Kleines Lexikon


Was ist eigentlich Rassismus, Gewalt, Sexismus, Faschismus ...

Die Begriffserklärungen wurden folgendem Buch entnommen:

Projekthandbuch: Gewalt und Rassismus,
von Ralf-Erik Posselt, Klaus Schumacher, hg.
v. AG-SOS Rassismus, NRW; Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen Haus Villigst, Mülheim 1993, S. 100 - 112.


Rassismus

Es ist davon auszugehen, dass Rassismus immer dann vorliegt, wenn bestimmte körperliche Merkmale oder Eigenschaften qualitativ bewertet werden, z.B. wenn Hautfarben Rückschlüsse auf die geistigen Potenzen geben sollen. Des weiteren liegt Rassismus dann vor, wenn gelerntes Verhalten, z.B. Intelligenz, naturalisiert, d.h. als angeboren unterstellt wird. Diese Arten des Rassismus bezeichnet man auch als genetischen Rassismus. Rassismus liegt z.B. auch vor, wenn behauptet wird, dass Frauen per se weniger Rationalität, dafür von Geburt an aber mehr Gefühl zukomme als Männern usw.
Neben dem genetischen Rassismus gibt es einen sogenannten kulturellen Rassismus. Er liegt immer dann vor, wenn bestimmte Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuche anderer als negativ abweichend deklariert werden.
Dieser kulturelle Rassismus scheint auf dem Vormarsch zu sein. Auch diese Form des Rassismus dient der Praxis der Ausschließung anderer, die man benötigt, um ihnen den umkämpften Platz an der Sonne streitig zu machen. (1) Der Rassismus des sogenannten "Ethnopluralismus" liegt darin, dass er eine Vermischung von Menschen, die unterschiedlichen Kulturen angehören, nicht zulassen will. (2)
Darin geht die Vorstellung ein, dass bestimmte vorhandene genetisch bedingte und/oder historisch-kulturell tradierte Eigenschaften und Lebensgewohnheiten dieser Völker sich nicht nur mit den unseren nicht vertragen, sondern dass Rassen- und Völkermischung zur Degeneration der Menschheit, insbesondere zum Untergang der deutschen Menschheit, der deutschen Nation führe. Der Rassismus der Rechtsextremen äußert sich heute also in der Tat meist nicht mehr in Form von Antisemitismus. Er geht darüber hinaus: Man will die Trennung aller sogenannter Menschen-" Rassen" und Völker oder, wie man auch sagt: Ethnien. Den breiten Wählermassen wird dies dann mit Parolen wie "Deutschland den Deutschen!, Die Türkei den Türken!", "Asylanten ausweisen!" oder aber auch "Ausländer raus!" nahezubringen versucht! Für die Funktionäre werden pseudowissenschaftliche Begründungen bemüht, wie z.B. ständig in der Zeitschrift "Nation Europa", in der man sich immer wieder zu der Annahme versteigt, dass Rassismus selbst eine angeborene Eigenschaft aller Menschen und deshalb niemals vermeidbar sei. (3)

Hier wird deutlich, dass die Rede von der Ausländerfeindlichkeit eigentlich bereits eine Verharmlosung darstellt, denn in den allermeisten Fällen liegt hier blanker Rassismus vor. Dieses Wort "Rassismus" - in den anderen europäischen Ländern gang und gäbe - ist in unseren Landen aber total verpönt. Er erinnert die Deutschen wohl zu sehr an die Verbrechen des Dritten Reiches. Ethnopluralismus bedeutet also keineswegs ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Völkern und Kulturen. Zusammen mit dem Anspruch auf Herstellung bzw. Bewahrung der "nationalen Identität" des deutschen Volkes wird gleichzeitig immer auch der Besitzanspruch auf Gebiete Polens formuliert, so dass von dem Ziel eines friedlichen, gleichberechtigten Nebeneinanderlebens verschiedener Völker nicht die Rede sein kann.
Die von den Rechtsextremisten behauptete Ungleichheit der Menschen, die nach ihrem rassistischen Konzept gleichbedeutend mit einer Ungleichwertigkeit der Menschen ist, durchzieht mehr oder minder verdeckt die gesamte ideologische Ansprache der heutigen Rechtsextremen. Die äußeren körperlichen Ungleichheiten von Menschen geraten den Rechtsextremen zu angeborenen Wesensunterschieden; kulturell erworbene Unterschiede werden weder toleriert, noch gelten sie als veränderbar. Sie werden immer als etwas Negatives, von der Norm Abweichendes, ja, als etwas Abartiges angesehen. Und dies ist die Grundlage für die Haltung der Ausschließung alles Fremden, die sie propagieren und praktizieren.
Hier schließt sich der Kreis: Gelingt es den Rechtsextremen, sich wirklich vom Hitlerfaschismus im Bewusstsein der Menschen abzukoppeln, sich vom Antisemitismus zu distanzieren; gelingt es ihnen, ihren Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus attraktiv erscheinen zu lassen, obwohl sie in Wirklichkeit prokapitalistisch eingestellt sind, ist für sie der Weg frei, über die Schleuse der in der Bevölkerung breit verankerten Ausländerfeindlichkeit und des in der BRD sehr verbreiteten rassistischen Denkens ihre im Kern faschistische Weltanschauung im Bewusstsein der Menschen weiter zu verbreiten. (4)

