Die Begriffserklärungen wurden folgendem Buch entnommen:
Projekthandbuch: Gewalt und Rassismus,
von Ralf-Erik Posselt, Klaus Schumacher, hg.
v. AG-SOS Rassismus, NRW; Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen
Haus Villigst, Mülheim 1993, S. 100 - 112.
Es ist davon auszugehen, dass Rassismus immer dann vorliegt, wenn bestimmte
körperliche Merkmale oder Eigenschaften qualitativ bewertet werden, z.B. wenn Hautfarben
Rückschlüsse auf die geistigen Potenzen geben sollen. Des weiteren liegt Rassismus dann
vor, wenn gelerntes Verhalten, z.B. Intelligenz, naturalisiert, d.h. als angeboren
unterstellt wird. Diese Arten des Rassismus bezeichnet man auch als genetischen Rassismus.
Rassismus liegt z.B. auch vor, wenn behauptet wird, dass Frauen per se weniger
Rationalität, dafür von Geburt an aber mehr Gefühl zukomme als Männern usw.
Neben dem genetischen Rassismus gibt es einen sogenannten kulturellen Rassismus. Er liegt
immer dann vor, wenn bestimmte Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuche anderer als
negativ abweichend deklariert werden.
Dieser kulturelle Rassismus scheint auf dem Vormarsch zu sein. Auch diese Form des
Rassismus dient der Praxis der Ausschließung anderer, die man benötigt, um ihnen den
umkämpften Platz an der Sonne streitig zu machen. (1) Der Rassismus des sogenannten
"Ethnopluralismus" liegt darin, dass er eine Vermischung von Menschen, die
unterschiedlichen Kulturen angehören, nicht zulassen will. (2)
Darin geht die Vorstellung ein, dass bestimmte vorhandene genetisch bedingte und/oder
historisch-kulturell tradierte Eigenschaften und Lebensgewohnheiten dieser Völker sich
nicht nur mit den unseren nicht vertragen, sondern dass Rassen- und Völkermischung
zur
Degeneration der Menschheit, insbesondere zum Untergang der deutschen Menschheit, der
deutschen Nation führe. Der Rassismus der Rechtsextremen äußert sich heute also in der
Tat meist nicht mehr in Form von Antisemitismus. Er geht darüber hinaus: Man will die
Trennung aller sogenannter Menschen-" Rassen" und Völker oder, wie man auch
sagt: Ethnien. Den breiten Wählermassen wird dies dann mit Parolen wie "Deutschland
den Deutschen!, Die Türkei den Türken!", "Asylanten ausweisen!" oder aber
auch "Ausländer raus!" nahezubringen versucht! Für die Funktionäre werden
pseudowissenschaftliche Begründungen bemüht, wie z.B. ständig in der Zeitschrift
"Nation Europa", in der man sich immer wieder zu der Annahme versteigt, dass
Rassismus selbst eine angeborene Eigenschaft aller Menschen und deshalb niemals vermeidbar
sei. (3)
Hier wird deutlich, dass die Rede von der Ausländerfeindlichkeit eigentlich bereits
eine Verharmlosung darstellt, denn in den allermeisten Fällen liegt hier blanker
Rassismus vor. Dieses Wort "Rassismus" - in den anderen europäischen Ländern
gang und gäbe - ist in unseren Landen aber total verpönt. Er erinnert die Deutschen wohl
zu sehr an die Verbrechen des Dritten Reiches. Ethnopluralismus bedeutet also keineswegs
ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Völkern und Kulturen. Zusammen mit dem Anspruch
auf Herstellung bzw. Bewahrung der "nationalen Identität" des deutschen Volkes
wird gleichzeitig immer auch der Besitzanspruch auf Gebiete Polens formuliert, so dass von
dem Ziel eines friedlichen, gleichberechtigten Nebeneinanderlebens verschiedener Völker
nicht die Rede sein kann.
