Türkei
Türkische Flagge

 

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Türkei auf dem Globus und die FlaggeRealMedia

T Ü R K E I

 

TÜRKEI, Republik (Türkiye Cumhuriyeti):

Ein Staat in Vorderasien und Südosteuropa. Das Staatsgebiet grenzt im Nordwesten an Bulgarien und Griechenland, im Norden an das Schwarze Meer, im Nordosten an Georgien und Armenien, im Osten an den Iran, im Süden an den Irak, an Syrien und an das Mittelmeer sowie im Westen an das Ägäische Meer. Die Hauptstadt der Türkei ist Ankara.

Die moderne Republik Türkei ist ein Teil des ehemaligen Osmanischen Reiches und wurde 1923 nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches in der Folge des 1.Weltkrieges von Mustafa Kemal Atatürk gegründet. 1928 wurde die Türkei zu einem säkularen Staat; 1950 wurde ein Mehrparteiensystem eingeführt. Außer einer kurzen Zeit in den Jahren 1960 und 1961, während der die Türkei unter der Kontrolle einer Militärjunta stand, wurde das Land bis 1980 von einer Zivilregierung verwaltet. Anschließend ergriff in einer Zeit politischer Unbeständigkeit, steigender Inflation und sich häufender Terrorakte erneut das Militär die Macht. Ende 1983 wurde dann wieder eine zivile Regierung in der Türkei eingesetzt.

Land

Der überwiegende Teil der Türkei erstreckt sich auf asiatischem Gebiet zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer. Der türkische Teil von Thrakien bildet den europäischen Anteil des Landes und umfasst rund 3% der Gesamtfläche. Die beiden Meerengen "Dardanellen und Bosporus" sowie das zwischen ihnen liegende Marmarameer trennen den europäischen Teil der Türkei vom asiatischen. Die Gesamtfläche des Landes umfasst 779.452 Quadratkilometer.

Physische Geographie

Die Türkei kann in sieben Landschaftsräume untergliedert werden: Thrakien und die an das Marmarameer angrenzenden Gebiete, die Regionen am Ägäischen Meer und am Mittelmeer, das Gebiet am Schwarzen Meer, Westanatolien, das inneranatolische Hochland, das Gebirgsland im Osten des Landes und Südostanatolien.

Thrakien und die Gebiete am Marmarameer werden im Landesinneren von einem flachwelligen Hügelland eingenommen. Es ist fruchtbar und wird von zahlreichen Wasserläufen durchzogen. Trotzdem wird nur etwa ein Viertel der Region als Ackerland genutzt. Im Ostteil dieses Gebiets erhebt sich der Berg Uludag (in der Antike Mysischer oder Bithyrischer Olymp) bis 2.543 Meter. Von den schmalen und hügeligen Küstengebieten am Ägäischen Meer und am Mittelmeer wird nur rund ein Fünftel als Ackerland bewirtschaftet. Im Osten davon, in der Ebene Çukurova, liegt das größte Baumwollanbaugebiet der Türkei. Diese Region ist mit dem Landesinneren durch die Kilikische Pforte (Külek Bogazi) im Taurus verbunden.

Die anatolische Küstenregion ist überwiegend schmal; sie erhebt sich direkt von der Schwarzmeerküste zum Pontischen Gebirge. Auf Grund der steilen Berghänge werden nur etwa 16% des Gebiets ackerbaulich genutzt. Westanatolien besteht aus unregelmäßig verlaufenden Bergzügen und tiefen Taleinschnitten, die die stark gegliederte ägäische Küste vom Hochland Inneranatoliens trennen; nur knapp ein Fünftel des Landes ist hier für den Ackerbau geeignet. Das inneranatolische Hochland mit der Hauptstadt Ankara liegt durchschnittlich um 1000 Meter hoch und ist die geographisch größte Region der Türkei. Das Hochland ist vollständig von Gebirgen umschlossen. Die höchste Erhebung ist der Erciyes Dagi mit 3916 Metern.

Im Hochgebirgsland im Osten der Türkei vereinigen sich die östlichen Ausläufer von Pontischem Gebirge und Taurus. Dieses ostanatolische Hochland ist die unzugänglichste Gegend der Türkei. Hier liegt der Berg Ararat (Agri Dagi), an dem nach der Bibel die Arche Noah landete, und der mit 5122 Metern die höchste Erhebung der Türkei darstellt. In diesem Gebiet entspringen auch die beiden Flüsse Tigris (Dicle) und Euphrat (Firat). Der Südosten Anatoliens wird von einem flachwelligen Plateau eingenommen, das im Norden, Osten und Westen von Bergen umgeben ist. Diese Gegend ist Teil des Fruchtbaren Halbmondes und seit der Antike von großer Bedeutung für die Landwirtschaft.

Flüsse und Seen

Wegen der großen Höhenunterschiede im Land sind in fast allen Flüssen der Türkei Stromschnellen ausgebildet. Deshalb sind nur wenige Flüsse in Teilabschnitten schiffbar. Aufgrund der jahreszeitlich wechselnden Regenmenge sind einige Flüsse starken Schwankungen des Wasserstandes unterworfen. Eine Reihe von Fließgewässern führt während des trockenen Sommers kein Wasser. Einige Flüsse haben jedoch Bedeutung für die Erzeugung elektrischer Energie durch Wasserkraft oder liefern das Wasser für Bewässerungsanlagen. Der Kizil irmak ist mit einer Länge von mehr als 1300 Kilometern der längste Fluss innerhalb der Landesgrenzen und mündet in das Schwarze Meer. Der Büyük Menderes (Mäander) entwässert Westanatolien in die Ägäis; wegen seiner vielen Schleifen und Biegungen erhielt er den Namen Mäander. Euphrat und Tigris entspringen in der Osttürkei und führen über Syrien und dem Irak in den Persischen Golf.

Der Vansee im Osten des Landes ist der größte See der Türkei. Er ist – wie auch der Tuz Gölü (Großer Salzsee) – ein Salzsee. Die Süßwasserseen Beysehir, Egridir Gölu und Burdur Gölu liegen alle im Südwesten des Landes.

Klima

Wegen der großen Ausdehnung und der stark gegliederten Oberfläche hat die Türkei Anteil an verschiedenen Klimazonen. An den Küsten des Mittelmeeres und der Ägäis herrscht mediterranes Klima mit langen, heißen Sommern und milden, feuchten Wintern. In Istanbul liegt die mittlere Januartemperatur bei 5°C, die mittlere Julitemperatur bei 22°C. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt 720 Millimeter. An der Mittelmeerküste und an der Küste der Ägäis fällt knapp die Hälfte des jährlichen Niederschlags in den Monaten Dezember und Januar.