  1. In der Zeitschrift MUT ist eine deutliche Abwendung vom genetischen Rassismus zu beobachten. Man vergleiche dazu den Artikel des Biologen Wolfgang Kuhn 1989. Kuhn zeigt dass die Reduktion des Menschen auf seine Gene wissenschaftlich nicht länger haltbar ist. Kulturelle Rassismen findet man in vergangenen MUT-Artikeln neben genetischen, vgl. z.B. Ortlieb 1987. Andere rechtsextreme Zeitschriften wie z.B. "Nation Europa", die sich jüngst mit den "Deutschen Monatsheften" verbunden hat, verzichteten auch in ihren neuesten Ausgaben nicht auf einen genetischen Rassismus (vgl. z.B. NE 40. Jg. H. 2/1989).
  2. Hierbei handelt es sich also um einen verschleiernden Kampfbegriff gegen die Vorstellung einer multikulturellen Gesellschaft.
  3. Vergleiche als ein Beispiel von vielen Christian Mattauschs Artikel "Rasse und Rassismus" in Nation Europa 9/1 986, Seite 65 bis 69. Zur Analyse dieses Artikels vgl. Krieg 1988.
  4. Zur herausragenden Wichtigkeit der Ausländerfeindlichkeit als Anknüpfungspunkt für rechtsextreme Ansprache vgl. auch M. und S. Jäger 1989 und 1990.

(zitiert nach Prof. Dr. S. Jäger, DISS, Duisburg, 1990)

Rassismus

Rassismus liegt immer dann vor, wenn bestimmte Merkmale von Menschen (z.B. Hautfarbe, Asylbewerber zu sein, Geschlecht usw.) mit bestimmten Eigenschaften gekoppelt werden (z.B. wenn von der Hautfarbe oder Herkunft auf die geistige, kriminelle oder sexuelle Energie o.ae. geschlossen wird) und durch diese Konstruktion eine Bewertung entsteht.

(Arbeitsgruppe - SOS - Rassismus)


Faschisten (Neofaschisten)

Der Faschismus wurde 1919 durch B. Mussolini begründet. Er lebt von der Idee eines totalitären Staates unter der autori- tären Führung eines einzelnen (Duce) und vom grundsätzlichen Gegensatz gegen Kommunismus, Demokratie und Libera- lismus.

Beispiele:

Alle jene, die Antisemitismus und Judenvernichtung als Abweichung vom ansonsten richtigen faschistischen Weg ablehnen und unter Anwendung sozial revolutionärer Parolen für die Wiederherstellung faschistischer Herrschaft oder (in ihren Worten) des einzig wahren "Volkssozialismus" eintreten, müsste man als Neofaschisten bezeichnen.

Faschisten erkennt man in aller Regel daran, dass sie offen oder heimlich drei Grundprinzipien verfolgen:

  1. Der Stärkere hat immer Recht (und weil das ihrer Meinung nach so ist, ist natürlich auch immer das Recht auf seiten des Stärkeren). Gewalt ist ein legitimes Mittel, um das Recht des Stärkeren durchzusetzen.
  2. Menschen sind von Natur aus ungleichwertig. Es gibt welche, die stehen von Natur aus immer oben (z.B. Leute mit grünen Augen), und andere, die von Natur aus nach unten definiert werden (z.B. Brillenträger oder Ausländer etc.).
  3. Weil das alles so ist, brauchen Faschisten einen Führer, der oben an der Spitze steht und der durch seine Stärke all jenen Kraft gibt, die zu ihm halten, und ihnen sagt, wo's langgeht

(AG - SOS - RASSISMUS).

