegen als "freundlich" eingeschätzt.
Die Rückkehrabsichten der Befragten hängen naturgemäß von den erwarteten Schwierigkeiten der Rückanpassung an die wirtschaftlichen Verhältnisse des Heimatlandes ab. Mit der hoeheren Einschätzung der voraussichtlichen Rückanpassungsschwierigkeiten ergibt sich auch eine hoehere prozentuale Häufigkeit derer, die noch nicht bereit sind, die Heimfahrt anzutreten. Die Einschätzung der Rückanpassungsschwierigkeiten hängt u.a. von der Länge des Aufenthaltes in Deutschland und von der Berufsausbildung der Befragten ab. Je länger die Befragten in Deutschland gewesen sind, um so häufiger rechnen sie mit "sehr großen Schwierigkeiten" bei der Rückkehr.

Im Bundesgebiet gibt es 2,3 Mio. Arbeitslose. Viele Deutsche glauben, wenn alle Ausländer in ihre Heimatländer zurückkehren, wäre in Deutschland alles wieder in Ordnung. Ich bin der Meinung, daß viele Deutsche wieder einen Sündenbock gefunden haben: schuld an wirtschaftlicher Misere, schuld an konjunkturellem Stillstand, schuld an zunehmender Arbeitslosigkeit und womöglich auch noch an steigenden Preisen sollen die Ausländer sein. Alle Ausländer raus - Problem weg: Diese Behauptung ist ebenso simpel wie falsch. Dabei ist gerade bei diesem Thema Emotion nur sehr wenig und dafür Sachlichkeit um so mehr gefragt.
Betrachtet man die Angelegenheit ganz sachlich: In vier ausgesuchten Branchen gibt es unterschiedliche Ausländeranteile unter den Arbeitnehmern: In der Kraftfahrzeugbranche machen die ausländischen Kollegen mit 152 879 etwa 16,3 % aller Beschäftigten aus, im Bergbau mit 27 852 etwa 13,2 %, im Baugewerbe liegt der Ausländeranteil mit 202 310 Beschäftigten bei 12,1 % und im Dienstleistungsgewerbe mit 300 617 Beschäftigten bei 8,3 %. Der vielzitierte "türkische Müllmann" tritt relativ gesehen dagegen sehr schwach in Erscheinung: Bei einer sachlichen Betrachtung muß man wohl auch sagen, daß mehr als 4,6 Mio. Ausländer eine große Zahl von Wohnungen in der Bundesrepublik benötigen. Sie tun das zudem oft dort, wo das Wohnungsproblem ohnehin besonders groß ist: in Großstädten und Ballungszentren. Ausserdem bringen viele ausländische Kinder Probleme in Schulen mit sich, wenn z.B. in einigen Klassen der Anteil der ausländischen Schueler größer ist als der der deutschen.
Rechtfertigt das alles aber das "Ausländer raus"?
Man braucht nicht polemisch zu werden, um die Frage mit einem eindeutigen "Nein" zu beantworten, sondern kann ganz ruhig und sachlich vorgehen.
Sehen wir uns einmal eines der Hauptargumente der "Ausländer raus" - Rufer an. 1,4 Mio. ausländischen Arbeitnehmern stehen rund 2,3 Mio. Arbeitslose in der Bundesrepublik gegenüber. Würden die Ausländer gehen, hätten alle Deutschen einen Arbeitsplatz, behaupten sie. Doch wie sieht es tatsaechlich aus?
Die Zeiten, in denen Ausländer ausschliesslich unbeliebte Dreckarbeit zu machen hatten, sind vorbei. Ausländische Kollegen sind heute manchmal bereits hochspezialisierte Facharbeiter, die eben nicht so einfach zu ersetzen sind. Welche Arbeitskräfte fehlen denn heute trotz der Arbeitslosigkeit? Facharbeiter! Und die wenigen Posten, die tatsaechlich von Deutschen übernommen werden würden, fallen auch kaum ins Gewicht. Denn Ausländer bekleiden eben auch noch Arbeitsplätze, die deutsche Arbeitnehmer als unzumutbar ablehnen.
Wie sieht es aus mit dem Argument, Ausländer belegten Wohnungen, die Deutsche gebrauchen könnten? Gerade Ausländer leben in der Bundesrepublik vielfach in Wohnungen, die an Deutsche kaum zu vermieten wären. Kein Bad, Zentralheizung Fehlanzeige, oftmals schwam- mige und schimmelige Wände, Treppenflure unbeleuchtet und schmutzig, Wohnviertel, in die keiner ziehen möchte - so sehen doch in der Regel die Wohnungen aus, die angeblich den Deutschen weggenommen werden.
Wenn alle Ausländer die Bundesrepublik verliessen, würde in vielen Bereichen die Versorgung der Bevölkerung zusammenbrechen.