Das Klima im inneranatolischen Hochland hat kontinentalen Charakter mit großen Temperaturunterschieden im Jahres- verlauf. Die Sommer sind heißer, die Winter wesentlich kälter als an der Küste. In Ankara liegt die mittlere Januar- Temperatur bei 0°C, die mittlere Julitemperatur bei 24°C. Das inneranatolische Hochland liegt im Lee der Randgebirge. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt deshalb nur rund 370 Millimeter und ist somit wesentlich geringer als in den küstennahen Regionen. Im Hochland sind die Niederschläge relativ gleichmäßig über das Jahr verteilt.

In der Schwarzmeerregion ist das Klima mild, bei hohen Niederschlägen. Die Jahresmenge nimmt von Westen (um 800 mm) nach Osten (bis 2000 mm) zu. Im östlichen Hochland sind die Winter kalt und mitunter schneereich. Die höchsten Sommertemperaturen der Türkei herrschen in Südostanatolien; im Juli und August liegen sie im Schnitt über 30°C.

Flora und Fauna

Thrakien und Westanatolien zeichnen sich durch einen hohen Anteil an mediterraner Vegetation aus; die Flora setzt sich vor allem aus Hartlaubgehölzen und niedrigen, immergrünen Sträuchern (Macchie) zusammen. In den küstennahen Gebieten sind Ölbäume verbreitet. Die Randgebirge sind weitflächig mit Wald bedeckt. Im Taurus herrschen Schwarzkiefern, Tannen, Zedern, Eichen und Wacholder vor, im Pontischen Gebirge sind Buchen- und Eichenmischwälder sowie Wacholderwälder heimisch. In Inneranatolien dominiert eine karge Steppenvegetation mit Gräsern und Kräutern.

In den Wäldern lebt eine größere Anzahl von Wildschweinen; Wölfe, Füchse, Wildkatzen, Hyänen, Schakale, Rotwild, Bären, Marder und Bergziegen kommen in entlegeneren Gegenden vor. Kamele, Wasserbüffel und Angoraziegen wurden domestiziert. Neben zahlreichen einheimischen Vogelarten wie Wildgänsen, Rebhühnern und Wachteln finden Raubvögel, darunter Adler, Bussarde und verschiedene Falkenarten, geeigneten Lebensraum. Verbreitete Reptilien sind Schildkröten und Echsen. In den Bergflüssen gibt es viele Forellen. In den Meerengen der Türkei werden Bonitos (Thunfischart), Makrelen und Blaubarsche, im Schwarzen Meer vor allem Anchovis gefangen.

Bevölkerung

Das Gebiet der heutigen Türkei war die Heimat ethnisch und kulturell unterschiedlicher Volksgruppen, angefangen von den Hethitern, Phrygern und Assyrern bis zu den Griechen, Persern, Römern und Arabern. Die nomadischen Vorfahren der heutigen Türken kamen im 11.Jahrhundert n.Chr. aus Zentralasien, eroberten arabische Gebiete und das Byzantinische Reich und gründeten eigene Reiche. Mehr als 70% der Bevölkerung der Türkei sind Türken. Darüber hinaus leben etwa 20% Kurden sowie zahlreiche kleinere Gruppen wie Araber, Griechen, Armenier und Tscherkessen in der Türkei. Die Angehörigen dieser ethnischen Gruppen haben weithin ihre kulturelle Identität bewahrt.

Die Türkei hat etwa 60,8 Mio. Einwohner; dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von 78 Einwohnern je Quadratkilometer. Die dichtest besiedelten Gebiete sind Istanbul und die Küstenregionen. Die Lebenserwartung liegt bei 67 Jahren. Die jährliche Bevölkerungszunahme beträgt rund 2% im Jahr.

Wichtige Städte

67% der Einwohner leben in Städten, während es 1945 nur 25% waren. Die während der letzten Jahrzehnte verstärkt stattfindende Abwanderung aus ländlichen Regionen in die großen Städte zog weit reichende soziale Konsequenzen nach sich. Die größten Städte des Landes sind Istanbul mit 6,62 Mio. Einwohnern (7,31Mio. in der Agglomeration), die Hauptstadt Ankara (2,56 Mio.), Izmir (1,76 Mio.), Adana (915.000) und Bursa (835.000) (Stand 1997).

Sprache

Amtssprache der Türkei ist Türkisch, das seit 1928 in lateinischen Lettern geschrieben wird. Daneben sprechen etwa 30% der Bevölkerung eine andere Muttersprache, die meisten Kurdisch oder Arabisch.

Religion

Seit 1928 ist der Islam nicht mehr die offizielle Staatsreligion der Türkei. Es bekennen sich ca. 98% der Bevölkerung zum Islam; sie sind in der Mehrzahl Sunniten, obgleich im Südosten des Landes eine große Anzahl von Schiiten lebt. Rund 0,1% der Einwohner gehören dem Christentum an. Die jüdische Gemeinde umfasst etwa 20.000 Mitgliedern.

Soziales

Die medizinische Versorgung der sozial schwächeren Bevölkerungsteile wird in der Türkei staatlich finanziert. In ländlichen Gegenden sind medizinische Einrichtungen und medizinisch ausgebildete Fachkräfte knapp. Die Arbeitslosenquote beträgt etwa 10%.

Bildung und Kultur

Das Schulsystem orientiert sich am europäischen Standard. In der Kunst werden traditionelle türkische Themen dargestellt.

Bildung und Schulwesen

In der Zeit der Gründung der Republik gab es in der Bevölkerung sehr viele Analphabeten. Atatürk leitete ein umfassendes Bildungsprogramm ein, und in der ersten Verfassung wurde eine allgemeine Schulpflicht für die Grundschule und der gebührenfreie Besuch aller staatlichen Schulen verankert. Es besteht eine allgemeine Schulpflicht für die Dauer von neun Jahren. In einigen ländlichen Gebieten ist die Ausstattung mit Bildungs- Einrichtungen noch gering.

Der Zugang zu den Universitäten der Türkei ist einem strengen Auswahlverfahren unterworfen. Zu den wichtigsten Hochschuleinrichtungen gehören die Universität Istanbul (1453 gegründet), die Universität der Ägäis (1955) in Izmir, die Universität Ankara (1946) und die Technische Universität des Nahen Ostens (1956) in Ankara.