Aus dem Strafgesetzbuch (¶ 86) der Bundesrepublik Deutschland

Wer Kennzeichen wie Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen oder Grussformeln (Hitlergruss) ehemaliger nationalsozialistischen Organisationen verwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldbusse bestraft. Anzeigen nimmt jede Polizeidienststelle entgegen!


Nazis (Neonazis)

Wer heute immer noch oder schon wieder die Ideologie und die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse des National- sozialismus für erstrebenswert, verteidigungs- würdig und nachahmenswert hält bzw. sie in seinen Schriften und Taten verherrlicht, gleichviel ob als "Einzelkämpfer" oder als Organisation, der muss zur Gruppe der Neonazis gerechnet werden.

Die nationalsozialistische Weltanschauung gründet vor allem auf zwei Texten: 1. Hitlers "Mein Kampf", 2. A. Rosenbergs "Der Mythos des 20. Jahrhunderts". Der Nationalsozialismus ist eine Form des Faschismus. Er unterscheidet sich vom historischen Faschismus Mussolinis durch den Rassismus (den Wahn einer arischen Überlegenheit), den Antisemitismus und seine industrialisierte Mordpraxis, die Perfektion in der Nutzung des gesamten Staatsapparates für die gnadenlose Durchsetzung der Führerideen. Er entspricht dem Faschismus in jeder anderen Hinsicht, besonders in seinem grundsätzlichen Antikommunismus, Anti- demokratismus, Antiliberalismus und seinem Irrationalismus.


Nationalismus

Mit Nationalismus wird eine Einstellung bezeichnet, die die legitime Liebe zum eigenen Land übersteigt, das eigene Volk zum höchsten Sinn des Daseins macht und die ganze Hingabe des einzelnen für dieses Volk fordert.
Mit dem Nationalsozialismus verbindet sich ein übersteigerter Anspruch auf Selbstbehauptung, eine arrogante Exklusivität und ein Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Nationen. Solcher Nationalismus steht der Annäherung zwischen den Völkern feindlich gegenüber und kann in Fremden- oder Rassenhass abgleiten. Die Interessen der eigenen "Volksgemeinschaft" werden überbetont. Grundsätze der repräsentativen parlamentarischen Demokratie werden abgelehnt, und rassistische Tendenzen ver- binden sich mit ihm. Dieser Nationalismus ist geprägt durch die Bildung zahlloser Gruppen mit einer militanten Anhängerschaft und der Verbreitung von extremistischen, rassistisch- en und ausländerfeindlichen Inhalten sowie durch die Teilnahme an Wahlen. Dieser Nationalismus kann sich heute z.B. darin ausdrücken, dass an hessischen Schulen auch die erste Strophe des sog. Deutschlandliedes gelernt werden muss:

"Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt..."


Ausländerfeindlichkeit

Auch wenn in der BRD oft von Ausländerfeindlichkeit gesprochen wird, geht es um Rassismus. Der Begriff Ausländerfeindlichkeit meint, dass eine Feindschaft gegenüber Ausländern gegeben sei - übersehen wird aber, dass gleichzeitig eine deutliche Trennung zwischen z.B. Schweden, Franzosen, Holländern usw. einerseits und z.B. Türken, Kanaken, Afrikanern usw. andererseits vollzogen wird. Lies also bitte bei Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit weiter.


Fremdenfeindlichkeit

Neben dem programmatischen Rassismus gibt es eine Ablehnung von Fremden, die als Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit bezeichnet wird und in dem Gefühl der Überlegenheit des eigenen Volkes begründet ist. Mit dieser Fremdenfeindlichkeit werden ablehnende Einstellungen und Verhaltens- weisen bezeichnet, die Menschen wegen anderer Herkunft, Sprache, Religion oder Kultur diskriminieren.
Gemeinsam ist der Fremdenfeindlichkeit bzw. dem Ethnozentrismus und dem Rassismus, dass sie von der Überlegenheit und Höherwertigkeit, der gerechten Unterordnung der Minderheit ausgehen. Ungleich- wertigkeit zwischen den Gruppen werden behauptet und Diskriminierungen gerechtfertigt. Unterschiedlich sind die Behauptungen, worauf das Ungleichverhältnis beruht: Der Ethnozentrismus geht von der Überlegenheit der eigenen Kultur aus, der Rassismus darüber hinaus von der angeblichen Überlegenheit des sog. "Erb- gutes". Der Rassismus geht also von der prinzipiellen Unveränderbarkeit der behaupteten Ungleichheit und Ungleichwertigkeit aus (n. F. Heckmann, !987).
Von einem rassistischen Verhalten ist dann zu sprechen, wenn einzelne oder Gruppen daran festhalten, dass Diskriminierungen von anderen, z.B. aus biologischen Gründen, zu rechtfertigen seien. Wo diese Unterschiede zwischen den Menschen interpretiert und zu eigenen Gunsten gewertet werden, da handelt es sich um Rassismus.
Nicht die Wahrnehmung eines Unterschiedes ist also entscheidend, sondern der Gebrauch des Unterschieds zum eigenen Vorteil und als Waffe gegen das Opfer. Die angeblichen, z.B. biologischen Merkmale des anderen werden negativ gesehen. Der Rassist rechnet sich selbst zur guten Welt und seine Opfer zur Welt des Bösen. Der Sinn und Zweck des Rassismus liegt in der Vorherrschaft. Wo Rassismus auftaucht, da geht es um die Unterdrückung von Menschen.