- Bei der Bundesbahn würden die 16 700 ausländischen Mitarbeiter auch durch eine Urlaubssperre für die verbleibenden deutschen Beschäftigten nicht ohne weiteres ersetzt werden können.

In den Zechen an der Ruhr beträgt der Ausländeranteil unter den Kumpeln immerhin 13,2 %.

- Im Dienstleistungsgewerbe würden unzaehlige Mitarbeiter fehlen. In zahlreichen Hotels muessten die Gaeste ihre Betten selber machen, in vielen Restaurants würde es kaum noch warme Speisen geben. Bewirtungszeiten in Gaststättenen würden noch länger, denn Bedienungskräfte waren schon immer knapp und wären es dann um so mehr.

Zusammenfassend kann man sagen, daß die türkischen Arbeitnehmer, trotz einiger Nachteile doch sehr positiven Einfluss auf die deutsche Wirtschaft ausueben.


VII. Anhang

VII.1. Liste der Schaubilder

Schaubild 1: Arbeitslosenquote im Fruehjahr 1983, S. 12

Schaubild 2: Ausländer-Familien nach der Nationalität, S. 13

Schaubild 3: Beschäftigte ausländische Arbeitnehmer nach Staatsangehörigkeiten in den Jahren 1954-1981, S. 15

Schaubild 4: Gegenüberstellung ausländischer und türkischer Arbeitnehmer nach Bundesländern, S. 20

Schaubild 5: Berg- und Talfahrt der Konjunktur, 1950- 1983, S. 25

Schaubild 6: Sparverhalten der türkischen Arbeitnehmer, S. 46

Schaubild 7: Sparverhalten der Bundesbürger, S. 51

Schaubild 8: Herkunft der türkischen Arbeitnehmer, S.68

VII.2. Liste der Tabellen

Tabelle 1: Entwicklung der Zahl der ausländischen Arbeitnehmer, S. 9

Tabelle 2: Türkische Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland, S. 16

Tabelle 3: Verteilung der türkischen Arbeitnehmer auf die Landesarbeitsamtsbezirke, S. 18

Tabelle 4: Verteilung der türkischen Arbeitnehmer nach Wirtschaftsbereichen, S. 21

Tabelle 5: Stellung der türkischen Arbeitnehmer im Beruf nach Geschlecht, S. 23

Tabelle 6: Wohnungsart der Türken nach Aufenthaltsdauer, S. 40

Tabelle 7: Die Aufteilung der Konsumausgaben der türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland, S. 49

Tabelle 8: Passivsalden der Übertragungsbilanz der Bundesrepublik Deutschland, die gesamten Überweisungen ausländischer Arbeitskräfte und der Geldtransfer türkischer Arbeitnehmer in die Türkei, S. 57

Tabelle 9: Die Einfuhr der Bundesrepublik Deutschland aus der Türkei und die Zahl der türkischen Arbeitnehmer in die Bundesrepublik Deutschland, S. 59