Kultureinrichtungen

Staatliche kulturelle Institutionen der Türkei sind die beiden Opernhäuser in Istanbul und Ankara, die Kunstakademie in Istanbul, drei Musikkonservatorien, eine Volkstanz- Truppe sowie eine Reihe weiterer kultureller Einrichtungen. In Istanbul, Edirne , Bursa und in anderen Städten gibt es christliche Kirchen, sowie von dem berühmten türkischen Architekten Sinan erbaute Moscheen. Der Sultanspalast "Topkapi Sarayi" ist heute ein Museum, das die kaiserlichen Schätze und die Reliquien des Propheten Mohammed (sav) beherbergt. Im Museum für anatolische Zivilisation in Ankara gibt es außergewöhnlich interessante Ausstellungsstücke aus der Zeit der Hethiter, Phryger und anderer Kulturen. Zu den größten Bibliotheken der Türkei gehören die Nationalbibliothek in Ankara und die Bajasid-Staatsbibliothek in Istanbul. Link für Kultur und Kunst

Kunst

In der Türkei fand ein allmählicher Übergang von den islamischen Kunsttraditionen des Osmanischen Reiches zu einer weltlicheren, an westlich orientierten Kunst statt. Heute streben türkische Maler nach eigenen Ausdrucksformen ohne westlichen Einfluss.

Die älteste türkische Poesie lebt in der Volksdichtung der Kirgisen fort; ihr Volksepos, das Manas-Epos, wurde mündlich überliefert. Die ersten mystischen Dichtungen stammen von Yunus Emre und anderen Schriftstellern des 14.Jahrhunderts und führten zur Hof- und Gelehrtendichtung oder Diwan-Dichtung. Volkstümlichere Dichtkunst wurde von Minstrels (fahrende Sänger) gesungen; diese Tradition hat noch heute Bestand. Viele Kritiker betrachten Kemal Tahir als den bedeutendsten modernen Romanautor der Türkei. Einer der ins Deutsche übersetzten Autoren ist Yasar Kemal; er ist der Autor von Ince Memed (1955, Memed, mein Falke), dem preisgekrönten Roman eines modernen Robin Hood, der dem Autor zu seinem internationalen Ruf verhalf, Teneke (1955, Anatolischer Reis) und Bin Bogalar Efsanesi (1971, Das Lied der Tausend Stiere ), eine Geschichte, die den Mythos mit einer realistischen Darstellung des Untergangs eines Nomadenstammes verbindet.

Medien

In der Türkei gibt es rund 330 Tageszeitungen, von denen die meisten nur eine geringe Auflagenhöhe erreichen.
Die einflussreichsten Blätter sind Cumhuriyet, Sabah, Hürriyet, Milliyet und Türkiye; sie werden alle in Istanbul verlegt. Zudem erscheinen viele Wochen- und Monatszeitschriften. Die Regierung betreibt vier nationale Radiosender und fünf Fernsehsender; außerdem sind mehrere private und staatliche Fernsehstationen in Betrieb.

Verwaltung und Politik

Der Versuch von Seiten der Alliierten und Griechenlands, das Land nach dem 1.Weltkrieg aufzuteilen, führte zum türkischen Unabhängigkeitskrieg unter der Führung von Atatürk. Am 29.Oktober 1923 wurde die türkische Republik ausgerufen.
Es folgte eine Reihe von Modernisierungsmaßnahmen, darunter im Jahr 1924 die Abschaffung der religiösen Gerichte;
1934 erhielten die Frauen das Wahlrecht.

Das Mehrparteiensystem wurde 1946, als die neu gegründete Demokratische Partei durch eine Koalition mit der Republikanischen Volkspartei 62 Parlamentssitze gewann, eingeführt. 1950 errang die Demokratische Partei einen Wahlsieg. Zunehmende Spannungen zwischen den Parteien beschworen eine Staatskrise herauf, die zu einem Militärputsch führte;
die Junta führte daraufhin die Staatsgeschäfte von 1960 bis 1961. Im Jahr 1961 wurde eine neue Verfassung angenommen.
Bei den darauf folgenden allgemeinen Wahlen gab es keine klaren Mehrheitsverhältnisse, und verschiedene Parteien stellten eine Reihe von Koalitionsregierungen auf. Nach einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Terrorakte in den siebziger Jahren verhängte eine zweite Militärjunta 1980 das Kriegsrecht und löste alle politischen Parteien auf. Nach Billigung einer neuen Verfassung durch den Volksentscheid vom November 1982 wurde Ende 1983 wieder eine Zivilregierung eingesetzt. Die Verfassung von 1982 hat weiterhin Bestand. Die letzten Verfassungsänderungen wurden 1995 vorgenommen.

Legislative

Nach der Verfassung von 1982 ist die Große Nationalversammlung (Einkammerparlament) das gesetzgebende Organ.
Sie besteht aus 550 Mitgliedern, die in direkter Wahl auf fünf Jahre gewählt werden.

Exekutive

Von 1980 bis 1983 lagen die exekutiven Vollmachten in erster Linie in den Händen des Nationalen Sicherheitsrates unter Vorsitz von General Kenan Evren. Nach der Ratifizierung des Verfassungsentwurfs 1982 wurde Evren Präsident der Republik. Der Nationale Sicherheitsrat, bestehend aus hohen Offizieren des Militärs, fungierte dann noch bis zu seiner Auflösung 1989 als Präsidialrat.

Regierungschef ist der Ministerpräsident, der die Mehrheitspartei beziehungsweise die Mehrheitskoalition repräsentiert. Staatsoberhaupt ist der vom Parlament für eine Amtszeit von sieben Jahren gewählte Präsident. Er ernennt den Ministerpräsidenten und auf dessen Vorschlag die Minister. Eine Wiederwahl des Präsidenten ist nicht möglich. Wahlberechtigt sind alle Staatsbürger, die das 18.Lebensjahr vollendet haben.

Judikative

Nach der Verfassung von 1982 entscheidet das Verfassungsgericht über die Verfassungsmäßigkeit der vom Parlament verabschiedeten Gesetze. Das Kassationsgericht ist die letzte Berufungsinstanz. Daneben gibt es eine große Zahl nachgeordneter Zivil- und Militärgerichtshöfe.

Kommunalverwaltung

Die Türkei ist in 74 Provinzen untergliedert, an deren Spitze ein Gouverneur (Vali) als Regierungsvertreter steht.
Die Provinzen sind in Bezirke und Gemeinden unterteilt. Den Bezirken kommt nur geringe politische Bedeutung zu.
Die Gemeinden können Gemeindesteuern erheben und verfügen über weitere Vollmachten auf lokaler Ebene.

Politische Parteien

Nach dem Staatsstreich von 1980 wurden sämtliche politischen Parteien aufgelöst. Die Führer der Republikanischen Partei und der Gerechtigkeitspartei wurden für mindestens zehn Jahre von der Übernahme politischer Aufgaben ausgeschlossen. Zu den Organisationen, die sich aus Protest gegen die Wahlen von 1983 gebildet hatten, gehörten die Nationalistisch-Demokratische Partei, die Volkspartei und die Mutterlandspartei (ANAP), die sowohl 1983 als auch 1987 die parlamentarische Mehrheit erhielt. Die Partei des Rechten Weges (DYP) gewann in einer Koalition mit der Sozialdemokratischen Volkspartei (CHP) die größte Anzahl an Parlamentssitzen bei den Wahlen von 1991. Die Islamische Wohlfahrtspartei (RP) ist die größte fundamentalistisch-islamische Organisation der Türkei; sie wurde bei den Parlamentswahlen vom Dezember 1995 stärkste Partei. Die Nationalistische Arbeitspartei erhält vorwiegend Unterstützung aus dem rechten Flügel des politischen Spektrums. Die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) wurde verboten.