Die von den Rechtsextremisten behauptete Ungleichheit der Menschen, die nach ihrem
rassistischen Konzept gleichbedeutend mit einer Ungleichwertigkeit der Menschen ist,
durchzieht mehr oder minder verdeckt die gesamte ideologische Ansprache der heutigen
Rechtsextremen. Die äußeren körperlichen Ungleichheiten von Menschen geraten den
Rechtsextremen zu angeborenen Wesensunterschieden; kulturell erworbene Unterschiede werden
weder toleriert, noch gelten sie als veränderbar. Sie werden immer als etwas Negatives,
von der Norm Abweichendes, ja, als etwas Abartiges angesehen. Und dies ist die Grundlage
für die Haltung der Ausschließung alles Fremden, die sie propagieren und praktizieren.
Hier schließt sich der Kreis: Gelingt es den Rechtsextremen, sich wirklich vom
Hitlerfaschismus im Bewusstsein der Menschen abzukoppeln, sich vom Antisemitismus zu
distanzieren; gelingt es ihnen, ihren Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus
attraktiv erscheinen zu lassen, obwohl sie in Wirklichkeit prokapitalistisch eingestellt
sind, ist für sie der Weg frei, über die Schleuse der in der Bevölkerung breit
verankerten Ausländerfeindlichkeit und des in der BRD sehr verbreiteten rassistischen
Denkens ihre im Kern faschistische Weltanschauung im Bewusstsein der Menschen weiter zu
verbreiten. (4)
(zitiert nach Prof. Dr. S. Jäger, DISS, Duisburg, 1990)
Rassismus liegt immer dann vor, wenn bestimmte Merkmale von Menschen (z.B. Hautfarbe, Asylbewerber zu sein, Geschlecht usw.) mit bestimmten Eigenschaften gekoppelt werden (z.B. wenn von der Hautfarbe oder Herkunft auf die geistige, kriminelle oder sexuelle Energie o.ae. geschlossen wird) und durch diese Konstruktion eine Bewertung entsteht.
(Arbeitsgruppe - SOS - Rassismus)
Der Faschismus wurde 1919 durch B. Mussolini begründet. Er lebt von der Idee eines totalitären Staates unter der autori- tären Führung eines einzelnen (Duce) und vom grundsätzlichen Gegensatz gegen Kommunismus, Demokratie und Libera- lismus.
Beispiele:
Alle jene, die Antisemitismus und Judenvernichtung als Abweichung vom ansonsten richtigen faschistischen Weg ablehnen und unter Anwendung sozial revolutionärer Parolen für die Wiederherstellung faschistischer Herrschaft oder (in ihren Worten) des einzig wahren "Volkssozialismus" eintreten, müsste man als Neofaschisten bezeichnen.
Faschisten erkennt man in aller Regel daran, dass sie offen oder heimlich drei Grundprinzipien verfolgen:
(AG - SOS - RASSISMUS).
Wer Kennzeichen wie Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen oder Grussformeln (Hitlergruss) ehemaliger nationalsozialistischen Organisationen verwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldbusse bestraft. Anzeigen nimmt jede Polizeidienststelle entgegen!
Wer heute immer noch oder schon wieder die Ideologie und die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse des National- sozialismus für erstrebenswert, verteidigungs- würdig und nachahmenswert hält bzw. sie in seinen Schriften und Taten verherrlicht, gleichviel ob als "Einzelkämpfer" oder als Organisation, der muss zur Gruppe der Neonazis gerechnet werden.
Die nationalsozialistische Weltanschauung gründet vor allem auf zwei Texten: 1. Hitlers "Mein Kampf", 2. A. Rosenbergs "Der Mythos des 20. Jahrhunderts". Der Nationalsozialismus ist eine Form des Faschismus. Er unterscheidet sich vom historischen Faschismus Mussolinis durch den Rassismus (den Wahn einer arischen Überlegenheit), den Antisemitismus und seine industrialisierte Mordpraxis, die Perfektion in der Nutzung des gesamten Staatsapparates für die gnadenlose Durchsetzung der Führerideen. Er entspricht dem Faschismus in jeder anderen Hinsicht, besonders in seinem grundsätzlichen Antikommunismus, Anti- demokratismus, Antiliberalismus und seinem Irrationalismus.