Tabelle 10: Die Ausfuhr der Bundesrepublik Deutschland in die Türkei und die Geldüberweisungen türkischer Arbeitnehmer aus der Bundesrepublik in die Türkei, S. 60

Tabelle 11: Die Verteilung des Imports der Türkei nach ausgewaehlten Ländern, S. 61

Tabelle 12: Anpassungstendenz der Befragten, S. 66

Tabelle 13: Unterbringung der Befragten, S. 71

Tabelle 14: Zahl der Personen auf einem Wohnraum, S.73

Tabelle 15: Häufigkeit des Wohnungswechsels, S. 74

Tabelle 16: Hauptgrund für den letzten Wohnungswechsel, S. 75

Tabelle 17: Die deutschen Sprachkenntnisse der türkischen Arbeitnehmer, S. 79

Tabelle 18: Sprachverhältnisse in der Familie, S. 79

Tabelle 19: Zahl der eingegangenen Bekanntschaften mit Deutschen, deren Quellen und Zufriedenheitsgrad, S. 84 und 85

Tabelle 20: Mit wem haben die türkischen Arbeitnehmer am liebsten Kontakt ?, S. 87

Tabelle 21: Freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen anderen Geschlechts, S. 88

Tabelle 22: Besuch der Moschee, S. 94

Tabelle 23: Arbeitsstunden pro Woche, Dauer des Weges zur Arbeitsstelle pro Tag, S. 96

Tabelle 24: Relative Häufigkeit von Freizeitaktivitäten, S. 99

Tabelle 25: Welche Sender hören Sie am liebsten ?, S.103

Tabelle 26: Lesegewohnheiten bei Zeitungen, S. 104

Tabelle 27: Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern, S. 109

Tabelle 28: Zufriedenheit mit den Vorgesetzten und Vorarbeitern, Vergleich nach der Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels, S. 110

Tabelle 29: Zufriedenheit mit deutschen Arbeitskollegen, S. 111

Tabelle 30: Gründe für die Loesung des Arbeitsverhältnisses, S. 112

Tabelle 31: Rückkehrabsichten nach Länge des Aufenthaltes, S. 118

VII.3. Fragebogen

Probleme kultureller und gesellschaftlicher Integration türkischer Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland

Zeitpunkt der Untersuchung: ..............

01) Alter: ...........

02) Geschlecht:
02a) männlich O
02b) weiblich O

03) Seit wann sind Sie in der BRD? Seit ...... Jahren

04) Familienstand:
04a) ledig O
04b) verheiratet O
04c) verwitwet O
04d) geschieden O

05) Sind Ihre Familienangehörigen in Deutschland?
05) ja O
05) nein O

06) Was ist Ihre jetzige Arbeitsstellung?
06a) Hilfsarbeiter O
06b) Facharbeiter O
06c) Angestellter O
06d) andere (welche)...........

07) Würden Sie mir sagen, wieviel Sie in den letzten drei Monaten durchschnittlich netto verdient haben?
07) ............ DM pro Monat

08) Wie schätzen Sie Ihr Einkommen ein, wenn Sie es mit dem Einkommen der deutschen Arbeitskollegen vergleichen?
08) Ich verdiene:
08a) mehr O
08b) gleich O
08c) weniger O

09) Legen Sie monatlich einen Betrag zurück?
09) ja O
09) nein O
09) Wenn ja, wie hoch ist dieser Betrag? ........ DM pro Monat

10) Wozu wollen Sie dieses Geld verwenden?
10a) Anschaffung O
10b) Unterstützung der Familienangehörigen O
10c) andere (welche):...........

11) Schicken Sie Geld nach Hause?
11) ja O
11) nein O

12) Wenn ja, an wen bzw. wozu?
12a) auf ein eigenes Sparbuch O
12b) an die eigene Familie O
12c) um die Rückkehr vorzubereiten O
12d) um Schulden zu bezahlen O

13) Art der Wohnung:
13a) eigene Wohnung O
13b) Heim O
13c) eigenes Zimmer O
13d) sonstige Unterkunft O

14) Wie groß ist Ihre Wohnung bzw. Ihr Zimmer? .......... qm.