Verteidigung

Die Streitkräfte der Türkei setzen sich aus insgesamt mehr als 500.000 Soldaten zusammen. Circa 30.000 Mann sind in der Türkischen Republik Nordzypern, dem von der Türkei kontrollierten Teil Zyperns, stationiert. Der Grundwehrdienst hat eine Dauer von 18 Monaten und ist für alle türkischen Männer Pflicht.

Die Türkei ist Mitglied der Vereinten Nationen (UN) und des Nordatlantischen Verteidigungspaktes (NATO).
Sie ist auch ein assoziierter Staat der Europäischen Union.

Wirtschaft

Die schnelle Industrialisierung und das Wirtschaftswachstum der achtziger Jahre basierten auf der gezielten Förderung der Wirtschaft durch staatliche Investitionen. Neben Erfolgen bei den Beschäftigungs- und Produktionszahlen verzeichnete die Türkei jedoch auch eine hohe Staatsverschuldung und Inflationsrate. Das Wirtschaftswachstum, das zu einem Konjunkturaufschwung unter Präsident Turgut Özal führte, kam in den späten achtziger Jahren zum Erliegen. Die Regierung der Ministerpräsidentin Tansu Çiller versuchte mit Hilfe eines Kredits vom Internationalen Währungsfonds (IWF) das hohe Staatsdefizit nach Jahren der Budgetüberziehung zu reduzieren. Die Preise stiegen zwischen 1994 und 1995 um rund 150% an, während die durchschnittlichen Lohnerhöhungen um etwa 30% hinter dieser Entwicklung zurückblieben.

Etwa die Hälfte aller Erwerbstätigen arbeitet in Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, 30% im Dienstleistungsgewerbe und 20% in der Industrie. Über eine Million türkischer Staatsbürger arbeiten im Ausland, insbesondere in Deutschland und Saudi-Arabien. Der bedeutendste Gewerkschaftsdachverband ist der Bund türkischer Gewerkschaften mit über 1,9 Mio. Mitgliedern.

Innerhalb der Türkei besteht hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung ein markantes West-Ost-Gefälle zwischen dem industriell geprägten Westen und den agrarisch strukturierten östlichen Landesteilen. Außenwirtschaftlich sucht die Türkei eine engere Einbindung in die Europäische Union und strebt nach stärkerer Einflussnahme im zentralasiatischen und im kaukasischen Wirtschaftsraum.

Landwirtschaft

Seit 1950 erhöhte sich die landwirtschaftliche Produktion durch den vermehrten Einsatz von Maschinen, Düngemitteln und geeigneteren Pflanzensorten. Etwa ein Drittel des Staatsgebietes wird als Ackerland genutzt, ein weiteres Drittel dient als Weideland. Aufgrund der Lage in unterschiedlichen Klimazonen können in der Türkei viele Anbaufrüchte kultiviert werden.
Zu den wichtigsten Anbauprodukten gehören Getreide (vor allem Weizen, Gerste, Roggen und Mais), Zuckerrüben sowie Obst und Gemüse (u.a. Zwiebeln, Auberginen, Melonen, Tomaten, Trauben, Äpfel und Zitrusfrüchte). Weitere bedeutende Anbaufrüchte sind Nüsse, Kartoffeln, Baumwolle, Tabak und Oliven. Durch den Bau zahlreicher Stauanlagen konnte der Bewässerungsfeldbau weiter ausgedehnt werden. Auch die Viehwirtschaft ist von Bedeutung.
Sie umfasst vor allem die Haltung von Schafen, Ziegen, Rindern, Eseln, Büffeln und Hühnern.

Forstwirtschaft und Fischerei

Obgleich 26% der Gesamtfläche der Türkei bewaldet sind, ist die Holzindustrie relativ unbedeutend, da nur knapp ein Drittel der Waldfläche wirtschaftlichen Wert besitzt. Rund zwei Drittel des Holzeinschlages werden als Brennholz, der Rest (u.a. Walnussbäume, Zedern und Pappeln) als Nutzholz verwendet.

Der Fischfang wird verstärkt gefördert. Die Hauptfanggebiete sind das Mittelmeer und das Schwarze Meer.
Über die Hälfte des Fanges besteht im Allgemeinen aus Anchovis.
Daneben werden u.a. noch Makrelen, Sardinen, Barben und Karpfen gefangen.

Bergbau

Die Türkei verfügt über bedeutende Vorkommen an Steinkohle, Braunkohle, Eisenerz und Chrom; im Südosten wird Erdöl gefördert. Darüber hinaus gibt es kleinere Vorkommen an Blei-, Zink-, Kupfer- und Silbererz.

Industrie

Führende Erzeugnisse der verarbeitenden Industrie sind Nahrungsmittel, Textilien, Eisen und Stahl, raffiniertes Erdöl, chemische Produkte, Fahrzeuge, Papier und Zigaretten. Die bedeutendsten Industriestandorte sind Istanbul, Ankara, Izmir und Bursa.

Verkehrswesen

Die staatliche Eisenbahn der türkischen Republik verfügt über ein Schienennetz mit einer Länge von etwa 10.400 Kilometern. Das Straßennetz umfasst rund 60.000 Kilometer, wovon circa zwei Drittel asphaltiert sind. Die führenden Häfen der Türkei sind Istanbul und Izmir; weitere wichtige Hafenstädte sind Trabzon, Giresun, Samsun sowie Zonguldak am Schwarzen Meer und Iskenderun und Mersin im Süden. Die nationale Fluggesellschaft Turkish Airlines bietet Inlands- und Auslandsflüge an. Internationale Flughäfen befinden sich in Istanbul, Ankara, Adana, Antalya und Izmir.

Währung und Bankwesen

Währungseinheit der Türkei ist die Türkische Lira. Die Zentralbank der Republik Türkei (1930 gegründet) ist die Notenbank des Landes. Daneben gibt es eine Reihe von Staatsbanken wie die Landwirtschaftsbank der Republik Türkei (1863 gegründet), die die wirtschaftliche Entwicklung des Landes unterstützen, sowie mehrere Geschäftsbanken. Die bedeutendste Börse der Türkei ist in Istanbul.