Radikal

Radikal ist und bleibt für mich ein positiver und hoffnungsvoller Begriff, der es nicht verdient, einer rechtsextremen oder gar militant-faschistischen Organisation zugeschrieben zu werden. Denn der lateinische Begriffsursprung "radix" oder "radicalis" erinnert daran, dass das Radikale "bis in die Wurzel" dringt und nicht identisch ist mit dem Extremen (extremus = der äußerste bzw. letzte Teil).
Das ist keine Wortklauberei, sondern soll zur Orientierungshilfe und Wertefindung beitragen. Oft wird geklagt, rechtsextreme Einstellungen seien ein Ergebnis von Orientierungslosigkeit und Werteverfall. Nun, so füge ich hinzu, dann lasst uns das im Umgang mit Schülern schnellstens ändern, indem wir mit ihnen gemeinsam gründlich "bis in die Wurzel" der politischen Erscheinungen vordringen.
Eine radikale Sicht auf aktuelle Erscheinungsformen von personaler, struktureller und institutioneller Gewalt hat Erinnerungs-, Erkenntnis- und Aufklärungs- arbeit zur Konsequenz und eröffnet per- spektivische Handlungsmöglichkeiten. Sie verhindert unreflektierte Anpassung oder Unterordnung und fördert das Bedürfnis von Schülern, die normierte Erwachsenenwelt zu hinterfragen und andere als vorgegebene Bedürfnisse bei sich zu entdecken. Wenn wir uns daraufeinlassen, uns mit unseren Schülern radikal gegen Gewalt und Rechtsextremismus zu verhalten, dann tragen wir gleichzeitig zu einem couragierten Denken und Handeln bei, das seinerseits wiederum gegen einen Untertanengeist immunisiert, der besonders in rechtsorientierten Kreisen anzutreffen ist.

(aus: G. u. A. Preuschoff, Gewalt an Schulen. PapyRossa Verlag, Köln 1992 - s. auch S. 349)


Rechtsradikalismus

Im Terminus "Rechtsradikalismus" ist die zweite Begriffshälfte in der Tradition der bürgerlichen Aufklärung positiv besetzt im Sinne des "an der Wurzel packen", also an der Wurzel jener Herrschaftsverhältnisse, die Emanzipation verhindern. Mit dem Begriff "rechts" entsteht hier eine eher bizarre Verbindung, nun gerichtet gegen die politischen und sozialen Traditionen von Emanzipationsbewegungen, insbesondere der Arbeiterbewegung.


Rechtsextremismus

Rechtsextremismus liegt immer dann vor, wenn die beiden Grundelemente der "Ungleichwertigkeit von Menschen" und die der Gewaltakzeptanz zusammen-fliessen. Der Ungleichwertigkeit von Menschen als zentralem, integrierendem Kernstück rechtsextremistischer Ideologien entsprechen etwa folgende Facetten:

Der Gewaltperspektive und -akzeptanz als zentralem, integrierendem Kernstück rechts- extremistischen politischen Verhaltens entsprechen etwa folgende Facetten:


Aggression

Manche Aggressionstheorien verstehen Aggression als Verhalten, andere definieren sie als Bedürfnis. Wenn Aggression ein Verhalten ist, das auf Schädigung und Verletzung zielt, so ist sie wegen ihrer negativen Folgen nicht erwünscht. Wird Aggression als "affekt-bedingtes Angriffsbedürfnis" (dtv-Lexikon) verstanden, so ist sie etwas ganz "Normales", das jeder von uns fast täglich spürt und das keinesfalls unterdrückt werden sollte. Vielmehr kommt es darauf an, Aggressionen auf offene, nicht verletzende Art auszutragen.
Unstrittig ist, dass Frustration (die Einschränkung von Bedürfnissen und Zielen) Aggression fördert. Aber nicht jede Einschränkung führt zu Aggression - aggressives Verhalten ist von mehreren Faktoren abhängig.
Bewiesen ist heute auch, dass ein geringes Selbstwertgefühl, Versagen in der Schule und ein negatives Selbstbild Aggressionen begünstigen (Schwind/ Baumann). Aggressionen Können sich aber auch nach innen richten und zu Sprachstörungen, Krankheiten, Depressionen oder im Extrem- fall zu Selbsttötungsabsichten führen. Wut und Angst sind Gefühle, die sich hinter aggressivem Verhalten verbergen. Es sind "normale" Gefühle, die jeder Mensch hat und derer sich niemand zu schämen braucht. Unterdrückte Gefühle wirken im Unbewussten weiter und tauchen versteckt wieder auf - und unterdrückte Energie sucht sich Ersatzziele. "Viele der bekannten Formen fehlgeleiteter Aggression wie Herrschsucht, Vorurteile und Grausamkeit gegen Schwächere lassen sich zurückführen auf innerhalb der Familie entstandene, aber unterdrückte aggressive Gefühle." (Bach/Goldberg)
Fassen wir zusammen: Aggressionen, verstanden als "affektbedingtes Angriffs- bedürfnis" oder gar als Verhalten, das nicht passiv ist, hat jeder Mensch in unseren Breitengraden. Sie auf nicht-verletzende Art in offener Konfrontation ausdrücken zu dürfen und sich der dahinterstehenden Gefühle nicht schämen zu müssen, sollte das Recht eines jeden Menschen - insbesondere eines jeden Kindes - sein. In der Schule sollten die verschiedensten Konflikte offen ausgetragen werden dürfen. Hierzu muss Zeit und Raum geschaffen werden, und viele Kinder werden die Unterstützung ihrer Lehrerinnen und Lehrer brauchen, damit sie Möglichkeiten finden, Konflikte fair auszutragen.
Aggressionen in Form von unsozialem, destruktivem Verhalten hingegen ist Ausdruck geringer Selbstachtung und tiefer Verunsicherung, von Angst und Frustration. Sie muss als Hilferuf verstanden werden.


Gewalt

Manifestiert sich Aggressivität derart, dass Menschen zielgerichtet physisch oder psychisch geschädigt werden, wird von Gewalt gesprochen. Gewalt ist immer an Macht geknüpft, denn nur Macht ermöglicht dauerhafte, zielgerichtete Aggressionen wie

Der norwegische Friedensforscher Johan Galtung hat den Begriff der strukturellen Gewalt geprägt, womit er gesellschaftlich grundlegende Ordnungssysteme und ökonomische Prinzipien meint, die materielle, soziale und ideelle menschliche Entwick- lungen und Lebenszukunft verhindern.
Strukturelle Gewalt wird legal ausgeübt in Form von Maßnahmen, Erlassen und Gesetzen, die viele Menschen nicht durchschauen und die höchst selten in ihrem Interesse liegen, die sie aber doch auf eine für sie diffuse Weise mittragen. So müssen Schrebergärten und natürliche Grünflächen Autobahnen weichen, werden Mieten erhöht, Gelder gestrichen, Abgaben verlangt, Landschaften mit Müll vollgekippt, Kindereinrichtungen und Modellversuche, die breiten Anklang finden, von Sparmaßnahmen bedroht. Es ist widersinnig, dass Gewalt minimierende Projekte (wie Kinderbauern- Höfe, Jugendzentren Arbeitsgemeinschaften, Jugendcafes und Fördermaßnahmen) gestrichen werden, während gleichzeitig über zunehmende Gewalt geklagt wird!

(aus: G. u. A. Preuschoff, Gewalt an schulen. PapyRossa Verlag, Köln 1992 - 5. auch 5. 349) (...)