Mit Nationalismus wird eine Einstellung bezeichnet, die die legitime Liebe zum eigenen
Land übersteigt, das eigene Volk zum höchsten Sinn des Daseins macht und die ganze
Hingabe des einzelnen für dieses Volk fordert.
Mit dem Nationalsozialismus verbindet sich ein übersteigerter Anspruch auf
Selbstbehauptung, eine arrogante Exklusivität und ein Überlegenheitsgefühl gegenüber
anderen Nationen. Solcher Nationalismus steht der Annäherung zwischen den Völkern
feindlich gegenüber und kann in Fremden- oder Rassenhass abgleiten. Die Interessen der
eigenen "Volksgemeinschaft" werden überbetont. Grundsätze der repräsentativen
parlamentarischen Demokratie werden abgelehnt, und rassistische Tendenzen ver- binden sich
mit ihm. Dieser Nationalismus ist geprägt durch die Bildung zahlloser Gruppen mit einer
militanten Anhängerschaft und der Verbreitung von extremistischen, rassistisch- en und
ausländerfeindlichen Inhalten sowie durch die Teilnahme an Wahlen. Dieser Nationalismus
kann sich heute z.B. darin ausdrücken, dass an hessischen Schulen auch die erste Strophe
des sog. Deutschlandliedes gelernt werden muss:
"Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt..."
Auch wenn in der BRD oft von Ausländerfeindlichkeit gesprochen wird, geht es um Rassismus. Der Begriff Ausländerfeindlichkeit meint, dass eine Feindschaft gegenüber Ausländern gegeben sei - übersehen wird aber, dass gleichzeitig eine deutliche Trennung zwischen z.B. Schweden, Franzosen, Holländern usw. einerseits und z.B. Türken, Kanaken, Afrikanern usw. andererseits vollzogen wird. Lies also bitte bei Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit weiter.
Neben dem programmatischen Rassismus gibt es eine Ablehnung von Fremden, die als
Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit bezeichnet wird und in dem Gefühl der
Überlegenheit des eigenen Volkes begründet ist. Mit dieser Fremdenfeindlichkeit werden
ablehnende Einstellungen und Verhaltens- weisen bezeichnet, die Menschen wegen anderer
Herkunft, Sprache, Religion oder Kultur diskriminieren.
Gemeinsam ist der Fremdenfeindlichkeit bzw. dem Ethnozentrismus und dem Rassismus, dass
sie von der Überlegenheit und Höherwertigkeit, der gerechten Unterordnung der Minderheit
ausgehen. Ungleich- wertigkeit zwischen den Gruppen werden behauptet und Diskriminierungen
gerechtfertigt. Unterschiedlich sind die Behauptungen, worauf das Ungleichverhältnis
beruht: Der Ethnozentrismus geht von der Überlegenheit der eigenen Kultur aus, der
Rassismus darüber hinaus von der angeblichen Überlegenheit des sog. "Erb-
gutes". Der Rassismus geht also von der prinzipiellen Unveränderbarkeit der
behaupteten Ungleichheit und Ungleichwertigkeit aus (n. F. Heckmann, !987).
Von einem rassistischen Verhalten ist dann zu sprechen, wenn einzelne oder Gruppen daran
festhalten, dass Diskriminierungen von anderen, z.B. aus biologischen Gründen, zu
rechtfertigen seien. Wo diese Unterschiede zwischen den Menschen interpretiert und zu
eigenen Gunsten gewertet werden, da handelt es sich um Rassismus.
Nicht die Wahrnehmung eines Unterschiedes ist also entscheidend, sondern der Gebrauch des
Unterschieds zum eigenen Vorteil und als Waffe gegen das Opfer. Die angeblichen, z.B.
biologischen Merkmale des anderen werden negativ gesehen. Der Rassist rechnet sich selbst
zur guten Welt und seine Opfer zur Welt des Bösen. Der Sinn und Zweck des Rassismus liegt
in der Vorherrschaft. Wo Rassismus auftaucht, da geht es um die Unterdrückung von
Menschen.
Radikal ist und bleibt für mich ein positiver und hoffnungsvoller Begriff, der es
nicht verdient, einer rechtsextremen oder gar militant-faschistischen Organisation
zugeschrieben zu werden. Denn der lateinische Begriffsursprung "radix" oder
"radicalis" erinnert daran, dass das Radikale "bis in die Wurzel"
dringt und nicht identisch ist mit dem Extremen (extremus = der äußerste bzw. letzte
Teil).