Außenhandel

Die jährlichen Importkosten der Türkei sind im Allgemeinen höher als die Exporterlöse, die Handelsbilanz ist dementsprechend negativ. Importiert werden vorwiegend Erdöl, Maschinen, chemische und pharmazeutische Produkte, Düngemittel, Eisen und Stahl sowie Fahrzeuge. Hauptexportgüter sind Textilien, Obst und Gemüse, chemische Erzeugnisse, Metalle, Tabak und Weizen. Die Haupthandelspartner des Landes sind Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Saudi-Arabien, Russland und die USA. Im März 1995 stimmte die Europäische Union (EU) der Aufnahme der Türkei in die Zollunion zu.

Energie

Über 40% der produzierten Energie werden in Wasserkraftwerken erzeugt. Eine große Wasserkraftanlage befindet sich am Euphrat in der Nähe von Elâzig. Im April 1995 unterzeichneten Aserbaidshan und die Türkei ein Abkommen, das den türkischen Anteil in einem Projekt zur Erschließung der aserbaidshanischen Ölfelder auf 6,75% erhöhte. Schätzungen zufolge enthalten diese Ölfelder im Kaspischen Meer 3,8 Mio. Barrel Rohöl, das über eine Pipeline zu einem türkischen Mittelmeerhafen transportiert werden soll.

Geschichte

Zur Geschichte des Gebiets der heutigen Türkei vor der Herrschaft der Osmanen.

In Anatolien entwickelten die aus dem Hochland des Landesinneren stammenden Hethiter (um 1900-1200 v.Chr.) die erste Hochkultur des Landes. Sie wurde von den Seevölkern zerstört, die gegen Ende des 12.Jahrhunderts v.Chr. in Kleinasien und Syrien einfielen. Die Zerstörung der westanatolischen Stadt Troja, ein in den Sagen des antiken Griechenland besungenes Ereignis, fand wahrscheinlich während dieser Überfälle statt.

Die Phryger, eine Gruppe von Seevölkern, errichteten ein Königreich, das im 9. und 8.Jahrhundert v.Chr. in Anatolien zu einer Vormachtstellung gelangte. Während dieser Zeit gründeten die Griechen Milet, Ephesos , Priene und eine Reihe weiterer Städte in Ionien, einer Gegend an der ägäischen Küste. Um 700 v.Chr. fielen die Kimmerier – ein Nomadenvolk, das sich später im Westen Kleinasiens niederließ – in das phrygische Reich ein und zerstörten es. Im 7.Jahrhundert v.Chr. tauchten die Lyder an der ägäischen Küste auf, wo sie ein Reich mit der Hauptstadt Sardes (Sardis) gründeten. Dieses Reich wurde 546 v.Chr. von den Persern unter Kyros (Cyrus) dem Großen zerstört.

Von der Mitte des 6.Jahrhunderts bis zum Jahr 333 v.Chr. gehörte der Großteil Kleinasiens, einschließlich Anatoliens, zum Perserreich; die griechischen Städte erfreuten sich häufig eines hohen Grades an Autonomie. Im 4.Jahrhundert v.Chr. setzte der Verfall des Reiches ein, und 333 v.Chr. wurde es vom makedonischen Reich Alexanders des Großen abgelöst. Im 2. und 1.Jahrhundert v.Chr. wurde Kleinasien allmählich von den Römern erobert.

Nach der Teilung des Römischen Reiches im 4.Jahrhundert n.Chr. wurde Kleinasien Teil des Oströmischen Reiches (Byzantinisches Reich), mit der Hauptstadt Konstantinopel (heute Istanbul) auf der europäischen Seite des Bosporus genau gegenüber der Westküste Anatoliens. Während des 11.Jahrhunderts fielen die Seldschuken in Kleinasien ein. 1071 brachten sie der byzantinischen Armee in der Schlacht bei Manzikert eine vernichtende Niederlage bei. Im 12.Jahrhundert verwüsteten sie große Teile Ost- und Mittelanatoliens. Obwohl zu dieser Zeit das Hauptziel der Seldschuken nicht in der Eroberung von Byzanz, sondern in der Abwehr der von den Fatimiden Ägyptens ausgehenden Gefahr des heterodoxen (von der herrschenden Lehre abweichend) schiitischen Islam bestand, so drängten doch einige Mitglieder der Seldschukendynastie den Nomaden nach, um deren Erfolge auszunutzen. Sie errichteten das Sultanat Rum (Hauptstadt: Konya), das Anatolien im 12. und 13.Jahrhundert beherrschte.

Der Großteil der Nomaden, die zu den anfänglichen Siegen der Seldschuken beigetragen hatten, wurde bald in den Westen Anatoliens abgedrängt, wo Grenzkolonien gegen die letzten byzantinischen Abwehrstellungen aufrechterhalten wurden. Das Sultanat von Rum suchte das Seldschukenreich von Bagdad nachzuahmen; aber die große Anzahl von Christen innerhalb der Reichsgrenzen und die Überlagerung einer lebendigen christlichen Tradition durch den Islam ließen eine Sozialstruktur entstehen, die sich deutlich von der anderer islamischer Staaten unterschied. Dieses Sozialgefüge lieferte auch die Basis für die einzigartigen Regierungs- und Sozialsysteme der Osmanen, die sich ab dem 14.Jahrhundert langsam herauskristallisierten.

Die Seldschuken in Bagdad und Konya wurden bald von den einfallenden Mongolen unter Dschingis Khan aufgerieben; die Überfälle kulminierten in der Einnahme Bagdads 1258. Die turkmenischen Nomadenstämme Anatoliens nutzten die hieraus entstehenden Wirren zur Bildung einer Reihe von Fürstentümern, die rein formell unter der Oberhoheit Rums standen, das wiederum von den Mongolen beherrscht wurde. Diese Fürstentümer erhielten sich durch gegenseitige Überfälle sowie durch Überfälle auf die letzten byzantinischen Adeligen, die sich im Westen Anatoliens halten konnten.

Der Aufstieg der Osmanen

Die Osmanen traten in der Geschichte als Führer derjenigen Turkmenen, die die Byzantiner im Nordwesten Anatoliens besiegten, in Erscheinung. Die günstige geographische Lage ermöglichte es OsmanI. Ghasi, dem Gründer der osmanischen Dynastie, die Schwäche des Byzantinischen Reiches auszunutzen. Osmans Eroberungen in Anatolien erfuhren ihre Krönung mit der Einnahme der Provinzhauptstadt Bursa (1326) durch seinen Sohn Orhan. Die Osmanen erlangten damit die Kontrolle über das fortgeschrittene Verwaltungs-, Finanz- und Militärwesen der Provinz und machten Bursa zu ihrer Hauptstadt.
Durch Kauf und Heirat oder Stiftung von Unfrieden unter den herrschenden Dynastien gelang ihnen die Expansion des Reiches auf turkmenische Gebiete im Westen Anatoliens.