15) Wieviel Raeume haben Sie? ........ Zimmer
15) Wieviel Person sind Sie in der Wohnung? .......

16) Wieviel Familien wohnen zusammen in dem Haus und wieviele davon sind Türken?
16a) Zahl der Familien:.............
16b) davon Türken:.............

17) Wie teuer ist Ihre Wohnung bzw. Ihr Zimmer? ........DM

18) Haben Sie öfters die Wohnung gewechselt?
18) ja O
18) nein O
18) Wenn ja, wie oft? ........ mal

19) Wie haben Sie Ihre Wohnung bzw. Ihr Zimmer gefunden?
19a) durch Anzeige O
19b) durch Bekannte O
19c) durch andere (welche).....

20) Welche Sprache sprechen die Ehepartner überwiegend miteinander?
20a) türkisch O
20b) deutsch O

21) Welche Sprache sprechen die Eltern mit Kindern?
21a) türkisch O
21b) deutsch O

22) Welche Sprache sprechen die Kinder miteinander?
22a) türkisch O
22b) deutsch O

23) Welche Schule besuchen Ihre Kinder?
23a) türkische O
23b) deutsche O

24) Kommen Ihre Kinder in der Schule zurecht?
24) ja O
24) nein O

25) Wie ist Ihre persönliche Einstellung zu der deutschen Lebensart?
25a) Isolation O
25b) Akkumulation O
25c) Integration O

26) Sprechen Sie Deutsch?
26) ja O
26) Nein O
26) Wenn ja:
26a) fliessend O
26b) gebrochen O

27) Können Sie Deutsch lesen bzw. schreiben?
27) ja O
27) nein O

28) Gehen Sie in die:
29a) Moschee O
29b) Kirche O

29) Wenn ja, wie oft?
29a) oft O
29b) selten O

30) Lesen Sie?
30) regelmäßig O
30) gelegentlich O
30) nie O
30a) türkische Zeitung bzw. Zeitschriften O
30b) deutsche Zeitung bzw. Zeitschriften O

31) Besitzen Sie ein Radio?
31) ja O
31) nein O
31) Wenn ja, welche Sender hören Sie am liebsten?
31a) türkische O
31b) deutsche O
31c) andere.......

32) Besitzen Sie ein Fernsehapparat?
32) ja O
32) nein O

33) Durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche? Ist das Ihr:
33) Hauptberuf O
33) oder Nebentätigkeit O
33a) Stunden pro Woche:........
33b) Länge des Arbeitsweges:........ Min. pro Tag

34) Ich habe eine Liste, auf der Freizeitmöglichkeiten verzeichnet sind. Sagen Sie mir bitte zu jeder dieser Möglichkeiten, wie häufig Sie das tun. Und zwar mit sehr oft; öfters; manchmal; selten; nie.
34a) Besuch zu Hause..............
34b) Vereine..............
34c) Kino, Gaststättene, Tanzlokal...........
34d) Theater, Konzert.............
34e) Vorträge, Volkshochschule..........
34f) Religioese Veranstaltungen..............
34g) Sport..............
34h) Radio, Fernsehen, Tonband, Video.............
34i) Bücher, Zeitungen, Zeitschriften.............
34j) Hobby, Sammeln.............