Gewaltlose Strategien entwickeln - sich an Leitbildern orientieren

Mit Gewalt und Gewaltanwendung muss man sich nicht abfinden. Gewaltanwendung in der Gesellschaft lässt sich vermindern, Gewaltanwendung in der Erziehung laesstsich vermindern, Gewaltanwendung unter Partnern zerstört die Partnerschaft, internationale Gewalt lässt sich kontrollieren und regulieren und verhindern. Mahatma Ghandi hat vorgelebt, was Gewaltlosigkeit bewirken kann, Martin Luther King hat mit seinem Lebenszeugnis aufgezeigt, welche Macht und welches Veränderungspotential in der Gewaltlosigkeit steckt, in der richtig angewandten gewaltlosen Aktion. Wir Können Strategien der Gewaltlosigkeit entwickeln, in unseren Jugendgruppen, in der Gesellschaft, in der Schule, in der Familie, in unserer Partnerschaft. Streitigkeiten lassen sich anders lösen als durch Gewalt. Konflikte lassen sich anders bearbeiten als durch Gewalt. Wir müssen die Kultur des Streites lernen und die Kultur der Konfliktaustragung lernen. Da sind wir alle noch Anfänger.

(Rudi Pahnke, Textauszug aus dem Kirchentagsreferat: Was Können Jugendliche gegen Gewalt tun, ZaW, Dortmund, 1991) (...)


Hass

Hass: ein gegen Personen oder soziale Gruppen (Stände, Völker, Rassen, Minderheiten) gerichteter Vernichtungsaffekt, von besonders stark ausstrahlender Wirkung auf alles mit den gehassten Personen Zusammenhängende. Im Unterschied zur Antipathie ist der Hass besonders affektstark, aber vom "gerechten" Zorn zu unterscheiden. Tatsächlich entsteht Hass oft aus Gründen, die dem Bewusstsein zunächst entzogen sind, z.B. aus Angst, verletztem Selbstgefühl, Um- schlagen von Liebe in Hass (Hassliebe, Ambivalenz). Das Bewusstmachen der seelischen Gründe kann oft zur Überwindung des Hasses beitragen. (aus: Brockhaus Enzyklopädie)

(aus: Projekthandbuch Rechtsextremismus, 1989. Shirin Pargas)


Sexismus

"Verhaltensweisen, die einen Menschen aufgrund seines Geschlechtes benachteiligen. Mit Sexismus kennzeichnet insbesondere die Frauenbewegung das diskriminierende Verhalten von Männern gegenüber Frauen in Politik, Arbeitswelt und Gesellschaft. Sexismus beruht auf dem Vorurteil, dass die Frau aufgrund ihrer biologischen Geschlechtszugehörigkeit dem Mann körperlich und intellektuell unterlegen sei. Sexismus wird überall dort deutlich, wo Frauen zuerst als Geschichtswesen und erst dann als Menschen betrachtet und behandelt werden."

(aus: "Aktuell-Lexikon", Chronik Verlag)

Sexismus ist der Glauben an die Höherwertigkeit des männlichen und die Minderwertigkeit des weiblichen Geschlechts. Der Begriff Sexismus wurde in Anlehnung an den Begriff Rassismus geprägt. Er bezieht sich nicht nur auf individuelle Vorurteile, sondern auch auf institutionalisierte Diskriminierung.

Sexismus zieht sich wie ein glühender roter Faden durch die Geschichte und die alltäglichen Lebensbereiche von Frauen. Die verharmlosende Begriffserklärung "Benachteiligung der Frau" ist bei weitem nicht ausreichend für eine von Männern dominierte Kultur, die kontinuierliche Herrschaft und Gewalt gegen Frauen ausübt.

Aufrechterhalten und gestützt wird Sexismus durch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen: Aufgrund ihrer Gebärfähigkeit und der damit verbundenen Schwangerschaft wird den Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft der Bereich des Haushalts und der Kindererziehung zugewiesen. Sie sind außerdem zuständig für die Rekreation des Mannes, in der Familie soll er sich erholen, um seine gesellschaftlich anerkannte Arbeitskraft zu erhalten. Zugleich wird der Erziehungsarbeit und Hausarbeit der Frauen eine geringe Bedeutung beigemessen, sie wird unbezahlt geleistet. Die Zuordnung der Frauen in den häuslichen Bereich hat erhöhte Verfügbarkeit und Machtlosigkeit zur Folge: Frauen haben keinen Zugang zum Bereich der Öffentlichkeit, zu finanziellen Ressourcen, zur politischen Macht. Der Sexismus in unserer Gesellschaft liegt in der irrigen biologischen Ansicht begründet, die "natürliche" Bestimmung der Frauen liege in der Familie.
"Feminismus ist als politische Bewegung die Antwort auf alle Spielarten des Sexismus, denen Frauen gegenwärtig ausgeliefert sind. Feminismus bedeutet Kampf gegen den Sexismus."
(M. Janssen-Jurreit)

(aus: Sexismus, Gewaltfreie Aktion, Baden).


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