Ausbreitung auf europäische Staaten

Die Expansion des Osmanischen Reiches auf europäischem Boden begann gegen Ende der Herrschaftszeit Orhans.
Führende Byzantiner heuerten osmanische Soldaten als Söldner an; unter ihnen war auch JohannesVI. Kantakuzenos,
der sich so den Thron des Reiches von Byzanz (1347) sichern konnte. Als Gegenleistung dafür durften diese osmanischen Söldner Thrakien und Makedonien belagern, und die Tochter des Kaisers wurde mit Orhan verheiratet. Die Söldner begannen aber bald, ihr Lager auf der Halbinsel Gallipoli aufzuschlagen und von dort aus auf die noch verbleibenden byzantinischen Besitzungen in Europa auszubreiten.

Die Umwandlung des osmanischen Fürstentums in ein großes Reich, das Südosteuropa, Anatolien und die arabische Welt umfasste, fand in drei großen Feldzügen zwischen dem 14. und 16.Jahrhundert statt. In seinen Anfängen erstreckte sich das von Murad I. und Bayazit I. (genannt: Yildirim) gegründete Osmanische Reich von der Donau bis zum Euphrat.
Murad konzentrierte seine Expansionsbestrebungen weitgehend auf Europa, wo er bis zur Donau vordrang. Seine militärischen Erfolge erreichten ihren Höhepunkt in der Schlacht von Kosovo (1389), in der die vereinigten Heere der Balkanstaaten Serbien, Bosnien und Bulgarien geschlagen wurden. Murad selbst fiel in der Schlacht, aber sein Sohn Bayazit führte die Armee zum Sieg. In den folgenden zehn Jahren brach Bayazit mit der Tradition, nur europäische Staaten einzunehmen, eroberte den Großteil der turkmenischen Fürstentümer Anatoliens und führte so das erste Osmanische Reich zu seinem Höhepunkt.

Erster Niedergang und Restauration

Diese Eroberungen führten jedoch zur Schwächung der Grundpfeiler des osmanischen Staates. Muslime und angesehene türkische Bürger, die die Osmanen bei ihren siegreichen Feldzügen in Europa unterstützt hatten, widersetzten sich der Unterwerfung von Türken und Muslimen. Sie verweigerten ihre Teilnahme am Anatolienfeldzug, der daraufhin weitgehend von in Bayazits Diensten stehenden Christen durchgeführt wurde. Gleichzeitig stellte der Aufstieg der Osmanen zur führenden Macht in Anatolien eine Bedrohung für das Interessengebiet Tamerlans (Timur-i Läng), des mongolischen Eroberers, dar, der kurze Zeit vorher große Teile des heutigen Iran sowie Zentralasiens erobert hatte. Tamerlan fiel 1402 in Anatolien ein und schlug Bayazit.

Bayazits Enkel, Murad II., schlug die verschiedenen Fürsten von Serbien und Bulgarien, setzte osmanische Verwaltungsbeamte ein und stellte die osmanische Vorherrschaft in Europa bis zur Donau wieder her. Sein Sohn Mohammed II. setzte diese Politik fort und besiegte die letzten noch freien  Fürstentümer südlich der Donau. Seine Eroberungen erreichten ihren Höhepunkt in der Einnahme von Konstantinopel (1453) sowie in der Unterwerfung Anatoliens bis hin zum Euphrat. Bayazit II. beendete die Eroberungspolitik zugunsten einer Festigung der Teile des Reiches, die von seinen Vorgängern besetzt worden waren. Selim I. benutzte dagegen die ihm überlassenen territorialen und verwaltungsmäßigen Machtgrundlagen, um das Mameluckenreich zu schlagen und zu zerstören (1517); außerdem eroberte er Syrien, Palästina und Arabien in einem einzigen Feldzug und gliederte so das Kernland der alten islamischen Kalifate dem Osmanischen Reich an. SüleimanII., der Prächtige, führte die Ausdehnung des Osmanenreiches fort, überschritt die Donau, eroberte Ungarn und belagerte Wien (1529).
Im Osten eroberte er den Rest Anatoliens sowie das alte Zentrum der Abbasiden und Seldschuken im Irak.

Niedergang des Osmanischen Reiches

Der Niedergang des Osmanischen Reiches setzte gegen Ende der Regierungszeit von Süleiman II. ein und dauerte bis zum Ende des 1.Weltkrieges an. Ende des 17.Jahrhunderts, angefangen mit dem unfreiwilligen Rückzug während der zweiten Belagerung Wiens (1683), erlitt das Osmanische Reich eine Reihe militärischer Niederlagen. Zuerst wurde es von Österreich und daraufhin von Russland in den Russisch-Türkischen Kriegen besiegt. Bis zum Frieden von Jassy (1792) hatten die Osmanen ihre Gebiete nördlich der Donau verloren und sich von der Krim und den Gebieten östlich vom Dnjestr bis Russland zurückgezogen. In den anderen europäischen Gebieten, in Asien und Afrika waren Herrscher an der Macht, auf die die Zentralregierung nur wenig Einfluss hatte.

Die Zentralisierung war ein Leitgedanke der Tanzimat (Name der Reformbewegung zwischen 1839 und 1878). Daneben gab es noch einen zweiten, entgegengesetzten Leitgedanken: die Liberalisierung (mehr Rechte und Freiheiten für den Einzelnen; Gleichstellung von Muslimen und Nichtmuslimen). In gewissem Maß wurde den Osmanen dieser zweite Leitgedanke durch die europäischen Großmächte im Interesse der osmanischen Christen (orientalische Frage) aufgezwungen.

Die Spannungen, die durch die Reformen der Tanzimat entstanden, lösten Kritik seitens der Konservativen aus, aber auch seitens derer, die meinten, dass die Reformen nicht ausreichten. In den sechziger Jahren des 19.Jahrhunderts forderte eine Gruppe junger Männer zahlreiche Reformen, einschließlich einer Verfassung. 1876 trat eine Verfassung in Kraft; sie wurde jedoch bereits 1878 zeitweilig aufgehoben. Es kam zu politischen Reformbewegungen (Jungtürken). Diese erreichten 1908 ihren Höhepunkt mit der Absetzung des autokratischen Regimes von Sultan Abdül-Hamid II. Eine neue Verfassung trat in Kraft. Die Verschwörer schlossen sich 1913 einer Widerstandsbewegung an, die die Herrschaft über das Reich an sich riss und damit begann, neue, radikalere Reformen einzuführen.