35) Interessieren Sie sich für Politik oder ist diese für Sie weniger interessant?
35a) sehr stark O
35b) stark O
35c) etwas O
35d) kaum O
35e) gar nicht O

36) Sind die Mehrzahl Ihrer Bekannten in der BRD
36a) Landsleute O
36b) Deutsche O
36c) andere.......
36d) Keine Stellungnahme O

37) Wieviele deutsche Familien haben Sie kennengelernt?
37a) eine O
37b) 2 bis 3 O
37c) 4 bis 5 O
37d) 6 oder mehr O
37e) keine O

38) Wie gut ist der Kontakt mit diesen Familien?
38a) sehr gut O
38b) gut O
38c) schlecht O
38d) weder gut noch schlecht O
38e) sehr schlecht O

39) Haben Sie Kontakte zu einzelnen (unverheirateten) Deutschen?
39) ja O
39) nein O

40) Wenn ja, wie gut ist der Kontakt zu diesen?
40a) sehr gut O
40b) gut O
40c) schlecht O
40d) weder gut noch schlecht O
40e) sehr schlecht O

41) Wie haben Sie Ihre deutchen Freunde oder Freundinnen kennengelernt?
41a) im Betrieb O
41b) durch Bekannte O
41c) im Tanzlokal O
41d) in der Schule O
41e) in Vereinen O
41f) beim Sport O
41g) sonstiges...........

42) Mit wem haben Sie am liebsten Kontakt? Mit:
42a) Landsleuten O
42b) Deutschen O
42c) anderen O

43) Wurden Sie schon einmal von Deutschen privat ein geladen?
43) ja O
43) nein O

44) Bei wievielen Familien waren Sie schon privat eingeladen?
44a) einmal O
44b) 2 bis 3 mal O
44c) 4 bis 5 mal O
44d) 6 mal oder mehr O

45) Zufriedenheit mit dem Vorgesetzten und Vorarbeiter im Betrieb?
45a) zufrieden O
45b) unzufrieden O
45c) teils-teils O

46) Wie sind Ihre Beziehungen gegenüber Ihren deutschen Arbeitskollegen?
46a) sehr gut O
46b) gut O
46c) zufrieden O
46d) schlecht O

47) Wie oft haben Sie Ihren Arbeitsplatz gewechselt? ........
47) Wenn ja, warum? Wegen ...........................

48) Haben Sie Schwierigkeiten mit den deutschen Gesetzen?
48a) ja O
48b) nein O
48c) manchmal O

49) Haben Sie zur Zeit eine Arbeitsstelle?
49) ja O
49) nein O
49) Wenn nein, seit wann sind Sie arbeitslos? ........

50) Wie lange wollen Sie noch in der BRD bleiben?
50) ..............Monate
50) oder ...................Jahre

51) Aus welchem Teil der Türkei kommen Sie?
51a) Ort...............
51b) Einwohnerzahl...........

52) Was für eine Tätigkeit werden Sie in Ihrer Heimat nach der Rückkehr ausueben?
52a) Selbständig O
52b) in einem Betrieb O
52c) andere (welche) ......

53) Sind Sie mit dem bisherigen Aufenthalt in der BRD zufrieden? ..........
53) Wenn nein, warum nicht? ...............................

VII.4. Literaturverzeichnis

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NRZ vom 21.01.83, Nr. 17

OECD - Serie A (Monatsbericht) Foreign Trade

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Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Vor dem Aufschwung, Jahresgutachten 1975/76

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Statistisches Bundesamt, Fachserie 1, Reihe 1.4., Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ausländer 1982

Derselbe: Fachserie 1, Reihe 4.2., Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer, 1982

Derselbe: Struktur-Daten über Ausländer in der Bundesrepublik Deutschland, 1982

Derselbe: Wirtschaft und Statistik 2/80, Wiesbaden

Derselbe: WiSta 7/1982, Bevölkerungsentwicklung

Statistisches Jahrbuch 1978 und 1982
Tuchtfeld, E.: Das Problem der ausländischen Arbeitskräfte in der Schweiz

Unat, N., Rusen, K., u.a.: Goec ve Gelisme, Ankara

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Werth, M.: Türkische Arbeitnehmer-Gesellschaften, Bd. 2. Evaluierung von Betriebsgruendung in der Türkei, 2. Aufl., Bonn 1975