Das ist keine Wortklauberei, sondern soll zur Orientierungshilfe und Wertefindung
beitragen. Oft wird geklagt, rechtsextreme Einstellungen seien ein Ergebnis von
Orientierungslosigkeit und Werteverfall. Nun, so füge ich hinzu, dann lasst uns das im
Umgang mit Schülern schnellstens ändern, indem wir mit ihnen gemeinsam gründlich
"bis in die Wurzel" der politischen Erscheinungen vordringen.
Eine radikale Sicht auf aktuelle Erscheinungsformen von personaler, struktureller und
institutioneller Gewalt hat Erinnerungs-, Erkenntnis- und Aufklärungs- arbeit zur
Konsequenz und eröffnet per- spektivische Handlungsmöglichkeiten. Sie verhindert
unreflektierte Anpassung oder Unterordnung und fördert das Bedürfnis von Schülern, die
normierte Erwachsenenwelt zu hinterfragen und andere als vorgegebene Bedürfnisse bei sich
zu entdecken. Wenn wir uns daraufeinlassen, uns mit unseren Schülern radikal gegen Gewalt
und Rechtsextremismus zu verhalten, dann tragen wir gleichzeitig zu einem couragierten
Denken und Handeln bei, das seinerseits wiederum gegen einen Untertanengeist immunisiert,
der besonders in rechtsorientierten Kreisen anzutreffen ist.
(aus: G. u. A. Preuschoff, Gewalt an Schulen. PapyRossa Verlag, Köln 1992 - s. auch S. 349)
Im Terminus "Rechtsradikalismus" ist die zweite Begriffshälfte in der Tradition der bürgerlichen Aufklärung positiv besetzt im Sinne des "an der Wurzel packen", also an der Wurzel jener Herrschaftsverhältnisse, die Emanzipation verhindern. Mit dem Begriff "rechts" entsteht hier eine eher bizarre Verbindung, nun gerichtet gegen die politischen und sozialen Traditionen von Emanzipationsbewegungen, insbesondere der Arbeiterbewegung.
Rechtsextremismus liegt immer dann vor, wenn die beiden Grundelemente der "Ungleichwertigkeit von Menschen" und die der Gewaltakzeptanz zusammen-fliessen. Der Ungleichwertigkeit von Menschen als zentralem, integrierendem Kernstück rechtsextremistischer Ideologien entsprechen etwa folgende Facetten:
Der Gewaltperspektive und -akzeptanz als zentralem, integrierendem Kernstück rechts- extremistischen politischen Verhaltens entsprechen etwa folgende Facetten:
Manche Aggressionstheorien verstehen Aggression als Verhalten, andere definieren sie
als Bedürfnis. Wenn Aggression ein Verhalten ist, das auf Schädigung und Verletzung
zielt, so ist sie wegen ihrer negativen Folgen nicht erwünscht. Wird Aggression als
"affekt-bedingtes Angriffsbedürfnis" (dtv-Lexikon) verstanden, so ist sie etwas
ganz "Normales", das jeder von uns fast täglich spürt und das keinesfalls
unterdrückt werden sollte. Vielmehr kommt es darauf an, Aggressionen auf offene, nicht
verletzende Art auszutragen.
Unstrittig ist, dass Frustration (die Einschränkung von Bedürfnissen und Zielen)
Aggression fördert. Aber nicht jede Einschränkung führt zu Aggression - aggressives
Verhalten ist von mehreren Faktoren abhängig.