Folgende Provinzen wurden autonom: Griechenland (1829), Serbien (1830) und die Fürstentümer Moldau und Walachei (heutiges Rumänien), die 1859 vereint wurden. Griechenland erlangte 1832 seine Unabhängigkeit. Serbien, Rumänien, Montenegro und auch ein Teil von Bulgarien wurden 1878 selbständig. Bis 1885 wurden die osmanischen Besitzungen in Europa auf Makedonien, Albanien und Thrakien reduziert. Im Zuge der Balkankriege (1912-1913) verlor das Osmanische Reich außer Ostthrakien alle europäischen Gebiete. Die Osmanen mussten auch auf die Herrschaft über Nordafrika verzichten. Algerien wurde 1830 von Frankreich eingenommen und auch Tunesien ging 1881 verloren. Großbritannien besetzte Ägypten (1882), und Italien annektierte Libyen (1912).

Als Ergebnis des 1.Weltkrieges zerfiel das Osmanische Reich endgültig: Es stand auf der Seite der Mittelmächte.
Die Niederlage Deutschlands läutete das Ende des Osmanischen Reiches ein. Zwischen 1917 und 1918 leiteten die Briten erste Offensiven im Irak und in Syrien ein. Als es 1918 zum Waffenstillstand von Mudros kam, hatten die Osmanen bereits alle Gebiete mit Ausnahme von Anatolien verloren. Sie waren gezwungen, den Friedensvertrag von Sévres (1920) zu unterzeichnen, durch den sie nicht nur die arabischen Provinzen verloren, sondern auch eine Teilung Anatoliens hinnehmen mussten. 1919 hatte Mustafa Kemal Atatürk den nationalen Widerstand organisiert. Diese Bewegung brachte den Griechen,
die mit Zustimmung der Alliierten Westanatolien besetzt hatten, 1922 eine Niederlage bei. Am 1.November 1922 wurde die osmanische Dynastie beendet und das Reich aufgelöst. Ein Jahr später trat die Republik der Türkei an seine Stelle.

Die türkische Republik

In den ersten 15 Jahren ihres Bestehens stand die türkische Republik unter der Führung von Atatürk und gründete sich auf sechs grundlegende Prinzipien, die in der Verfassung verankert waren: Republikanismus, basierend auf der Prämisse der Volkssouveränität; türkischer Nationalismus, der den Ruhm der türkischen Vergangenheit und das Bedürfnis der Türken nach einem eigenen, nach modernen Prinzipien und ohne Einmischung von außen geschaffenen Staat betonte; Populismus, der die Idee einer alle wirtschaftlichen und sozialen Interessen vertretenden Großen Nationalversammlung verkörpert; Säkularismus beziehungsweise Laizismus, der die vollständige Trennung von religiösen muslimischen Einrichtungen und Staatsgeschäften fordert; Etatismus, der für eine staatliche Lenkung der wichtigsten Wirtschaftssektoren sowie der übrigen Sektoren stand und eine schnelle wirtschaftliche Entwicklung zum Ziel hatte; und Revolutionismus, der vorschrieb, daß alle Umwälzungen sofort und in vollem Umfang durchgeführt werden müssen, damit die Entwicklung der modernen türkischen Gesellschaft so schnell wie möglich stattfinden könne. Die Jahre unter der Präsidentschaft Atatürks waren gekennzeichnet durch erheblichen wirtschaftlichen Fortschritt und eine allgemeine Entwicklung des Landes. Die Türkei konnte Strömungen, die Vergeltung forderten, verhindern und nahm enge diplomatische Beziehungen mit ihren ehemaligen Gebieten im Balkan auf. Gleichzeitig stellte sie auch ihre laizistische Politik in den Vordergrund und ging Bündnissen mit ihren muslimischen Nachbarstaaten im Osten aus dem Weg.

Von der Neutralität zum Bündnis mit dem Westen

Atatürks Nachfolger im Präsidentenamt war sein enger Mitarbeiter Ismet Inönü, der die Innenpolitik von Atatürk fortsetzte. Den schlechten Erfahrungen im 1.Weltkrieg zufolge betrieb Inönü fast während des gesamten 2.Weltkrieges eine Politik der Neutralität. Nach dem Krieg versuchte die Sowjetunion, die Türkei zu sowjetischem Einflussgebiet zu machen und forderte die Kontrolle über die Ostprovinzen der Türkei sowie über die Meerengen. Daraufhin akzeptierte die Türkei die umfangreiche, von dem amerikanischen Präsidenten Truman angebotene Unterstützung und ging enge militärische und wirtschaftliche Beziehungen mit den Vereinigten Staaten ein. 1952 trat sie dem Nordatlantischen Verteidigungspakt (North Atlantic Treaty Organization; NATO) bei. Gleichzeitig leitete Inönü eine stärkere Demokratisierung des Regimes ein und ließ die Gründung von Oppositionsparteien zu. Dies führte 1950 zu einem Wahlsieg der Demokratischen Partei, die sich für eine stärkere Liberalisierung der Wirtschaft einsetzte. Die Republikanische Volkspartei Atatürks, die für eine staatlich gelenkte Wirtschaftsform eintrat, musste in die Opposition gehen.

Unter Vorsitz von Präsident Celâl Bayar, in Verbindung mit Ministerpräsident Adnan Menderes und Außenminister Fuat Köprülü, führte die Demokratische Partei während eines Jahrzehnts (1950-1960) die Regierungsgeschäfte der Türkei.
In dieser Zeit erlebte die Wirtschaft des Landes einen raschen Aufschwung, der auf den neuen wirtschaftlichen Liberalismus und die umfangreiche ausländische Unterstützung, insbesondere von seiten der Vereinigten Staaten nach dem türkischen NATO-Beitritt, zurückzuführen ist. Schließlich führten jedoch zu schnelles wirtschaftliches Wachstum und eine unsachgemäße Staatsführung zu einer ernsten wirtschaftlichen Belastung und zu starken sozialen Spannungen. Das Sprachrohr für die zunehmende politische Missstimmung war die Republikanische Volkspartei, die von den Demokraten immer mehr unterdrückt wurde. 1960 wurde die Regierung in einem Militärputsch gestürzt. Menderes und einige andere Politiker wurden der Korruption beschuldigt und 1961 gehängt. Die neue Verfassung stützte sich auf moderne wirtschaftliche und soziale Prinzipien und enthielt einige Bestimmungen, deren Ziel die Verhinderung einer Unterdrückung der Opposition – so wie die Demokraten sie betrieben hatten – war.

Außenpolitik

Trotz der Regierungskrisen in dieser Zeit blieb die Türkei ihrem Bündnis mit dem Westen treu und stellte der NATO und amerikanischen Streitkräften, die sich der UdSSR entgegenstellten, militärische Stützpunkte auf türkischem Gebiet zur Verfügung. Dieses Bündnis war 1974 starken Belastungen ausgesetzt, als die Türkei als Antwort auf einen von Griechenland inszenierten Putsch, bei dem sich Zypern zur selbständigen Republik erklärte, das nördliche Drittel der Insel besetzte und später die 'Türkische Republik Nordzypern' ausrief. Die Vereinigten Staaten stellten daraufhin ihre militärische und wirtschaftliche Unterstützung ein, worauf wiederum die Türkei mit der vorübergehenden Schließung aller amerikanischen Stützpunkte im Land reagierte. Die türkischen Truppen blieben im Norden Zyperns stationiert; die Türkei unterstützte weiterhin eine türkisch-zypriotische Regierung und trotzte so den Vereinigten Staaten und den Vereinten Nationen.