Winterberg, G.: Das Problem der Fremdarbeiter in der Schweiz, in: Monatshefte für Politik, Wirtschaft und Kultur, H. 2, 1961

Wittmann, W.: Wachstum- und Konjunkturaspekte des Fremdarbeiterproblems, in: Wirtschaft und Recht, H. 4, 1962

VII.5. Fussnoten

(Fn001) S. Barkin; The Economic Costs and Benefits and Human Gains and Disadvantages of International Emigration, in: The Journal of Human Resources, 1968, II. 4, S. 497

(Fn002) Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, soziale Auswirkungen des technischen Fortschritts, Berlin-München, 1962

(Fn003) Kruse, A., der deutsche Arbeitsmarkt und die Gastarbeiter, Schmollers Jahresbuch, 86-2, S. 428

(Fn004) Forschungsbericht 1980, Hrsg. Der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, S. 2

(Fn005) Vgl. die Ausfuehrung in Abschnitt 7.4.2 Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis

(Fn006) Bevölkerungsentwicklung 1981 in WiSta 7/1982, S. 504

(Fn007) Vgl. Unat, N. A./Rusen, K., u.a., Goec ve Gelisme, Ankara, o.j., S. 28

(Fn008) Ekin, N., Die Türkei und türkische Arbeitnehmer, Cumhuriyet vom 04.04.82, S. 2

(Fn009) Wirtschaft und Statistik 2 / 80, Hrsg. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

(Fn010) Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ausländer 1982, a.a.O.

(Fn011) Bundesanstalt für Arbeit, Nuernberg, 1982

(Fn012) Erfahrungsbericht der BAVAV 1967, S. 3

(Fn013) Ebenda, S. 13

(Fn014) Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Fachserie 1, 1982, a.a.O.

(Fn015) Burns, A. F. und Mitchell, W. C., Measuring Business Cycles, New York 1947, S. 3

(Fn016) Lutz, V., Foreign Workers and Domestic Wage Levels with an Illustration from the Swiss Case

(Fn017) Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Fachserie 1, a.a.O.

(Fn018) Schmidt, H., Gute Erfahrungen mit ausländischen Arbeitskräften, in: Wirtschaftsdienst, 1965, H. 13, S. 639

(Fn019) Informationsbroschuere der Ford-Werke Köln, 1983

(Fn020) Vgl. Laufkoetter, F., Das Verhältnis zwischen einheimischen und fremden Arbeitern, in: Sozialistische Monatshefte, Jg. 8, Bd. 2, S. 801 ff.

(Fn021) Kleeis, F., Die ausländischen Arbeiter in Deutschland, in: Sozialistische Monatshefte, Jg. 22, Bd. 1, S. 328

(Fn022) Keynes, J. M., The General Theory of Employment, Interest and Money, London 1936

(Fn023) Vgl. Ohlin, B., The Problem of Employment Stabilization, New York 1949

(Fn024) Eigene Erhebung mit Hilfe statistischer Daten aus "Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit vom 23.August 1983, S. 1035 und aus "Leistung '81 in Zahlen, Hrsg. BMWI, S. 34

(Fn025) Vgl. S. 21 f.

(Fn026) Vgl. S. 31

(Fn027) Vgl. z.B. Winterberger, G., Das Problem der Fremdarbeiter in der Schweiz, S. 276 ff.; Wittmann, W., Wachstum- und Konjunkturaspekte des Fremdarbeiterproblems, S. 120 ff.; Keller, Th., Volkswirtschaftliche Aspekte des Fremdarbeiterproblems, S. 341 ff.

(Fn028) Vgl. IW-Trends, Indikatoren, Prognosen, Analysen 3/83 , Hrsg. DIW, Köln, S. 8 ff.