Bewiesen ist heute auch, dass ein geringes Selbstwertgefühl, Versagen in der Schule und
ein negatives Selbstbild Aggressionen begünstigen (Schwind/ Baumann). Aggressionen
Können sich aber auch nach innen richten und zu Sprachstörungen, Krankheiten,
Depressionen oder im Extrem- fall zu Selbsttötungsabsichten führen. Wut und Angst sind
Gefühle, die sich hinter aggressivem Verhalten verbergen. Es sind "normale"
Gefühle, die jeder Mensch hat und derer sich niemand zu schämen braucht. Unterdrückte
Gefühle wirken im Unbewussten weiter und tauchen versteckt wieder auf - und unterdrückte
Energie sucht sich Ersatzziele. "Viele der bekannten Formen fehlgeleiteter Aggression
wie Herrschsucht, Vorurteile und Grausamkeit gegen Schwächere lassen sich zurückführen
auf innerhalb der Familie entstandene, aber unterdrückte aggressive Gefühle."
(Bach/Goldberg)
Fassen wir zusammen: Aggressionen, verstanden als "affektbedingtes Angriffs-
bedürfnis" oder gar als Verhalten, das nicht passiv ist, hat jeder Mensch in unseren
Breitengraden. Sie auf nicht-verletzende Art in offener Konfrontation ausdrücken zu
dürfen und sich der dahinterstehenden Gefühle nicht schämen zu müssen, sollte das
Recht eines jeden Menschen - insbesondere eines jeden Kindes - sein. In der Schule sollten
die verschiedensten Konflikte offen ausgetragen werden dürfen. Hierzu muss Zeit und Raum
geschaffen werden, und viele Kinder werden die Unterstützung ihrer Lehrerinnen und Lehrer
brauchen, damit sie Möglichkeiten finden, Konflikte fair auszutragen.
Aggressionen in Form von unsozialem, destruktivem Verhalten hingegen ist Ausdruck geringer
Selbstachtung und tiefer Verunsicherung, von Angst und Frustration. Sie muss als Hilferuf
verstanden werden.
Manifestiert sich Aggressivität derart, dass Menschen zielgerichtet physisch oder psychisch geschädigt werden, wird von Gewalt gesprochen. Gewalt ist immer an Macht geknüpft, denn nur Macht ermöglicht dauerhafte, zielgerichtete Aggressionen wie
Der norwegische Friedensforscher Johan Galtung hat den Begriff der strukturellen Gewalt
geprägt, womit er gesellschaftlich grundlegende Ordnungssysteme und ökonomische
Prinzipien meint, die materielle, soziale und ideelle menschliche Entwick- lungen und
Lebenszukunft verhindern.
Strukturelle Gewalt wird legal ausgeübt in Form von Maßnahmen, Erlassen und Gesetzen,
die viele Menschen nicht durchschauen und die höchst selten in ihrem Interesse liegen,
die sie aber doch auf eine für sie diffuse Weise mittragen. So müssen Schrebergärten
und natürliche Grünflächen Autobahnen weichen, werden Mieten erhöht, Gelder
gestrichen, Abgaben verlangt, Landschaften mit Müll vollgekippt, Kindereinrichtungen und
Modellversuche, die breiten Anklang finden, von Sparmaßnahmen bedroht. Es ist
widersinnig, dass Gewalt minimierende Projekte (wie Kinderbauern- Höfe, Jugendzentren
Arbeitsgemeinschaften, Jugendcafes und Fördermaßnahmen) gestrichen werden, während
gleichzeitig über zunehmende Gewalt geklagt wird!
(aus: G. u. A. Preuschoff, Gewalt an schulen. PapyRossa Verlag, Köln 1992 - 5. auch 5. 349) (...)
Mit Gewalt und Gewaltanwendung muss man sich nicht abfinden. Gewaltanwendung in der Gesellschaft lässt sich vermindern, Gewaltanwendung in der Erziehung laesstsich vermindern, Gewaltanwendung unter Partnern zerstört die Partnerschaft, internationale Gewalt lässt sich kontrollieren und regulieren und verhindern. Mahatma Ghandi hat vorgelebt, was Gewaltlosigkeit bewirken kann, Martin Luther King hat mit seinem Lebenszeugnis aufgezeigt, welche Macht und welches Veränderungspotential in der Gewaltlosigkeit steckt, in der richtig angewandten gewaltlosen Aktion. Wir Können Strategien der Gewaltlosigkeit entwickeln, in unseren Jugendgruppen, in der Gesellschaft, in der Schule, in der Familie, in unserer Partnerschaft. Streitigkeiten lassen sich anders lösen als durch Gewalt. Konflikte lassen sich anders bearbeiten als durch Gewalt. Wir müssen die Kultur des Streites lernen und die Kultur der Konfliktaustragung lernen. Da sind wir alle noch Anfänger.