In den neunziger Jahren begannen europäische Regierungen Verhandlungen sowohl mit Griechenland als auch mit der Türkei über die Aufnahme des geteilten Zypern als vollwertiges Mitglied in die Europäische Union. Der Kongress der Vereinigten Staaten nahm schließlich die Unterstützung der Türkei wieder auf, worauf die Türken die militärischen Stützpunkte wieder freigaben. Der Vorfall hatte jedoch zu Misstrauen von seiten der Türkei gegen die amerikanische Präsenz geführt, das durch die lautstarken Linksgruppen sowie durch kommunistische Propaganda noch weiter verstärkt wurde. Islamische Gruppen begannen ebenfalls, sich der Anwesenheit der Amerikaner entgegenzustellen. Sie forderten die Aufgabe der laizistischen Ausrichtung in der Außenpolitik und eine Annäherung an muslimisch-arabische Länder, die aus ihrem Ölreichtum und der sich hierauf gründenden politischen Macht Nutzen zogen.

Der Staatsstreich von 1980

Die Regierung von Süleiman Demirel (1979-1980) beschloss, die enge Verbindung zum Westen beizubehalten, in der Hoffnung, den Privatsektor der Wirtschaft mit westlicher Unterstützung ausbauen zu können. Die Republikanische Volkspartei setzte sich daraufhin für eine staatliche Kontrolle der Produktionsmittel in sozialistischem Sinn und für neue Bündnisse mit Ländern der Dritten Welt und des Ostblocks ein. Extremisten des rechten und linken Flügels gingen zu politisch motivierten Mordanschlägen und anderen Formen von Terrorakten über. Am 12.September 1980 putschte die Armee, übernahm die Regierungsgewalt und setzte die Verfassung außer Kraft. Die neuen Machthaber verhängten das Kriegsrecht, verboten politische Aktivitäten, zensierten die Presse und ließen Tausende von mutmaßlichen Terroristen verhaften. Staatspräsident und Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates war General Kenan Evren; Admiral Bülent Ulusu wurde Ministerpräsident.

Zivilregierungen

Ein großer Schritt in Richtung einer zivilen Regierung wurde 1982 mit dem Beschluss einer neuen Verfassung gemacht, unter der Evren zum Präsidenten der Republik wurde. Aus der Stichwahl bei den Parlamentswahlen im November 1983 ging die konservative Mutterlandspartei (die Armee hatte eine mehr rechtsgerichtete Gruppe unterstützt) als Siegerin hervor, und ihr Vorsitzender Turgut Özal wurde Regierungschef. 1989 wurde Özal zum ersten zivilen Staatsoberhaupt seit 1960 gewählt, und Yildirim Akbulut übernahm das Amt des Ministerpräsidenten (Regierungschefs). Akbuluts Nachfolger wurde 1991 Mesut Yilmaz, und dieser wurde wiederum 1993 von Tansu Çiller, einer Wirtschaftswissenschaftlerin, die an der Spitze der Partei des Rechten Weges (DYP) stand, abgelöst. Die Türkei unterstützte in den Jahren 1990 und 1991 die internationalen Bemühungen, den Irak aus Kuwait zu vertreiben, obgleich sie keine Truppen in den Golfkrieg entsandte. Nach Kriegsende überschritten Hunderttausende kurdischer Flüchtlinge nach einem erfolglosen Aufstand irakischer Kurden die türkische Grenze.
Viele wurden in der Nähe der Grenze vorübergehend unter den Schutz alliierter Truppenverbände gestellt.

Nach 1984 herrschte ein Kleinkrieg zwischen den aufeinander folgenden türkischen Regierungen und der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), einer Unabhängigkeitsbewegung, die versucht, die Autonomie für die . Kurden des Landes auch durch Einsatz von Terror und Gewalt zu erreichen. Der Konflikt ist weitgehend auf den Südosten des Landes,
das Hauptsiedlungsgebiet der Kurden, begrenzt. Im März 1995 verkündete die Regierung von T.Çiller die Absicht,
die separatistische Bewegung der PKK auszulöschen, und nahm den größten jemals gestarteten Angriff gegen die Rebellen auf, wobei die türkische Armee 40 Kilometer in die von den Vereinten Nationen ausgewiesene Schutzzone des Kurdengebiets im Nordosten des Irak eindrang. Zur selben Zeit versuchte T.Çillers Regierung, liberalere Gesetze zu verabschieden, um die kurdischen Nationalisten wieder in die politische Struktur eingliedern und die kurdischen Schulen wieder öffnen zu können.

Am 24.Dezember 1995 fanden die türkischen Parlamentswahlen statt. Aus diesen Wahlen ging erstmals in der Geschichte der modernen Türkei mit der Wohlfahrtspartei (RP) eine islamistische Partei als stärkste politische Kraft hervor. Die Partei des Rechten Weges (DYP) wurde zweitstärkste, die national-liberale Mutterlandspartei (ANAP) drittstärkste Partei. Für eine Regierungsbildung fand die RP keinen Koalitionspartner. Der ANAP-Vorsitzende Mesut Yilmaz und Tansu Çiller unterzeichneten ein Koalitionsprotokoll. Yilmaz übernahm im März 1996 das Amt des Ministerpräsidenten, trat aber nach einem Misstrauensvotum im Juni zurück. Präsident Demirel erteilte daraufhin Necmettin Erbakan, dem Vorsitzenden der Wohlfahrtspartei, den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung. Tansu Çiller, deren Partei DYP mit der RP die Regierungskoalition bildet, wurde stellvertretende Ministerpräsidentin und Außenministerin. Erbakan und Çiller verständigten sich auf eine gemeinsame Regierung, die zuerst von Erbakan, später von Çiller geführt wird. Im Juni 1997 bot Ministerpräsident Erbakan Staatspräsident Süleyman Demirel seinen Rücktritt an. Daraufhin beauftragte Demirel den Oppositionspolitiker Mesut Yilmaz von der Mutterlandspartei mit der Regierungsbildung. Dieser steht einer Regierungskoalition seiner Partei mit der Partei für eine demokratische Türkei und der Demokratischen Partei der Linken vor. Zu den erklärten Zielen der neuen Regierung gehört das Vorgehen gegen Islamisten und kurdische Separatisten.

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Der wirtschaftliche Nutzen der türkischen Arbeitnehmer für die BRD sowie deren gesellschaftliche Probleme