(Fn029) Vgl., IW-Trends, a.a.O., S. 15

(Fn030) Kruse, A., Der deutsche Arbeitsmarkt und die Gastarbeiter, in: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, Jg. 86, 1967, S. 432 f.

(Fn031) Ruestow, H.J., Gastarbeiter - Gewinn oder Belastung für unsere Volkswirtschaft, in: Wirtschaftsdienst, Jg. 45, 1965, H. 12, S. 632; derselbe, in: Probleme der ausländischen Arbeitskräfte in der Bundesrepublik, H. 13, Berlin 1966, S. 36 ff.

(Fn032) Eigene Erhebung

(Fn033) Deutsche Bank, unter Berücksichtigung der auf Heimatreisen mitgenommenen Beträge.

(Fn034) Vgl. Tuchtfeld, E., Das Problem der ausländischen Arbeitskräfte in der Schweiz, S. 643

(Fn035) Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ausländer 1982, a.a.O. S.53

(Fn036) Ebenda

(Fn037) Forschungsbericht, Repräsentativuntersuchung'80, a.a.O., S 448

(Fn038) Statistisches Bundesamt, Strukturdaten über Ausländer,1982

(Fn039) Vgl. S. 22

(Fn040) Ich übertrage hier Begriffe, die im Zusammenhang mit dem Faktor Kapital gebraeuchlich sind, auf den Faktor Arbeit.

(Fn041) Konjunkturpolitik neu betrachtet, Studien-Reihe 38, Hrsg. Bundesminister für Wirtschaft, S. 2

(Fn042) Senguel, Oe., Almanya'daki Türk Iscilerinin Tasarruflari, Ankara 1982, S. 104

(Fn043) Kunkel, K., Die Deutschen halten uns für bloed..., Köln 1975, S. 73

(Fn044) Kudat, A., Internationale Arbeitskräftewanderung, Hrsg. Internationales Institut für vergleichende Gesellschaftsforschung am Wissenschaftszentrum, S. 154

(Fn045) Repräsentativ-Untersuchung' 80, a.a.O., S. 449

(Fn046) Vgl. hierzu Kunkel, K., a.a.O., S. 80 f

(Fn047) Voigt, F., Die Gastarbeiter in der Bundesrepublik Deutschland, in: Die Mitarbeit, Zeitschrift zur Gesellschafts- und Kulturpolitik, Jg. 23, H. 4, S. 302

(Fn048) Salowsky, H., Gesamtwirtschaftliche Aspekte der Ausländerbeschäftigung, in: Ursachen und Auswirkungen der Ausländerbeschäftigung, mit Schiller, G., S. 33 Vgl. hierzu auch Hornhues, K., Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte, Diss. Muenster 1970, S. 143

(Fn049)) Vgl. Salowsky,H., ebenda, S. 64

(Fn050) Vgl. Lewis. W., Die Theorie des wirtschaftlichen Wachstums, Tuebingen 1956, S. 60; Vgl. auch Cassel, G., Theoretische Sozialökonomie, S. 30

(Fn051) Rudloff, H., Vermögensbestand, Sparverhalten und Wirtschaftswachstum, Untersuchungen über das Spar-, Giro- und Kreditwesen, Hrsg. Voigt, F., Bd. 47, Berlin 1969, S. 19

(Fn052) Ehrlicher, W., Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Formen des Sparens, in: Beiträge zur Theorie des Sparens und der wirtschaftlichen Entwicklung, Untersuchungen über das Spar-, Giro- und Kreditwesen, Hrsg. Voigt, F., Band 1, S. 130

(Fn053) Repräsentativ-Untersuchung' 80, a.a.O., S. 263

(Fn054) Vgl. Hoepfner, K., Ramann, B.,Rueruep, B., Ausländische Arbeitnehmer, gesamtwirtschaftliche Probleme und Steuerungsmöglichkeiten, Bonn 1973, S.52