(Rudi Pahnke, Textauszug aus dem Kirchentagsreferat: Was Können Jugendliche gegen Gewalt tun, ZaW, Dortmund, 1991) (...)
Hass: ein gegen Personen oder soziale Gruppen (Stände, Völker, Rassen, Minderheiten) gerichteter Vernichtungsaffekt, von besonders stark ausstrahlender Wirkung auf alles mit den gehassten Personen Zusammenhängende. Im Unterschied zur Antipathie ist der Hass besonders affektstark, aber vom "gerechten" Zorn zu unterscheiden. Tatsächlich entsteht Hass oft aus Gründen, die dem Bewusstsein zunächst entzogen sind, z.B. aus Angst, verletztem Selbstgefühl, Um- schlagen von Liebe in Hass (Hassliebe, Ambivalenz). Das Bewusstmachen der seelischen Gründe kann oft zur Überwindung des Hasses beitragen. (aus: Brockhaus Enzyklopädie)
(aus: Projekthandbuch Rechtsextremismus, 1989. Shirin Pargas)
"Verhaltensweisen, die einen Menschen aufgrund seines Geschlechtes benachteiligen. Mit Sexismus kennzeichnet insbesondere die Frauenbewegung das diskriminierende Verhalten von Männern gegenüber Frauen in Politik, Arbeitswelt und Gesellschaft. Sexismus beruht auf dem Vorurteil, dass die Frau aufgrund ihrer biologischen Geschlechtszugehörigkeit dem Mann körperlich und intellektuell unterlegen sei. Sexismus wird überall dort deutlich, wo Frauen zuerst als Geschichtswesen und erst dann als Menschen betrachtet und behandelt werden."
(aus: "Aktuell-Lexikon", Chronik Verlag)
Sexismus ist der Glauben an die Höherwertigkeit des männlichen und die Minderwertigkeit des weiblichen Geschlechts. Der Begriff Sexismus wurde in Anlehnung an den Begriff Rassismus geprägt. Er bezieht sich nicht nur auf individuelle Vorurteile, sondern auch auf institutionalisierte Diskriminierung.
Sexismus zieht sich wie ein glühender roter Faden durch die Geschichte und die alltäglichen Lebensbereiche von Frauen. Die verharmlosende Begriffserklärung "Benachteiligung der Frau" ist bei weitem nicht ausreichend für eine von Männern dominierte Kultur, die kontinuierliche Herrschaft und Gewalt gegen Frauen ausübt.
Aufrechterhalten und gestützt wird Sexismus durch die geschlechtsspezifische
Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen: Aufgrund ihrer Gebärfähigkeit und der damit
verbundenen Schwangerschaft wird den Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft der
Bereich des Haushalts und der Kindererziehung zugewiesen. Sie sind außerdem zuständig
für die Rekreation des Mannes, in der Familie soll er sich erholen, um seine
gesellschaftlich anerkannte Arbeitskraft zu erhalten. Zugleich wird der Erziehungsarbeit
und Hausarbeit der Frauen eine geringe Bedeutung beigemessen, sie wird unbezahlt
geleistet. Die Zuordnung der Frauen in den häuslichen Bereich hat erhöhte Verfügbarkeit
und Machtlosigkeit zur Folge: Frauen haben keinen Zugang zum Bereich der Öffentlichkeit,
zu finanziellen Ressourcen, zur politischen Macht. Der Sexismus in unserer Gesellschaft
liegt in der irrigen biologischen Ansicht begründet, die "natürliche"
Bestimmung der Frauen liege in der Familie.
"Feminismus ist als politische Bewegung die Antwort auf alle Spielarten des Sexismus,
denen Frauen gegenwärtig ausgeliefert sind. Feminismus bedeutet Kampf gegen den
Sexismus."
(M. Janssen-Jurreit)
(aus: Sexismus, Gewaltfreie Aktion, Baden).