(Fn055) Deutsche Bundesbank, Geschäftsbericht für das Jahr 82, S. 23

(Fn056) Vgl. Frey, M., Müller, U., Ausländer bei uns - Fremde oder Mitbürger -, Bonn 1982, S. 222

(Fn057) Jahresgutachten 1975/76: Vor dem Aufschwung, Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, S. 40

(Fn058) Müllers, P., Die Bedeutung der Industrialisierung unterentwickelter Länder für den deutschen Industrieexport, Deutsches Übersee-Institut, Probleme der Weltwirtschaft, Hamburg 1968, S. 132

(Fn059) Deutsche Bundesbank, Geschäftsbericht für das Jahr 1982, S. 4 f.

(Fn060) Bundesgesetzblatt 1959, S. 44

(Fn061) Repräsentativuntersuchung'80, a.a.O., S. 472 ff.

(Fn062) Zitiert in Informationsdienst zur Ausländerarbeit 2/81

(Fn063) Vgl. u.a. "Ausländische Mitbürger in unseren Städten", Neue Schriften des Deutschen Städtetages, Heft 42, Köln 1981, S. 165 f.

(Fn064) Ebenda, S. 163 ff.

(Fn065) Homans, G.C., Theorie der sozialen Gruppe, Köln 1960, S. 133

(Fn066) Repräsentativuntersuchung'80, a.a.O., S. 480

(Fn067) Der Spiegel, Nr. 46/1981, S. 108

(Fn068) Frey, M. und Müller, U., Ausländer bei uns - Fremde oder Mitbürger, Band 186, Bonn, S. 384 f.

(Fn069) Maturi, zitiert bei Verena McRae, Die Gastarbeiter, München 1980, S. 81

(Fn070) Buettner, T., Das Informationsverhalten ausländischer Familien in Deutschland, Köln 1982

(Fn071) Ruessel, A., Arbeitspsychologie, Bern/Stuttgart 1961, S. 263

(Fn072) Hanhart, D., Arbeiter in der Freizeit. Eine sozialpsychologische Untersuchung, Bern/Stuttgart 1964, S. 208

(Fn073) Repräsentativuntersuchung`80, a.a.O., S.162 f.

(Fn074) Beschluss der Bundesregierung vom 03.02.1982; Bundestags-Drucksache 9/1629, S.1.

(Fn075) Bundestags-Drucksache 9/1629, S. 15.

(Fn076) Frankfurter Rundschau vom 15.07.1982

(Fn077) Informationsbrief Ausländerrecht 1982, S. 115.

(Fn078) Kölnische Rundschau vom 12.08.1983

(Fn079) Ebenda

(Fn080) Bevers, J., Türken Ausgezahlt und Abgeschoben in: Schauplatz, September 1983, Nr. 9, S. 22 ff.

(Fn081) Bevers, J., a.a.O., S. 22.

(Fn082) Bevers, J., a.a.O., S. 23 f.

(Fn083) Vgl. "Politik der Partner"; Hrsg. BMZ; Tabelle: Strukturdaten der Entwicklungsländer; Ernaehrung, Gesundheit, Köln 1977, S. 137

(Fn084) In der Türkei ist jeder Arbeitnehmer nach 25 Jahren Arbeitstätigkeit pensionsberechtigt. Der Rentenanspruch besteht für die Männer mit dem 55. und für die Frauen mit dem 50. Lebensjahr.

(Fn085) Vgl. Werth, M., Türkische Arbeitnehmer Gesellschaften, Bd.2, Evaluierung von Betriebsgruendung in der Türkei, Bonn 1975, S. 119


Ich versichere, die von mir vorgelegte Arbeit selbständig verfasst zu haben. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus veröffentlichten oder nicht veröffentlichten Arbeiten anderer entnommen sind, habe ich als entnommen kenntlich gemacht. Sämtliche Quellen und Hilfsmittel, die ich für die Arbeit benutzt habe, sind angegeben.

Köln, den 16.11.1983

Mine Sak


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